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Nr. 31.

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Vorwärts

Berliner Volksblatt.

24. Jahrg.

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Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983.

Das Ergebnis der Reichstagswahl.

"

1907

1903

Zunahme und Abnahme

Mittwoch, den 6. Februar 1907.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. 9r. 1984.

ergab sich die Biffer von 3 448 000 wahlberechtigten Arbeitern. werbe bielleicht als erstes Opfer fallen. Die aus Allerdings waren dabei die Hunderttausende von Arbeitern dem Zentrum und der Rechten bestehende Mehrheit sei noch ge des Eisenbahn, Post- und Telegraphenbetriebes nicht mitgezählt. stärkt worden, sodaß der Liberalismus beklommenen Herzens in den Danach dürfte die Zahl der 1907 wahlberechtigten neuen Reichstage gehe. Wolle die Regierung das Wahlrecht Das Ergebnis der Stichwahlen, das bis zum Arbeiter der Industrie, des Handels und des Verkehrs wenig antasten, wie man es von ihr früher angesichts der Fort­Redaktionsschluß erst zum Zeil vorliegt, soll an dieser über vier Millionen betragen haben. Daß von diesen Arbeitern schritte der Sozialdemokratie befürchtet habe, so habe sie jest die Macht Stelle nicht behandelt werden, sondern nur das Stimmen aber noch biele Hunderttausende namentlich für bazu. Und eben deshalb werde vielleicht gerade jest, wo die ergebnis der Hauptwahl vom 25. Januar. Nach einer vor- Zentrum und Freifinn stimmen würden, lag auf der Opposition gefchwächt in den Reichstag zurückkehre, auch die Läufigen Zusammenstellung der Nordd. Allgem. Hand. Niemand aber wird bezweifeln, daß diese Wähler im ust dazu fich mehren. Was die Sozialdemokratie an 3tg." ergab die Hauptwahl folgendes Bild: Laufe der Zeit mit absoluter Gewißheit der Sozialdemokratie Mandaten berliere, das fehle doch für den Damm gegen zufallen werden. Kampf, intensivste Aufklärung wird das die Regierung, und dieser Berluft werde daher auch dem Liberalismus freilich kosten! Aber solcher Kampf, solche Aufklärung macht im Reichstage Schaden bringen. Man brauche daher, so sagte ja das ureigenste Wesen der Sozialdemokratie aus! Budem Herr Rosenow im seltsamen Widerspruch zu der eingangs dürfte ja der Freifinn durch seine diesmalige würdelose Haltung geäußerten Befriedigung, gar nicht sehr in Jubel aus­bei dem Proletariat endgültig abgewirtschaftet haben, und auch zubrechen, so oft wieder ein Sozialdemokrat mehr In dieser Katerstimmung dem Zentrum passiert nicht bei jeder Wahl das Glück, als dem Reichstag verschwinde. legte Rofenow auch das Geständnis ab, daß die Kolonialpolitik doch Oppositionspartei den Stampf führen zu können! Aber nicht nur die uns noch fern stehenden Schichten des recht erhebliche Anforderungen an die Steuerkraft des Volkes stellen jädtischen und industriellen Proletariats sind für uns zu ge- werde. Man werde Jahrzehnte, ja vielleicht ein Jahrhundert warten winnen, sondern auch das ländliche Proletariat. An dessen müssen, ehe aus den Kolonien ein Gewinn herauskomme. Späte Aufflärung, Gewinnung und dauernder Angliederung an die Einsicht! Bor den Wahlen haben wir solche Weisheit nicht aus proletarische Kampfesarmee wird fünftig noch weit nachdrück- Herrn Rosenows Munde zu hören gekriegt! licher gearbeitet werden müssen als bisher. Gehört uns Nachdenklich stimmte es diesen Freisinnsführer, das Proletariat in Stadt und Land, so gehört uns bereits Sozialdemokratie bei aller Einbuße an Mandaten immer die Mehrheit der Wähler, des Volkes! noch einen Gewinn an Stimmen gehabt hat. Sie

Anzahl der Wahlberech

tigten.

Abgegebene gültige

Stimmen

a) in Prozenten der Wahlberechtigten.

b) überhaupt

.

13 193 571

85,4

11 262 574

12 531 248+662 328

75,8

9 495 587+1 766 987 Auf die einzelnen Parteien verteilen sich die Stimmen wie folgt:

Deutsch- Konservative.

Reichspartei.

