Nr. 70.
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10. Jahrg.
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Eornsprech- Anschluß Amt 1, Nr. 4186.
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Der Verkehr der Fabrikinspektoren mit den Arbeitern.
Donnerstag, den 23. März 1893.
Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3.
bitter empfinden. Daß ftellenweise für einen solchen Ver- Gasthof, wenn er auf der Reise ist, aufsucht, oder aber tehr bei den Fabrikinspektoren jedes Verständniß fehlt, hat schriftlich, ein Weg, der fast täglich vom einen oder vor etwa anderthalb Jahren der Darmstädter Fabrik- andern eingeschlagen wird. Wünsch bar wäre nur, inspektor bewiesen, als er eine ihm zugegangene, nicht daß nach englischem Brauch die Adresse In seinem jüngst erschienenen Jahresbericht für 1892 anonyme Arbeiterbeschwerde an den betreffenden Fabrikanten des Inspektors in jeder Fabrik an= fonstatirt der badische Fabritinspettor, Dr. zurückleitete zweifellos das richtige Verfahren, sich das geschlagen würde. Die frühere Furcht, daß Kläger Wörrishofer, daß der Verkehr mit den Ar Vertrauen der Arbeiter zu erwerben. Erinnert man sich dem Angeklagten genannt würden, scheint endlich doch im beitern im Berichtsjahre keine Vermehrung erfahren und ferner des Falles in Köln , 100 der Fabrikinspektor Verschwinden zu sein. Wo die Beschwerdeführer bekannt fich in bescheidenen Grenzen bewege. Er hat sich in der Jäger von den dortigen Unternehmern in corpore wurden, haben sie sich durch eigene Unklugheit verrathen; Hauptsache auf den Beizug derselben zu Besprechungen und heftig bekämpft und infolge des bezüglichen kapitalistischen vom Inspektor werden sie, soweit nicht Gerichte ausdrücklich Erörterungen bei den Revisionen beschränkt. Ein solcher Proteftes von der unternehmerfreundlichen Regierung dazu nöthigen, nie genannt, außer wo der Anzeiger als Beizug wurde überall herbeigeführt, wo erheblichere Inter - gerügt wurde, so erscheinen in Deutschland die eigentlicher Lügner sich erwiesen hat. effen der Arbeiter in Frage kamen und es sich nicht nur Umstände gar nicht ermunternd für die Fabrifinspektoren, Am entwickeltsten ist bekanntlich der Verkehr ber um die Durchführung bestimmter gesetzlicher Vorschriften den Verkehr mit den Arbeitern zu suchen. Von der Er Fabrikinspektoren mit den Arbeitern in Desterreich, handelte und wo bei den Arbeitern genügendes Verständniß richtung von Arbeiter- leberwachungskommissionen aller wo jedoch der Mangel einer genügenden Fabrikinspektion für den Gegenstand vorausgesetzt werden konnte. Der Orten ließe sich jedoch ein lebhafterer Verkehr zwischen den offenkundig ist und von den Arbeitern überall empfunden Werth dieses Beizuges ist aber sowohl dadurch be- Beiden nolens volens erwarten. wird, δα nur eine lächerlich geringfügige Bahl einträchtigt, daß er in Gegenwart eines an der Re- Bei dem Verkehr zwischen Fabrikinspektor und Arbeiter solcher Beamten thätig ift. Im Jahre 1890 vision theilnehmenden Betriebsleiters erfolgt, wodurch müssen seitens des ersteren eben auch alle Verhältnisse in wandten sich die Arbeiter in 5023 und 1891 in sich die Arbeiter, auch menn es sich um rein Berücksichtigung gezogen werden. Geschieht dies, so muß er 5313 Fällen an die Fabrikinspektoren mit bem sachlich zu erörterade Gegenstände handelt, beengt fühlen, dazu kommen, bei seinen Rundgängen in den Erfuchen um Intervention Gegenstände derselben sowie dadurch, daß die Arbeiter für sie zu unvermittelt in a brifen