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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Wohlfahrtsplage.
Die Veranlassung, Wohnungen für die Werksangehörigen zu bauen, war erst dann gegeben, als mit der immer größeren Ausdehnung der Fabrik und der damit zusammenhängenden rasch wachsenden Ein wohnerzahl ein empfindlicher Wohnungsmangel sich geltend machte."
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Dienstag, den 4. Mai 1909.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
So erhält der Unternehmer die Macht, die Lieblinge, die Finanzreformplane fofort nach seiner Berin allem unterwürfig sind, aus der Tasche der anderen, die kündigung im wesentlichen zugestimmt. nicht gefügig, nicht willenlos sind, zu belohnen. Niemand kann Der von Lloyd George aufgestellte Reformplan schlägt folgende verkennen, daß damit die Wohlfahrtseinrichtungen nicht nur Vermehrung der Staatseinnahmen vor: ein Mittel für jede Art Beeinflussung, sondern auch eine Quelle der Demoralisation werden.
Nicht einmal die Behauptung, die Unternehmer brächten aus ihrem Vermögen immerhin Opfer für solche Wohlfahrtseinrichtungen, ist richtig. Zum Beweise für jene Behauptung muß gewöhnlich die weltberühmte" Struppsche Pensionskasse als Demonstrationsobjekt dienen. Es wird auf die Beiträge So charakterisiert die Firma Krupp selbst die Motive, die der Firma verwiesen, auf ihre Zuwendungen an die Kasse und ie zu ihren wichtigsten Wohlfahrtseinrichtungen" bestimmt auf die vielen Millionen, die daraus angeblich als Pensionen haben. Das vorstehende Zitat entstammt der Festschrift, die gezahlt worden sind. Die Sache hat jedoch einen Haken. von der genannten Firma zur Ausstellung in Düsseldorf im Bisher ist für Pensionen noch nicht ein Pfennig aus den Jahre 1902 herausgegeben worden ist. Und der Königliche Beiträgen und Schenkungen der Firma verwendet worden. Berginspektor R. Hundt schreibt in dem vom Verein für die Die Staffenleistungen wurden ausschließlich aus den Zwangsbergbaulichen Intessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund" beiträgen der Arbeiter bestritten. Für diese charakteristische uns auf Materialien berufen, herausgegebenen Buche Bergarbeiterwohnungen im Ruhr- Tatsache können wir die die Firma Krupp selbst geliefert hat. Bei GeAndrerseits( falls die Werke nicht Arbeiterwohnungen gebaut legenheit Prozesses, den mehrere ehemalige hätten) würde aber auch der Rheinisch- Westfälische Steinkohlen- Struppsche Arbeiter gegen die Firma wegen Rückerstattung bergbau nicht die erforderliche Anzahl von Arbeitskräften hin- der eingezahlten Pensionskassenbeiträge angestrengt hatten, reichend schnell haben heranziehen und nicht den großartigen Auf- unterbreitete der Anwalt der Beklagten dem Gericht einen Schriftsatz, der u. a. folgende Angaben enthielt:
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schwing der letzten Jahre haben nehmen können."
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Vom 1. Januar 1885 bis 1. Dftober 1907 Haben Penfionen bezogen 6424 Personen.. 17 763 503,54 M.
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Erhöhung der Einkommensteuer Steuerzuschlag für Einkommen über 5000 Pfund im ersten Jahr ( später 2,3 min.) Menderung u. Erhöhung der Nachlaßsteuer ( Estate duty) im ersten Jahr.
