Nr. 6.
Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 m, wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage ,, Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz band : Deutschland u. DesterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. In der Post- Zeitungs- Preisliste für 1898 unter Nr. 6708.
Vorwärts
10. Jahrg.
Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Versammlungs Anzeigen 20 fg Inferate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werben. Die Expedition is an Wochens tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Fesitagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet.
Eernsprech- Anschlus Jut I, Nr. 4186.
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Was ,, Väterchen" kann und nicht kann.
-
-
-
Sonnabend, den 7. Januar 1893.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
flogen kommen, die Nihiliſten find so boshaft, den Spizeln die Potemkin vor 100 Jahren der Kaiserin Katharina auf
-
nicht freiwillig in die Hände zu laufen, und die Bauern der sind so verrückt, das Verhungern Väterchen zu lieb nicht für ein Pläfir, und die Nihilisten nicht mehr für Teufel zu Wer Väterchen ist, das weiß man in Rußland und halten. Kurz die Maschinerie arbeitet" nicht mehr richtig. den angrenzenden Ländern, zu denen auch Deutschland ge- Alles ist aus dem Leim, die Welt aus den Gelenken. hört, namentlich Preußen oder Borussia, die verlateinerte Soll die Welt wieder eingerenkt werden, so muß Väterchen Form für Vorrußland wenigstens wird es von Schrift- eine große That thun; und Väterchen will es. Und was gelehrten behauptet und die Geschichte giebt ihnen Recht. Väterchen will, das wird auch That, denn Väterchen ist Bäterchen heißt fleiner Vater, aber flein nicht im Sinne allmächtiger ist nicht blos der Stellvertreter Gottes förperlicher, geistiger oder politischer Kleinheit, denn körper- auf Erden, er ist selber ein Gott in Menschengestalt; und lich, geistig und politisch ist Väterchen groß, sehr groß, über was Gott fann, das kann auch Väterchen. Gott hat die wird der Reichstag gleich nach seinem Wiederzusammentritt menschlich groß, all seine Unterthanen unendlich überragend Welt geschaffen aus nichts so gut Gott das konnte, sich beschäftigen. Da die Steuervorlagen die Bewilligung ein Gott unter ziverghaften, ohnmächtigen Menschen-kann ich's", denkt Bäterchen. Ich will mir eine neue Welt der Militärvorlage zur Voraussetzung haben, so dürfte diese wenigstens in der Einbildung. Nein klein als Bärtlichkeits- schaffen, wenigstens eine neue Weltordnung." Und siehe da, Berathung wohl nur eine Art Fühler sein, aus dem das ausdruck, so daß Väterchen eigentlich heißt: geliebter Vater. Das Schöpfungswert hat schon begonnen. Es ist freilich Schicksal der Militärvorlage und die Bereitwilligkeit zu Also ein geliebter Vater seines Volts, dessen Angehörige erst im Anfang der Schöpfungsgedante aber ist fertig, Rompromissen erkennbar wäre.