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Nr. 52.

Erscheint täglich außer Montags, Brets pränumerando: Biertel­jährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzs band: Deutschland u. Defterreich Ungarn a Mt., für das übrige Ausland 8 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Poft- Beitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6709,

Vorwärts

10. Jahrg.

Inferttons- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inferate für die nächfte Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonna und Fefttagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Sornsprech- Anschluß 3mt I, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Kann

Europa abrüffen?

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II.

Donnerstag, den 2. März 1893.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Dann giebts überall eine Menge Soldaten, die unter allerlei Vorwänden möglichst wenig Dienst thun: Kompagnies handwerker, Offiziersburschen u. s. w. Da läßt sich auch manches ändern.

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daten zu machen. Wie das bei der deutschen Ersatz­reserve die einübenden Offiziere in Erstaunen versetzt, hat Bebel im Reichstag erzählt. In der österreichischen Armee giebt es Offiziere die Menge, die da behaupten, die Landwehr, die mit der deutschen Erfahreserve ungefähr Ja- aber wie ist's mit der Reiterei? Die muß doch Die internationale Feststellung der Maximaldienstzeit gleiche Dienstzeit hat, sei besser als die Linie. Kein Wunder. längere Dienstzeit haben? Wünschenswerth ist's gewiß, bei der Fahne würde die Armee aller Mächte gleichmäßig Hier fehlt die Zeit, die bei der Linie mit den herkömm- wenn man mit Rekruten zu thun hat, die weder reiten noch treffen. Es wird allgemein angenommen, daß bei Armeen, lichen und deswegen geheiligten Narrheiten vertrödelt wird, Pferde warten können. Aber da läßt sich auch manches deren Mannschaft noch kein Bulver gerochen, für die und eben deswegen wird sie nicht vertrödelt. thun. Wenn die Pferderationen weniger färglich bemessen erfte Zeit eines Feldzugs die Länge der aktiven Das deutsche Exerzier Reglement für die Infanterie wären- die Pferde müssen ja zum Manöver erst aufgefüttert Dienstzeit innerhalb gewisser Grenzen den von 1888 beschränkt die taktischen Formationen für das werden, um auf das Normalmaß von Kräften zu kommen! besten Maßstab abgiebt für ihre Verwendbarkeit in allen Gefecht auf das Nothwendige. Neues enthält es nicht; die und wenn bei jeder Schwadron eine Anzahl überzähliger Kriegslagen, namentlich für den strategischen wie taktischen Gefechtsfähigkeit in allen Inversionsstellungen hatten schon Pferde vorhanden wären, so daß die Leute mehr und länger Angriff. Unfre Krieger von 1870 haben die furia francese die Desterreicher nach 1859, die Bildung aller Bataillons im Sattel üben könnten, furz wenn man einmal ernstlich des Bajonnetangriffs der langgedienten kaiserlichen In- kolonnen durch einfachen Zusammenschluß der vier Kompagnie daran ginge, die verkürzte Dienstzeit durch intensiveres Bes fanterie und die Wucht der Kavallerie- Attaken von Wörth folonnen hatten die Darmheffen um eben dieselbe Zeit eins treiben der wesentlichen und durch Beseitigung der über­und Sedan hinreichend kennen und achten gelernt; sie haben geführt und mußten sich diese rationelle Formation nach flüssigen Dinge aufzuwiegen, dann würde man bald finden, aber auch bei Spichern, gleich im Beginn des Kriegs, be 1866 von den Preußen wieder verbieten lassen. Im daß es auch so geht. Auch für das Remontereiten, auf das wiesen, daß sie selbst in der Minderzahl dieselbe In übrigen beseitigt das neue Reglement einen massenhaften man sich jetzt so sehr stützt, und dessen unbedingte Noth­fanterie aus einer starken Stellung werfen konnten. Also Wust altfränkischer, ebenso nugloser wie geheiligter wendigkeit ich gern zugebe, werden sich Mittel und Wege im allgemeinen zugegeben: innerhalb gewisser, je nach dem Zeremonien; gerade ich habe absolut keinen Anlaß, daran finden lassen. Und übrigens steht ja nichts im Wege, für Nationalcharakter verschiedener Grenzen, entscheidet bei nicht zu fritteln. Ich hatte mir nämlich nach dem Krieg von so lange man es nöthig hält, das System drei oder vier­friegsgewohnten Truppen die Länge der Dienstzeit bei der 1870 den Lurus gestattet, ein Schema der, der heutigen jähriger Freiwilliger, oder auch Kapitulanten, für Reiter, Fahne