Nr. 195.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Die Blockadegefahr.
II.
Sonntag, den 22. August 1909.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Die Heimat ist nämlich noch immer für unsere Industrie Einfuhr angewiesen. Ja, sie spielt eigentlich eine recht under beste Markt. Gilt dies in erster Linie für den Handel bedeutende Rolle. Wir beziehen nämlich alle Getreidearten mit Fertigfabrikaten, so auch für die Deckung des Bedarfs an( außer Weizen) zum weitaus größten Teil aus Rußland Rohstoffen. So betrug beispielsweise 1906 der Wert aller und Oesterreich- Ungarn ! Nur bei Weizen, der vorNun wenden aber unsere Flottenfreunde ein, daß sich seit deutschen Bergwerkserzeugnisse 112 Milliarden Mark, während wiegend aus Argentinien und den Vereinigten Staaten Ser Kontinentalsperre die Verhältnisse zuungunsten Deutsch - die Gesamteinfuhr von Bergwerksprodukten 675 Millionen kommt, überwiegt die überseeische Einfuhr. Dagegen lands geändert hätten. Das trifft jedoch nicht zu. Gewiß spielt Mark ausmachte. Von diesem Werte stammten zirka 325 beziehen wir wieder ausschließlich oder aber fast ganz aus jezt der Außenhandel für uns eine größere Rolle, als zur Beit Millionen aus den anliegenden Ländern, so daß also Deutsch - den Nachbarländern: Milch und Milchprodukte, Federvieh der Kontinentalsperre; aber unsere Flottenbefürworter wollen land seinen Bedarf an Bergwerkserzeugnissen noch nicht zu und Eier, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse und Kartoffeln. Die durchaus nicht beachten, daß bei einer Blockade Deutschlands einem Sechstel überseeisch deckte. Bei vielen Arten von Ein- ebensmitteleinfuhr ist also im Falle einer eben nur die deutschen Häfen blockiert sind und daß die fuhrgegenständen liegen die Verhältnisse natürlich noch weit Blockade überhaupt nicht in Frage gestellt. deutsche Regierung die Wirkung. der Blockade nicht noch durch günstiger. Wenn nun immer noch eine beträchtliche Abhängig- Uebrigens ist die Sorge der herrschenden Klassen um die ein Handelsverbot mit England verstärken wird! Dann aber keit von der überseeischen Einfuhr besteht, so darf doch nicht Lebensmittelversorgung des Volkes geradezu rührend ist Deutschland noch immer das beste Absatzgebiet Englands, vergessen werden, daß bei jedem Kriege Millionen der komisch; denn der Zweck der ganzen junkerund die mit dem Deutschen Reiche in Handelsbeziehungen leistungsfähigsten Arbeitskräfte der Produktion entzogen Ii chen 3ollschußpolitik ist ja doch die völlige stehenden englischen Kaufleute werden sich den Teufel um werden. Dann aber geht bei jedem Kriege der Konsum stark Absperrung der Grenzen gegen die Lebensdas Interesse der englischen Regierung fümmern. Das zurück. Die Kaufkraft des Volfes muß finfen, wenn Hundert- mitteleinfuhr. Ob nämlich die Grenze durch KriegsSapital fennt fein Vaterland, und sollte die englische Re- tausende von Familien ihres Ernährers beraubt werden und schiffe des Gegners oder aber durch die sogenannten Schutzgierung ihren eigenen Handel mit Deutschland tatsächlich wenn der nicht aktiv am Krieg beteiligte Teil der Bevölkerung zölle gesperrt wird, das ist in der Wirkung vollständig gleich. blockieren, dann würde dieser einfach über die neutralen durch die hohen Kriegssteuern bis aufs Mark ausgefogen Der einzige Unterschied ist vielleicht der, daß bei einer Blockade Häfen gehen, was die britische Regierung höchstwahrscheinlich wird. Das ganze Erwerbsleben wird gelähmt, und der Be- nur die Küsten gesperrt sind und daß daher dieses Mittel durchaus in der Ordnung finden würde. darf an Rohstoffen sinkt im Vergleich zu dem bisherigen weit weniger probat ist, als das der Schutzölle, soVerbrauch auf ein Minimum herab. Das gilt nicht nur bald diese nur genügend hoch sind. Gerade bei den Agrarfür den mit einer Blockade verbundenen Krieg, sondern für zöllen, die ja den Kern unseres ganzen Schutzzollsystems ieden blutigen Konflikt. bilden, tritt ja die Absicht des Gesetzgebers und die Wirkung Weiter wollen wir noch die Behauptung auf ihren Wert am deutlichsten in die Erscheinung. Zweck der Agrarzölle ist prüfen, daß bei einer Stockung der Lebensmitteleinfuhr es, den Preis der inländischen Lebensmittel um ungefähr den infolge Blockierung der Küsten eine Hungersnot die unaus- Einfuhrzoll zu erhöhen. Je höher also der Einfuhrzoll ist, bleibliche Folge sein würde. desto höher kann auch der Preis der betreffenden Inlandsprodukte geschraubt werden. Das Ausland wird somit als Preisregulator ausgeschaltet, und der Preis der heimischen Lebensmittel kann bedeutend über dem Weltmarktpreis gehalten werden. Wo die Wirkung dieses Systems noch durch indirekte Ausfuhrprämien erhöht wird, wie es bei uns in Deutschland tatsächlich geschieht, da müssen die Lebensmittelpreise einen enorm hohen Stand erreichen.