feinen Arbeiter über irgend waren: Lohnstreitigkeiten, vorzeitige Entlassung( also die Erörterung eines ihrem augenblicklichen Gedankenkreise et mas ausfragen zu wollen; er muß darauf Rontrattbruch seitens der Fabritanten, ferner liegenden Gegenstandes hereingezogen werden. Der verzichten, obwohl es das allein Richtige wäre, dem bezüglich dessen die Fabrikinspektoren vermittelten z. B. im aus der eigenen Initiative der Arbeiter hervorgehende Arbeiter da Gelegenheit zur Vorbringung seiner Beschwerden Budweiser Bezirke in 72, im Brünner in 52 Fällen im Verkehr mit der Fabrik- Inspektion ist ein äußerst dürftiger. zu geben, wo die Uebelstände in concreto bestehen. Es Jahre 1891; in den anderen Bezirken liegen die Verhältnisse Als Gründe dieser Zurückhaltung der Arbeiter bezeichnet ist sehr bemerkenswerth, was über diesen Punkt der ähnlich), ungebührliche Behandlung, Ueberschreiten der geHerr Wörrishofer deren nicht unberechtigte Furcht vor schweizerische Fabrikinspektor Dr. Schuler seglich zulässigen Arbeitszeit, Unfall und Krankenversiche Maßregelungen seitens ihrer Arbeitgeber, wenn sie ihre An- in seinem Berichte pro 1890/91 fagt: Wenn wir bei rung, schlechte Unterkunft, Vorenthalten der Arbeitsbücher liegen, namentlich bezüglich der Einrichtung der Anlagen, unseren Besuchen in ein längeres Gespräch mit einzelnen und Verweigerung des Zeugnisses, Vorenthaltung des Lehrzur Kenntniß der Fabrik- Inspektion bringen. Wie sehr Arbeitern uns einließen und nachher der Geschäftsleitung zeugniffes, Lohnverkürzung, Beschimpfung und Mißhandlung, gerechtfertigt diese Furcht der Arbeiter ist, wird bewiesen irgend welchen Tadel auszusprechen hatten, wurde oft genug Arbeitseinstellungen, Altersversorgung, Arbeitsordnungen, durch Anführung einer Schuhfabrit, die in ungeeigneten Räu- der Angesprochene beim Brinzipal als Denunziant ver- Schußvorrichtungen, Nichtgestattung des Besuches der Wiedermen untergebracht war, worüber die Arbeiter bei der Fabrik- dächtigt und erfuhr solche Unannehmlichkeiten, daß er kaum holungsschule, Wittwenunterstügung, gefeßwidrige Arbeitsnspektion sich beschwerten und infolge deffen fünf von ein andermal die Ansprache durch den Fabrinspektor willkommen zeugnisse, Nichtgewährung von Ruhepausen, Nichteinhaltung ihnen gemaßregelt wurden. Auf Intervention des Auf- heißen wird. Weil wir dies wissen, weil wir auch zur der Sonntagsruhe, gesetzwidrige Verwendung von Frauen und fichtsbeamten wurden zwei der entlassenen Arbeiter wieder Genüge erfahren, wie wenige Arbeiter sich im Arbeitslokal jugendlichen Hilfsarbeitern zur Nachtarbeit, Verweigerung aufgenommen. Sehr richtig bemerkt der Bericht zu diesem ungescheut über Uebelstände aussprechen, auch dann, wenn des Begräbnißbeitrages, Verwendung von nichtgeprüften Borkommniß: Jedenfalls mußte man Fabriken, welche weder Prinzipal noch Aufseher uns begleiten, verzichten Heizern, gesundheitsschädliche und lebensgefährliche Arbeitsdiese von den Gesetzen gewollte Thätigkeit zu erschweren und wir, trotz allen Vorwürfen, die uns desvegen hie und da räume, hohe Geldbußen u. s. w. zu durchkreuzen suchten, für solche halten, die eine besonders gemacht werden, darauf, die Arbeiter zur Anbringung Die österreichischen Gewerbe- Inspektoren sind von der eingehende Ueberwachung nöthig machten. In einem an- der Klagen bei unseren Besuchen zu veranlassen. Liegen häufigen Inanspruchnahme seitens der Arbeiter sehr erderen Falle ist allerdings der Beschwerde der Arbeiter schwere Anklagen vor, ziehe ich