Nr. 272.
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24. Jahrg
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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Kein Fürst, tein Landesherr hat Euch geladen
Und kein Minister ist im Saal zu sehn:
Ihr seid ein Parlament von Voltes Gnaden
Und jeder einzelne ist souverän!
Mittwoch, den 20. November 1907.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Den Wahlrechtskämpfern!
Wenn Euch ein Wahlrecht auch, feig und verkommen, Des Landesparlamentes Zür verschließt:
Hier seid Ihr uns, seid Ihr dem Volt willkommen! Du rotes Parlament sei uns gegrüßt!
Ihr seid berufen, uns den Weg zu zeigen,
Der uns zum Licht aus Preußens Dunkel führt.
Genug der Qual! Wir wollen nicht mehr schweigen! Wir fordern Recht, das uns schon lang' gebührt! Man fürchtet uns: ein Heer von Schergentnechten Umfpigelt unser Denken, unser Tun;
Sie möchten, daß sie gänzlich uns entrechten, In ihrem schwarzen Freiheitshaß nicht ruhn!
Wohin wir schaun: es grinft auf allen Wegen Mit seinem blödverzerrten Angesicht Uns das Gespenst der Reaktion entgegen, Das, nachtgefängt, des Tages Blüten bricht. Und wie es Haß und Finsternis geboren, So mag es Sonne nicht und Schönheit sehn, Der Wahrheit Wort taugt nicht für seine Ohren Und, was von Freiheit träumt, muß untergehn!
Zum Parteitag des Wahlrechtskampfes.
Der Büttel herrscht! Ihn darf man nicht ergrimmen, Denn sein Geschmack ist oberste Justanz: Die Wissenschaft muß ihren Rüden frümmen, Begehrt sie nach der Anerkennung Kranz, Die naďte Schönheit hüllen heute Schleier, Denn nur bedeckt erfreut sie sich der Gunst Verbrauchter Lebegreife, geiler Schreier, Die wichern: Nieder mit der freien Kunst!"
Daß nur die Lebensträfte früh erschlaffen, Damit fein eigner Wille Funken sprüht, Ist sorgsam zu umnebeln, zu verpfaffen Der Kinder Hirne eifrig man bemüht! Sie rufen's laut mit schmaßendem Behagen: ,, Viel Wissen tut dem Arbeiter nicht gut, Soll er geduldig- still sein Schicksal fragen! Viel Wissen macht rebellisch ihm das Blut!"
Schwül ist es rings. Und Nacht. Kein Hauch, kein freier, Durchweht den Sumpf, in dem der Starren steckt. Das Heer der Kriecher und der Hurraschreier Hat sich zum Schlaf behaglich ausgestreckt. Wir aber, die des Tages Mühn und Lasten Zu Boden drücken, wollen Sonne sehn! Sind wir auch müd', wir denfen nicht ans Raften Und Sturmwind soll uns Haupt und Brust umwehn!
Euch aber haben wir hierher beschieden, Daß Ihr die Mittel und die Wege wägt,
Wie unser Kampf ein Kampf geführt im Frieden- Am besten und am reichsten Früchte trägt!' Auf Euch schaut eine Welt! Und Eure Worte In dieser Tagung wichtigem Verlauf, Sie schließen uns die lang verschloss'ne Pforte Bon Preußens neuer, freier Zukunft auf!
Ernst ist die Arbeit, die Euch aufgetragen; Was hier Ihr aussteut, ist die junge Saat, Die aufgehn soll und reiche Ernte tragen Für Preußens ringend Proletariat! Das große Ziel, das hell uns wintt, mög leiten Gleich einem Stern Gedanken Euch und Wort! Und möchten sie auch gern uns niederreiten, Umsonst! wir reiten über sie hinfort!
Her mit dem Wahlrecht, dem geheimen, gleichen, Das teine Klassen, teine Schichten kennt! Ist dieser Kampf ums Wahlrecht ist doch Zeichen, In dem du tagft, du rotes Parlament! Und lauern um uns Ränke auch und Lügen Die Reattion führt stets den alten Krieg! Wir stürmen vor: die roten Banner fliegen, Und aus dem Stampfgetümmel steigt der Sieg! Ludwig Leffen.
tampf in Preußen von der Frage beherrscht werden: wieldemokratie hat den Volkssturm zu entfesseln, sie hat die stellen sich die einzelnen Parteien zum all- breiten Massen aufzupeitschen, sie hat dem freifinnig- ultragemeinen Wahlrecht und zur Beseitigung montanen Wahlrechtsschacher den Wahlrechtsder Dreitlassenwahl. Das ist der springende Punkt."... tampf entgegenzusehen!.