Wir sehen also, daß aus der Kontinentalsperre keine Schlüsse auf die Wirkung einer fünftigen Blockade gezogen werden können, und wir wenden uns daher zur Blockade der nordamerikanischen Südstaaten, die ja ebenfalls zeigen soll, was Deutschland ohne eine starke Flotte an Schrednissen zu erwarten hat.
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Eigens
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Man werfe nur einen Blick auf die Landkarte, und man wird finden, daß die Wirksamkeit der Küstenabsperrung Inwieweit Deutschland bei der Ernährung seiner Beeigentlich von vornherein selbstverständlich sein mußte. Im völkerung auf das Ausland angewiesen ist, das zeigt deutlich Norden stießen die Südstaaten an die Grenze des die folgende Tabelle. Es betrug im Jahre 1906 bei den Feindes, und mit dem Feindesland war ein wichtigsten Nährfrüchten in 1000- Tonnen: Handelsverkehr böllig ausgeschlossen. Denn Eisenbahnen das wollen unsere Gegner immer nicht beachten fehlten damals gänzlich, und so konnte denn weder nach Norden noch nach Süden der Landweg wegen seiner riesigen Länge gewählt werden. Unter diesen Umständen mußte die Ausfuhr der erzeugten Waren Baumwolle, Reis, Tabak, Buder usw. erheblich abnehmen, desgleichen
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produktion
9
•
•
3 111
8 431
Roggen. 9.626 Weizen. 4 399 Gerste Hafer Sartoffeln. 42 937 Summa 68 504
Einfuhr Ueberschuß d. Einfuhr über die Ausfuhr 404 1749
665
2 091
2075
2058
680
343
107
4 661
265 5776
Daß die Praxis diese Ueberlegungen bestätigt, das geht aus der Tatsache hervor, daß in Deutschland zurzeit der Weizenpreis um etwa 60 M. und der Roggenpreis um ungefähr 50 M. über dem Weltmarktpreis stehen, daß also aber war an eine Einfuhr von Industrieprodukten gar nicht Wir sehen also, daß Deutschlands Bedarf an den wich- unter der Herrschaft der Junker wahre zu denken. Die Südstaaten waren aber ganz auf die In- tigsten Nährfrüchten nur zu etwa ein Fünfzehntel vom Aus- ungersnotpreite erreicht worden sind, duſtrie des Auslandes angewiesen, und gerade der Mangel lande gedeckt wurde. Wir dürfen hier aber nicht außer trotz der glänzendsten Ernten! Und wenn nun an Waffen, Munition, Maschinen, Kleidungsgegenständen usw. acht lassen, daß in Deutschland allein in den Brenne- die herrschenden Klassen nach immer höheren Zöllen schreien, hat wesentlich zur Beendigung des Krieges beigetragen. Richtig ist, daß die Preise für die notwendigsten Lebens- reien das 8wölffache der gesamten Sartoffel o fann man ihre Sorge um die Lebensmittelversorgung des Richtig ist, daß die Preise für die notwendigsten Lebens- ein fuhr verbraucht wurde, daß große Mengen an Volfes im Kriege unmöglich ernst nehmen! mittel folossal stiegen. Das lag zum Teil an dem Rückgang Kartoffeln zur Stärkemehlbereitung Verwendung fanden In bezug auf die Fleischversorgung ist übrigens der