über die allgemeine Kriegsverwendbarkeit und naments Kriegführung angemessenen geschlossenen Formationen und truppen beizubehalten und auszudehnen- gegen entsprechende lich über die Tüchtigkeit zur Offensive. Bewegungen der Kompagnie und des Bataillons zu ents Rompensationen in der Reserve- und Landwehrpflicht, ohne Gelingt es, eine Marimalgrenze dieser Dienstzeit inter - werfen, und war nicht wenig verwundert, dies Stück Bu- die man dergleichen nicht bekommt. national festzusetzen, so bleibt das relative Tüchtigkeitsver- funftsstaat" in den betreffenden Abschnitten des neuen Wenn man auf die militärischen Autoritäten hört, da hältniß der verschiedenen Armeen so ziemlich was es heute Reglements fast in allen Zügen verwirklicht zu finden. ist das freilich anders. Da geht das alles absolut nicht, da ist. Was die eine an unmittelbarer Verwendbarkeit eins Aber das Reglement ist eins, und die Ausführung ist darf an nichts gerüttelt werden, ohne daß alles zusammen­büßt, das büßen die anderen auch ein. Soweit heute die ein anderes. Das Kamaschenritterthum, das in allen bricht. Ich habe aber jetzt schon seit fünfzig Jahren so viel Ueberrumpelung eines Staats durch den andern aus Friedensepochen in der preußischen Armee florirt hat, bringt militärische Juftitutionen heute als unantastbar und geheiligt geschlossen ist, soweit bleibt sie es auch dann. Der Unter die in der Vorschrift abgeschaffte Zeitvergendung wieder ausposaunen, und morgen rücksichtslos in die Rumpelkammer schied der aktiven Dienstzeit z. B. in Frankreich und Deutsch - herein durch die Hinterthür der Parade. Da ist auf einmal werfen sehn, und zwar von genau denselben Autoritäten; Land ist bis jetzt nicht der Art gewesen, daß er ins Gewicht der Paradedrill absolut nothwendig als Gegengewicht gegen ich habe ferner so oft gesehen, daß, was in der einen fällt; auch unter der verkürzten Dienstzeit würde, ganz wie die Unbändigkeit der zerstreuten Gefechtsordnung, als ein- Armee über das Bohnenlied verhimmelt, in der andern heute, alles darauf ankommen, wie in jeder der beiden ziges Mittel zur Schaffung wahrer Disziplin u. s. w. u. s. w. unter der Kanone befunden wurde; ich habe so oft erlebt, Armeen die vereinbarte Dienstzeit benutzt wird. Jm Das heißt nichts anderes, als daß Ordnung und Disziplin daß die altbewährtesten und höchftgepriesenen Gewohnheiten übrigen würde die relative Stärke der beiden Armeen ganz nur dadurch herzustellen sind, daß man die Leute gänzlich und Einrichtungen vor dem Feind sich als Thorheit er­dem Verhältniß der Bevölkerung beider Länder entsprechen, nußlose Dinge üben läßt. Allein die Abschaffung des Stech- wiesen; ich habe endlich so oft erfahren, daß in jeder und nachdem die allgemeine Wehrpflicht einmal wirklich schritts" würde ganze Wochen für rationelle Uebungen frei- Armee eine besondere konventionelle Tradition besteht, die, durchgeführt ist, wird bei Ländern annähernd gleicher öfono- fetzen, abgesehen davon, daß dann die fremden Offiziere eine für die unteren Chargen, den gemeinen Mann und das mischer Entwicklung( worauf der Prozentsaz der Untauglichen deutsche Revue ansehen könnten, ohne sich das Lachen zu Publikum bestimmt, von den höheren Vorgesetzten gepflegt, beruht) die Bevölkerungszahl immer den Maßstab der perbeißen. von den selbstdenkenden Offizieren aber belächelt und von furz ich habe Eine ähnlich veraltete Institution ist der Wacht jedem Feldzug in Nichts aufgelöst wird Heeresstärke abgeben. Da giebt es teine Kunststücke mehr wie die preußischen von 1813; der Rahm ist abgeschöpft. dienst, der auch nach althergebrachter Vorstellung dazu dient, da so viel geschichtliche Erfahrungen gemacht, daß ich jedem Aber sehr viel hängt eben davon ab, wie die festgesetzte die Intelligenz und besonders das Selbstdenten der Leute rathe, gegen nichts mißtrauischer zu sein, als gegen mili­Dienstzeit ausgenutzt wird. Und da giebt es fast in allen zu entwickeln, indem man ihnen die Kunst beibringt falls tärisches Fach urtheil". Friedrich Engels . Armeen Leute, die etwas erzählen tönnten, wenn sie sie sie nicht schon verstehen zwei Stunden lang auf Posten dürften, denn die liebe Geldnoth hat überall dazu ge- an gar nichts zu denken. Bei der heutigen allgemeinen zwungen, einen Theil der Refruten nur nothdürftig", in Sitte, den Vorpostendienst im Terrain zu üben, hat das ein paar Monaten, auszubilden. Da muß man sich auf Postenstehen in der Stadt, wo es doch Sicherheitspolizei

