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Nr. 100.

Grscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Biertels jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mr, wöchentlich 28 Pfg frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage, Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Desterreich­Ungarn a Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1898 unter Nr. 6708.

Vorwärts

10. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Beriammlungs- Anzeigen 20 fg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

fernfpred- niching Amt I, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Abonnements- Einladung.

Sonnabend, den 29. April 1893.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Aber bei dem Kapitel der Wohn- und Miethssteuer übertraf sich der Meister der Steuer, kunst" doch noch selber. Die Miethssteuern, voran die erbärmliche Berliner , drücken

wie ein Volksvertreter" mit kühner Stirne behauptete, man sei während der letzten Jahre in der Entlastung der unteren Klassen schon sehr weit, vielleicht zu weit gegangen". Mit dem 1. Mai eröffnen wir ein neues Abonnement Deshalb habe eine Ausdehnung der Verbrauchssteuern für einen Theil des Mittelstandes und der Be= städtische Zwecke durchaus nichts Bedenkliches. Die Tendenz siz enden auch tüchtig mit. Hier lag im Abgeordneten­der sozialen Gerechtigkeit", welche Miquel mit seiner Re- hause ein Antrag vor, spätestens am 1. April 1900 alle form angeblich verfolgt, erlaubte es ihm, diesen frechen Miethssteuern aus preußischen Städten verschwinden zu Hohn auf die thatsächlichen Verhältnisse unwidersprochen lassen. Dieser Antrag wurde am Dienstag angenommen, zu lassen. Jene Behauptung von der Entlastung" womit freilich noch nicht gesagt ist, ob die Agrarier diesen

auf den

Vorwärts"

Berliner Volksblatt

mit der illustrirten Sonntagsbeilage

Neue Welt".

Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von

1 Mark 10 Pfennige frei ins Haus,

wöchentlich 28 Pfennige.

2,20 Mark für die Monate Mai und Juni entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708.) Wir ersuchen unsere Postabonnenten höflicht. das Abonnement rechtzeitig aufzugeben, damit die regelmäßige Zustellung des Blattes teine Unterbrechung erleidet.

angesichts der fortgesetzten Auspowerung des Voltes zu einzigen verständigen Beschluß, der bis jetzt bei der zweiten gunsten der Großgrundbesizer und Fabrikanten ist eine Berathung gefaßt wurde, in der dritten Lesung bestehen jener Aeußerungen, die gemeiniglich nur am Vorabend lassen. Jedenfalls wurde der Antrag angenommen ge gen großer Umwälzungen gethan werden, wenn sich die Macht- den Finanzminister, der sich mit folgender haber nur noch durch Lüge und Trug retten zu können rabulistischen Ausführung für die Miethssteuer ins Zeug glauben. Man ließ es also in der Kommission bei der legte. Gott behüte, daß die Staatsregierung den häßlichen Empfehlung des Miquel'schen Entwurfs, die preußischen Charakter der Miethssteuer verkenne! Im großen ganzen Gemeinden möchten nur wacker Verbrauchssteuern für das wird man sagen können, daß... eine gleiche, nicht pro­zahlende Volk einführen: erst hat der große Haufen den gressive Miethssteuer eine unverhältnißmäßige Belastung der Zoll seiner Armuth zu entrichten; dann kommt erst die unteren und unbemittelten Klassen ist".. Wir sind direkte Steuer für die Vermögenden. Man ließ es bei der ferner überzeugt, daß allerdings die Lösung der Wohnungs­Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements elenden Scheinliste, nach welcher Fleisch, Getreide, Mehl, frage, die von so eminenter Bedeutung ist, durch eine un­zum Preise von Backwerk, Kartoffeln und Brennmaterialien auf den ersten zweckmäßige Miethssteuer in hohem Grade erschwert wird." Blick frei bleiben müssen von jeglicher Gemeindeauflage, in Das war der Honig, der der sozialen Steuergerechtigkeit" neu besteuert werden dürfen. Petroleum, Salz, Milch, Worten geschehen war, brach die bürgerliche Steuerbrutalität Birtlichkeit aber nur nicht höher als bisher und nicht geopfert werden mußte. Als dies aber mit jenen schönen Schmalz, Butter, Bier, darf dem armen Manne von jedem ungenirt wieder durch: Stadtverordnetenkolleg, in dem die Maſtbürger sizen, erkennen müssen, daß unter gewissen Umständen in einzelnen Andererseits haben wir doch an­fünftig bis zum Unerschwinglichen vertheuert werden durch Gemeinden eine zweckmäßig eingerichtete Miethssteuer ein ein städtisches Ottroi- Miquel mit seiner sozialen geringeres Uebel ist, als wenn man diese Gemeinden bei Steuerreform" und das Abgeordnetenhaus haben nichts da Mangel an anderen Hilfsquellen in solchen Fällen, Miquel sogar ganz offen, weshalb er die Scheinliste der an-( die waren aber doch als so vortrefflich möglich vorher von geblich steuerfreien Gegenstände ruhig habe aufstellen können. demselben Minister bezeichnet worden!), zu einer ganz. Weil eine Kontrolle dieser Steuern sehr schwierig und kost- übermäßigen Steigerung der Zuschläge zur Einkommen­spielig, auch verkehrshindernd ist" und deshalb faum eine ft e uer drängt, welche häufig ihre Lage durch den Weg­noch so bürgerliche Stadtverwaltung an Auflagen auf Brot, zug der Bemittelten noch verschlechtern." Miquel Fleisch oder Brennmaterial denkt das sind die hätte einige Minuten später gar kein Wort mehr darüber Die Miquel'sche Steuerreform" in Preußen ist doch Gründe der scheinbaren Freilassung, beileibe aber fein Ver- zu verlieren brauchen, daß er gegen die Uebertragung der ein herrliches Ding. Wer's nicht glaubt, der lese den Bericht, ständniß für den Nahrungsstand des Volkes! Bei der jetzt in preußischen Städten aus der Miethssteuer ein­den die betreffende Kommission des preußischen Abgeordneten- ganzen Reform entscheidet das Steuerfiskalische, ob sich's fommenden 12 Millionen auf die Einkommensteuer sei hauses vor kurzem über das Gemeinde- Abgaben- Gesetz er- lohnt", sonst weiter nichts. Lohnt sich's, so wird gepreßt, als er den Schutz der Bemittelten" und die Angst vor stattet hat, und die Verhandlungen, die in der Kammer am wo es nur geht. Und da sich Verbrauchsabgaben von Ge- deren Wegzug proflamirt hatte, lagen seine Karten ja schon Dönhoffsplate letzten Montag über städtische Vertränken für Städte nach Ansicht Miquel's sehr lohnen, so offen; er treibt eben soziale gerechte Steuerreform" für- brauchs- und Miethssteuern stattgefunden haben. giebt er sie völlig der Besteuerung preis und die dankbaren Bemittelte!