Nationalliberale

Freif. Vereinigung Freis. Volkspartei. Deutsche Voltspartei Deutsche Reformpartei Wirtsch. Bereinigung. Südd. Bauernbund

1070 658

447 308

1 654 788

248 369

784 582

948 448 838 404 1 818 051 248 230 542 556

841 687

122 210 183 904 100 139

91 217

147 988

"

aus

daß die

Es versteht sich von selbst, daß bei alledem auch die in ihrem Vorwärtsschreiten aufzuhalten, dazu habe die Abbröckelung erbearbeit unter den fleinen Beamten und dem in seiner der Mitläufer doch nicht ausgereicht. Ganz besonders hat es ihn 192 026 Lebenshaltung proletarischen Mittelstand" nicht ver- und seine Freunde deprimiert, daß der Freifinn in Berlin trop 56 716 gessen werden darf. Ebenso wenig braucht die Gewinnung feines Stimmenzuwachses so wenig Erfolg gehabt hat. Im zweiten { 244 548+204 266 ber Intellektuellen" vernachlässigt zu werden, so Kreis habe man geglaubt, mit dem Bürgermeister Reide einen guten 38 254 wenig bei alledem je der proletarische Klaffenkampfcharakter Griff zu tun. Reide sei aber in seinen Wahlreden doch nicht so ge­308 089 auch nur im mindesten verleugnet oder ber- wefen, wie er hätte sein sollen". Da scheinen also die Reicke- Berehrer 105 990 hüllt werden darf. nachträglich doch noch tapiert zu haben, was dieser Konfusions­

94850 853 959 78 121

111 875

Zentrum

2 188 881

1 875 292

Bolen

458 774

Sozialdemokraten

8 258 968

Welfen, Dänen, Elsässer

Andere Parteien

172 078 260 518

847 784 8010 771 ?

Zersplittert.

8342

11 884

-

248 197

8 542

"

Man sieht: das Rekrutierungsgebiet der Sozialdemokratie politifer wert war! Ueber den fünften Kreis sagte Herr Rosenow, ist das denkbar ergiebigste und aussichtsreichste. Und wenn die dort habe Herr Caffet geradezu Unmenschliches geleistet", und Sozialdemokratie auch bei der nächsten Wahl keinen ver- dennoch sei es nicht gelungen, den Kreis zu gewinnen. Es ist wahr: Dies Ergebnis beweist zunächst das eine: Wenn auch der blüffenden Sprung nach vorwärts machen sollte: Der Sieg Serr Caffel hat tatsächlich Unmenschliches" geleistet- Unmenschliches ist uns gewiß! im giftigen Schimpfen und Hezen gegen die Sozialdemokratie. Hottentottenblod im Reichstag die Mehrheit der Mandate Die Chancen der Gegner dagegen sind die denkbar Dieselbe Anerkennung" dürfen wir auch Herrn Rosenow selber erhält, die Mehrheit der Stimmen ist gegen die Wahl schlechtesten. Das Reservoir der Indifferenten nicht versagen; aber genugt hat diese Kampfesweise auch parole der Regierung abgegeben worden! Während nämlich wird schon bei der nächsten Wahl erschöpft sein. Dabei ihm nicht. Am Montag sagte er, es gebe bielleicht die Blockparteien( Ronfervative, Reichsparteiler, arbeitet die ganze soziale Entwidelung an der feinen Kreis in ganz Deutschland , in dem Nationalliberalen, Freis. Vereinigung. Greif Mehrung des Proletariats, an der Schaffung neuer fozial- fsoviel wie im dritten Kreis gearbeitet worden Boltspartei, Deutsche Boltspartet, Deutsche demokratischer Rekrutierungsgebiete. fei. Die Drganisation gelte als mustergültig, sicher werde fie Reformpartei, Wirtschaftliche Vereinigung Wie trübselig schon heute der Freifinn die Situation nirgends erreicht oder gar übertroffen. Hier sei das Menschen­und Südd. Bauernbund) 4962 000 Stimmen erhielten, beurteilt, beweist folgende Jeremiade des Berliner mögliche geleiſtet" worden, auch er selber habe über Menschenkraft wurden am 25. Januar für Sozialdemokratie, 8en- Zageblatts": gearbeitet". Und doch habe die Sozialdemokratie nur wenig Stimmen trum und Polen 5 895 000 Stimmen abgegeben! Wenn wir vor öder Prinzipienreiterei warnten, verloren. Da müsse doch wohl noch mancher Mitläufer bei ihr ge­wenn wir darauf hinwiesen, daß der Liberalismus ausschließlich blieben oder die Zahl ihrer wirklichen Anhänger entsprechend stärker feine eigenen Gefchäfte und nicht die der gegnerischen Barteien zu geworden sein. besorgen habe, dann rüpelten uns bie Dffigiösen als Miesmacher" an. Die Regierung des Fürsten Bülow

