Nr. 31.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
25. Jahrg.
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Zelegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Donnerstag, den 6. Februar 1908.
und der Brutalität der Diktatur verschärfte nach unserem Empfinden die Tragik der Situation. Tausende schrien nach
Fürstenblut und Bürgertränen. Brot, Tausende lagen im Staube, aber über dem Glend,
dem Jammer, über den Leichen und den brennenden Wunden Mord bleibt Mord, einerlei ob er an einem König von des Volkes schwebte mit glückselig behäbigem Lächeln diese Portugal oder an einem. Häuptling der Hereros begangen mit den Worten des Berl. Zagebl." übermäßig beleibte wird, von gemieteten Briganten oder von einem wohlbestallten Gestalt" und bekam rosige Backen! So waren die Gegensätze Henker im Namen des Gesetzes. Das ist der Grundsaz, zu und wir scheuen uns nicht, sie tatsachengetreu darzudem sich die moderne Zivilisation durchgerungen hat, die bestellen. Ein anderes aber ist es, wenn mant, wie kanntlich selbst an dem schlimmsten Verbrecher nicht mehr Ver- das Berliner Tageblatt", erst ein brühwarmes geltung üben, Rache nehmen zu müssen glaubt, sondern nur ihn Mitgefühl mit dem König ostentativ zur Schau trägt, unschädlich machen und eventuell bessern will. Weshalb denn um ihn gleich darauf, mit traurigem Munde und liftig zu auch die treuz- 3eitung" es bitter bedauert, daß man fammengefniffenen Augen, sich als Yorkshirer Schweinchen zur die Mörder des Königs Carlos nicht würde töpfen fönnen, Beluftigung des Publikums vorzuführen. Dafür haben wir da dort die Todesstrafe abgeschafft sei. Ob das Berliner fein Verständnis.
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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
erhaben und von menschlicher Wissenschaft und Gelehrsamkeit so wenig abhängig, daß sie, fie allein, den Prüfstein und Maßstab aller wissenschaft abgibt und den Wahrheitsgehalt aller, nicht ettva nur der theologischen, sondern fogar der profanen Forschung nach der Uebereinstimmung mit ihren Lehren bestimmt. Der Gelehrte mag forschen, jahres, jahrzehntelang; der römische Monsignore entscheidet, so wenig er von der Sache verstehen mag. Und das mit Recht. Denn der Gelehrte will und soll ja nur ermitteln, was Wahrheit ist; der Monsignore stellt fest, was firchlich ist."
Viel weiter als der Professor Ehrhard und der Pfarrer Würzberger geht übrigens die chrfame„ Germania " in ihrem heißen Bestreben, sich vor den Augen Roms zu rehabilitieren und sich als das verirrte Schaf hinzustellen, das sich in einer schwachen Stunde durch den Teufel Bitru dazu hat verleiten Zageblatt" dies Bedauern teilt, ist nicht recht flar. Nicht nur reaktionäre Blätter wie die Kreuz- Zeitung " lassen, die Ehrhardschen Ausführungen abzudrucken. Sie verAndererseits ist es jetzt bekannt, daß die sozialistischen wie die und die Deutsche Tagesztg.", die am liebsten in Deutschland öffentlichte schon am Sonntage einen vier Spalten langen liberalen Parteien Rußlands eine eifrige Agitation für die selbst eine Diktatur Franco einführen möchten, sondern auch Artikel des antimodernistischen Professors Dr. Heiner in FreiAbschaffung der Todesstrafe betreiben. Wenn das russische liberale Zeitungen wie die Boss. 3tg.", die National- 3tg." burg ( Breisgau ), daß Herr Ehrhard die päpstliche Enzyklika Bolt in die Lage tommen sollte, über seinen Kaiser zu finden felbst jetzt noch Worte der Rechtfertigung oder der gegen den Modernismus ganz falsch verstanden habe, denn Gericht zu fizen, fann man demnach mit ziemlicher Sicher Anerkennung für das Regime Franco. Wir können nicht innerhalb des Dogmengebäudes der katholischen Kirche gestatte heit annehmen, daß man sein Leben schonen und versuchen in das gleiche Horn blasen. Francos Art, mit der Beamten - diese völlig freie Forschung. Wörtlich heißt es in dem Artikel: wird, ihn zu einem nüßlichen Bürger heranzubilden. Das forruption fertig werden zu wollen, ist nicht neu. Sie wird wäre auch politisch das flügste. Denn die Erfahrungen ebensogut in China wie in der Türkei wie in Rußland an Frankreichs mit Ludwig Capet sowohl wie die gewandt. Da wird gelegentlich irgend ein Satrap oder Minister Erfahrungen Breußens in Hannover haben gezeigt, daß mit den weitesten Vollmachten ausgerüstet, um Musterung zu man mit einer Dynastie am ehesten fertig wird, wenn man halten und die Korruption zu beseitigen. Wie eine Windsihr das Vermögen. entzieht. Nimmt man einem Fürsten - braut jagt dann dieser Diktator durch das Reich, fegt durch haus das Haupt, so seht es neue Häupter auf; wenn es aber die Kanzleien und wirbelt eine Menge Staub auf. Nach tein Geld mehr hat, so geht sein Gottesgnadentum sicher furzer Zeit ist die Staubschicht so dick wie vorher. Was wir flöten. wollen, ist etwas ganz anderes: wir wollen eine Organisation des Staats und politische Zustände, die die korruption nicht auftommen lassen!