der Produktion, der dadurch verursacht wurde, daß ein großer und daß der Getreidebedarf zur Branntwein- dealzustand der Junker, die völlige Sperrung der Grenze, Teil der männlichen Bevölkerung im Kriege ſtand, daß bereitung die gesamte Roggene infuhr über- bereits erreicht. Nun wird doch aber niemand im Ernste beinfolgedessen den Farmen die Aufseher fehlten und die tra f. Ferner dürfen wir nicht vergessen, daß Deutschland haupten wollen, daß das wirkliche Bedürfnis nach Fleisch und Sklaven nur im Auftrage der Frauen arbeiteten, und daß für 237 Millionen Mark aus deutschen Rüben gewonnenen Fleischwaren durch die eigene Produktion gedeckt wird. Daz auch zufällig das Jahr 1862 ein Jahr der schwersten Miß- Bucker exportierte, welche Summe beinahe dem Wert der ganzen Familien gar nicht oder doch nur selten den Luxus des FleischFleisch steht eben so hoch im Preise, daß sich ungezählte ernte war. Aber obgleich auch die Erzeugung abnahm, und Weizeneinfuhr gleichkam; und endlich ist noch zu beachten, obgleich die Truppen der Nordstaaten bei ihren Einfällen daß ein Teil des eingeführten Getreides in Form von Mehl genusses erlauben können. Und das ist es ja gerade, was wir mit Vorsatz alle Bestände an Nahrungsmitteln, soweit sie sie wieder an das Ausland zurückkehrt; hatte doch Deutschland den herrschenden Kelassen zum Vorwurf machen, daß sie nicht selbst gebrauchen konnten, zerstörten, an Lebens- 1906 in Mehl eine Ausfuhr von 139 000 Tonnen, der nur unbekümmert um die wahren Bedürfnisse mitteln fehlte es nicht. Noch gegen Ende des 27 000 Tonnen Einfuhr gegenüberstanden. Handelt es sich der breiten Massen und um die alllgemeine Krieges wurden von den Nordstaaten ungeheure Vor- also um die Ernährung der Einwohnerschaft, Volksgesundheit die Grenzen durch ihre räte an Getreide, Biehfuttermitteln und so fann Deutschland im Ernstfalle diese famose Seuchenpolitik und durch die Zölle Vieh beschlagnahmt oder zerstört! Der Nahrungs - noch immer allein besorgen, wenn man nicht absperren und so einen Zustand schaffen, mittelmangel war hervorgerufen worden einmal durch die gerade eine ungünstige Ernte voraussetzt. der dem der Blockade durchaus gleicht! Das völlig unzureichenden Verkehrsmittel- bei gerade eine ungünstige Ernte voraussetzt. Doch unsere Gegner behaupten, daß die Lebensmittel- Proletariat wird ständig durch die Junkerklaffe blockiert, wie den Truppen durch die mangelhafte Organisation des einfuhr infolge des Wachstums der Bevölkerung immer es wirksamer durch keine Macht der Welt geschehen könnte, Trains andererseits aber durch das betrügerische größer werden muß; aber diese Behauptung, die man schon und deshalb macht auch das Gefasele unserer Marineüberund wucherische Wirken der Geschäfts- bor mehreren Dezennien aufstellte, hat sich bis jetzt noch nicht menschen von der Blockadegefahr auf die Arbeiterschaft bourgeoisie, die aus der Not der Massen als gerechtfertigt erwiesen. In einem weit höheren Grade einen berteufelt geringen Eindruck. Profit schlug. Wenn also die Blockade der Südstaaten etwas beweist, nämlich, als die Vermehrung der Bevölkerung vor sich geht, Herrschaft der Junker, das ist die Blockade in Permanenz! so nur die Skrupellosigkeit der Bourgeoisie und die Unfähig eigt auch die Produktivität der Landwirtschaft. Die folgende Tabelle mag das beweisen: keit der kapitalistischen Gesellschaft, in stürmischen Zeiten das folgende Tabelle mag das beweisen: Volk vor wüster und schamloser Ausbeutung zu schützen!
Doch betrachten wir uns den Außenhandel Deutschlands einmal genauer, um einen Maßstab für die Wirkung einer Blockade zu bekommen.
Vom Hektar wurden geerntet Doppelzentner: 1881/83
1894/96
1906
Roggen
9,87
11,67
15,78
Weizen.
12,50
15,10
20,35
Winterspelz
11,93
11,10
14,31
Sommergerste 12,90
14,33
18,92
Kartoffeln.
81,00
98,37
130,03
Hafer
Wiesenheu.
