Nr. 204.
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Erideint täglich außer Montag
Vorwärts
Berliner Volksblatt.
25. Jahrg
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Ein gefährliches Spiel.
Dienstag, den 1. September 1908.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
anauerkennen. Aber es genügt, daß sie jene Elemente, die beginnt mit dem 18. Lebensjahre und soll bis zum 29. LebensBom 29. bis zum 45. Lebensjahre jia) der eben erwähnten Methoden bedienen, in ihren Organen jahre fortgesetzt werden. frei schalten lassen, um die Partei der schlimmsten Schädigung treten die Milizleute in die Reserve. Jedes Mitglied diefer Bürgerarmee erhält während der Ausbildungszeit 6 Schilling auszusehen. ( Mark) täglich, Unteroffiziere 7 Schilling, Dffiziere 7 Schilling 6 Pence( 7,50 M.). Die Miliz darf unter feinen Umständen gegen innere Unruhen oder nach dem Auslande requiriert werden. Ihre einzige Pflicht ist, die Heimat gegen eine Invasion zu verteidigen.
Wir haben schon in unserem Sonntagsblatt von den Wenn die Münchener Post" die süddeutschen Genoffen Neußerungen der„ Münchener Post" Mitteilung gemacht, die auffordert, zu erwägen, ob sie den Parteitag nicht als" un fie unter dem Titel„ Gewaltpolitik"( nicht Wahlpolitik) würdige Polizeikomödie" behandeln wollen, so fordern wir beröffentlichte. Darin wird mitgeteilt, Kreise mit ganz ge- diese Genossen auf, und vor allem die bayerischen, zu erwägen, ringer Organisationsziffer hätten drei Delegierte zum Partei- welche Gefahren sie über die Partei heraufbeschwören, wenn tage gewählt. Namen werden nicht genannt, aber die vage sie noch weiter dulden, daß das Proletariat Süddeutschlands Beschuldigung genügt, das Münchener Blatt ganz aus dem gegen seine norddeutschen Brüder und gegen die Gesamtheit Bebels Brief an die Redaktion des„ Labour Leader": Häuschen zu bringen. Es beschimpft den Partei- der Partei in so demagogischer Weise aufzuheben versucht wird. Wer dieses Treiben duldet, wenn er es beseitigen kann, borstand, der sich damit auf den Standpunkt des Polizeiaufgebots gestellt" habe, beschimpft beschimpft die der macht sich, auch wenn er es nicht billigt, zum Mitschuldigen Delegierten, die, ohne die Gründe der süddeutschen an allen den schweren Schädigungen und Erschütterungen, die Parteimitglieder zu kennen"- die wurden offenbar bisher der Partei daraus erwachsen fönnen. als Amtsgeheimnis ängstlich vor aller Welt gehütet Es ist ein Spielen mit dem Feuer, das unsere beiden ,, bereits ein gebundenes Mandat haben", wodurch man den großen bayerischen Organe wagen. Was vielleicht nur als sachlichen Boden völlig verlassen und die brutale Ge- blendendes und erschreckendes Feuerwerk gedacht ist, kann in der augenblicklichen Situation leicht zum Brand werden, der walt an Stelle parteigenössischer Diskussion gerückt hat." Das wäre schon start genug, aber das Blatt schließt schließlich die Brandstifter selbst mit Entsetzen erfüllt. daraus:
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Aus dem Englischen ins Deutsche zurückübersetzt. lautet Zürich , 20, August 1908. Werter Genosse Bruce Glasier ! Ihr Brief vom 17. wurde mir hierher gesandt. Die Differenzen zwischen Hyndman und Keir Hardie haben auch die Aufmerksamkeit der deutschen sozialistischen Presse erregt. So viel ich von hier aus fehen kann, hat die deutsche sozialistische Presse sich auf die Seite Ihr Volt sollte mit dieser Steir Hardies gegen Hyndman gestellt. Tatsache zufrieden sein. Was mich betrifft, so möchte ich in diesen Streit nicht eingreifen. Ich liebe es nicht, mich in Differenzen zu mischen, die zwischen ausländischen Genossen entstanden sind. Das fönnte leicht zu unerfreulichen Konsequenzen führen.