Und die Stimmenzahl für die Blockparteien wäre noch weit geringer ausgefallen, wenn es nicht diesmal dem Bülow­Dernburg- Liebert- Block gelungen wäre, die Partet der Nicht­wähler", die politisch Unaufgeklärten und Indifferenten, in unerwarteter Weise auf die Beine zu bringen. Nur dem Umstande, daß die Wahlbeteiligung von 75,8 Proz. im Jahre 1908 auf 85,4 Proz. im Jahre 1907 gestiegen ist, ist der Mandatsgewinn des Hottentottenblods zuzuschreiben. Von den 1767 000 Stimmen, die 1907 mehr abgegeben wurden als im Jahre 1908, gewannen die Blodparteien 1107000 Stimmen, während auf die Sozialdemokratie, bas 8entrum und die Polen nur ein Zuwachs von 662 000 Stimmen entfiel.

"

In der Diskussion wurde viel darüber hin- und hergeredet, wie

hat es denn auch glüdlich erreicht, daß die Liberalen man es hätte beffer machen können und wie man es vielleicht beim eine ganze Reihe tobsicherer Wahlsize weggeworfen haben, nächsten Mal besser machen könnte. Ein Mann, der sich entschieden um nur ja nicht in den Verdacht zu fommen, als freifinnig nannte, sprach offen aus, daß das freie Bürgertum fich seien die Wahlen ein Geschäft wie andere Geschäfte auch. durch diese Wahlen ein Armutszeugnis ausgestellt" habe. Die gu Das fromme Zentrum hat den Teufel danach gefragt, ob die Res verlässigste Opposition sei doch immer noch die Sozialdemokratie ge­gierung des Fürsten Bülow füß oder fauer zu seiner Wahltaktit wefen. Ein anderer, gleichfalls ein streng liberaler Mann, spottete fieht, und es ist dafür schon während des Wahlkampfes mit darüber, daß vor den Wahlen die Vossische Zeitung" Tag Samthandschuhen angefaßt worden. Nach den

Wahlen wird es mit freundlichen Bruberküffen willkommen geheißen für Tag die Regierung um eine Wahlparole angefleht habe. Nun­werden. Die Liberalen sind bei bem jebigen Wahlkampf mehr habe sich gezeigt, baß bei diesen Wahlen ,, bie Liberalen die bie Hineingefallenen." Geneppten gewesen" seien. Daß übrigens Konservative diesmal Die Sozialdemokratie speziell gewann 1907 Wenn schon die Dernburgischen Preßtulis fo fofort für Rosenow gestimmt haben, das wurde von einem 248 000 Stimmen. Das sind zirka 37 Prozent von den 662 000 Wählern, um die sich gegenüber 1903 die Zahl der schreiben, so wird der Kazenjammer der freifinnigen Mit- Redner aufs bestimmteste versichert; ihm sei das von den betreffenden Wählern felber gesagt worden. Derselbe Redner erklärte auch, es sei Wahlberechtigten vermehrt hat. An der Zahl derjenigen Läufer noch viel größer sein! Trotzdem darf die Sozialdemokratie, will sie nicht selbst nicht möglich gewesen, noch mehr für Rosenow heranzuholen. Als gemessen, die diesmal ihre Stimme abgaben, beträgt allerdings bei ihren Erfolgen vom neckisch wechselnden Zufall jeweiliger die Wahl sich ihrem Ende näherte, habe er in seinem Bezirk fest­der sozialdemokratische Zuwachs nur wenig über 14 Prozent. Die freisinnige" Breslauer Zeitung" entdeckt denn politischer Konstellationen abhängig sein, nicht mit den 8u- gestellt, daß nur noch drei wähler fehlten, die ver auch jubelnd in der Steigerung der Wahlbeteili.fällen, den Dummheiten und dem Stazenjammer der Gegner, mutlich für Rosenow gestimmt hätten, daß aber 70 andere, gung das Mittel, die Sozialdemokratie auch fünftig in der Enttäuschung der Mitläufer rechnen, sondern ihr einziges die vermutlich zur Sozialdemokratie hielten, gleichfalls noch nicht ge­Heil in unermüdlicher, nie raftender Aufklärung der proleta- wählt hatten. Die Freisinnigen pflegen sonst stets zu behaupten, nur Schach zu halten. Schade nur, daß dies Mittel nicht ewig rischen Massen im Geiste des sozialistischen Klassenkampfes bie Sozialdemokratie bringe alle ihre Wähler an die Urne. Man borhält! Man bermag vielleicht die Wahlbeteiligung Fünftig noch um weitere 10 Prozent emporzuschrauben dann ſuchen! ist man aber auch am Ende des Lateins. Wenn viel. leicht aber auch nur vielleicht", denn Faschingswahlen Lassen sich nicht des öfteren inszenieren!- zunächst das Tempo des sozialdemokratischen Wachstums auch nach fünf Jahren nicht so stürmisch sein sollte wie im Jahre 1903: es wird stetig und unaufhaltsam sein!