- seine Kinder sind, und von ihm geliebt und gehegt werden, und den Eingeweihten wird er offenbart in den Spalten Für die Militärvorlage legt sich die wieder offiziös wie die Kinder einer Familie von dem leibhaftigen Vater eines heiligen Blattes in Petersburg , des Herold", welcher gewordene„ Kölnische Zeitung " gewaltig ins Beug. Sie wenigstens in der Einbildung. Man nennt das ausersehen ward, der russischen Menschheit das Glück zu sucht jetzt zu beweisen, daß Deutschland vor 200 Jahren ,, väterliches Regiment"- das höchste Jdeal unserer verkünden, das ihr bevorsteht. bereits ebenso hohe Ausgaben für das Militär gemacht hat, auserwähltesten und einflußreichsten Staatsmänner", von und sie braucht nur noch den Beweis zu führen, daß die den Metternich an bis auf die neueste Zeit. Und das väterdamalige Zeit eine beneidenswerth glückliche gewesen. Die liche Regiment ist seiner Natur nach auch ein persön Erinnerung an jene Zeit hätten die monarchistischen Blätter liches Regiment. Der Vater" muß mit seiner Person am allerwenigsten Anlaß zu wecken. Heute vor 200 Jahren einstehn, mit seiner Person den„ Gott aus der Maschine", die gab es in Deutschland wohl kaum einen Fürsten , den man lebendig gewordene Vorsehung spielen, mit seiner Person nur halbwegs als anständigen Menschen gelten lassen könnte. Wohlthaten und Peitschenhiebe( alles Gnadengeschenke) ausGeistig und sittlich verwahrloft, ohne Gewissen und Scham theilen, und schließlich auch mit seiner Person zahlen, wie saugten diese kleinen Despötchen ihre Länder aus, um ihren die Franzosen das nennen, das heißt sich persönlich von Lüften zu fröhnen, jeder von ihnen jeder Zeit bereit, sich irgend einem religiösen oder politischen Fanatiker", der Es ist Logik in dem Drakel, und in dem Schöpfungs- dem Auslande zu verkaufen und das Reich zu verrathen, die Persönlichkeit ernst nimmt, todt stechen oder todt Wert. Das Schöpfungswort ist gesprochen; und an dem um sich einen kleinen Vortheil zu verschaffen. Der Rückschießen lassen, je nachdem. In Rußland , wo das väter- Wort eines Bäterchens" soll man nicht deuteln. Weg mit blick auf jene Zeit ist gewiß nicht geeignet, die Neigung für liche und persönliche Regiment zur höchsten Vollendung ge- schnöden Zweifeln und nörgelnden Einwendungen. Ihr den Militarismus zu wecken. langt ist, hat es bekanntlich auch in letzterm Punkte Be- sagt, soziale Revolutionen lassen sich so wenig machen" deutendes geleistet, und die Mehrzahl sämmtlicher Bäterchen" wie politische die Entwickelung eines Bürgerstandes könne Die nationalliberalen Mannesseelen sind in Ver haben allerdings nicht freiwillig Regierens mit ihrer Person bezahlt. die Freuden des sich nur organisch nach bestimmten unabänderlichen Gesetzen zweiflung bei dem Gedanken an die wahrscheinliche Aufda dies vollziehen? Bah! Warum soll Väterchen nicht über den lösung des Reichstages. Auf die Frage: Wem kämen auch von dem für seinen göttlichen Beruf und sozialen und politischen Entwickelungsgesetzen stehen? Stand Reichstagswahlen in nächster Zukunft zu gut? gelangt die feine himmlische Mission begeistertsten Väterchen nicht doch ein deutscher Kaiser einst über der Grammatik, und Nationalliberale Korrespondenz" unter ergöglichen Hengsteals Annehmlichkeit aufgefaßt werden kann, so ist es be- fönnen doch die Götter der Erde sich noch über ganz andere sprüngen zu der sehr richtigen Antwort, daß es den staatsgreiflich, daß das gegenwärtige Väterchen sich ungemüthlich Dinge hinaussehen. männischen Rompromißlern sehr schlecht, desto besser dafür
-
-
-
"
-
Und
Hören wir das Drakel. Alles schweige, jeder neige ernsten Tönen nun sein Dhr!
" Die Finanzkraft Rußlands muß gesteigert werden, damit die militärische Leistungsfähigkeit steigt. Die Finanzkraft der westlichen Staaten steckt in ihrem Bürgerstand, Rußland hat keinen Bürgerstand, ein Bürgerstand muß in in Rußland geschaffen werden!" Fiat! Es werde!
