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Nr. 200.

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nila 26. Jahrg.

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5

Berliner Volksblatt.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Sonnabend, den 28. August 1909.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

Die Gewerkschaften im Jahre Jahre 1908.

Drganisationen M.

Die wirtschaftliche Depression, die den Tiefstand früherer| Streiks und Aussperrungen um 8 244 474 M. geringer waren wirtschaftlich ungünstiger Konjunkturen weit übertraf, hat als im Vorjahre, wogegen die Ausgaben für sonstige Unter­im Jahre 1908 für die gewerkschaftlichen Organisationen stüßungen enorm gestiegen sind. Auf die einzelnen gewerk­schwere Opfer erfordert. Nicht nur ein Verlust an Mit- fchaftlichen Zwecke entfielen 1908 an Ausgaben: gliedern ist eingetreten, sondern auch ungeheure finanzielle Anforderungen wurden an die Organisationen gestellt, um die Not der Mitglieder wenigstens in etwas zu lindern. Die Befürchtungen, die in Gewerkschaftskreisen bezüglich des Mit­gliederverlustes auftauchten, haben sich indes glücklicherweise nicht erfüllt.

Mitgliederbestand.

Betrachten wir die Entwickelung der gewerkschaftlichen Organisationen seit dem Jahre 1891, so will der Verlust bon 33 775 Mitgliedern im Jahre 1908 nicht viel besagen. Erfreulicherweise zeigt sich auch das weibliche. Proletariat mehr der gewerkschaftlichen Werbearbeit zugänglich. Fol­gende Tabelle gibt eine Uebersicht, die die Mitgliederbewegung überhaupt und die des Anteils der weiblichen Mitglieder am Gesamtbestand veranschaulicht:

Weibliche Mitglieder

2224 cr

Jahr

Mitglieder zahl insgesamt

Begen Vorjahr

Zunahme

in Proz

über­haupt

Anteil an Gesamt mitglieder zahl

in Proz.

1891

277 659

1892

237 094

4 355

1,8

1893

223 530

5 384

2,4

1894

246 494

10,2

5251

2,1

1895

259 175

5,2

6 697

2,5

1896

329 230

27,0

15 265

4,6

1897

412 359

25,2

14 644

3,5

1898

493 742

19,7

13 481

2,7

1899

580 473

17,5

19 280

3,3

1900

680 427

17,2

22 844

3,3

1901

677 510

23 699

3,4

1902

733 206

8,2

28 218

3,8

1903

887 698

21,0

40 666

4,5

1904

1 052 108

18,5

48 604

4,6

1905

1 344 803

27,8

74 411

5,7

1906

1 689 709

25,6

118 908

7,0

1907

1865 506

10,4

1908

1 831 731

136 929 138 443

7,3

7,6

.

-

Bon 1891 zu 1892 war ein Verlust von 40 610 Mitgliedern git berzeichnen, von 1892 zu 1893 ein solcher von 13 519 und im Jahre 1901 bon 2917 Mitgliedern. Der Verlust anfangs der neunziger Jahre traf die Gewerkschaften weit härter, als der im letzten Jahre und er erklärt sich, wenn man berück­sichtigt, daß die Gewerkschaften in den drei vorhergehenden Jahren nicht weniger als rund 800 000 Mitglieder gewonnen hatten.

Finanzen.

Reiseunterstützung

Umzugsunterstützung Arbeitslosenunterstützung

Arbeitsunfähigen-( Kranken-) Unterstützung

Invalidenunterstützung

Beihilfe in Sterbefällen

Beihilfe in Notfällen

Streits im Beruf

Streits in anderen Berufen und Ausland. Rechtsschutz..

Gemaßregeltenunterstützung

Verbandsorgan

Bibliotheken Unterrichtsturse

9

1 184 353 290 157

8 134 388

8 478 858 419 781 666 494 508 976

4 750 847 69 052 326 765

2071 297

47

38

43

51

8

48

47

54

37

53

48

1 440 263

62

39

29

14

Agitation.

60

Druckschriften, Broschüren ust.

54

Stellenbermittelung.

18

54

59

1 843 011

61

27

44

18

33 302

62 61

819 581 576 878

Statistiken.

Konferenzen und Generalversammlungen Sonstige Zwecke

Beitrag an die Generalfommission

Beitrag zu internationalen Verbindungen Beitrag an Kartelle und Sekretariate Prozeßtosten

Verwaltungskosten, persönliche

Verwaltungsmaterial

Die Einnahmen der christlichen Gewerkschaften belaufen sich auf 4 394 745 m., die Ausgaben auf 3 556 224 M. und der Vermögensbestand war 4513 409 M. In der Statistik der christlichen Gewerkschaften werden noch immer 6 Verbände geführt, die dem Gesamtverband nicht angeschlossen sind.

