Nr. 154.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Sonnabend, den 4. Juli 1908.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
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einberufen und von Mitgliedern des Wahlvereins für Stadt Daß eine Vertretung der Voltsinteressen von dem nun und Land", unter ihnen Dr. Liedtke, geleitet wurde, sprach gewählten liberalen" Agrarierschüßling Duus im Junterder freifinnige Volksparteiler und Generalsekretär des Reichs- parlament in teiner Weise erwartet werden darf, ist ja an berbandes Schaper und erregte bei den anwesenden sich selbstverständlich. Für seine Auffassung von den Pflichten Bündlern großes Wohlgefallen durch agrarfreundliche eines Volksvertreters dürfte aber doch folgendes Vorkommnis Erklärungen wie die, daß das Koalitionsrecht bezeichnend sein: Die Flensburger Polizei hatte durch ein Der perfide Handel der Flensburger Freisinnigen, der zu der Landarbeiter unbereinbar sei mit der tattloses Vorgehen gegen den hochpatriotischen Gesangverein" der Wahl des Herrn Dr. Duus zum Landtagsabgeordneten Sicherung der Voltsernährung und dem Ge- auch bei den gutgesinnten Spießern allgemeines Aergernis mit agrarkonservativer Hilfe geführt hat, beruht auf einer seit deihen der nationalen Landwirtschaft! erregt, zu dessen Mundstück sich Dr. Duus im Stadtparlament langem vorbereiteten, wohlerwogenen Taktik sowohl der Frei- Die Seelenverwandtschaft der freisinnigen machte. Obwohl Duus nur eine schüchterne Anfrage über die sinnigen wie der Konservativen. Als Beweis dafür mögen Kleinbürger mit den agrarischen Bauern und Gründe des Vorgehens der Polizei stellte, wurde doch die folgende Tatsachen angeführt werden: antisemitischen Mittelständlern hat aber noch Beantwortung von dem Oberbürgermeister schroff abgelehnt Auf den ersten Blick freilich macht der zwischen beiden tiefere als bloß taktische Gründe. So unglaublich es flingt, mit der Begründung, daß die Handlungen der Polizeiverwaltung Gruppen abgeschlossene Vertrag den Eindruck, als sei es den es ist doch wahr: Die Flensburger Freisinnigen sind leichter nicht Gegenstand von öffentlichen Erörterungen der StadtFreifinnigen gelungen, die Bündler zu überlisten. Da nämlich für einen antisemitisch mittelständlerischen Kandidaten verordneten sein dürften, weil ihnen kein Disziplinar bei der Reichstagswahl 1907 der nationalliberale Kandidat, vollzählig an die Wahlurne zu bringen als für einen recht zustehe; nur zu privaten Auskünften sei die i Gutsbefizer Bommelsdorf, der schließlich siegreich blieb, Nationalliberalen! Auf die allgemeinen ökonomischen Gründe verwaltung bereit. Mit dieser dreisten Erklärung gab schon im ersten Wahlgang die höchste Stimmenzahl, mehr als dieser Erscheinung, den gemeinsamen Haß gegen liberale Herr Duus zufrieden und trat mit einig doppelt so viel als der Kandidat der Bündler, Reventlow, die sozialistische Arbeiterschaft, die Furcht und schuldigungen einen fläglichen Rückzug an. erhielt, so könnte es scheinen, als ob die Freifinnigen bei der den Neid andererseits gegen die nationalliberale Groß- Dieser grandiose Politiker, der jahrzehntelange Durchfallsnächsten Reichstagswahl gar nicht in die Lage kommen würden, bourgeoisie, braucht hier nicht eingegangen zu werden. Für kandidat der Flensburger Freifinnigen, ist freilich nun endlich ihre kontrattliche Zusage einzulösen, dem in die Stichwahl Schleswig- Holstein und Flensburg kommen noch besondere an das Ziel seiner Eitelkeit gelangt und hat sich ein Mandat gelangten Agrarier ihre Stimmen zu geben. Doch dem ist in Ursachen hinzu. Es besteht nämlich in Schleswig- Holstein erschlichen. Aber die Nemesis wird nicht ausbleiben: Die Wirklichkeit nicht fo. Der Nationalliberale erhielt nämlich eine besonders intensive traditionelle Rivalität und Ver- nächste Reichstagswahl wird voraussichtlich zeigen, daß die 1907 nur deshalb eine so große Stimmenzahl, weil außer ärgerung zwischen den Nationalliberalen und dem auf die Freisinnigen auch bei diesem Schacher die be. seinen engeren Parteifreunden der größte Teil der Klasse der kleinen Kaufleute und Gewerbetreibenden genügten trogenen Betrüger sind und daß die Konservativen Landbevölkerung für ihn eintrat. Das geschah aus Freisinn. In Flensburg kommen Ursachen hinzu, die in der als die Schlaueren das bessere Geschäft dabei machen. De taktischen Gründen, um eine Wahl des Sozialdemokraten in- Person des bisherigen nationalliberalen Landtagsabgeordneten, Flensburger Freifinn wird diesen Schlag, diesen Pyrrhussi folge Zersplitterung der bürgerlichen Stimmen zu verhüten, des Professors Metger, liegen. Dieser ist nämlich den nicht verwinden; er wird wieder einen großen Teil seiner bisunter dem Einfluß des Wahlvereins für Stadt und Land", freisinnigen, vom Rottoller beherrschten, politisch herigen Anhänger an die Sozialdemokratie verlieren, und seine einer politischen Gruppe von reichsparteilichen Scharfmachern bornierten und unwissenden Kleinbürgern Neste werden unter der Masse des reaktionären Bürgertums und nationalistischen Mittelständlern, die eine Einigung Flensburgs noch zu liberal! verschwinden. Die Haltung des Flensburger Freisinns kann
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Stimmungsmache.