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das Wesentliche beschränken, ba fliegt ein ganzer Haufen aller Art giebt, allen Sinn verloren. Man schaffe es ab Die Eisenbahnarbeiter in Preußen. traditioneller Firlefanz in die Ecke, und da findet man, zu man wird mindestens zwanzig Prozent freie Dienstzeit für's In den von uns bereits gestern( Preußische Finanzen) be.. feiner eigenen Ueberraschung, wie wenig Zeit dazu gehört, Militär, und Sicherheit auf den Straßen für's Bivil gesprochenen Anlagen der verstärkten Budgetkommission findet sich aus einem paffabel gewachsenen jungen Mann einen Sol- winnen.

Feuilleton.

Nadbrua verboten.)

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auch etwelches Material zur Erkenntniß der Eisenbahn=

Wenn die Polizei die Thüre öffnete, würde er, als ob er sich geirrt hätte, nach den Bewohnern des vierten Stockes fragen. Auf jeden Fall war es gut, die Waffen, die ihn nie verließen, bereit zu halten.

hineinzugehen, sondern auf- und abgehend, auf der Straße die Rücklehr eines Gastes abzuwarten. Es war sicherlich das Vernünftigste, was man thun konnte. Menschen können aber nicht immer vorsichtig sein. Ein Trunkenbold, welcher tapfer an der Thür des ersten Er knöpfte seinen Pistolenhalfter auf, und schob den

Die Laufbahn eines Nihilisten. Wirthshauses vorübergegangen ist, läuft um fo größere Dolch, der ihm an der Seite hing, vor, so daß er ihn im

Bon S. Stepniat.

Autorisirte Uebersehung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Als Sina im Begriff war einzutreten, nahm Andrej ihre Hand unter seinen Arm und zog sie hinweg.

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" Rochalskij ist aller Wahrscheinlichkeit nach sicher," sagte er. Er ist es ohne Zweifel, da Sie es sagen. Was schabet es aber, wenn Sie zwei Minuten auf der Straße warten, während ich hinauflaufe, um Erkundigungen ein­zuziehen?"

Eine sonderbare Hartnädigkeit bemächtigte sich seiner. Diese unbedeutenden Zeichen, welche auf seine Empfindungen wirften, aber teine bestimmten Vorstellungen erzeugten, riefen in ihm das hervor, was abergläubische Leute Bor­ahnung nennen würden. Sina theilte sie aber nicht. Sie war an den Ort gewöhnt und hatte erst gestern Rochalskij Jesucht.