Die Redaktion und Expedition des

Vorwärts" Berliner Volksblatt. gegen. In der Verhandlung vom 24. April verräth namentlich auch wo Getränkesteuern nicht möglich find"

Soziale"

Steuerreform.

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Aus dem Bericht und der Verhandlung kann jeder, der Bürgermeister empfangen die volksfeindliche Steuerweisheit Liebevoll wird also dem preußischen Proletarier seine sehen will, erkennen, welchen Scherz sich der alte Rom - beglückt aus seinen Händen. Eine Biersteuer tann man unverhältnißmäßige Belastung" durch Mieths, Bier, munist, der jetzt auf dem Sessel des preußischen Finanz- in den Städten, die namentlich das Bier per Bahn von Branntwein, Petroleum- und andere Verbrauchssteuern er ministers sist, mit der sozialpolitischen" Tendenz seiner außen beziehen, sehr wohl durch Buchkontrolle führen, halten und womöglich erhöht werden, wenigstens, soweit es Reform leistet, das arbeitende Bolt wird wieder gründlich und eine Ueberwachung der( städtischen Extra) an Herrn Miquel und dem Produkt des elendesten aller hineingelegt! Branntweinsteuer... ist auch möglich." So fagte Wahlsysteme", den preußischen Bourgeoiskammern, liegt. Schon in der Kommission, die über das neue preußische der alte Kommunist am Montag, so ist sein Schröpf- Auch hier sorgen die Besizenden höchst eigenhändig dafür, Gemeinde- Abgaben- Gesez berieth, trat die Seelengemeinschaft programm für Städte beschaffen und solche Aussichten er- daß die schreiende Ungleichheit möglichst groß werde, die der angeblichen Reform"-Regierung mit der verstocktesten öffnen sich für die schon viel zu weit entlasteten" über kurz oder lang das Gefäß zum Ueberlaufen bringt. Reaktion und Volksfeindlichkeit auch in Sachen der Ge- Proletarier in den preußischen Städten unter der Reform". meindesteuern zu tage. Miquel hörte es dort ruhig mit an, Aera Miquel!

"

Feuilleton.

adbrud verboten.)

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Die Laufbahn eines Nihilisten.

Von S. Stepniat. Autorisirte Uebersehung.

mußte dies alles in die konventionelle, weitschweifige Sprache der Anspielungen und Allegorien hineinbringen. Das Re­sultat war eine Epistel, die ihm selbst so klar wie der Tag schien, für Tanja aber ein Räthsellabyrinth war, da fie un möglich wissen konnte, welche Säße in direktem und welche in figürlichem Sinne aufzufassen wären. Nachdem sie sich stundenlang über seinen räthselhaften Brief den Kopf zer­brochen hatte, wußte sie nicht, ob etwas vorgefallen, das Andrej vor seiner Abreise ordnen wollte, oder ob Andrej etwas zugestoßen sei und seine Freunde die Hoffnung hatten, alles zu ordnen eine Hoffnung, über die es ihr zustand, eine eigene Meinung zu haben.