Sensationellewendung im Prozeß Eulenburg. Die Allgemeine Berliner Korrespondenz" erfährt aus athentischer Quelle, daß die bisherigen Verhandlungen in dem Meineidsprozesse gegen den Fürsten Eulenburg auch nicht das geringste beweisträftige Belastungsmaterial ergeben haben. Durch die Aussage einiger Zeugen haben sich gewisse Vorgänge, die in der Untersuchung als homosexuelle, wenn auch nicht u den§ 175 fallende Betätigungen des Fürsten aufget wurden, als vollkommen harmlose Atte einer herablassenden t- traulichkeit Eulenburgs gegenüber Personen in Senender Stellung herausgestellt. So ergab die Vernehmung eines Beugen, daß der Fürst einem beim Speisen serbierenden früheren Soldaten, indem er ihn freundschaftlich mit der Hand anstieß, wie eben hochstehende Personen die Leute aus ihrer dienenden Umgebung zuweilen an zusprechen pflegen, ungefähr mit den Worten apostrophierte:„ Na, strammer Junge, wo hast Du denn gedient?" Auch die Legate des Baron Rothschild haben durch die Zeugenaussage seines Bruders eine natürliche und unauffällige Klärung gefunden. Vor allem aber macht der Fürst selbst durch seine ruhigen sachlichen Angaben und die geradezu geistvollen Aufflärungen, die er für alle etwas zweifelhaften Borgänge gibt, bisher einen so ausgezeichneten, ja geradezu bertrauenerwedenden Eindruck auf die Geschworenen, baß bereits jett, selbst wenn der Zeuge Ernst nicht umfallen sollte, mit der Möglichkeit eines Freispruches gerechnet werden
der nationalliberalen Industriellen Flensburgs mit den Zur Illustration diene u. a. folgendes: In der Flens- als typisch gelten: Die Freisinnigen unterscheiden" ch Landbündlern anstrebt zum 8wed gemeinsamer Be- burger Stadtverordnetenversammlung beantragte der Magistrat von den übrigen Reaktionären nicht politisch, sondern kämpfung der Sozialdemokratie. Es gelang dem Wahl- die Einführung der Wertzuwachssteuer. Der Antrag moralisch, nämlich durch größere Perfidiel verein jedoch nicht, die Gesamtheit der Agrarier wurde mehrere Male, ehe er mit einer Stimme Majorität für den Kompromißkandidaten zu gewinnen. Ein Teil durchging, zu Fall gebracht durch die freisinnigen bon ihnen, die entschiedeneren Bündler, gaben ihre Hausbesiker in der Versammlung, während Professor Stimmen dem ziemlich furz vor der Wahl aufgestellten Metger für ihn eintrat. Ferner: als es sich um den Bau Sonderkandidaten der antisemitischen Mittelständler( deutsch- einer neuen Schule handelte, wünschten die Freisinnigen soziale Reformpartei), dem Bündler Grafen Reventlow. Es eine zweite Realschule, Es eine zweite Realschule, um durch Zuschüsse der Stadt ist nun so gut wie gewiß, daß Herr Wommels- den Söhnen des Mittelstandes eine höhere Schulbildung dorf zur nächsten Reichstagswahl nicht wieder billig zu verschaffen, während sich Metger gegen die aufgestellt werden wird. Schaffung einer neuen Standesschule zwischen Oberrealschule Die Landbündler haben verlautbaren lassen, daß sie ent- und Volksschule wendete und für Vermehrung und schlossen sind, das nächste Mal einig borzugehen und einen ebung der Volksschulen plädierte, als Grundlage für ihre Zwecke sicheren Stantonisten aufzustellen. Es