Einzelbild herunterladen
 

Nr. 121.

Abonnements- Bedingungen:

B

Abonnements Breis pränumerando Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Belt" 10 Bfa. Poste Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Bostabonnements nehmen all: Belgien , Dänemart, Holland , Italien , Luxemburg , Portugal , Rumänien , Schweden und die Schweiz ,

Ericheint täglich außer Montags.

Vorwärts

e

Berliner Volksblaff.

24. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 50 ẞig., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Pig., jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlaf stellen Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Injerate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernivecher: Amt IV. Mr. 1983.

Die Fleischnot

und die Tot der Fleischer.

Dienstag, den 28. Mai 1907.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984.

Schon für den Herbst wird eine neue Steigerung der lichem Gebiete. Die Wissenschaft, die Kunst find längst Fleischpreise erwartet. Dann wird sicher wieder mit einer international. Es existiert eine Gelehrtenrepublik der Inter­Anzahl fleiner Fleischer aufgeräumt werden. Die Großen nationale, ebenso fällt es keinem Künstler ein, einen bedeutenden aber werden erstarten. Wir sehen, daß auch hier, wie in der Kollegen deshalb weniger zu verehren und zu lieben, weil er Landwirtschaft, die Teuerung zu einer Verdrängung der Franzose oder Engländer ist. Diese ideelle Kulturgemeinschaft Kleinen durch die Großen, zur Konzentration des existiert seit mindestens hundert Jahren! Gleichwohl aber Die Gewaltigen der Fleischerzunft find in ihrem Rapitals führt. Die Großschlächter, die schon jetzt in einer blüht gerade heute der Weizen der chauvinistischen Völkerverhebung patriotischen Gefühl tief gefräntt: es wird ihnen zugemutet, Buschrift an das Berliner Tageblatt" flagen: bei den üppiger denn je. Nicht ideelle Gemeinsamteitsinteressen bilden sie sollen mit den Fleischpreisen heruntergehen! Selbst vom jezigen niederen Schweinepreisen hat sich in und an den eben die Grundlage der internationalen politischen Konstellation, Regierungstische aus wird das verlangt. Aber haben Markthallen eine wüste Schleuderei ausgebildet", ob sondern materielle, tapitalistische Interessen, also Inter­denn die Jnnungsbrüder nicht wacker mitgeholfen, die Sozial wohl doch das Publikum nichts davon merkt, sie werden ihre effen, die sogar innerhalb der eigenen Nation, ja inner­demokratie niederzustimmen? Und nun gönnt man es ihnen erstarkte Stellung dazu benügen, um sich Monopolpreise auf halb der Familien und Sippen unüberbrüdbare Gegensäge Extraprofitchen nicht einmal, daß sie sich ein aus dem Fleischmarkt zu sichern. dem Hunger der Arbeiter pressen! Die Innungsmeister er­heben feierlichen Protest gegen eine solche unpatriotische Handlungsweise der Regierung.

schaffen!

Bon unten auf suchen die Agrarier burch Errichtung Wie konnte da ein Sozialist von der Englandreise eines bunt von Viehverwertungszentralen den Fleischmarkt zu monopo- zusammengewürfelten Häufleins von Journalisten eine auch nur lifieren. So lange noch die große Zahl fleiner Fleischer- schwächlichste Wilderung der kapitalistischen, folonial. Wie war es denn, als die Viehpreise stiegen? ,, Waren es meister besteht, wird das ihnen ebensowenig gelingen wie die politischen und marinistischen Juteressenkonflikte erwarten. nicht. Wucher profite, die damals die Landwirte ein Monopolisierung des Milchverkaufs. Aber die Sache gewinnt Ganz abgesehen davon, daß sich unter diesen deutschen Journalisten heimsten, zu einer Zeit, wo das Fleischgewerbe an den Bettel- ein anderes Gesicht in dem Maße, wie mit den kleinen Laden- Personen befanden wie der famose Liman, die gleich dem stab gebracht wurde, und Tausende sich den Genuß von besigern aufgeräumt wird. Dann stehen die großen Vieh Chamäleon ihre Farbe zu wechseln pflegen, je nachdem, in welch em Fleisch versagen mußten? Warum hat hier die Ne- züchter und die Engrosschlächter sich direkt gegenüber. Die Blatte sie schreiben! gierung nicht nach dem Rechten gesehen?" Also apostrophiert wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden kapitalistischen die bayerische Fleischerinnung den bayerischen Staatsminister Gruppen, die ja schon jetzt bestehen, werden sich noch weiter bon Brettreich. entwickeln dann kann es wohl zu einer der grausamsten tapitalistischen Kingbildungen kommen, zu einem Fleisch wuchererkartell

Der Vorwurf ist durchaus gerechtfertigt. Doch weiß ja alle Welt, wie die Dinge zusammenhängen. Es ist der Re­gierung nicht um den Hunger der Massen, sondern um den Beutel der Agrarier zu tun. Der Standpunkt des Volkes ist aber ein anderer. Aus dem Umstande, daß das Volk sich von den Agrariern hat bewuchern lassen müssen, ergibt sich noch keineswegs, daß es sich nunmehr von den Fleischer­meistern bewuchern lassen soll.