Anti- Modernismus.
Die fonderbaren Glaubensstreiter, die mit einer ihrer
„ Ehrhard fordert Anerkennung des Rechtes der theologischen Forschung, sich auf allen Gebieten der theologischen Wissenschaft zu betätigen". Aber wo ist eine solche Betätigung untersagt, wenn sie sich innerhalb der kirchlichen Dogmas hält? Nicht deshalb ist der Modernismus verurteilt, weil er wissen schaftlichen Fortschritt durch mehr Geschichte, Kritik usw. auf den theologischen Gebieten wollte und erstrebte, sondern weil er seine natürlichen Grenzen überschritt, das Dogmengebäude der Kirche untergrub und an den ewigen Fundamenten des Christentums rüttelte. Man verschiebe doch nicht das Objekt der Diskussion! Die Enzyklika richtet sich nicht, wie Ehrhard fälschlich behauptet, gegen die , historisch- kritische" Theologie als solche, sondern nur gegen jene modernistische, die böllig absicht von dem gött. lichen Charakter der Offenbarung, sowie über= haupt des Christentums, und die falschen Grundfäße des Agnostizismus, sowie des Evolutionismus auf dem Gebiete der Theologie überträgt."
Freie Forschung innerhalb des Dogmengebäudes"; ein prächtiger Karnevalswitz.
Wir fordern also nicht, wie einst die Bourgeoisie, Tyrannenblut". Allein, ob Fürstenblut, ob auf der Straße vergossenes Blut des Voltes, das Blut hat in Wenn wir das alles in Erwägung ziehen, so kommen unseren Augen das gleiche spezifische Gewicht und den gleichen wir zum Schluß, daß wir keinen Grund haben, angesichts der moralischen Wert. Wir machen hier feinen Unterschied, und Ereigniffe in Portugal , dem Freisinn gleich, uns die Augen das unterscheidet uns von der bürgerlichen zu reiben, um Tränen fließen zu lassen. Wir überlassen der Menschenfreundlichkeit. Das Mitgefühl der Bour- Bourgeoisie gern ihren rührseligen Fürstenschmerz, mag er sich geoisie entwidelt sich im umgefehrten Vergleich bei seinem internationalen Charakter zu einem Welthältnis zu der sozialen Pyramide: es ist tief schmerz auswachsen. unter dem Gefrierpuntt gegenüber den breiten Voltsmassen, wo die Not und das Leid am größten sind; es erwärmt sich in dem Maße, wie die soziale Schicht sich verdünnt, und erhält eine Fieberglut auf den Höhen, wo die Fürsten stehen. Handlungen auf politischem Gebiet auch dann, wenn wir sie die Enzyklifa ,, Pascendi domini" des Papstes zu kritisieren, politisch oder moralisch verurteilen, politisch zu bewerten. fallen vor dem Drohen der römischen Surie einer nach dem vor der Kommiñion. Mag auch eine Tat an und für sich sinnlos oder verrückt sein, anderen heldenmütig um. Nachdem jüngst der Professor für Die Kommission zur Borberatung des Reichsvereinsgefezes beso bleibt doch, wenn sie wichtige politische Folgen nach sich Stirchengeschichte an der Universität Straßburg und päpstliche riet in der Sigung am Mittwoch eine neue ale§ 2a beantragte zieht, die Frage übrig: wie kommt es, daß eine Verrücktheit Hausprälat Ehrhard in der„ Kölnischen Volkszeitung" seine Bestimmung, wonach gegen die durch die Polizei erfolgte Auflösung puh zu einem politischen Ereignis hat auswachsen eigenen Ausführungen bedauert und fich als übertönnen? Wie berechtigt diese Frage ist, dafür gibt die Haltung zeugter Anti- Modernist bekannt hat, tommt jetzt auch schaffen werden soll. Dr. Müller- Meiningen ( frs. 2p.) hatte eines Vereins ein Rechtsweg im ordentlichen Gerichtsverfahren geder Kreuz- Zeitung " eine vorzügliche Illustration. Die auf Befehl des Erzbischofs von Bamberg der Pfarrer einen Antrag gestellt, nach welchem die ordentlichen Gerichte in reuz- Zeitung" benutzt die Gelegenheit, um neue Würzberger von Klauckheim und