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NZININIZ

F841224

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Vorwärts

Berliner Volksblatt

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands

10:00

Fünfundzwanzig Jahre.

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und entschlossen die sozialdemokratischen Ideen und die Arbeiterforderungen zu vertreten, um Herzen und Köpfe des Proletariats in dem Kampf gegen Aus­beutung und Unterdrückung zu stählen. Diese unter den damaligen Verhältnissen doppelt schwierige Aufgabe stets umlauert von den Verbotsbestimmungen des Sozialistengesetzes, ganz abgesehen von den persönlichen Gefahren für alle Be­teiligten hat das ,, Berliner Voltsblatt" treu, tatkräftig und erfolgreich geleistet.. Anerkennung und Dank hierfür hat es erhalten, als die Partei im Jahre 1890 beschloß, daß es seinen mit Ehren getragenen Namen im Titel des Zentralorgans weiterführen solle.

Zin Vierteljahrhundert voller Kampf und Sorge, aber von Genugtuung| galt es, die Klippen des Sozialistengesetzes flug zu umschiffen, dabei aber mutig und Erfolg begleitet, ist verflossen, seit das Berliner Volksblatt", der Vorläufer des Vorwärts ", seine Laufbahn begann. Die erſten 5 Jahre des Schandgesetzes waren vorüber; weder polizeiliche Schikane noch richterliche Grausamkeit, weder die durch die Polizeiclique Bismarcks und Puttkamers verübte Verjagung von Haus und Sof, noch die Bluturteile der das Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie handhabenden Justiz hatten ver­hindern können, daß die Arbeiter Berlins trotz des Mangels öffentlicher Organi­sationen weiter agitierten, sich in kleineren Kreisen zusammenfanden, Verbindungen zwischen den Genossen herstellten und durch Wort und Schrift den Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaft sowie deren Werkzeuge, Polizei und Regierung, cifrig fortsetzten. In dem in Zürich erscheinenden Sozialdemokrat" war das Organ geschaffen worden, das auch die Berliner Parteigenossen über die Vor­gänge in der sozialistischen Welt und vor allem in der sozialdemokratischen Partei Deutschlands auf dem Laufenden erhielt. Die Beziehungen zum Sozialdemokrat" waren geregelt, seine Verbreitung gesichert; das übrige wurde durch Broschüren und Flugblätter besorgt, in deren prompter und sicherer Verbreitung die Berliner Parteigenossen in erster Reihe tätig waren.

So wurde der tägliche Kleinkrieg geräuschlos unter der Oberfläche mit zäher Energie, unbeugsamer Entschlossenheit und großem Geschick betrieben; ein Kampf, dessen Organisation so prompt funktionierte, daß die politische Polizei trotz Massenoufgebots von Nicht gentlemen", wie der Minister Puttkamer seine Spigel und Provokateure bezeichnete, der Verfolgten nicht Herr werden konnte. Freilich an Opfern hat es nicht gefehlt; die Teilnehmer an Zusammenkünften, die Verbreiter des Sozialdemokrat", die Verteiler von Broschüren und Flug­blättern mußten sehr häufig ihre mutige, opferbereite Arbeit mit Gefängnisstrafen und mit Ausweisung aus Berlin bezahlen.

Aber keine Gefahren, weder Gefängnis noch Verbannung vermochten Kraft und Mut der Genossen zu brechen; für jeden ausscheidenden Kämpfer traten neue Streiter ein; jede Lücke wurde sofort ausgefüllt; ein förmlicher Wettstreit entspann sich um die gefahrvollsten Posten. Jeder wollte in der ersten Reihe fechten.

Bismarck hatte einsehen müssen, daß seine Spekulation mit dem Ausnahme­gesetz gänzlich verfehlt und erfolglos blieb. Weder war es gelungen, durch die Brutalität des Ausnahmegesezes die Arbeiterklasse zu gewaltsamen Angriffen gegen die Staatsgewalt zu veranlassen, worauf die Machthaber wohl gerechnet hatten, um die Arbeiterbewegung dann in einem Blutbade ersticken zu können, noch hatte man es fertig bekommen, die verhaßte Sozialdemokratie lahm zu legen, geschweige denn zu vernichten. Was nicht öffentlich an Agitation, Verbreitung von Literatur und Versammlungen geschehen konnte, wurde auf anderem Wege geleistet, wobei die Sozialdemokratie stetig Anhänger gewann und sich, namentlich auch in Berlin , in immer stärkerem Maße entwickelte.