-

Vom fozialdemokratischen Kongreẞ in Condon.

( Originalbericht.)

Jetzt nun statten 50 englische Journalisten Deutschland ihren Gegenbesuch ab. Sie sind bereits auf deutschem Boden gelandet. Unsere reaktionäre Presse überschüttet diese englischen Gäste mit Liebenswürdigkeiten. Die Nordd. Allg. 8tg." gibt der Er­wartung Ausdruck, daß die britischen Gäste Gelegenheit finden würden, sich von den englandfreundlichen Absichten Deutschlands zu überzeugen, damit sie dann in ihrer Heimat den verwerflichen Versuchen entgegenwirten" fönnten, zwischen zwei großen Nationen Zwietracht zu säen, die hundert Gründe haben, einander zu achten". Die Post" ruft den englifchen Journalisten fogar mit geradezu verkindlichter Süß­lichkeit zu: Herein, herein, du lieber Gast!" Also liebe Gäste" find uns die Engländer, Leute, die wir aus

Der Kongreß wurde vom Genossen Plecanowo er= Alle Remonstrationen der Schlächter helfen ihnen nicht über die Tatsache hinweg, daß die Fleischpreise in feinem öffnet. Ins Präsidium wurden gewählt: 1 Lette, 1 Bole, 1 Bundist, Verhältnis mehr stehen zu den Viehpreisen. Die Fleischer 1 Bolschewik( Mehrheits" Fraktion) und 1 Menfchewit( Minderheits"-hundert Gründen" zu achten haben und die uns aus hundert fagen, die Konkurrenz werde schon von selbst einen Aus- Fraktion). Nach langer Debatte wurde schließlich folgende Tages- Gründen achten sollten. Wunderhübsch das: schade nur, daß deshalb gleich schaffen. Aber vorderhand schafft eben die Stonkurrenz ordnung angenommen: in Deutschland nicht ein einziges Torpedoboot weniger gebaut werden 1. Bericht des Zentralfomitees. 2. Bericht der Dumafraktion wird! Schade nur, daß die deutsche Regierung troß dieser ,, hundert diesen Ausgleich nicht. Woher kommt das? Das ist der und die Organisation derselben. 3. Beziehungen zu bürgerlichen Gründe" sich nicht einmal an einer rein theoretischen Debatte der springende Punkt der ganzen Frage. Parteien. 4. Die Reichsduma. 5. Der Arbeiterkongreß und die Frage der neutralen Arbeiterorganisationen. 6. Partei und Gebrüstung zwischen England und Deutschland beteiligen wollte!! werffchaften. 7. Bartisanenkämpfe. 8. Arbeitslosigkeit, ökonomische Und trop des deutschen Journalistenbesuches und des un­Krise und Aussperrungen. 9. Organisationsfragen. 10. Der inter - mittelbar bevorstehenden englischen Journalistengegenbesuchs nationale Kongreß( Maifeier und Militarismus). 11. Arbeit in raste vor wenigen Wochen die deutsche Bourgeoispresse in der Armee. 12. Berschiedenes, aberwikigstem Chauvinismus gegen England!

Es ist zu unterscheiden zwischen den Großschlächtern und den kleinen Fleischern. Die Zahl der Fleischer ist zwar groß, aber die Großschlächter sind es, die die Preise bilden. Und sie halten sie fest. Man zählte 1895 in Berlin 2486 Fleischereibetriebe, es sind aber nur etwa 300 Engros­schlächter, die den Berliner Schlachthofverkehr beherrschen. Die zahlreichen fleineren Fleischer sind nur zum Schein selb ständig, in Wirklichkeit sind sie von den Großschlächtern ab­hängig, die ihnen das Fleisch in geringeren Stücken, wie Viertelrinder, halbe Schweine usw. liefern.