ist einer späteren Einheitsschule. ziemlich wahrscheinlich, daß die Bündler auf den Grafen Die Flensburger, Freisinnigen" haben überhaupt Reventlow zurückgreifen werden. Dieser energische Herr, stets den borniertesten Kleinbürgerſtandpunkt vertreten. Früher ehemaliger Marineoffizier, jest Gutsbesitzer und Mitglied des beherrschten sie unter Führung des Stadt berordnetenBundes der Landwirte, würde einerseits als Mitglied der vorstehers Bruhn die städtische Vertretung völlig. Zur antisemitischen Reformpartei" die Stimmen Kennzeichnung dieses echt freisinnigen Herrn diene folgendes: eines großen Teils des Kleinbürgertums für sich haben, Obwohl er auf Grund feiner Informationen über andererseits genießt er als imperialistischer Flottenfanatiker einen geplanten Straßendurchbruch glänzende Grundstücksund durch seine Versprechungen, für die nationale" Export- gefchäfte auf Kosten des auf Kosten des Stadtsäckels gemacht hatte, industrie einzutreten, bei den nationalliberalen mußte dennoch wegen umfangreicher Steuerhinterziehungen Reedern und Industriellen Flensburgs Sym- Anklage gegen ihn erhoben werden, die zur Verpathien. Auch der freikonservative Wahlverein für urteilung führte. Seine kulturellen Anschauungen beStadt und Land" wird infolge dieser Sachlage, um leuchtet u. a. sein Widerspruch gegen die Errichtung einer eine agrarisch- antisemitische Sonderkandidatur zu verhüten, neuen städtischen Badeanstalt, wobei er die föstliche Bebei der nächsten Reichstagswahl seinen Kandidaten weiter gründung riskierte: zu seiner Jugendzeit habe man sich rechts wählen und arbeitet demgemäß auf einen solchen Mann weniger gebadet als jetzt und sei doch gesund geblieben. Frei- Die hier wiedergegebene Notiz ist gestern der Presse zugegangen. der reaktionären mittleren Linie" hin, wie Reventlow es sinnige Stadtväter dieser Art, völlig beherrscht von eng Sie zeigt, wie der Ausschluß der Deffentlichkeit beziehungsweise der ist. Nachdem nun die Freisinnigen in dem mit den Agrariern herzigsten Privatinteressen, haben seit Jahr- Preffe von intereffierter Seite ausgenügt wird, um im Trüben zu abgeschlossenen Landtagswahlvertrage die bindende Ver- zehnten die finanziellen und kommerziellen Interessen fischen und die Geschworenen zu beeinflussen. Die Mache ist freilich pflichtung übernommen haben, in der Stichwahl für der Stadt bernachlässigt durch ihre turzsichtige, in so außerordentlich plump, daß sie ihren gwed ficherlich verfehlen den agrarischen Kandidaten einzutreten, hat dieser von halben Maßnahmen stecken bleibende, mechanische Spar- wird. Man könnte daher fast auf den Gedanken kommen, daß bornherein die größte Aussicht, als bürgerlicher Kom- samkeitspolitik, ganz à la Eugen Richters fleinlicher Feinde, des Liebenbergers dahinter steden, die ihn auf raffinierte promißkandidat die meisten bürgerlichen Stimmen auf sich Abstrichpolitik. Dadurch ist es so weit gekommen, daß Weise zu diskreditieren suchen. zu vereinigen und so die Wahl eines Sozialdemokraten wie unter anderem Flensburgs Hafenverkehr stetig zurückgegangen
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im Jahre 1903 zu verhüten.
