Nr. 31.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983.
Die Geheimniffe der Zeche Radbod.
Sonnabend, den 6. Februar 1909.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984.
Die durch die ganze Darstellung gehende Abneigung gegen das, was man Bureaukratie" nennt, wird der Popularität bes Buches schwerlich Eintrag tun. Wenn Stein freilich einen Teil dieser Bureaukratie", nämlich den, der Beziehungen zur Presse pflegt, als Teilnehmer an der Preßheke gegen den Kaiser hinftellen will, so fönnen wir allerdings eine scharfe Zurüdweisung nicht unterdrücken. Es liegt hier eine üble Infinuation vor, die ohne Schaden für die Wirkung des Buches hätte unterbleiben können."
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Die Arbeiter haben behauptet, auf Radbod hätten vor der Katastrophe große Mißstände bestanden, schlagwetterreiche Betriebspunkte feien sehr schlecht ventiliert worden; oft sei tagelang fein Wasser zur Berieselung vorhanden gewesen! Herr Meißner kennt die bisherigen Ergebnisse der ge Der Bergarbeiterkongreß hat schon einen be- richtlichen Voruntersuchung bestimmt, er fagt aber nicht, daß sie zugunsten der Zechenmerkenswerten Erfolg zu verzeichnen: Die ungeschminkten verwaltung und der Bergbehörde verläuft! Anklagen der Bergarbeiter haben einen hervorragenden Be Dagegen läßt der Schlußfaz der Erklärungen des Herrn amten im preußischen Bergwerksministerium veranlaßt, in Oberbergrats die Folgerung zu, daß er seine günstige die Deffentlichkeit zu flüchten, bevor die angekündigte Ge- Meinung von den Zechenzuständen sich gebildet hat vor richtsverhandlung den Vorhang vor dem Nadbod- Drama ganz der Bernehmung" der Arbeiter! Diese Berin die Höhe zieht. Der Geheime Oberbergrat nehmung muß demnach doch Tatsachen festgestellt haben, die Meißner hat einem Informationsbureau interessante im Widerspruch stehen mit den Versicherungen des staatMitteilungen zugehen lassen über seine Erfahrungen be- lichen Berginspektors und der Bechenverwaltung. züglich der Betriebszustände auf der Zeche Nadbod. Herr Meißner würde gewiß, wie er die Mitteilung des Bergder Zechenverwaltung. Herr Die Ungerechtigkeit der Tabakiteuer. Oberbergrat Meißner hat häufig die Aufgabe, im Parlament inspektors veröffentlicht, auch keinen Anstand nehmen, auch als Bergbausachverständiger den Minister zu vertreten, wenn das Resultat der weiteren Untersuchungen mitzuteilen, wenn es sich um bergtechnische Einzelheiten handelt. Er war auch es die von ihm selbstverständlich verteidigte Berginspektion der von Herrn Delbrück in das Katastrophengebiet entsandte entlastete. Kommissar.
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Royaliften- Intrigen.
Die Oeffentlichkeit wartet mit steigender Spannung auf Bekanntlich hat auf dem Bergarbeiterkongreß einer der die angekündigte Gerichtsverhandlung. Schon was Geretteten von Radbod berichtet, er habe dem behördlichen Herr Oberbergrat Meißner veröffentlicht, noch mehr aber Bertreter zwei Beugen angegeben, die wichtige Aussagen das, was er nur vermuten läßt, befestigt in uns über die Zustände in der Unglückszeche machen könnten, aber die Ueberzeugung, daß die Arbeiteranklagen durchaus bebis heute feien die 3eugen nicht vergründet find. nommen! Ferner beklagte der Bergarbeiter, daß von der Behörde keine Mitglieder der Bergarbeiterorganisation, sondern nur ausgesuchte Leute" bernommen worden wären. Herr Oberbergrat Meißner hat nun, wir entnehmen das der Wenn auch die Führer der Agrarier sich, seit Bülow die Täglichen Rundschau", einem Informationsbureau mit Nachlaßsteuer preiszugeben gedenkt, mit dem jezt die Rolle geteilt: Nachdem in der Nacht vom 11. zum 12. November das des unentwegten Royalisten spielenden Kanzler so halb und linglüd passiert war, traf ich am 12. um 10 Uhr an Ort und halb ausgeföhnt haben, so setzen doch die mit ihm grollenden Stelle ein. Auf der Fahrt im Automobil erkundigte ich mich militärischen Kamarillisten ihre versteckten Angriffe eifrig bereits bei dem mich begleitenden Revierbeamten und fort. Den Beweis dafür