10,63 29,20
12,97 33,77
19,97 48,28
Die
( Von unserem nach Schweden entsandten Mitarbeiter.) Stocholm, den 20. Auguft. „ Dagblads" Redakteur Hildebrand hat mit seinen langen Demonstrationsfahnen am Hause des Blattes der Deffentlichkeit recht wenig Neues über die Wiederaufnahme der Arbeit melden fönnen. Sie sind nicht länger geworden. Er hat sie aber mit
Ueber jeden Zweifel steht fest, daß der Welthandel Deutschlands eine enorme Bedeutung für unser ganzes Wirtschaftsleben erlangt hat, und weiter läßt sich nicht leugnen, daß die deutsche Industrie in hohem Maße überseeischer Rohstoffe bedarf. Deutschland führte im Jahre 1906 für nicht Die Jahre 1907 und 1908 haben eine weitere starke neuen Lappen ausflicken lassen, um hier und da alte niemals wahr weniger als 4050 Millionen Mark Rohstoffe zu industriellen Steigerung der Ernteerträge gebracht, wuchs doch beispiels- gewesene oder nicht mehr wahre Nachrichten über Arbeitsaufnahme Zwecken ein. Aber diese Menge wurde nicht gänzlich der weise der Ertrag bei Roggen auf 18 Doppelzentner pro durch frische, aber nicht minder zweifelhafte zu ersetzen. Die geheimischen Erzeugung dienstbar gemacht; denn Deutschland Hektar. Die Erträgnisse steigerten sich also bei den einzelnen flickten Fahnen werden nun um so mehr verlacht, als es ja jetzt führte selbst für 1390 Millionen Mark Industrierohstoffe Getreidearten bis zu beinahe 100 Prozent, während sich die durch die neuen statistischen Zahlen der Landesbehörden unzweifelaus, gewiß auch eine ganz respektable Menge. Und was Bevölkerung in demselben Zeitraum um nur 33 Prozent ber- haft festgestellt ist, daß die Unternehmerpresse die Deffentlichkeit fort weiter beachtet werden muß wir sind nicht ganz und gar mehrte. Diese Steigerung der Ertragsfähigkeit ist vor allen gesetzt über die Ausdehnung des Streits zu täuschen suchte. Gestern auf die überseeische Einfuhr angewiesen; denn von der Dingen auf die Fortschritte in der Bearbeitung des Bodens abend war allerdings noch großer Jubel in der reaktionären Presse. oben angeführten Summe ist der Import aus den anzurückzuführen. Zweifellos fönnen hier noch weit beffere Man hatte da die neuen statistischen Angaben über die Zahl der liegenden Ländern in Abzug zu bringen, der einen Resultate erzielt werden, und die Behauptung vieler Fach- Streifenden aus verschiedenen Landesteilen, aber nicht aus einmal mit der üblichen Wert von mindestens 1200 Millionen Mark repräsentiert. männer, daß Deutschland bei rationeller Ausnutzung und Be- allen, und konstatierte wieder Immerhin bleibt die Tatsache bestehen, daß biel Rohstoffe arbeitung feines Bodens noch auf viele Jahre hinaus seinen Figigkeit, daß der Massenstreit im Südgang begriffen sei, überseeisch eingeführt werden; aber trotzdem soll man diese Bedarf an Lebensmitteln allein decken könnte, ist durchaus die Zahl der Streifenden sich bedeutend vermindert habe. Die Zahlen nicht überschätzen. Gewiß, die Zahlen des deutschen nicht übertrieben. Sicher ist ja, daß diese Steigerung der Freude währte nicht lange. Heute, wo die Zahlen aus dem ganzen Welthandels haben etwas Riesenhaftes an sich, aber sie be- Ertragsfähigkeit nicht bis ins Unendliche fortschreiten wird, Lande vorliegen, schrumpft die starte Verminderung auf die Zahl sagen uns noch gar nichts über die Bedeutung des Außen- aber auf jeden Fall ist die Höchstgrenze noch lange nicht von 1344 Personen zusammen, wobei immer zu beachten ist, daß es handels für unsere Nation, solange wir nicht den Wert des erreicht. sich hier um eine auf Anordnung der Regierung von ihren Beamten deutschen Innenhandels oder der heimischen Produktion Doch wenn wir wirklich Lebensmittel einführen müssen, aufgenommene Statistit handelt. Am 9. August, dem sechsten Streitso find wir damit keineswegs völlig auf die überseeischeltage, wurden 285 762 Streifende gezählt; am 18. August, also am
fennen.