widerruft feierlichst, was er solchen Fällen als Rechtsinstanz gelten follten. Da die RegierungsAnarchistengeseze, größere Machtbefugnisse der internationalen vor kurzem geschrieben hat. Er erläßt in der Augsb. Poſt- vertreter aber diesen Antrag bekämpften, so zog der gehorsame Blockpolitischen Polizei zu verlangen. Nun steht aber schon jetzt zeitung" eine öffentliche Erklärung, in der er seine Angriffe freifinnige ihn zurück und brachte dann in Verbindung mit seinen soviel fest, daß dieser politische Mord mit gegen die Enzyflifa und die daran anknüpfenden Bemerkungen Blodbrüdern Dietrich( fons.), Jund( natl.) und Kolbe( np.) dem Anarchismus am wenigsten au tun mit dem Ausdruck tiefsten Bedauerns zurücknimmt und damit hat! Doch selbst abgesehen davon! Hat denn die Versicherung verbindet, daß ihm jeder Angriff auf das folgenden neuen Antrag ein: nicht gerade die Geschichte Spaniens und Portugals fatholische Dogma und die kirchliche Autorität ferngelegen eflatant gezeigt, daß die Polizei mit dem Anarchismus nie habe. Auch beklagt er es schmerzlich", daß seine Ausführungen fertig werden fann? An politischen Verfolgungen ergernis erregt hätten.
Zugleich hat uns der harte Kampf der Zeit gelehrt, ſonſtigen Natur ganz fremden Verwegenheit gewagt hatten, Das Reichsvereinsgefetz
legungen:
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und Brutalitäten scheußlichster Art hat es dort Jetzt fehlt nur noch, daß auch Herr Dr. Joseph Schnitzer, sicher nicht gefehlt der Anarchismus ist aber dadurch Professor der katholischen Dogmengeschichte an der Universität nicht eingedämmt, sondern umgekehrt großgezogen worden. München , seine Stritit in der Internationalen Wochenschrift" Gehen wir nun aber weiter, von der Polizeitaktit zur all- widerruft. Zwar hat er sich so scharf gegen das Treiben des genieinen politischen Taktik hinüber. War denn der politische römischen Klerus ausgesprochen, daß er nicht rebozieren kann, Tord in Portugal das Ergebnis eines Uebermaßes von Freiheit? wenn er sich nicht lächerlich machen will, aber vielleicht kommt car er nicht vielmehr die Folge der politischen er, gestärkt durch den Heiligen Geist, doch zur Ansicht, daß die ittatur? Will man keine Vogelstraußpolitik treiben, so Lächerlichkeit der Exkommunikation vorzuziehen ist. Selbst, rd man sich nicht mit moralischer Entrüftung behelfen, wenn Herr Professor Schnißer widerruft, bleiben jedoch seine dern aus diesen Zusammenhängen wichtige politische Lehren Ausführungen über die eigenartige Wissenschaftlichkeit der n. Die Macht des modernen Staates besteht darin, daß römischen Sturie interessant. So heißt es z. B. in seinen Darin kompliziertes Gebilde mit mannigfaltigen Funftionen llt, innerhalb dessen sich das gesellschaftliche Leben abDiese ganze Mannigfaltigkeit der Organisation Der Funktionen wird durch die Diktatur, die in einer Hand vereinigt, außer Betrieb Bt. Die Diftatur hebt de facto den Staat auf! 1 findet die omnipotente Regierungsgewalt oben ihre sung in anarchistischen Zuständen unten. in Portugal , das ist in Rußland der Fall! Da die öffentliche Tätigkeit der politischen Parteien inhibiert so entwickeln sich politische Sekten, Verschwörergruppen, entsteht ein Guerillakrieg ohne Maß und ohne Wahl Pittel. So schafft diese wahnwikige Unterungspolitit sinnlose Zustände, unter denen Handlung, die an und für sich irrationell ist, sich noch itisch zweckmäßig erweisen tann. Wie eben jetzt in jal. Denn man mag sich noch so sehr auf den Kopf so wird man die Tatsache nicht aus der Welt schaffen daß dieser Königsmord fürs erste zum Sturz der itur Franco geführt hat.