Meine Schlußfolgerung ist, daß unsere Freunde jenseits des anals sich unnötigerweise über diese Kriegstreiberei aufregen. Auch wir in Deutschland haben eine große wirtschaftliche Krisis zu überstehen, und das ist der unglücklichste Augenblid, an einen Krieg zu
Unter diesen Umständen erscheint es nötig, daß die südAus dem Parteibureau wird uns zu dem betreffenden Artikel deutschen Parteigenossen erwägen, ob sie sich überhaupt der Münchener Bost" geschrieben: noch am Parteitage beteiligen und das Dbjekt Wie die Münchener Post" schreiben kann, daß sich der einer so unwürdigen Polizeikomödie bilden Parteivorstand( durch die Mafsendelegation von Partei- denken. Es würde in der Tat heißen, den Teufel durch Beelzebub wollen." genossen) auf den Standpunkt des Polizeiaufgebots auszutreiben. Ueberdies würde ein Krieg zwischen England und gestellt habe, ist uns unerfindlich. Nach dem Organisations- Deutschland zu einem europäischen Krieg führen das heißt, statut haben die einzelnen Reichstagswahlkreise das unbestrittene zu einem Weltenbrand, wie noch nie dagewesen ist, die deutsche Recht, drei Delegierte zu entsenden. Der Parteivorst and Sozialdemokratie wird ihr Aeußerstes tun, um das zu verhindern; hat in keiner Weise in die Wahl der Delegierten aber sollte es trot all ihrer Anstrengungen dazu kommen, so eingegriffen. Der Alarmruf der„ Münchener Post" haut also würden diejenigen, die diesen Brand entzünden, auch die Folgen zu völlig daneben. Daß aus der Zentraltasse feine Mittel für die tragen haben. Delegationen der Wahlkreisorganisationen gegeben werden, ist erst recht selbstverständlich.
Die füddeutschen Genossen werden hier zu nichts geringerem aufgefordert, als zur Erwägung darüber, ob sie die oberste Instanz der Partei noch anerkennen, mit anderen Worten, ob sie noch in der Partei bleiben wollen. Denn wer den Parteitag als unwürdige Polizeikomödie betrachtet, der stellt sich damit außerhalb der Partei.
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Sozialismus und Kriegshetze.
Die ungeheure Mehrheit der Deutschen denkt nicht an einen Krieg mit England, und zwar aus ganz nüchternen Gründen des eigenen Interesses. Wir haben nichts zu gewinnen, aber viel zu berlieren.
Ihr
A. Bebel.
Alle diese Aeußerungen sind im Driginal fett gedruckt. Sie sind darauf berechnet, den Genossen besonders in die Augen zu fallen. Und sie sind nicht von ungefähr gemacht. Darf ich nun aus den hier erwähnten Gründen den eng Kurz vorher schrieb die„ Fränkische Tagespost", in der tischen Freunden dringend von der Entsendung Sache selbst ist tein Zurückweichen möglich" einer Deputation nach Deutschland abraten? Solch im Driginal auch fett gedruckt. Und weiter:" Die Absicht, Die von Hyudman und Blatchford erlassenen Striegs- eine Aftion würde von unseren Gegnern falsch ausgelegt werden. den Nürnberger Parteitag zu weitläufigen Debatten über warnungen, die von Keir Hardie zurückgewiesen wurden, haben Es würde so aussehen, als ob man in England Angst vor Deutsch eine böllig unveränderliche Sache( wieder im nun auch eine Antwort von Hunter Watts in der land hätte. Das sollten wir vermeiden. Welchen Rived fönnte eine Original durch Fettdruck hervorgehoben) zu verwenden, beweist Justice" und eine von Bebel im Labour Leader" hervor solche Aktion haben? Wir könnten in der Erwiderung mur sagen, nur das eine, daß wir trok der wichtigen Tagesordnung- gerufen. Hunter Watts, eines der ältesten und geachtetsten was wir allein wie auf Kongreffen, in Versammlungen und übermäßig viel überflüssige Zeit haben." Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, bedauert aufs Beitungen schon so oft gesagt haben und noch sagen werden. Von Also auch hier der Gedankengang: der Parteitag mag tiefste das Auftreten seiner Genossen, das nur dazu angetan der Solidarität der englischen und der deutschen Arbeiterklasse sind beschließen, was er will, wir fügen uns nicht. sei, den internationalen Sinn, den die Partei nach langen die Herrschenden auf beiden Seiten überzeugt. Deshalb ist eine Jahren mühevoller Agitation geweckt habe, zu schwächen. neue Versicherung nicht nötig. Außerdem wird die deutsche sozialSo lange nur die" Fränkische Tagespost" so schrieb, Die Striegsartikel befunden einen schwachen Glauben in die demokratische Partei bei ihrer nächsten Zusammenkunft in Nürnberg mochte man darüber lächeln als über leere Rodomontaden Macht des Sozialismus und erschweren nur die Propaganda Gelegenheit nehmen, ihre Stellung zu den internationalen Be eines aufgeregten Sensationsjournalisten. Nun aber stößt der deutschen Sozialdemokratie. Hunter Watts steht sicherlich ziehungen zu erklären. Mit brüderlichen Grüßen das Münchener Blatt, geleitet von einem Abgeordneten, in nicht allein mit seinen Ansichten in der Partei. dasselbe Horn, da gewinnt die Sache doch ein ernsteres Auf eine Anfrage des Redakteurs des„ Labour Leader" Gesicht. antwortete Bebel etwa wie folgt: Die MeinungsverschiedenEs erscheint uns fraglich, ob Genosse Bebel, als er den Brief In der Zat, eine würdige Art des Revisionismus, sein heiten zwischen Hyndman und Hardie haben auch die Auf- von Bürich aus an die Redaktion des„ Labour Leader" richtete, zehnjähriges Parteitagsjubiläum zu feiern. Auf dem Stutt- merksamkeit der sozialistischen Presse Deutschlands auf sich ge- bereits von dem Stande der zwischen dem Ausschuß der Berliner garter Stongreß hielt er seinen Einzug mit der Erklärung Bern - lenkt. Soweit er von der Schweiz aus urteilen dürfte, stellte Gewerkschaftskommission, dem Aktionsausschuß der Partei und den sich die sozialistische Presse auf Seite Hardies. Die ganze Auf Vertretern der englischen Arbeiterpartei gepflogenen Unterhandlungen steins, die Entwickelung der wirklichen Verhältnisse vollziehe regung seiner englischen Freunde sei indes zwecklos. Auch Deutsch genau unterrichtet war. Sein Brief ist bereits am 20. August von sich anders, als Marr und Engels sie erwartet. Von diesem land befände sich in einer Wirtschaftskrisis, was kein besonders Zürich abgegangen, während die erste Notiz über die getroffenen Versuch einer rein theoretischen Kritik ist der Revisionismus geeigneter Augenblick sei, sich in einen Krieg zu stürzen. Abmachungen in der„ Vorwärts"-Nummer vom 22. August erschien. heute bereits herabgefunken zur Drohung mit der Spaltung Uebrigens wäre ein englisch - deutscher Krieg gar nicht zu Was die beabsichtigten Demonstrationen anbelangt, so sind auch der Partei. lokalisieren; er würde einen Weltkrieg entfachen. Die deutsche wir der Ansicht, daß sie zu dem Zweck, die sozialdemokratischen Daß diese Drohung ernst gemeint ist, wollen wir freilich Sozialdemokratie werde alles tun, um eine solche Statastrophe Arbeiter Deutschlands über die Gefährlichkeit der betriebenen Kriegsnoch nicht annehmen. Wir halten sie für einen blinden Schreck unmöglich zu machen, sollte sie aber trotz aller Bemühungen heze aufzuklären, faum nötig sind. Von der deutschen Arbeiter doch ausbrechen, so würden ihre Urheber die Verantwortlichkeit schaft sind bisher alle Versuche, sie gegen England aufzuhetzen, schuß. Die füddeutschen Budgetbewilliger haben sich eben ver- au tragen haben. Die große Mehrheit der Deutschen dächten fühl abgewiesen worden, mochten auch die Kriegshezer die rechnet und sind in eine Sackgasse geraten. Daß der Parteitag gar nicht an Strieg. Er wage es deshalb, von einer Reise deutschen Arbeiter immer wieder der Vaterlandslosigkeit beschuldigen. der englischen Freunde nach Deutschland abzuraten. Eine Eine andere Frage ist aber, ob nicht öffentliche Friedens. im vorigen Jahre die württembergische Budgetbewilligung derartige Reise könnte