Im Jahre 1903 beteiligte sich das preußische Proletariat Eine gewaltige, aber auch eine überaus dankbare Aufzum ersten Male an der Landtagswahl. Es gewann zwar gabe erwächst der Sozialdemokratie aus dieser Situation. Der zweite Parteitag der preußischen Sozialdemokratie, fein einziges Mandat, wohl aber 314 000 Stimmen! Und Niemals noch standen für die nichtbesigende Klasse in Preußen der am Donnerstag in Berlin zusammentritt, steht im Zeichen gerc.de daß wir bei einer Stimmenzahl, die sich mit der der so elementare Lebensinteressen auf dem Spiele, wie heute! des Kampfes um das gleiche Wahlrecht für den größten tonservativen beinahe deckte, fein einziges Mandat Es handelt sich um nichts Geringeres, als um die Eroberung Bundesstaat des Reiches, für die Hochburg der Reaktion. Nicht eroberten, zeigte den Massen das elendeste aller Wahlsysteme der Bürgerrechte! Nur das Reichstagswahlrecht nur Fragen der Drganisation hat der preußische Parteitag zu praktisch in seiner ganzen Verrottung, schuf maßlose Er- erlöst die besiglosen Klassen aus ihrer Helotenrolle jedes er soll auch die Losung für den proletarischen Wahl- bitterung. Wie gewaltig das politische Interesse am preußi- mindere Wahlrecht prellt sie abermals um ihre politischen rechtstampf ausgeben, er soll den Ausgangspunkt bilden für schen Wahlrecht gestiegen war, bewies ja der 21. Januar 1906, Rechte. Das gilt es den Massen flarzumachen! Es gilt, die nachdrücklichste und nachhaltigste Volksbewegung für das jene Riesendemonstration des preußisches Volkes, über die den Millionen Frregeführten der bürgerlichen Parteien die allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht! zwar die Ordnungssippe scheinbar spottete, gegen die sie Augen zu öffnen! Es gilt, diese Massen von bürgerlichen
lösen
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Jahrzehntelang galten für die Partei die Fragen der aber ganze Armeeforps feldmarschmäßig aufmarschieren ließ! Mitiäufern in den Wahlrechtskampf mit hineinzureißen, sie spezifisch preußischen Politik als eine Angelegenheit von minderer Das Dreiklassenwahlrecht war gerichtet, war geächtet für mobil zu machen gegen die reaktionären Wahlrechtsverweigerer Bedeutung. Daran trug nicht eine Verkennung der Bedeutung jeden halbwegs anständigen Menschen. Man sah sich zu und die freisinnigen und ultramontanen Wahlrechtsverräter! Preußens für die gesamte Reichspolitik die Schuld, sondern Konzessionen genötigt. Natürlich wollte man sich nur Eine enorme Arbeit, aber auch eine Arbeit, die den proledas lag in der Natur der Bewegung, die übergenug der zu jämmerlichsten Flickreformen verstehen. So gewährte tarischen Klassenfampf ungeheuer zu stärken vermag! Tätigkeit in der vorhandenen agitatorischen Arbeit fand man zunächst die geringfügige Vermehrung der Wahlbezirke, Die Verhandlungen des preußischen Parteitages werden und ihre volle Stoßfraft zunächst im Rahmen der Reichs- indem man die größten Wahlbezirke zerlegte und zehn neue den einmütigen Willen, die unerschütterliche Energie bekunden, politik entfaltete. Wenn die Genossen in den kleineren herausschnitt. Aber diese lächerliche Reform" mußte natürlich den Kampf mit dem Aufgebot aller Sträfte zu führen. Sie Bindesstaaten sich schon früher auch lebhaft auf dem Gebiete selbst der Bourgeoisie als ein Hohn auf die Wahlrechts- werden die wichtigsten Fingerzeige dafür geben, wie der der Landespolitik betätigten, so lag das zur Hauptsache an forderungen der nichtbesitzenden Klasse erscheinen. So tam Kampf mit vollem Erfolge geführt werden kann, wie man in dem anders gearteten Wahlrecht dieser Bundesstaaten, daß es, daß die Regierung die Gelegenheit ergriff, das wider die festverwahrtesten Verschanzungen der Gegner hineindringt! dem Proletariat die Möglichkeit eines Wahlerfolges gab. natürliche Bündnis zwischen Junkern und bürgerlichen Demo- und dem wohlerwogenen Rat wird dann auf der ganzen Linie Benn die Partei schließlich dennoch beschloß, fich trotz des in traten" durch ein neues Zugeständnis, das Versprechen die kraftvolle Tat folgen!