es, seit die Vermehrung des freut. Mit wahrer Befriedigung kann ich berichten," sagt ebenso bereitwillig wie weitgehend Folge gegeben worden Personals mir die Möglichkeit hierzu gewährt, bei weitem der Grazer Gewerbe- Inspektor( 1891), daß die Arohne jede Maßregelung. vor, mich ausschließlich zum Zweck einer genauen Unter- beiter im Berichtsjahre uns in noch höherem Maße in In voller Würdigung der gegenwärtigen, für einen suchung an Ort und Stelle zu begeben und an sicherem Anspruch genommen, als dies in früheren Jahren schon der verständigen Fabrifinspektor unbefriedigenden Situation be- Ort mit mehreren, oft recht vielen, Per. Fall gewesen ist. Es erschienen auch Arbeiter aus sehr entgrüßt denn auch Dr. Wörrishofer die Bestellung einer Ueber- fonen eigentliche Einzelverhöre vorzu- fernten Betrieben, den weiten Weg nicht scheuend, um sich wachungs Kommission seitens der organisirten Arbeiter nehmen. Die Arbeiter sprechen sich hier weit offener bei mir Raths zu erholen, Beschwerden vorzubringen oder in Mannheim , welches Beispiel von den Arbeitern an allen aus, die Arbeitgeber aber haben noch stets bereitwillig Anzeigen zu erstatten. In gleicher Absicht wurde ich vielIndustrieorten nachgeahmt werden sollte. Indeß dürften Lokale zur Verfügung gestellt und jede Unterstützung ge- fach von Arbeitern aufgesucht, wenn ich auswärts irgenddie meisten der übrigen deutschen Fabrikinjpektoren, die währt, namentlich sofern sie die Resultate der Untersuchung wo thätig war und die Nachricht von der Anwesenheit des bezüglich der sozialpolitischen Auffassung ihres schönen nicht zu scheuen hatten. Im übrigen fällt es dem Arbeiter Gewerbe Inspektors sich unter der Arbeiterschaft Berufes vielfach gar sonderbare Heilige sind, kaum den nicht schwer, seine Klagen beim Juspektor anzubringen, sei des betreffenden Ortes verbreitet hatte. Viele Arbeiter Mangel lebhaften direkten Verkehrs mit den Arbeitern es mündlich, indem er ihn in seinem Bureau oder im wieder bedienten sich des schriftlichen Weges." Der Grazer
Feuilleton.
Ma@ brus verboten.)
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Die Laufbahn eines Nihilisten.
Bon S. Stepniat. Autorisirte Ueberfegung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Nachdem letzterer den Auftrag des Polizei- Inspektors ausgeführt und den Feind in sein eigenes Bimmer geleitet hatte, segte er sich ruhig in die Ecke auf die Kante eines Stubles. Er sah so unschuldig und gleichgiltig aus, als man sich's nur wünschen founte, fühlte sich in der That aber höchst unbehaglich. Die Zeit verstrich. Andrej konnte jede Minute, vielleicht sogar noch in Begleitung des Mädchens zurückkehren.
Die beiden Polizisten begannen sich zu unterhalten. Der große Sergeant stand an der Seite seines Vorgesetzten und beugte fich hinab, um ihm etwas in's Ohr zu flüstern. Wassilis sah deutlich, wie der Inspektor und der Sergeant sich nach einem Blaze an der Thür umsahen, welcher, wenn Andrej öffnete, nicht sichtbar wäre.
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der Brusttasche seines Jaquets, welches er vor der Ankunft der verwickelt. Sie kannten ihn und erwarteten, daß er sich Bolizei abgelegt hatte und jetzt nicht gut, ohne Argwohn zu er- aus der Klemme ziehen und spätestens am nächsten regen, erlangen konnte. Wassilij mußte nicht, wie er Morgen- zu ihnen gesellen würde. Der Morgen verging da einen Ausweg finden sollte, als das entfernte Krachen aber und Wassilij gab kein Zeichen. einer Rakete ihm eine gute Joee eingab.