"

zu bilden.

Politische Ueberlicht.

Berlin , den 5. Februar 1907. Katzenjammer im Freisinnslager.

fieht, was von diesem Gerede zu halten ist.

Das beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erzeugt." Herr Reide, der freisinnige Durchfallskandidat, hatte diefes Goethe- Wort an die Spige seiner Kandidatenrede gestellt. Wir fagten damals, der Enthusiasmus werde in der Tat das beste sein, was der Freifinn von der Ge­fchichte" haben werde. Das scheint jest, trog aller" Fortschritte" des Liberalismus, eintreffen zu sollen. Nur au rasch ist auf ben Begeisterungsrausch der Katzenjammer gefolgt. Begeisterungsrausch der Kazenjammer gefolgt.

Das Ergebnis der Reichstagswahlen ist im dritten Es ist wahrscheinlich, daß die Sozialdemokratie diesmal Wahltreife Berlins bereits in einer ersten öffentlichen Aussprache ein paar mal hunderttausend Mitläufer" verloren hat, dafür freifinniger Bähler erörtert worden. Herr Sosenow, der durch hat sie aber um die doppelte 8 ah! zielbewußter, flaffen- gefallene Kandidat des Kreises, referierte über dieses Thema am Dernburgs Chinesenpatriotismus. fampfgeschulter Anhänger zugenommen! Und die Sahl dieser Montag in dem von ihm geleiteten Bezirksverein des Köpenicker Daß die deutschen Kolonien kein Eden sind, hat jetzt ficheren, zuverlässigen, aufgeklärten Anhänger zu mehren und Stadtviertels. Zwar stand man noch vor ben Stichwahlen, aber noch gründlicher mit den sozialistischen Idealen zu durchdringen, Herr Rosenow und seine Freunde waren darüber einig, daß es Dernburg glücklich zugegeben. Aus der Sprache der Gründer­muß und wird die Aufgabe der sozialdemokratischen Agitation nicht schwer sei, fich schon jest ein annähernd zutreffendes Urteil profpefte in ehrliches Deutsch überfekt heißt das, daß die Hoffnungen, die er selbst eriveckt hatte, jetzt, des nächsten Jahrfünfts wie überhaupt aller Zukunft sein! an ben Mann gebracht sind, Der diesmalige Wahlausfall hat umsoweniger Ent Der Referent äußerte zunächst feine Befriedigung darüber, daß nachdem die Aktien Dernburgs Resignation mutigendes, aber umfomehr Anfeuerndes, wenn wir uns die es gelungen sei, die übermütige Sozialdemokratic" zu schwächen und wieder eingefargt werden dürfen. Zahlen der Gewerbeftatistit vor Augen halten, den Liberalismus zu stärken. Doch gönnte er sich und den Seinen ist allerdings begründeter als seine Hoffnungsseligkeit; denn Nach Blant, der im dritten Hefte des 20. Bandes des nur für einen turgen Augenblid bas Bergnügen, den Freifinn außer der natürlichen Ungunft der flimatischen und der Boden­Archivs für Sozialwissenschaft" Untersuchungen über die im Siegestranze zu bewundern. In trübseligem Zone fügte verhältnisse hat die Genialität der deutschen Kolonialpolitik es foziale Zusammenfegung der sozialdemokratischen Wählerschaft er sogleich hinzu, es sei nur verdrießlich, daß der Erfolg des zutvege gebracht, eine neue unüberwindliche Schwierigkeit für Deutschlands " veröffentlichte, betrug 1895 die Zahl der Liberalismus nicht genüge, den Einfluß der gesamten Linten bie Ausnutzung des Landes zu schaffen. Der Vernichtungs­wahlberechtigten, also über 25 Jahre alten des Reichstages zu steigern. Nicht gelungen sei es, das 8entrum frieg gegen die Eingeborenen hat dem Lande die Arbeitskräfte Industriearbeiter in Deutschland 2896 000. Mit aufwächen. Wahrscheinlich werde nun das Zentrum seine geraubt, ohne die selbst das fruchtbarste Land wertlos, die Einschluß der Arbeiter im Handel und Verkehr Macht noch mehr als bisher ausnuten, und Dernburg größten Bodenschäze ungehoben bleiben müssen. Neben de*