von unseren Gegnern falsch ausgelegt demonstrationen der deutschen Arbeiterschaft beruhigend auf jene nicht rügte, machte ihnen Mut. Sie sahen im Stillschweigen werden. Es würde so aussehen, als ob sich Leute in England Kreise in England zu wirken vermögen, in denen die Aufhetzungsder Essener Delegierten nicht Nachsicht gegenüber einer ge- vor Deutschland fürchteten. Das sollte vermieden werden. oersuche ernste Kriegsbefürchtungen erregt haben. Diese Frage zu legentlichen Entgleisung, nicht Widerwillen gegen den ewigen Welchen Zived könnte man übrigens mit einer derartigen Reise entscheiden, ist Sache unserer englischen Genossen, die am besten Parteizant, den die ununterbrochenen Vorstöße der Revisio- erreichen? Wir könnten ja der Deputation doch nur das über die Situation in England zu urteilen vermögen. Sind sie der nisten nicht enden lassen, sondern sie sahen darin Schwäche wiederholen, was wir so oft auf Kongressen, in Versamm Ansicht, daß die geplanten Friedensdemonstrationen ihnen in ihrem und Furcht der„ Radikalen", und meinten daher, das ein- lungen und in der Presse gesagt haben. Die herrschenden Kampfe gegen die Kriegspropaganda zu nügen vermögen, so sind die mütige Vorgehen des ganzen Südens müsse diesen noch mehr Klassen beider Länder wissen ohnehin, daß die englischen und deutschen Arbeiter zur Unterstützung bereit. deutschen Arbeiter solidarisch seien. Neue Versicherungen Angst einjagen, noch mehr jeden Widerspruch zum Schweigen wären deshalb überflüssig. Außerdem werde der nächste Nürn bringen.
berger Parteitag Gelegenheit nehmen, unsere Haltung zu den Zur Organisation des Bildungswefens.
internationalen Beziehungen flarzulegen.
Darin haben sie sich verrechnet. Gerade ihr wohlüberlegtes und abgefartetes einmütiges Vorgehen hat den Genossen die Bedeutung der Sache klar zum Bewußtsein gebracht und einen gewaltigen Proteststurm in allen Parteifreisen entfacht, wenn diese nur einigermaßen objektiv informiert wurden. Darüber scheinen die Redaktionen in München und NürnDer sozialistische Arbeiterabgeordnete William Thorne Genosse Eisner hieran die Bemerkung, daß so wie dieser Parteiberg den Kopf verloren zu haben; sie lassen die Zügel am bringt eine Milizvorlage im Parlament ein, die folgende fchüler wohl die meisten seiner ehemaligen Kameraden denken würden. Hauptbestimmungen enthält: Jeder wehrfähige britische Dbwohl ich persönlich von vornherein nicht daran zweifelte, daß Boden schleifen, und so können diese skrupellosen Methoden Bürger hat die Pflicht, sich einer militärischen Ausbildung zu Eisners Vermutung ebenso falsch wie voreilig war, hielt ich es doch zur Geltung kommen. unterziehen. Befreit sind Seefahrer, Schwächlinge, sowie die für notwendig, die Haltlosigkeit der von Eisner angesponnenen Sicher will die Masse der bayerischen Genossen davon jenigen Personen, die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren Legende fofort auf die unanfechtbarste und zuverlässigste Weise dar nichts wissen. Sie sind ebenso gute Genossen wie alle anderen, tönnen, Waffen zu gebrauchen. Leztere Personen sollen aber autum. Als Obmann des Lehrerkollegiums der Parteiſchule richtete ebenso diszipliniert, ebenso bereit, Beschlüsse der Mehrheit für den Lazarettdienst ausgebildet werden. Die Milizpflicht ich an die ehemaligen Parteischüler ein Schreiben, in dem ich ihnen
Bebels Antwort erschien auch in der„ Daily News". Der Als vor einiger Zeit ein ehemaliger Parteischüler, Genosse Redakteur des„ Labour Leader" versichert Bebel, daß dessen Wegener- Staffel, die Parteischule ein verfehltes Unternehmen" geAnsichten über die Absendung der englischen Deputation nach nannt und einer Dezentralisierung der Bildungsbestrebungen im Berlin die ernsteste Beachtung finden werden. Sinne der Nürnberger Versuche das Wort geredet hatte, Inüpfte