Zum Bericht des Zentralkomitees wurde von den Bolschewiki eine Resolution eingebracht, welche die Tätigkeit desselben ta belt. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt.( Die Polen erklärten, daß sie zwar die Tätigkeit des Zentralfomitees nicht billigten, ein Mißtrauensvotum jedoch nicht unterstützten, um dadurch nicht eine Atmosphäre der Spaltung hervorzurufen!)

den

Die fleineren Fleischer sind an den billigen Fleischpreisen interessiert, denn für ihren kleinen Betrieb kommt jedes Pfund Zum Bericht der Dumafraktion beantragten die Menschetvifi ein Fleisch, das sie mehr absetzen, in Betracht. Doch ihnen werden einfaches Vertrauensvotum. Die Bolschewiti dagegen beantragten die Preise von den Großschlächtern diktiert, danach haben sie eine Resolution, welche die Tätigkeit der Fraktion mißbilligte. sich zu richten. Die Großschlächter aber stehen meist in Die Ausarbeitung einer endgültigen Resolution wurde einer Kom feinem direkten Zusammenhang mit dem Publikum; mission von zehn Kongreßmitgliedern( je zwei von jeder Fraktion) fie liefern an die Detailhändler, an die Restaurationen, überwiesen, die jedoch zu feiner vollen Einigung gelangen konnte. bon Mißbilligung wurde( in der Kommission) Hotels, an die Armee usw. Eine mittlere Stellung nimmt Die der Qualitätsfleischer der wohlhabenden Stadtviertel ein, wenn Menschewifi, Buntisten, Polen und Letten verworfen, während die wir nicht auch in diesem Fall einen Großschlächter vor uns Bolschewiti sich der Stimme enthielten. Die Frage, ob der Kongreß haben, was häufig der Fall ist. Direktiven für die fünftige Tätigkeit der Fraktion ausarbeiten solle, wurde von der Majorität der Kommission( 2 Bolschewili, 2 Bolen und 2 Letten gegen 2 Menschewiki und 2 Bundisten) bejaht, das Projekt en bloc konnte jedoch keine Majorität erlangen( dafür stimmten 2 Letten und 2 Polen, dagegen 2 Bolschewifi und 2. Menschewili, während die Bundisten sich der Stimme enthielten). Bei der Beratung im Plenum wurde die Frage der Direktiven zum Mittelpunkt des Fraktionskampfes! Wie wir schon berichteten, ergab die namentliche Abstimmung am 23. Mai die Ablehnung der Direktiven und damit einen Sieg der Menschewiki.

Der Großschlächter fauft nicht beim Viehhändler, sondern unmittelbar beim Produzenten. Er ist also selbst Viehhändler. Er setzt ein großes Kapital um und betreibt den Biehhandel in all seinen Nuancen. Er läßt das gekaufte Vieh zur Auf­zucht beim Bauern, er besitzt auch selbst Vichstallungen.

Das Verhältnis des Großschlächters zu den Vieh- und Fleischpreisen ist wie das der Hüttenzechen zu den Kohlen­und Eisenpreisen. Zur Zeit der hohen Viehpreise profitiert der Großschlächter aus dem Viehhandel; wenn aber die Vieh­preise sinken, zieht er seinen Gewinn aus der Differenz zwischen den Vieh- und Fleischpreisen. Das letztere ist der Fall, den wir jetzt vor uns haben.

Unser Pessimismus vom vorigen Jahre hat also über alles Er­warten und Befürchten hinaus seine Bestätigung erfahren. Ein Grund mehr, auch dem Besuch der englischen Gäste gegenüber alle unangebrachten Gefühlswallungen zu unterdrücken!

Der Effekt der Deutschlandreise der englischen Gäste tird fein anderer sein als die Englandfahrt der deutschen Journalisten im vorigen Jahre. Man wird sich gegenseitig fetieren, antoaften, zutrinten, und alles wird beim alten bleiben!

Das Mißtrauen der herrschenden Klassen beider Länder wird fortbestehen; tein Kriegsschiff, tein Torpedoboot wird weniger gebaut werden, ja keine der periodischen chauvinistischen Preßhezen wird uns erspart werden!

Eine wahrhafte internationale Annäherung ist nur möglich bei gemeinsamem internationalen Kampfe gegen den Urquell der Bölfer­verhekung und Bölferscheidung: gegen den Kapitalismus! Alle fapitalistischen Liebesbeteuerungen find im besten Falle- nur rosige Selbsttäuschungen!-

-

Politifche Ueberficht.