liefert folgende, sich angeblich auf dem Berginspektor nach der Berieselung. Es wurde mir Mitteilungen eines bayerischen Staatsmannes stüßende Ergeantwortet, daß die Grube sehr intensiv berieselt zählung der Militär- Bol. Storr.": worden sei. Der Berginspektor Holländer jagte mir auch, daß er noch am Morgen vor dem Unglüd die Grube befahren habe. Dem Betriebsführer der Grube, bei dem ich mich über die Betriebsverhältnisse und den Verlauf des Unglüds er tundigte, gab ich dann den Auftrag, mir am nächsten Morgen Beute zuzuführen, die über die Berieselung Auskunft geben follten. Es erschienen dann Berieselungsmeister, Schießmeister, die verpflichtet sind, nicht eher zu schießen als berieselt worden ist, und Mitglieder des Arbeitsausschusses. Außerdem sagte ich dem Betriebsführer, ich lege Wert darauf, daß Beute bestellt werden, die dem alten ( fozialdemokratischen) Verbande" angehören. Jm ganzen wurden 15 Mann vernommen. Als ich nach der Vernehmung den Betriebsführer nochmals fragte, ob auch Leute des alten Verbandes" sich unter den Vernommenen befunden hätten, antwortete er mir: ch glaube, sie sind alle rot; ich habe jedenfalls die Rotesten ausgesucht." B2fonders betonen möchte ich, daß die Befragung meinerseits mur in Gegenwart eines Mitgliedes des Oberbergamtes stattfand. Weber ein 3echen noch ein Revierbeamter waren zugegen. Die Leute wurden ferner nicht nach ihren Namen, sondern nur nach ihrer Tätigkeit befragt. Alles dies geschah, damit die Leute sich in ihrer freien Aus. fage nicht irgendwie behindert fühlten. Es galt vor allem, viele Leute zu vernehmen und schnelle Informationen zu erhalten, um borläufig einen Ueberblick über die Sachlage zu gewinnen, was für die anderen Zechen von Bedeutung sein tonnte."
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Selbstverständlich hat es dann," so stellt Geheimrat Meißner zum Schluß fest, nicht an einer gerichtlichen Unterfuchung gefehlt. Bereits fünf Tage nach dem Unglüd wurden einzelne Leute gerichtlich vernommen. Die offizielle Vorunter suchung ist längst eingeleitet worden und schwebt gegenwärtig noch. Wenn auf dem Bergarbeitertongreß gesagt wurde, ich hätte feine Mißstände gefunden, so möchte ich hervor. heben, daß ich einem Berichterstatter vor der Vernehmung lediglich referierend mitgeteilt habe, daß mir nach den bisherigen Aussagen von Mißständen nichts berichtet sei."
Der Berliner Besuch aller deutschen Bundesfürsten oder ihrer Vertreter und der Bürgermeister der freien Städte zum Kaisersgeburtstage ist auf eine Münchener Anregung zurüczuführen und soll in seinem Charakter als zielbewußte monarchische Demonstration zunächst gewisse Bedenken an Berliner amtlicher Stelle ausgelöft und einigen Widerstand, mindestens recht laues Entgegenkommen, dort gefunden haben. Eine indirekte Bestäti gung dieser Darstellung würde in der verhältnismäßigen Kühle zu finden sein, die nach Ansicht weiter dynastischer Kreise feitens der offiziösen und aus der Wilhelm. straße inspirierten Presse der einzigartigen Tatsache gegenüber zur Schau getragen worden ist, daß zum ersten Male wieder seit dem ersten Geburtstage Wilhelms II. als Kaiser, jeder Bundesstaat durch fein Oberhaupt oder einen hohen Agnaten der Krone vertreten war. Sogar die Norddeutsche Allgemeine Beitung" hat, wie beanstandet wird, für diese hocherfreuliche Erscheinung nur wenige Zeilen in ihrer Wochenrundschau übrig gehabt, was die schon früher immerhin fritischen Empfindungen einzelner, besonders süddeutscher Fürstlichkeiten dem Reichskanzler gegenüber nicht gerade gemildert haben sollte.
Es ist darum erklärlich, wenn die Möglichkeit bes Rüdtrittes des Fürsten von Bülow, bald nach dem englischen Königsbesuch, stärker als vor dem 27. Januar betont wird, und, wohl ein Ausfluß der aus Berlin heimgebrachten Stimmung, man in einzelnen Chef- Amtsstuben südlich der Mainlinie erzählt, es habe sogar über die Nachfolge des vierten Kanglers bereits eine befriedigende Verständigung stattgefunden, die sicherlich auch die allgemeinste Zustimmung im Bolte finden würde".