Die Massenverhaftungen bewiesen jedenfalls, mit welcher Wuth die Polizei nach ihm jagte. Andrej fonnte sich nicht vervielfältigt haben und an so vielen Orten zu gleicher Zeit verhaftet worden sein. Konnte er aber frei sein, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben? Jedes neue Zeitungs­telegramm schien ihr ein böseres Omen als das frühere und mußte, da alle anderen falsch waren, richtig sein. Das Lesen der Zeitungen war eine wahre Qual für sie. Und doch verschlang sie alle, die ihr in die Hände kamen. Die Blätter lagen über ihr Zimmer verstreut, und dieses sah aus, wie das Bureau eines Journalisten.

Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. In den letzten vier Tagen hatte sie überhaupt nichts Die drei in solcher Angst verbrachten Tage hatten die­von Andrej erhalten. Der verhängnißvolle Zufall in dem Andrej selbst hatte nicht ein Wort geschrieben und seine selben Wirkungen auf sie ausgeübt, wie eine ernste Krank­Hause des Stotterers, der alle ihre Pläne und Aussichten Beitung war ausgeblieben. Sie erwartete sie mit der heit. Ihr Gesicht war blasser und schmäler ihre Augen zerstörte, die Hinrichtung der vier Freunde und alles, was größten Angst am Abend, um zu wissen, welche der beiden glänzten fieberhaft. Im Schlafe wurde sie von schrecklichen folgte, hatte Andrej's Geist dermaßen verwirrt und so voll- Deutungen von Gregor's Brief sie für die richtige halten Träumen heimgesucht, hervorgerufen durch die Lektüre und kommen in Anspruch genommen, daß er seine stumme Ror- sollte. Am Abend kam nichts; ebenso wenig am Morgen die Gedanken, denen sie sich bei Tage hingab. respondenz einstellte; da er täglich und stündlich nach oder an den beiden nächstfolgenden Tagen. Inzwischen Es ist geradezu wunderbar, daß er dieser Hölle ent­St. Petersburg abzureisen gedachte, schrieb er dieser kleinen überboten sich die Zeitungen in der Jagd nach sentationellen schlüpft ist," sagte sie zu David, als er ihr Andrej's Aben­Unterlassung keine Wichtigkeit zu. Leuten, die persönlich in Nachrichten aus Dubrawnik. Andrej wurde das Lieblings- teuer erzählt hatte. Gefahr Leben, zumal, wenn sie daran gewöhnt sind, fällt es thema der Berichterstatter. Seine Verhaftung sollte in" Ja, sie machten sie ihm sehr heiß," erwiderte David. sehr schwer, sich die stündliche Angst derer vorzustellen, die diesem und jenem Hause stattgefunden haben, auf der Sie müssen es sich angelegen sein lassen, ihn für wenigstens fern von ihnen weilen und sich in verhältnißmäßiger Sicher- Straße und auf dem Bahnhof. Die kurze Beschreibung der sechs Monate davon abzuhalten, sich in dergleichen An­heit befinden. Ueberdies wußte Andrej, daß Gregor an verhafteten Personen stimmte oft nur ganz entfernt mit gelegenheiten wieder einzumischen. Er hat für lange Zeit Tanja schreiben wollte und er würde ihr sicherlich mit ihrem Manne überein. Der Einbildungskraft war freier jede günstige Aussicht, mit Nußen thätig zu sein, verloren. theilen, daß sie beide außer Gefahr wären. Spielraum gelassen, um die dramatischen Einzelheiten über Vor allem, lassen Sie ihn auf keinen Fall von St. Peters­

Gregor hatte wirklich geschrieben. Doch trug dieser die Verhaftung und über das Betragen des Gefangenen burg fortgehen." Brief nicht viel zu Tanja's Gemüthsfrieden bei. Er war zu ergänzen. Eine Zeitung hatte angeblich aus ganz Ich werde mein Bestes versuchen," sagte Tanja in großer Gile geschrieben und Gregor hatte feine Zeit authentischer Quelle erfahren, daß der Gefangene seine lächelnd. Ich fürchte nur, daß er hier nicht sicher ist." gehabt, unsichtbare Tinte oder Chiffren zu benüßen. Er Indentität bereits eingestanden habe; eine andere, daß er wollte so viel sagen und erklären: die dringende Art der durch erdrückende Beugenaussagen indentifizirt sei; eine Angelegenheit, die Andrej zurückhielt, ihre gegenwärtigen dritte Zeitung, daß er unter starker Eskorte bereits nach Hoffnungen, die Aussicht einer schnellen Rückkehr und er St. Petersburg geschickt wurde.

"

Es ist jedenfalls der sicherste Ort," sagte David. Wo haben Sie ihn übrigens verlassen?" fragte fie ängstlich, hoffentlich doch nicht auf dem Bahnhofe?" David erklärte, daß sie sich erst getrennt hätten,