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( im nächsten Jahr 4,2, schließl. 4,4) Erhöhung der Erbschaftssteuer auf beivegl. u. unbewegl. Bermögen im ersten Jahr 1,37 ( später 2,15 Min.) Erhöhung des Stempels f. Ilebertragung bon Immobilien und Wertpapieren Erhöhung der Schanktonzessionsabgaben 2,6 Erhöhung der Zölle und der Akzise auf Spirituosen
Erhöhung des Bolls auf Tabat. Wertzuwachssteuer auf Grundbesitz
Kürzung des Schuldentilgungsfonds Automobilsteuer
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Hinzu kommen noch verschiedene Kleine Nebensteuern. Besonders fordert zum Vergleich mit der deutschen Reichsfinanz
reform die geplante Erhöhung der Erbschaftssteuer heraus. England
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bezieht schon jetzt aus der Erbschaftssteuer eine Jahreseinnahme von Hier wie dort ist deutlich gesagt, daß die Erbauung von fast 400 millionen Mark; trotzdem sollen die Erbschaftssteuersätze Werkswohnungen nicht etwa humanitären Erwägungen entdermaßen erhöht werden, daß zunächst noch 80, später aber über sprungen ist, sondern dem Kaltül des Eigeninteresses. Was 130 Millionen Mark aus der Erbschaftssteuer herausgeholt werden. kostet die Geschichte, was bringt sie ein? Das war die Frage! Diese großen Kassenleistungen.. konnten nur dadurch er- Und dieses Resultat gedenkt die englische Regierung nicht dadurch zu Man fand, daß die Anlage von Wohlfahrtseinrichtungen" möglicht werden, daß die Beklagte( Firma Krupp) zur finanziellen erreichen, daß sie die kleinen Erbschaften schärfer zur Steuer heranganz rentabel sei, daß diese sich gut verzinsen. Gewöhnlich Stärkung der Pensionskasse dauernd sehr erheblich beitrug. Bom zieht, sondern dadurch, daß fie die Abgabe von den großen Nachhandelt es sich dabei um indirette Vorteile für 1. Januar 1885 bis 30. September 1907 hat sie der Pensionskasse läffen über 100 000 m. beträchtlich erhöht. Nach dem Vorschlage die Unternehmer. Sie Lassen sich die Wohlfahrt" zugeführt... zusammen 16 533 165 M." des Schatzsekretärs foll für die Erbschaften unter 100 000. die etwas tosten, ohne bare Einnahmen daraus zu ziehen. Man könnte nun annehmen, zu den gezahlten Pensionen bisherige Steuerabstufung bestehen bleiben. Erst von Erbschaften Dafür werden sie dann als Wohltäter" der Mensch- hätten die Beiträge der Firma beitragen müssen. Das ist über 100 000 M. beginnt die Erhöhung, und zwar sollen zahlen: heit gepriesen. Tatsächlich mag in einzelnen Fällen den jedoch nicht der Fall. Bereits Ende 1906 verfügte nämlich die Nachlässe von 5 000 bis 10 000 Pfd. Sterl. Unternehmer ein gewisses Humanitätsgefühl zur Hergabe Staffe über ein Kapitalvermögen bon 18 370 000 M. Demnach von Geldmitteln für Wohlfahrtseinrichtungen bewegen, ge- waren nicht nur die gesamten Leistungen der Firma, sondern wöhnlich jedoch entscheidet das Geschäftsinteresse. Die Wohl auch noch erhebliche Summen aus den Arbeiterbeiträgen zu fahrtseinrichtungen" werden dergestalt mit dem Arbeitsverhält der Vermögensansammlung verwendet worden. nis verkoppelt, daß dessen Lösung für den Arbeiter zugleich diesem Vermögen benutzt die Firma einen großen Teil als den Verlust allen Anspruchs auf die Wohlfahrtseinrichtungen Betriebskapital, auf das sie 4 Proz. Zinsen zahlt, während es im Gefolge hat. Wenn z. B. einem Werkswohnungsinhaber ihr vielleicht doppelt so viel einbringt. Das ist alles plötzlich die Arbeitsstelle gekündigt wird, weil er eine Lohn- Wohlfahrt! Die Sache steht so, daß die vielen tausende Arbeiter, die reduktion oder eine unwürdige Behandlung durch einen Vorgesetzten nicht willig hinnehmen wollte, dann muß er auch alljährlich aufhören, bei Strupp zu arbeiten und damit aus plöglich die Wohlfahrtswohnung verlassen. Er steht also der Kassenmitgliedschaft ausscheiden, die Hauptträger der Selbst die„ Nordd. Allgem. Ztg." vermag sich nicht zu enthalten, vor der Gefahr, zeitweilig obdachlos zu zu sein. Das Wohlfahrtskosten sind. Sie müssen bezahlen und bekommen die sich in diesen