In dieser Situation verfielen Bismarck und seine Trabanten, die zur Zeit in Berlin einen heftigen Kampf gegen die Fortschrittspartei und die Berliner Kommunalverwaltung führten( die Bismarck , wie er meinte, eine zu hohe Mietssteuer auferlegt hatte), auf die gloriose Idee, die Sozialdemokratie könne durch eine mildere Handhabung des Sozialistengesetzes von der Propagierung ihrer Grund­sätze, von der zielbewußten Agitation gegen die bestehende Gesellschaftsordnung abgebracht werden und sich als Vorspann gegen die bürgerlichen Gegner der Bismarckschen Reaktion mißbrauchen lassen.

Im Verfolg dieser absurden, durch keinerlei Handlung der Sozialdemokratie gerechtfertigten Annahme legte die Regierung der Neugründung von Arbeiter­bezirksvereinen, deren Errichtung zur noch besseren Zusammenfassung der Genossen und zum Betriebe der Gemeinde- und Reichstagswahlen notwendig wurde- die anderweite Organisation blieb natürlich vollkommen intakt- keine Hindernisse in den Weg. Vielleicht glaubte man bei der Polizei dadurch besser hinter solche Absichten zu kommen, die in Rücksicht auf das Sozialistengeset nicht öffentlich in den Arbeitervereinen verhandelt werden konnten.

Gleichzeitig wurde von der Regierung der Versuch gemacht, durch Be­gründung einer Zeitung in Berlin , die den schönen Namen Volksfreund" erhielt, polizeilich abgestempelte Arbeiterfreundlichkeit zu verzapfen. Die Redakteure und Mitarbeiter wurden aus der Polizeikrippe gespeist, eine Agitation für die Verbreitung des Blattes in Arbeiterkreisen in Szene gesetzt und alles aufgeboten, um durch den polizeilichen Volksfreund" der Sozialdemokratie das Wasser abzugraben.

Um der drohenden Gefahr, daß Verwirrung in den eigenen Reihen hervor­gerufen werde, vorzubeugen, entschlossen sich die Berliner Genossen, trotz der Tücken und Gefahren des Sozialistengesetzes ein täglich erscheinendes Blatt für Berlin herauszugeben.

Mit diesem Entschluß beginnt die Geschichte des Berliner Volksblatts", das später in den Vorwärts" aufging. Von den Fährlichkeiten, die damals einem der Verbreitung sozialdemokratischer Grundsätze und Forderungen gewidmeten Arbeiterblatt drohten, kann man sich heute kaum noch einen Begriff machen. Tag und Nacht auf dem Posten, stets in Sorge um die Weitereristenz des Blattes, in politischer und strafrechtlicher Beziehung neben der vor keiner Gewalttat zurück­schreckenden Regierung einer der Reaktion willfährigen Justiz gegenüberstehend,

MININIZ

Sier mögen einige biographische Notizen über das Berliner Volksblatt" Platz finden. Sergestellt wurde das unter dem Sozialistengesetz erscheinende Organ in der Druckerei der Genossen Bading und Bamberger , die in hingebungs­vollem Eifer die Interessen des Blattes als Verleger vertraten. Die erste Expedition befand sich in einem kleinen unzulänglichen Laden. Ein daran grenzendes Zimmerchen beherbergte die Redaktion. Von den ersten Redakteuren zitieren wir aus dem Gedächtnis einige Genossen, deren Namen einen guten Klang in der Partei haben, so zum Beispiel Sasenclever, Blos, Rödiger( der später infolge seiner Tätigkeit ausgewiesen wurde), Baake und Tutauer. Die Expedition wurde zuerst von dem Genossen Ewald( ebenfalls später ausgewiesen), später von den Genossen Liefländer und Glocke geleitet. Der erste Berichterstatter war, soweit ich mich erinnere, der aus Lassalles Zeiten bekannte Genosse v. Hofstetten. Haupt­mitarbeiter waren unsere unvergeßlichen Vorkämpfer Auer und Liebknecht. In dankbarer Erinnerung muß hervorgehoben werden, daß eine große Anzahl Genossen das Blatt durch Arbeiten verschiedenster Art unterstützt und ihm dadurch seine Aufgabe, im Dienste der Sozialdemokratie zu wirken, erleichtert haben.