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ist, weil seine Hafeneinrichtungen zurückgeblieben sind selbst In der Donnerstagsfigung des Prozesses hat der Zeuge Stan
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Ueber Soldatenmiẞhandlungen
Daß ein intimes Einverständnis zwischen Konservativen hinter denen benachbarter viel fleinerer Orte. Um diese hope, Berliner Korrespondent des New York Herald, die und den Freisinnigen schon seit längerer Zeit an- früheren Versäumnisse zum Teil auszugleichen, sind jetzt, nach Leistung der Eides formel verweigert. Er erflärte, gebahnt war, fonnten Beobachter der Vorgänge in Flens- einem Personalwechsel des Magistrats, verhältnismäßig große er glaube nicht, daß es ganz bestimmt ist, daß Gott allmächtig ist. burg aus mancherlei Zeichen im vergangenen Winter ent- Ausgaben in furzer Zeit an die Stadt herangetreten, was zu Das Gericht beschloß darauf, auf das Beugnis Stanhopes nehmen: Zu den Hauptmachern im Wahlverein für Stadt einer Erhöhung der Kommunalsteuern auf 225 Prozent ge- au verzichten, da eine unbeschworene Aussage nicht zuläffig fei. und Land" gehört ein Rechtsanwalt Liedtke. Dieser Herr führt hat. Dieser Umstand verschärft natürlich die But der Herr Stanhope sollte Auskunft darüber geben, ob er in Wien gehört den Ansprüchen ist Gründer und Vorsitzender eines der in Flensburg besonders Besitzenden und die Furcht vor habe, daß man sich im dortigen Jodeyklub von Eulenburg und Moltfe ferngehalten, weil ihr überaus zärtliches Verhalten zueinander allblühenden Kriegervereine, ein typischer Vertreter des preußischen Proletariats. Die reichsten Bürger entziehen sich gemeine Mißbilligung gefunden habe. Referbeoffiziersgeistes bei jeder unpassendsten Gelegenheit freilich in stets wachsender Bahl den hohen Kommunalsteuern tritt er in Uniform auf mit solcher Eitelkeit, daß er die auch durch Verlegung ihres Wohnsizes nach dem von Konservativen viel bewigelte komische Figur des miles nahen Badeort Glücksburg. gloriosus darstellt und im ganzen Wahlkreis als frei- Ein sehr wirksames Mittel, die Steuererträge ohne weitere fonservativer Scharfmacher und wütender Sozialistenfresser Erhöhung des Steuersages zu vermehren, hat man im letzten efannt; er war auch zum Vorsitzenden der Flens- Jahre angewendet, indem man bei der Arbeiter urger Ortsgruppe des Reichslügenverbandes ausersehen. fchaft die Steuerschraube so scharf wie Kit der Landbevölkerung steht er in vielfachen persön- möglich angezogen hat! ichen Beziehungen. Recht bemerkenswert war daher Es verrät das böse Gewissen des Flensburger Bürger- habe, in dem System der Soldatenmißhandlungen. Es sei möglich, in Vorkommnis in einer Versammlung des frei- tums, daß man durch terroristische Saalabtreiberei die sozial- daß früher mehr geschlagen worden fei als heute, aber man müsse innigen Vereins im vorigen Winter, in der demokratischen Arbeiter zu hindern sucht, sich zu wehren und berücksichtigen, daß heute das militaristische Prügelsystem mit viel er freifinnige Boltsparteiler Dr. Leonhart aus die Wirtschaft des brutalen Klassen- und Cliquenegoismus größerer Empörung empfunden wird als früher. Dem Wandel Riel die Bloc politit pries: Der Vorsigende sowie der öffentlich zu brandmarken. Unseren Genossen steht außer derzeiten, dem Empfinden des Boltes and der öffentlichen Meinung sei man Referent eilten auf Herrn Dr. Liedtke zu, begrüßten ihn mit einer an der Stadtgrenze gelegenen Wanderherberge fein Lokal im preußischen Heere leider nicht gefolgt. Man sei im starrten großer Wärme und unterhielten sich längere Zeit mit ihm. zur Verfügung, so daß sich die Parteibewegung in Flensburg Konservatismus steden geblieben, und der Geist der militäri Auch während des Wahlkampfes 1907 deutete manches auf größtenteils sozusagen unter der Wasseroberfläche abspielt. Erziehung stelle sich vielfach fremd, ja feindselig dem eine Annäherung zwischen Freifinnigen und Agrariern: In Dieser mit so perfiden Mitteln arbeitende illiberale Terro- gegenüber, der sich in den breiten Schichten des Bolles me einer öffentlichen Bersammlung z. B., die vom Reichsverband rismus wird von dem, freisinnigen" Bürgertum eifrig unterstützt. Imehr fiegreich durchringe. So sei zum guten Teil de
veröffentlicht der ehemalige Oberst Gädte im Berliner Tageblatt einen lefenswerten Artikel. Er nennt es pharifäische Heuchelei, auf den Antimilitarismus loszuschlagen, da dieser seinen Ursprung doch nur in den Mißständen unseres Militarismus selbst