Ziffern offenbarende Opferwilligkeit" der engfelbe trifft wenn zu, der Inhaber einer Werts- unter feinen Umständen etwas zurück. In dem erwähnten lischen herrschenden Klassen mit der Zugeknöpftheit unserer wohnung der erwähnten Umstände wegen, oder weil er Schriftsatze wird, um die moralische Wirkung solcher unbestreit- Edelsten und Besten zu vergleichen. Sie schreibt: eine bessere Arbeitsstelle annehmen will, selbst das Arbeits- barer Tatsachen abzuschwächen, der Versuch unternommen, den berhältnis fündigt. Das schreckt von der Opposition gegen Anschein zu erwecken, als ob die Mehrzahl der Abgekehrten des Unternehmers Gebot ab, umsomehr, wenn auch noch mit freiwillig der Wohlfahrt entflöhe. Von 14 340 in einem Jahre der Möglichkeit einer längeren oder fürzeren Arbeitslosigkeit Ausscheidenden, von denen jeder zirka 6 M. Einschreibegeld gerechnet werden muß. Fast alle für Werkswohnungen be- und pro Monat zirka 3 M. Beiträge zahlen mußte, hätten stehenden Verträge enthalten aber den angeführten lauseln 10 187 selbst gekündigt und 1442 ohne Kündigung die Arbeit entsprechende Bestimmungen. Aus der bunten Reihe feien eingestellt. Das beweist jedoch nichts für die Güte und die hier nur zwei angeführt. Einwandfreiheit der Kasse, sondern spricht nur gegen die ArbeitsDer Bezieher einer der von der Harpener Bergbau- Ge- berhältnisse. Unbeliebte Arbeiter fann man derart zwacken, sellschaft erbauten Wahlfahrtswohnungen muß folgende Ver- daß sie freiwillig" auf Wohlfahrtssegen verzichten. Hinzu bflichtung eingehen: tommt aber noch, daß man zwecks Konstruktion des nichtsder Vertrag erlischt sofort, wenn der Mieter seine sagenden Beweises das Jahr-1906 aussuchte, ein Jahr, Arbeit auf der Zeche freiwillig verläßt oder unfreiwillig aufgeben in dem bekanntlich der Begehr nach Arbeitskräften größer war als das Angebot, und die Arbeitsstelle leicht gewechselt werden muß." konnte. Aus diesem Grunde war auch bei Strupp in diesem Jahre das Hinauswerfen der Wohlfahrtsanwärter naturgemäß sehr gering.
Die Firma Krupp läßt von ihren Arbeitern( Zeche Hannover ) folgende Bestimmung unterschreiben:
.... die Bedingung, obige Wohnung mit dem Tage zu räumen, an welchem ich aus der Arbeit oder dem Dienst der Beche Hannover ausscheide, nehme ich ebenfalls an."
Manche dieser Verträge enthalten außerdem noch die Bestimmung, daß die Söhne der Wohnungsinhaber verpflichtet sind, bei dem Brotherrn" des Vaters zu arbeiten! So werden die Wohlfahrtseinrichtungen zu einer Fessel für die Arbeiter, die nicht leicht gesprengt werden kann.
" Im Hinblick auf die Haltung der Reichsfinanzkommission gegenüber den Vorschlägen der deutschen Regierung ist die Forderung des britischen Schazkanzlers von besonderem Interesse. Wie die Frankfurter Zeitung " hervorhebt, hat R. E. May im Finanzarchiv festgestellt, daß eine Nachlaßsteuer mit den bisherigen englischen Säßen in Deutschland etwa 220 Millionen Mark einbringen würde; unter Berücksichtigung der jetzt für England geplanten Erhöhung würden also in Deutschland ver mutlich anmähernd 300 Minionen Mark herauskommen. Hiernach fann wohl schwerlich mit Recht behauptet werden, daß es be denklich sei, die Erbanfälle auf Kinder und Ehegatten in Deutsch land mit 100 Millionen Mark zu belasten. Niemand wird auch die Auffassung zu vertreten in der Lage sein, in England habe die Nachlaßsteuer den Familiensinn beeinträchtigt. Was in England auf diesem Gebiete längst Wirklichkeit ist, wird doch bei uns nicht unmöglich sein, wenn es gilt, der unerträglichen Finanznot des Reiches abzuhelfen."
Jm perfiden" Albion entscheidet eben nicht nur das Profitinteresse der Junker und Schlotmagnaten über die Steuerpolitik des
Die Unternehmer wissen, was sie tun, wenn sie ihre Reiches. Wohlfahrtseinrichtungen, die ihnen angeblich materielle Opfer auferlegen, hartnäckig verteidigen. Sie wissen: ihre Wohlfahrtsinstitutionen sind Ketten, die ihnen willenlose Arbeiter sichern!
Politische Ueberficht.
Berlin , den 3. Mai 1909. Abgeordnetenhaus.