Ew. Gnaden!" sagte er mit höchst unschuldigem Tone, darf ich vom Fenster aus dem Feuerwerk zuschauen? Hier ist eine Rumpelkammer, von der aus man den ganzen Garten übersehen kann."
Der Polizeibeamte wollte gern mit seinem Sergeanten allein sein.
" Ja, gehe, wenn Du willst," sagte er, gehe aber nicht weit. Ich werde Dich bald brauchen."
So gelang es Wassilis, in die Rumpeltammer zu schlüpfen, wo er an der Thür stehend und auf jedes von unten tommende Geräusch horchend, eine qualvolle Viertelstunde verbrachte.
Als er Andrej gewarnt hatte, tehrte er erleichtert und glücklich in die Rumpelkammer zurück und genoß diesmal voll und ganz sein wohlverdientes Vergnügen.
Er war ein friedlicher, harmloser und ziemlich träger Bursche, dieser Wassilij. Ihm war jede Beschwerde un angenehm, er nahm das Leben so leicht als möglich und zog es immer vor, alle Hindernisse wegzuräumen oder ihnen liftig auszuweichen, anstatt fie gewaltsam zu durchbrechen. Rapitel VII. Bei Sina.
Sie wurden unruhig. Sina ging nach der Wohnung des ihr befreundeten Schließers und ließ ihn durch seine Frau bitten, die Namen der lehthin Verhafteten ausfindig zu machen. Als sie sich um die gewöhnliche Stunde trafen, konnte der Schließer Sina versichern, daß Wassilij sich nicht unter diesen befand.
Annie Wulitsch war inzwischen in die Stadt geschickt worden, um bei den Leuten in Dubrawnick Erkundigungen einzuziehen. Sie kehrte mit der unerwarteten, aber tröstlichen Nachricht zurück, daß sie Watajko Wassilij auf der Straße gesehen hätte und zwar frei, da keine Polizisten neben ihm zu entdecken waren. Doch befand sich Wassilij in einer eigenthümlichen Lage, denn er ging rasch vorüber und gab Watajto ein Zeichen, sich ihm nicht zu nähern oder zu ihm zu sprechen.
Dies war eine Bestätigung ihrer früheren Vermuthung. Wassilij war auf irgend eine Weise mit der Polizei verwickelt worden und hielt die Polizei jetzt zum beften.
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Wir können uns seinetwegen jetzt beruhigen," sagte Andrej.„ Ich bin fest davon überzeugt, daß er sie anführen und in kurzer Zeit bei uns sein wird." Gina hegte dieselbe Hoffnung.
Sie beriethen, wie sie Andrej von beiden Seiten zu gleicher Zeit angreifen könnten, die Lumpenhunde! Nachdem diese Besorguiß sich gelegt hatte, gewannen Wie fonnte man aber dem zuvorkommen? Die Fenster In Sina's Hause, in dem sich Andrej vorübergehend die alten Sorgen und Befürchtungen wieder die Oberhand. ihres Zimmers gingen auf den Hof, so daß er Andrej fein aufhielt, war man um Wassilij's Schicksal sehr be- Am Abend, nachdem der Thee eingenommen war und Warnungszeichen zu geben vermochte. Er konnte in dem sorgt. Alle erriethen etwas über die Art seiner Annehmlich- alle drei sich in Sina's Wohnzimmer versammelt hatten, bevorstehenden Kampfe schwerlich viel nügen, denn er war keiten. Die Polizei war vielleicht zufällig in seine Wohnung feine Haushaltungspflichten die Frauen von der Unters aufällig unbewaffnet, sein Revolver befand sich.ämlich, in gekommen und Wassilij hatte sich auf irgend eine Weise haltung ablenkten, nahm Andrej die Sache wieder auf, in