Berlin , den 27. Mai 1907. Ein Bizeadmiral gegen die freifinnigen Hehler der Kolonialforruption. Das schnöde Vertuschungssystem unserer Kolonialstandale, das seit der Ernennung Dernburgs in erster Linie von London , den 24. Mai. In der heutigen Sitzung erklärte eine unseren freisinnigen Blockhandlangern praktiziert wird, hat Gruppe Letten, daß sie durch ihr gestriges Votum gegen Annahme selbst bei einem Vize admiral a. D., Herrn P. Hoff­Um ihre eigenen fetten Profite zu mastieren, schieben jetzt von Direktiven bloß beabsichtigt habe, die Debatte über dieselben mann, Anstoß erregt. Im Scherlschen Tag" protestiert entsprechender Stelle der Tagesordnung der Vizeadmiral gegen die Behandlung der Eingeborenen, die Großschlächter die kleinen Fleischer vor, über deren Not an sie lamentieren; wie ja auch die Agrarier mit wieder aufzunehmen. Daraufhin verlangter die Bolschewili, wie sie von Peters( und, fügen wir hinzu, der so einfluß­dem Bettelsack der Bauern hausieren gehen, wenn sie ihre daß die Resolution über die Dumafraktion überhaupt nach Erreichen konservativ- nationalliberalen Peters- Clique!) empfohlen Grundrente steigern wollen. Außerordentlich groß ist die Zahl örterung der taktischen Fragen angenommen werden solle. Dieser wird und bisher geübt wurde: der Geschäftseinstellungen in den letzten Jahren gewesen" Antrag siegte mit 149 gegen 144 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen, was eigentlich die Annullierung der tags zuvor angenommenen Re­folution bedeutet."-

"

Die englische Gegenvifite.

fo lamentiert die bayerische Fleischerinnung in ihrer Protest fundgebung an die Regierung. Das ist durchaus richtig, die Lage der fleinen Fleischermeister ist seit Jahren miserabel, die bayerische Innung muß aber selbst zugeben, daß die besser fundierten Geschäfte" die Krisis überstanden haben. Die Not­lage der fleinen Fleischer wurde aber zum Teil gerade dadurch Bor einem Jahre stattete eine Anzahl deutscher Journalisten bedingt, daß ihnen die Großschlächter die Preise diftiert haben. England auf Einladung britischer Journalisten und Politiker einen Die Zeuerung gab manchem von ihnen den Rest, als seine Besuch ab. Die englischen Gastgeber waren der Meinung, daß ein Kundschaft den Fleischkonsum eingeschränkt hatte. Der Groß solcher Besuch manche Mißverständnisse zwischen den beiden Nationen schlächter aber profitierte beim Vicheinkauf und zog schließlich zerstreuen, die fulturelle Interessensolidarität zwischen England und den Gewinn aus den gestiegenen Fleisch- und Wurstwaren. Deutschland fester begründen und chauvinistischen Eifersuchtsanfällen Nunmehr machen die Engrosfleischer in mancherlei Beziehung vorbeugen werde. Auch der Vorwärts hatte feinerzeit eine Einladung zu dieser Englandfahrt erhalten, er hatte jedoch eine Be 1. Sie stecken die hohe Differenz zwischen den Fleisch- teiligung abgelehnt, weil er so sympathisch ihm jede Annäherung und Vichpreisen ein; 2. sie haben die billigen Schweinepreise der Nationen sein mußte sein mußte der Auffassung war, daß benutt, um Dauerwurst zu fabrizieren, wobei ihnen noch die solche Festbesuche den beabsichtigten Zweck vollständig ber tühle Witterung dieses Frühlings sehr zu statten fam; 3. fie fehlen müssen. kaufen jezt Vieh ein in der weiteren Erwartung, daß die Schweinebreife bald wieder steigen werden.

ein brillantes Geschäft:

-

9

Nach sozialdemokratischer Auffassung liegen die internationalen Reibungen und Mißhelligkeiten auf ganz anderem als persön

"

Wenn aus den Erfahrungen der Herren Dettker und Peters heraus die unabänderliche Sklavennatur sans phrase" des Afrikaners, die Meinung, der Herr sei dem Neger so nötig wie der Fisch im Wasser", als Axiom hingestellt wird, wenn dafür Stimmung gemacht wird, solche Grundsäße dem zukünftigen Verwaltungssystem in den Kolonien zu grunde zu legen, so ist das ein gemeingefährliches Unternehmen, dem nicht scharf genug entgegengetreten werden kann. Es ist nichts anderes als der Versuch, jenen Herrenstandpunkt zu rechtfertigen und zu verallgemeinern, der dem Deutschen Reich soeben eine halbe Milliarde für Kolonialkriege gekostet hat." über die Ursachen der deutschen Brutalisierung der Ein­Recht interessant ist auch, was der Vizeadmiral a. D. geborenen fagt:

" Ich habe mich oft gefragt, was wohl die Ursache dieser deutschen Ueberhebung gegen Eingeborene sein mag, und ich bin immer wieder zu der Erklärung gekommen, daß unser gering ent­wickeltes Freiheitsgefühl in der Heimat die Ursache der vielen Aus­fchreitungen ist. Der unvermittelte Uebergang aus einer eigenen gedrückten Situation zu dem Bewußtsein, nun einem Liefer stehenden herrisch gegenübertreten zu können, berwirrt den am meisten, der bisher am gehorsamsten und servilsten