Der große Sigungssaal des Hauses in der Prinz- Albrecht
Englische und deutiche Steuerpolitik. Straße wies auch am Montag wieder eine gähnende Leere
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In noch viel wirkungsvollerer Weise dienen als Mittel der Lohndrückerei die sogenannten Pensionstassen. In nur In einer„ Ein demokratisches Budget betitelten auf, und die paar Volksvertreter", die ihrer Pflicht nachwenigen Fällen beschränken sich diese darauf, den Arbeitern Notiz unserer Sonntagsnummer wie im Leitartikel unserer gestrigen tamen, fümmerten sich weniger um die Verhandlungen, die Belohnung für Wohlverhalten und Ausschluß von Vorteilen Montagsnummer haben wir bereits darauf hingewiesen, daß auch sich noch immer um den Stultusetat drehen, als um die Vorin Aussicht zu stellen, falls sie die Unzufriedenheit des Wohl- England sich zurzeit in einer Finanznotlage befindet, da sich ein gänge in der Steuerkommission des Reichstages, über die sie täters erregen, ohne die Arbeiter zu Beiträgen heranzuziehen. Budgetdifigit von ungefähr 16 Millionen Pfund Sterling heraus- ihre Meinungen lebhaft austauschten. Durch besonderen Eifer Die meisten solcher Rassen sind vielmehr derart organisiert, gestellt hat. Bur Dedung dieses Betrages und einiger notwendiger tat fich der unvermeidliche Freikonservative Dr. Arendt daß die Arbeiter zwangsweise Beiträge leisten müssen, ohne neuer Ausgaben sollen nach dem Vorschlage nach dem Vorschlage des Schatz- hervor, der einer Gruppe Abgeordneten der Linken so laute bestimmte berbürgte Rechte zu erlangen. Der Unter- fekretärs Aloyd George ungefähr 400 Millionen Mart neue Vorlesungen über die beste Art der Bekämpfung der Sozialnehmer hat gewöhnlich die Befugnis, aus den Kassen Reichseinnahmen beschafft werden. Während aber die deutsche Re- demokratie hielt, daß seine Worte auf der Tribüne besser zu ganz nach Willkür, einzelnen Arbeitern für ihr Wohl- gierung eine Reichsfinanzreform durchzuführen sucht, die nur verstehen waren als die der Redner. berhalten Pensionen zu gewähren; andere aber, die sein ungefähr ein Fünftel der geplanten neuen Steuern den besigenden Die lebhaften Privatgespräche wurden durch unseren GeMißfallen erregten, die gegen Lohndrückerei oder gegen sonstige Klassen, vier Fünftel aber den unbemittelten Bolts- nossen Borgmann unterbrochen, der die Erhöhung der VerBedrückung murrten, kann er trotz der von ihnen geleisteten schichten aufbürdet; berfolgt die englische Regierung die pflegungssäge in der Charité zur Sprache brachte, die schlechten Beiträge von jeder Gegenleistung der Stasse ausschließen. Die Absicht, nur etwas mehr als ein Siebentel der erforderlichen Zustände in dieser staatlichen Anstalt schilderte und an der Hand angeblichen Rechte der Mitglieder, paragraphiert in den Steuersummen aus Tabat und Spirituosen herauszuholen; die eines Spezialfalles die mangelnde Fürsorge der Verwaltung Statuten der Stasse, sind nur dekorativ, weil der Unternehmer übrigen sechs Siebente! follen dagegen durch für im Dienst der Menschheit verunglückte Krankenpfleger in der Lage ist, jedem Arbeiter zu jeder Zeit zu kündigen. Besiz steuern und Verminderung der Schulden- geißelte. Obwohl der Vertreter der Regierung, Ministerialund fast alle solche Statuten enthalten eine Bestimmung, tilgung gebedt werden. Und was im Vergleich zu unseren direktor Altmann, ihm in allen Bunften recht gab, befam vonach mit der Lösung des Arbeitsverhältnisses zugleich alle deutschen Zuständen höchst charakteristisch für die Auffassung der es doch der Konservative v. Arnim fertig, zu behaupten, Ansprüche an die Kasse erlöschen. Auch findet eine Rückzahlung englischen Bourgeoisie von ihren sozialen Verpflichtungen ist die daß alles, was Borgmann vorgebracht habe, widerlegt sei. der Rwangsbeiträge nicht statt. Mehrheit des englischen Unterbauses hat diesem Entweder hat Herr v. Arnim während der Rede des