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4 anderes, was uns von der Bourgeoisie unterscheidet, auf dem
Gebiet der Moralästhetit. Der
atz zwischen der Gutmütigkeit des König Carlos
Schon jetzt hat daher die Enzyllila, das kann sich niemand berhehlen, dem Ansehen der katholischen Wissenschaft erheblich geschadet; nur Männer, die vom wissenschafts lichen Betrieb unserer deutschen Hochschulen keine Ahnung haben, fonnten auf den Gedanken kommen, Forscher und Forschung in unerträgliche Feffeln zu schlagen und die innere Gebundenheit ins Ungemessene zu steigern, die den tiefsten Grund der schweren Krisis bildet, in der sich die katholische Wissenschaft befindet....
Daß mit dem Gefühle des Argwohnes, mit dem Nom den theologischen Fakultäten begegnet, eine gewisse Mißachtung und Geringschäzung der Wissenschaft überhaupt Hand in Hand geht, ist begreiflich und nicht zu bestreiten....
„ Ein Verein, dessen Zweck den Strafgefeßen zuwiderläuft, kann aufgelöst werden.
Die Auflösungsverfügung fann im Wege des Verwaltungsftreitverfahrens, und wo ein solches nicht besteht, im Wege des Rekurses nach Maßgabe der Vorschriften der§§ 20, 21 der Ges werbeordnung angefochten werden. Die endgültige Entscheidung über die Auflösung eines Vereins ist öffentlich bekannt zu machen."
Abg. Zehnter( 3.) nahm den zurüdgezogenen frei finnigen Antrag fofort wieber auf.
Die sozialdemokratische Fraktion hatte zu diesem Gegenstand folgenden Antrag eingebracht:
Auflösungen von Vereinen können von dem Inhaber des Drtes der Versammlung und von dem Unternehmer des Verbandes durch Beschwerden der borgesezten Behörde angefochten werden. Die Frist zur Beschwerde beträgt 14 Tage und ist von der Zustellung des Bescheides an zu berechnen.
Gegen die Entscheidung in der Beschwerdeinstanz kann der Beschwerdeführer innerhalb zwei Wochen die Klage erheben. In Staaten, in denen ein Berwaltungsgerichtsverfahren besteht, finden auf diese Klage die Vorschriften über das Berwaltungsgerichtsverfahren Anwendung, sofern als oberste Instanz die Berufung an ein oberstes Verwaltungsgericht zugelassen ist, das aus unab hängigen richterlichen Beamten besteht und an dem Mitglieder der Verwaltungsbehörden nicht teilnehmen dürfen.
Wo lein solches Verwaltungsgerichtsverfahren besteht, ist die Klage bei der Zivillammer des Landgerichts zu erheben, gegen deren Entscheidung der Kläger Berufung an das Oberlandesgericht einlegen kann. Gegen das Urteil des Oberlandesgerichts steht dem Kläger die Revision an das Reichsgericht ohne Rücksicht auf die Höhe des festgefeßten Streitwertes zu. Die Bestimmungen des Gerichtstoftengefeßes und der Zivilprozeßordnung finden auf dieses Verfahren Anwendung.
Es wähnt, die wissenschaft tommandieren zu dürfen wie die Rauchfaßträger. Für wissenschaftliche Die Verwaltungsgerichte und Zivilgerichte find in feiner Ueberzeugungstreue geht ihm vollends jedes Weise an die Entscheidungen der Verwaltungsbehörden gebunden." Verständnis ab. Von ihrem Standpunkte aus kann die Der Antrag wurde in eingehender Weise vom Genossen Legion römische Kirche ein inneres Verhältnis zur begründet, der aus der Pragis heraus die Notwendigkeit eines Wissenschaft überhaupt nicht haben. Ihrer Lehre ordentlichen, unabhängigen Rechtsverfahrens und die Unzulänglichgemäß vom Heiligen Geiste geführt und erleuchtet, erfreut sie fich feit der Normen der§§ 20 und 21 der Gewerbeordnung nachwies, ja ohnehin längst des Vollbesiges der göttlichen Wahrheit. Sie wobei sehr oft die Verwaltungsbehörde die Veranlassung zur Aufweiß daher von vornherein alles besser, ist über allen Jurtum töfung und damit zur Klage gegeben habe, zum Richter werde.