Aber auch Bülow und seine Freunde sind nicht müßig. Spähen seine höfischen und militärischen Gegner eifrigit nach allerlei Unterlassungssünden und ungeschickten AcußeDas ist wichtig für die Beurteilung der Grubenzustände. rungen des Kanzlers aus, die ihnen Gelegenheit bieten, den Herr Meigner teilt der Deffentlichkeit mit, der vielgenannte Operetten- Royalisten an höchster Stelle zu verdächtigen, so Berginspektor Holländer sei es gewesen, der dem hascht umgekehrt die Bülow- Clique nach jedem Anlaß, die Ministerialkommissar schon, bevor er den Zechenplatz betrat, Königstreue des vierten Kanzlers in bengalischer Be versicherte, es sei„ sehr intensiv berieselt" worden. Herr leuchtung erstrahlen zu lassen. Selbst das byzantinische Buch Holländer ist der für die sorgfältigste Inspizierung der des sensationsjournalistischen Adolf Stein muß dazu herZeche verantwortliche Staatsbeamte. Wenn dieser halten, der Krone die Echtheit des Bülowschen Royalismus schon auf der Automobilfahrt dem Ministerialfommissar zu demonstrieren. Die„ Nordd. Allgem. 8tg." lobt nämlich suggeriert hat, zu glauben, die Berginspektion habe ihre an dem Buch, daß, wenn auch seine Angaben im einzelnen Pflicht erfüllt, dann kann kein Mensch das dem Herrn anfechtbar seien, es doch das Bestreben zeige, den Kaiser geberargen. Ist er doch auch verantwortlich zu recht zu beurteilen. Wörtlich heißt es in dem Kanzlerblatt: machen, wenn die Anklagen der Arbeiter zutreffen. Was der Berginspektor dem Ministerialfommissar sagte, steht aber im stritten Widerspruch zu den öffentlich von den Organen der Arbeiter und auch der Zeitung der Unterbeamten erhobenen schweren Beschuldigungen!
Am wichtigsten ist, was Herr Oberbergrat Meißner Derschweigt und doch aussagt! Er erwähnt gar nicht die Aussage des Bergarbeiters auf dem Bergarbeiterfongreß, zwei benannte wichtige Zeugen seien noch immer nicht vernommen! Man muß demnach die Nichtvernehmung als Tatsache hinnehmen. Wie verträgt sich das mit der Beteuerung des Regierungsvertreters im Landtage und Reichstage, es sollten alle namhaft gemachten Zeugen vernommen, es solle die streng ste Untersuchung durchgeführt werden? Nach fast zwei Monaten warten immer noch wichtige Zeugen auf ihre Vernehmung!
Adolf Steins Schrift über Kaiser Willem II. ftellt sich in erfreulichem Gegensaß zu der umfangreichen Literatur der letzten Jahre, die eine kritische Auseinander seßung" mit dem Kaiser als ihre Aufgabe betrachtete. Der Verfaffer bietet in frischer und lebendiger Darstellung persönliche und politische Betrachtungen, die, in Einzelheiten anfechtbar, doch zum Nachdenken anregen und jedenfalls durch das aufrichtige Bestreben berbunden sind, im Volte für eine gerechte Beurteilung des Kaisers au werben. Den Gedanken allerdings lehnen wir ab, als wäre es erst dem Steinschen Buche vorbehalten, eine Sluft zwischen Bolf und Kaiser auszufüllen. Die Befundungen herzlicher Liebe und unerschütterlicher Anhänglichkeit, die dem Kaiser zu seinem Geburtstag aus ganz Deutschland entgegenklangen, haben gezeigt, daß eine folge luft night vorhanden ist,
Sehr schön gesagt aber doch etwas allzu aufdringlich. Man versteht, wie es scheint, die Mache in gewissen Hof und Militärkreisen besser als in der Wilhelmstraße.
Der deutsche Handelstag hat bekanntlich die Banderolensteuer fowie einen Wertzoll verworfen, dagegen den Ausbau des bisberigen 8oll- und Steuersystems empfohlen. Auf den gleichen Standpunkt haben sich auch mehrere Handelskammern, u. a. die Hamburger und Berliner Handelskammer, gestellt. Verschiedene öffentliche Aeußerungen einiger Abgeordneten laffen darauf schließen, daß auch in deren Streifen teilweise Stimmung für eine Zollerhöhung vorhanden ist.