=
-
damit
und unbehaglich fühlt, und das schwebt nun einmal Drum aufgepaßt! Das Schöpfungswerk geht vor sich. ben bösen Demagogen und Umstürzlern ergehen würde. jetzt in der Luft seine Lage zu verbessern sucht. Die Aus Saturn Bäterchens Schädel wird demnächst, flugs, und mit herzzerreißenden Jammergeberden fleht sie die Nothwendigkeit drängt sich ihm um so mehr auf, als die gestiefelt und berockt, mit strogendem Geldbeutel in jeder staaterhaltenden Parteien an, dem gestrengen Herrn Caprivi Regierungsmaschinerie nicht mehr recht ihre Dienste thun langfingrigen Hand der Bürgerstand hervorspringen. Doch ja alles zu bewilligen, und noch etwas mehr will. Ob nun zu wenig oder zu viel geschmiert" wird, oder Im Westen geht er unter, gleich der Sonne - freilich in das fürchterliche Unglück der Auflösung nicht über Deutsche was sonst immer schuld sein mag- Väterchen, der Ober- einem Schmußmeer-, und im Osten steigt er auf, gleich land hereinbreche. maschinist, ist selbstverständlich unfehlbar und folglich auch der Sonne - dant Väterchen. ganz schuldlos, genug, die Maschinerie will nicht mehr Ihr glaubt's nicht?
-
*) Jm Jahre 1787 ließ Potemkin, einer der unzähligen Liebgehen. Das dumme Volk hat sich in den Kopf gesetzt, Blödäugige Thoren die Ihr seid! Schaut nur hin! haber der großen" Kaiserin Katharina, diese größte aller Buhldirnen", wie Byron sie genannt hat, Monarchinnen und Hungers zu sterben, die dumme Erde will keine Ernte mehr Wir sehen schon die Zukunftsbürger, krabbelnd und wim- nach der, kurz vorher den Türken gestohlenen Krim reisen, und geben, die dummen Kapitalisten des Westens begreifen nicht melnd ein riesiger Ameisenhaufen die russischen Bu- zeigte ihr unterwegs, damit sie den Reichthum des Landes kennen mehr die Ehre, vom Väterchen angepumpt zu werden, das kunftsbürger? Wir unterscheiden schon deutlich die Gesichter. lerne, hunderte und hunderte von reichbevölkerten Dörfern und nöthige Geld für die Armee will nicht vom Himmel ge- Es find alte Bekannte, es sind die Enkel der glücklichen Bauern, Städten, die in der Ferne- auf Theaterkoulissen gemalt waren.
Nachbruc verboten.)
[ 57
-
Augen zu ihm empor und starrte ihn ihn erschreckt Sie war so trant, daß man für ihr Leben fürchtete. Erst an. Bei dent zitternden Licht der einen Kerze, am nächsten Tage erlangte sie den vollen Gebrauch ihrer das von unten her auf ihn fiel und ihn schwach be- Vernunft wieder. Da begann sie zu weinen. leuchtete, glich er so sehr Bel Ami, daß es nicht mehr Susanne's Verschwinden wurde der Dienerschaft damit Christus, sondern ihr Geliebter war, der auf sie herabblickte. Seine Augen, seine Stirn waren es, der Ausdruck seines Gesichtes, seine kalte, stolze Miene.