Die Verbreitung des Berliner Volksblatts" mögen einige Zahlen illustrieren. Es fing mit einer Auflage von 2000 Exemplaren an. Anfang 1885 war sie auf 4000 Exemplaren gestiegen; im Jahre 1888 erhöhte sich die Abonnentenziffer auf 11 000, und nach den Reichstagswahlen des Jahres 1890 konnte das Blatt in einer Auflage von 25 000 Exemplaren erscheinen. Die Zeit, in der das Berliner Volksblatt" als selbständiges Organ der Berliner Parteigenossen dem kämpfenden Proletariat seine Dienste geleistet hat, ist nicht gar lang und doch werden diese sechs Jahre in der Geschichte der Berliner Sozialdemokratie unvergessen bleiben. Unter den schwierigsten Verhältnissen hat es unermüdlich, unter Anspannung aller Kräfte, den Kampf gegen die Bismarcksche Reaktion geführt.

Dank der durch die Teilnahme der Genossen stark unterstüßten emfigen Arbeit des Berliner Parteiorgans und vor allem durch die in immer höherem Maße betriebene Agitation und Propagierung der Parteiziele wurde in jenen Jahren eine geistige Vertiefung der Parteigenossen erreicht, die, durch fleißiges Studium der Parteiliteratur gefestigt, sich auch bald äußerlich in sehr erfreulichem Umfange erwies, indem die Jahre 1884, 1887 und 1890 uns einen sehr erheblichen Stimmenzuwachs bei den Reichstagswahlen brachten. Außer­dem wurde die Periode der kommunalen Tätigkeit in Berlin eingeleitet und in fortschreitender Entwickelung gefördert. Nachdem die Verhandlungen des Reichstages Jahr für Jahr Gelegenheit geboten hatten, die Handhabung des Sozialistengesetzes zu brandmarken, und die von der Regierung im In- und Auslande, namentlich von Berlin aus, betriebene Spizelwirtschaft das Reich aufs Alergste bloßgestellt hatte, während zugleich die völlige Erfolg­losigkeit des Sozialistengesetes offenkundig zutage getreten war, fand sich da Bismarck , zu jener Zeit in Konflikt mit dem jungen Kaiser, der sich in bezug auf das zu Ende gehende Ausnahmegesez vollkommen passiv verhielt- im Jahre 1889 im Reichstage keine Majorität mehr für die Verlängerung des Ausnahme­gesetzes.

Das brutale Machwerk junkerlicher Reaktion wurde sang- und klanglos verscharrt, während die Sozialdemokratie trotz des Ausnahmegesetzes innerlich gefestigt und nach außen machtvoll erstarkt, stolzen Mutes dem Urheber des Schand­gesetzes gegenüberzutreten vermochte. Das Regiment Bismarcks war zu Ende. Mit dem Fall des Sozialistengesetzes brach auch die politische Macht Bismarcks schmählich zusammen.

Am 1. Oktober 1890 trat das Sozialistengesetz außer Kraft.

Inzwischen waren alle Vorbereitungen getroffen worden, um die Partei unmittelbar nach Erlöschen des Sozialistengesetzes wieder in öffentliche Aktion treten zu lassen. Der Entwurf eines neuen, den veränderten Verhältnissen angepaßten Organisationsstatuts war von der Reichstagsfraktion ausgearbeitet worden, um als Grundlage für die auf dem Parteitage vorzunehmende Be­ratung zu dienen. In stiller, aber doppelt emsiger Arbeit wurden die Aufgaben erwogen, die der Partei harrten, und der Weg für den siegreichen Vormarsch des kampfbereiten sozialdemokratischen Proletariats geebnet.

Am 30. September war die Geltung und Wirksamkeit der von der Sozial­demokratic niedergerungenen schmachvollen Gewaltmaßregeln beendet, und schon nach wenigen Wochen, am 12.- 18. Oktober, tagte in Salle a. S. ein von der

DANVA

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