In dieser Situation erscheint es dringend notwendig, darauf hin zuweisen, welch schreiende Ungerechtigkeit gegen die minderbegüterten Kreise, gegen den Arbeiter- und kleinen Mittelstand der deutsche Reichstag begehen würde, wenn er einer Zollerhöhung zustimmte. Jede Erhöhung des Bolles bedeutet eine enorme Belastung der ärmeren Schichten der Bevölkerung zugunsten der Befferfituierten. Auch einem Richtfachmann wird dies einleuchten, wenn wir vorausschicken, daß zur Anfertigung von 1000 Bigarren im Durchschnitt 8 Kilogramm Tabak gerechnet werden und daß es unmöglich ist, lediglich aus inländischem Tabak Zigarren herzustellen.
Wir haben bei unserer nachstehenden Berechnung für die billigen Sorten bis zu 40 M. pro Mille nur das geringe Quantum von 1 Kilogramm ausländischem Tabat gerechnet und für die 5 Pf.Bigarren vorausgefeßt, daß sie zur Hälfte aus inländischem, zur Hälfte aus ausländischem Tabak zusammengefeßt sein sollen. In der ersten Rubrik haben wir die Belastung nach dem geltenden Zollund Steuersatz angeführt, in der zweiten und dritten eventuell in Frage kommende höhere Zollfäge unter Beibehaltung der bisherigen Spannung zur Jnlandsteuer.
Die Belastung stellt sich demnach wie folgt:
Kleinverkaufspreis pro 1000 Bigarren
Zoll
M. 85 Steuer M. 45
pro Doppelzentner
Belastung
Zoll . 125 Steuer M. 62 Belastung
pro Doppelgentner
Boll W. 150 Steuer
pro Doppels
M. 90 gentner
Belastung
pro 1000 Bigarren pro 1000 Bigarren pro 1000 Bigarren
Prozente
bom
Klein
verkaufs preis
6709
Prozente
Prozente
bom
vom
2.
M. f.
MR. Pf.
Klein verkaufs preis
Klein
7.93f.
verkaufs preis
40
4
10,00
5 59 14,00
7 80 19,50
50
5 20 10,40
7 48 13,00
9
60
19,20
60
6 80 11,33 10
16,66
12
20,00
70
14,29
80
12 12,62 12
17,14
15,00
90
11,11 12
13,33
100 120
150 180
6 80 6 80 6 80 6 80
10,00 12
12,00
8,33 12
10,00
6,66
12
8,00
200
5,55 12 5,00 12
456666
80 9,71 10
111188
6,66 6,00
80 8,50 10 80 7,55 10 6,80 10 5,66 10 4,53 10 3,78 10 6 80 3,40 10 Nicht in Anrechnung gebracht sind bei dieser Tabelle die Aufschläge, welche Fabrikanten und Händler bei Einführung höherer Bölle für sich infolge der größeren Kapitalanlage berechnen. Werden diese Aufschläge mit in Rechnung gestellt, so erhöht sich dadurch prozentual die Belastung zuungunsten der geringeren Sorten.
Bei einem Zoll von 150 M. würde also die Belastung bei den 4, 5 und 6. Pf.- Zigarren um 9 Proz. und darüber steigen; je teurer die Bigarre wird, desto geringer wird die mehr belastung, welche schließlich bei ben 20 ¥ f.Bigarren nur noc 2,6 Broz. beträgt.
Es ist erklärlich, daß Fabrikanten, die vorliegend Sorten in
höherer Breislage anfertigen, gegenüber ihren Konkurrenten, die ausschließlich billige Zigarren herstellen, bei einer Zollerhöhung nu gewinnen können. Es nimmt uns auch gar nicht wunder, daß einige Großfabrikanten, denen reiche Mittel zur Verfügung stehen, in einer Bollerhöhung gar kein Unglüd erbliden, da diese ihnen bas beste Mittel an die Hand gibt, fich der Konkurrenz der Kleinfabrikanter zu entledigen.
Eindrücke vom neunten Kongreß
der britischen Arbeiterpartei.
Unser Londoner Korrespondent sendet uns die folgenden Ausführungen, die wir hier wiedergeben, ohne uns mit ihnen in allen Punkten zu identifizieren:
,, lleber das Ergebnis des vor ztvei Tagen abgeschlossenen Rongresses der britischen Arbeiterpartei gehen die Meinungen auseinander. Die bürgerliche Preffe ist über den rubigen Verlauf der