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Unsinn!" sagte fie, ihre Hand losmachend.

" Wenn sie mich nicht allein gehen lassen wollen, werde ich überhaupt nicht gehen," sagte Andrej trozzig. Sina zuckte mit den Achseln und sah ihm ins Ant­lih. Diese Hartnäckigkeit machte auf sie gegen ihren Willen großen Eindruck.

Gefahr in das nächste zu gerathen. So fühlt sich oft ein Mensch, der soeben einen vorsichtigen Schritt gethan, geneigt, den nächsten um so thörichteren nicht zu unterlassen. Sina und Andrej wechselten jetzt ihre Rollen.

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Man muß nicht so viel Lärm um einer Kleinigkeit willen machen", sagte Andrej.

" Wir können Stunden auf der Straße zubringen, ohne jemand zu sehen. Warten Sie an dieser Ecke, in einer Minute bin ich zurück."

Er betrat den Flur. Nichts regte sich. Eine Todten­stille herrschte im ganzen Hause. Als er die erste Treppen­flucht bestieg, öffnete sich eine Thür. Ein runzliches bart loses Gesicht Andrej konnte nicht sehen, ob es das eines alten Mannes oder einer alten Frau war- fam zum Vorschein, warf ihm einen scharfen prüfenden Blick zu und verschwand sofort. Er hörte, wie die Thür zuschlug und hastig von innen verriegelt wurde.

Nothfalle zur Hand hatte.

Als er den Flur erreichte, auf dem Rochalskij's kleines Messingschild sichtbar wurde, hielt er einen Augenblick inne. Er konnte zu feinem Entschluß kommen, ob er höher steigen sollte oder nicht. Im Prinzip war sein Blan gut; es lag nur die Gefahr nahe, daß ihm der Rückzug ab­geschnitten werde. Er machte sich innerlich Vorwürfe, Sina, welche es vielleicht wußte, nicht nach dem Namen der oberen Wiether gefragt zu haben. Das Geräusch einer rasch ent­riegelten Thür und das charakteristische Säbel- und Sporens geraffel überhob ihn jeder Bögerung. Die Polizei war in Rochalstij's Wohnung. Vier Gendarmen waren mit dem Befehl, jeden Ankommenden zu verhaften, im Korridor auf­gestellt.

Sie hörten Andrej's vorsichtige Schritte und warteten nur, bis er die Glocke berühre, um die Thüre zu öffnen und auf ihn zu stürzen. Da er nicht läutete, fürchteten sie, er Sonderbar!" Andrej bestieg die Treppen mit so vor fönnte ihnen entwischen, weshalb fie's für gerathen hielten, fichtigem Schritte, als es sich mit der Nothwendigkeit, keinen einen Ausfall zu machen. Bevor ihnen aber gelang, die Argwohn zu verrathen, vereinbaren ließ. Er mußte sich Thüre zu öffnen, hatte sich Andrej bereits abwärts gewandt unbedingt vergewissern, wie es um Rochalskij stand, da und flog wie ein Ball die Treppe hinunter. Die Gendarmen am nächsten Tage dort die Versammlung abgehalten wer- fah er nicht, er hörte nur ihr Geschrei, ihr Getrampel und den sollte. das Säbelgeklirr, als sie hinter ihm hereilten. Es war

Er entwarf sofort seinen Kriegsplan. Er würde den eine tolle Jagd. Sie sahen sich nicht, sondern nahmen ein­dritten Stock, in dem Nochalstij wohnte, passiren und zum ander nur durch das Gehör wahr. Aber der Wettlauf Wenn Sie aber glauben, daß die Sache eines Arg- vierten hinaufsteigen. Dort wollte er die Namen der Jn zwischen den plumpen Soldaten, die mit ihren langen wohns werth ist, so thäten wir besser, überhaupt nicht wohner lesen, dann hinabsteigen und bei Rochalskij läuten. Kavallerie- Säbeln beladen waren, und einem gelentigen