"
erklärt, daß sie plötzlich ins Kloster geschickt worden sei. und Herr Walter beantwortete einen langen Brief Du Roy's und gestand ihm darin die Hand seiner Tochter zu. " Jesus !- Jesus !- Jesus !" stammelte sie, aber das Bel- Ami hatte sein Schreiben in dem Augenblick, als Sie ergriff ihre Rerze, verließ das Zimmer und stieg Wort Georges" trat ihr auf die Lippen. Jesus ! er mit Susanne Paris verließ, in den Briefkasten geworfen. in den Wintergarten hinab. Ganz an seinem Ende hing Jesus !" wiederholte sie, aber sie dachte an ihre Tochter und Er hatte alles am Abend seiner Abreise vorbereitet. In Das Bild in einem kleinen, von einer Glasthür abge- ihren Geliebten. So deutlich sah sie sie vor sich, daß sie dem Briefe hieß es in respektvollen Ausdrücken, daß er das schlossenen Raum, damit die Feuchtigkeit der Erde nicht an die Stelle des Gemäldes traten. Sie lächelten sich an, junge Mädchen liebe, daß keine Verabredung zwischen ihnen das Gemälde zerstöre. er füßte sie. Sie erhob sich, sie ging auf sie zu, sie wollte getroffen worden sei, daß er sich aber, als er sie in voller Es war eine Art Kapelle in einem Walde voller ihre Tochter bet den Haaren packen und aus seinen Armen Freiheit zu ihm kommen sah und sagen hörte: jonderbarer Bäume. reißen. Sie haßte ihre Tochter, sie wollte sie an der Kehle Jch will Ihr Weib sein, für befugt erachtet Als Frau Walter den Wintergarten betrat, den sie fassen, sie erwürgen Jetzt faßte sie sie... und ihre habe, sie zu behüten, ja selbst zu verbergen, fonft immer nur im hellen Lichte gesehen hatte, blieb sie von Hände berührten das Bild. bis er eine Antwort von den Eltern erhalten hätte, deren gesetzliche Einwilligung ihm zwar außerordentlich werthvoll sei, aber doch nicht so werthvoll wie die seiner Verlobten. Er bat Herrn Walter um postlagernde Antwort; etn Freund würde ihm den Brief zukommen lassen.
seiner tiefen Finsterniß betroffen stehen. Die schweren Sie stieß einen lauten Schrei aus und fiel auf den Tropenpflanzen verdichteten die Luft mit ihrem schwülen Rücken. Das Licht wurde umgestoßen und erlosch. Hauch. Die Thüren waren geschlossen, und der Duft, den Was geschah mit ihr? Ein sonderbarer schrecklicher diese fremden Gewächse unter dem Glasdom ausströmen Traum hielt sie lange gefangen. Immerfort sah sie Georges ließen, fiel ihr schwer auf die Brust, betäubte sie, machte sie und Susanne, und Jesus segnete sie.
Als er erreicht hatte, was er wollte, brachte er Sus
runten, that ihr wohl und wehe und gab ihrem Körper Sie hatte das dumpfe Gefühl, als sei sie nicht in ihrem sanne nach Paris zurück und schickte sie zu ihren Eltern. die dumpfe Empfindung schwächender, tödtlicher Wolluft. Zimmer. Sie wollte aufstehen und fliehen, aber sie ver- Selbst darauf verzichtete er, vor einiger Zeit dort zu erDie arme Frau schritt laugsam weiter. Die Finsterniß mochte es nicht. Eine Lähmung hielt ihre Glieder gefesselt, scheinen. erschreckte sie; in dem unsicheren Schein ihrer Kerze nur ihr Gehirn arbeitete noch verwirrt. Schreckliche, un- Sechs Tage hatten sie in La Roche- Guyon an der tauchten riesige Pflanzen wie Ungeheuer, wie scheinbar be wirkliche, phantastische Bilder quälten sie, frankhafte Träume, Seine verlobt. lebte Wesen, wie bizarre Mißgeburten um sie herum auf. jagten sich, sondern Träume, wie sie die schlafenden Tropen- Noch nie hatte sich das junge Mädchen so amüsirt. Plöglich fab fie Jesus . Sie öffnete die trennende Thür pflanzen mit ihren bigarren Formen und schweren Gerüchen Es hatte die Schäferin gespielt. Da er Susanne für seine und fant in die Knie. den Menschen ins Blut hauchen, und die zuweilen zum Schwester ausgab, lebten sie in freier, teuscher VertraulichZuerst betete sie ihn wie verzückt an, schluchzte Liebes- Tode führen. teit, in einer Art verliebter Kameradschaft miteinander. worte, leidenschaftliche, verzweifelte Anrufungen. Dann Am Morgen fand man Frau Walter bewußlos und Er hielt es für geschickt, sie zu respektiren. legte sich der Eifer ihres Eifer ihres Gebetes, sie hob die beinahe erstickt vor dem Bild: Jesus geht auf den Wogen." Am Tage ihrer Ankunft hatte sie sich Wäsche und Bäuerin