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Breußen geltenden Dreiklassenwahlsystems auch in diesem einer wirklichen Wah Ireform, fester zusammenzuschweißen. Die Verhandlungen über die Punkte 3 und 4 der TagesBundesstaat an der Wahlkampagne energisch zu beteiligen, so Aber wenn auch die verheißene Wahlreform als Judaslohn ordnung: Die Landtagswahlen 1908" und" Die Lage der geschah das seinerzeit weniger in Erwartung unmittelbarer für die wirtschafts- und sozialpolitischen Verrätereien des Frei- Staatsarbeiter in Preußen" bilden wertvolle Erläuterungen praktischer Erfolge, als vielmehr aus der Ueberzeugung finns erscheint die treibende Kraft der Wahlreform war des 2. Punftes, der die Wahlrechtsfrage im Reiche" beheraus, daß es notwendig sei, die massenaufrüttelnde Propa- die proletarische Wahlrechtsbewegung, war die handelt. Auch das Referat über„ Selbstverwaltung und Geganda für die Ideen des sozialistischen Klassenkampfes erste Generalprobe vom Jahre 1903, die den Waffen das meinde" wird wuchtige Beiträge für die Notwendigkeit liefern, auf allen Gebieten, mit allen Mitteln zu führen. standalöse Wahlunrecht so eindrücklich ad oculus demonstrierte. durch Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts auch die Gemeinden So fagte in Hamburg 1897 unter stürmischem Bei- Aber auch der zweite Reformansatz wird nichts anderes von der Vergewaltigung durch ein erzreaktionäres und bigottes fall die Genossin Bettin: Wann haben haben wir den als die jämmerlichste Flidreform bleiben, wenn sich Junkerregiment zu befreien. Schwerpunkt unserer Beteiligung an den politischen Wahlen das preußische Proletariat nicht auch weiterhin und gerade Die Frage der Organisation wird sicherlich im Sinne des allein auf die Eroberung von Mandaten gelegt? Bei aller jegt erst recht rührt! Man weiß, daß der Freifinn sich mit einem Entwurfes gelöst werden, den der Parteivorstand in GemeinWertschätzung der Mandate haben wir doch allezeit betont, bloßen Versprechen, mit allgemeinen Redens- fchaft mit Groß- Berlin entworfen hat. Es handelt sich darum, daß wir den Schwerpunkt unserer Wahlbeteiligung in ihrer arten abspeisen lassen will. Er will im Block bleiben, will eine Organisation zu schaffen, die einerseits in innigfter agitatorischen Wirkung auf die Massen erblicken. Bedeutsam sich auch für den preußischen Wahlkampf das Protektorat der Fühlung mit der Vertretung der Gesamtpartei steht und sicher ist die positive Arbeit in den Parlamenten, aber als Regierung, die Unterstützung der Junker, Antisemiten, die andererseits befähigt ist, sich allen Aufgaben gewachsen zu positivfte aller Arbeiten haben wir noch stets erachtet, das schmachvollen Handlangerdienste des Reichsverbandes sichern. zeigen, die Agitation und Organisation an die LandesDenken, die Auffassung der Massen zu revolutionieren.... Daneben aber wird er sich natürlich auch nicht gegen die kommission stellen. Und beiden Aufgaben scheint unserer Die Landtagswahlen bieten uns reichliche Gelegenheit dazu, Unterstügung der proletarischen Wähler sperren, auf die er Auffassung nach diese Organisationsform vollauf gerecht denn die Agitation muß dann an eine Reihe von Fragen an- jogar Anspruch erhebt unter dem Vorgeben, daß ja doch die werden zu können. knüpfen, die von unmittelbarem Lebensinteresse für die Massen Forderung des Reichstagswahlrechts für Preußen Die Sozialdemokratie nicht nur Preußens, sondern ganz sind.... Mit dem neuen Agitationsstoff packen wir neue einen freifinnigen Programmpuntt bilde. Nur Deutschlands wird mit lebhaftester Anteilnahme die Tagung Maffen." Aber die Genoffin Bettin wies auch auf eine fämpfen will der Freifinn nicht für seine Programm- des zweiten preußischen Parteitages verfolgen. Ist doch andere wichtige Konsequenz der Beteiligung an forderung, sondern zuguterlegt nehmen, was die Regierung, Preußen die Vormacht aller Reaktion in ganz Deutschland . den preußischen Landtagswahlen hin: auf die Beseitigung was die Junker gnädigst zugestehen wollen! Der Sieg des Voltes in Preußen ist der Triumph der Demodes Dreiklassensystems durch den proletarischen Wahl- Sache der Sozialdemokratie ist es deshalb, den Wahl- tratie im ganzen Reiche! rechtsfampf! Darauf hatte auch Genosse Auer mit besonderem rechtstampf zu organisieren! Diese Aufgabe fällt Auf der Seite der Reaktion stehen alle Mächte der VerNachdruck verwiesen:" Nach solchen Erfahrungen( daß mit der Sozialdemokratie umsomehr zu, als ja auch das 8en- gangenheit; um das Banner des Wahlrechtstampfes werden sich bloßen Protesten nichts getan sei) wollen wir zum Angriff trum an teine Wahlrechtsbewegung denkt, sondern gleich alle Sträfte der Zukunft scharen! Vorwärts! übergehen. Zweifellos wird in dem Augenblick, wo wir unsere dem Freifinn die Rechte des Voltes des Buhlens um die
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attive Beteiligung an der Wahl beschließen, der nächste Wahl- Regierungs- und Junkergunft wegen verraten will! Die Sozial- I