Ueber den Stand der Lokalorganisationen läßt sich für 1908 noch weniger berichten, als in den Vorjahren.

Das Statistische Jahrbuch zählte für 1908 insgesamt 21 unabhängige Vereine mit 135 127 Mitgliedern und berichtet, daß in dieser Aufstellung die Angaben für 13 Vereine fehlen. Unter dieser Gruppe zählte das Statistische Amt den Verband der Eisenbahnhandwerker in Trier mit 41 054, den Verband der badischen Eisenbahner mit 11 623 und den Verband der württembergischen Eisenbahner mit 8380 Mitglieder, während die christlichen Gewerkschaften diese Verbände immer noch als zu ihnen gehörig zählen.

152 781 Das Statistische Jahrbuch bringt auch eine Uebersicht 85 743 über die Gelben Arbeiterverbände und Werk. bereine". Es werden da ausgewiesen:

54 812

61 991 433 403

2 480 059 Drei örtliche gemischte Vereine mit 1015 Mitgliedern, 362 563 7 Berufsvereine mit 13 613 und 69 Werkvereine mit 50 710 Mitgliedern, zusammen 79 Vereine mit 65 338 Mitgliedern. Diese Vereine follen 1908 eine Jahreseinnahme von 347 784 Mart, eine Ausgabe von 268 871 M. und am Jahresschluß ein Vermögen von 380 574 M. gehabt haben.

279 618 40 332

662 613

Die Zentralverbände und die kleinen Konkurrenten. Weder in bezug auf den Mitgliederbestand noch in den

In wie enormer Weise sich die Aufwendungen für Unter- Leistungen der drei Organisationsgruppen ist im letzten Jahre In wie enormer Weise sich die Aufwendungen für Unter- eine Aenderung des bisherigen Verhältnisses eingetreten. Es stützungen im letzten Jahre gesteigert haben, mag eine Gegen bleibt, wie nicht anders zu erwarten, die Tatsache bestehen, überstellung der Hauptsächlichsten Ausgabeposten zeigen. Es daß die Zentralverbände als die gewerkschaftliche Vertretung berausgabten die Gewerkschaften 1908( in Parenthese die Aus- der deutschen Arbeiterklasse angesehen werden müssen, neben der gabe für 1907) für: die anderen beiden Organisationsgruppen sowohl hinsichtlich der Mitgliederzahl, als auch der finanziellen Leistungsfähigkeit keine große Rolle spielen. Es berausgabten 1908 für Rechtsschutz und Unterstützungen insgesamt: Drgani- Mitglieder­fationen zahl

Reiseunterstützung 1 184 353( 869 148) M., Umzugsunterstügung 290 157( 275 716) 2., Arbeitslosenunterstügung 8 134 388( 4 375 012) M., Arbeitsunfähigenunterstützung 8473 853 Beihilfe in Sterbefällen 666 494( 642 385) M., Beihilfe in Notfällen 508 976( 467 707) M., Gemaßregeltenunterstügung 1 440 263( 1 010 045) M.

.( 5 635 387 m.),

In den letzten 18 Jahren verausgabten die Zentral­berbände für

Streifunterstügung

Arbeitsunfähigen-( Kranten)-Unterstützung

Arbeitslosenunterstützung

Reiseunterstützung

Zentralverbände

H.-D. Gewerkvereine

Christl. Gewerkschaften.

pro Kopf Mart Mart 20 004 767 10,92

Streits und Aussperrungen:

3220

60

1 831 731

20

105 633

406 318

3,85

22

264 519

976 393

8,69

64 884 217 m.

Zentralverbände

60

1 831 731

6 259 662

8,42

27 108 347

"

H.-D. Gewerkbereine

25 518 957

"

Christl. Gewerkschaften.

105 633 264 519

180 840

1,23

424 992

1,61

9 267 612

"

6 886 514

Zentralverbände

57

1 797 100 9 318 741

5,19

"

5 563 428

H.-D. Getverkvereine

15

"

2 550 539

Christl. Gewerkschaften.

14

101 687 192 443

306 309

3,01

134 453

0,70

.

"

2144 784

Zentralverbände

43

H.-D. Gewerkschaften

15

1 314 243 101 867 192.443

8 184 888

6,19

288 068

2,83

134 453

0,70

Umzugstosten und Beihilfen in Not- und Sterbe fällen

Gemaßregeltenunterstützung

Invalidenunterstügung

Rechtsschutz

Die Einnahmen und Ausgaben der Verbände haben sich im letzten Jahre nicht erhöht, sondern sind etwas Insgesamt eine Ausgabe von 143 924 398 m., welche die zurückgegangen. Dagegen stieg der Vermögensbestand von Arbeiter von ihrem färglichen Verdienst sich abgedarbt haben, 33 242 545 M. im Jahre 1907 auf 40 839 791 m. im Jahre um durch die Organisationen dem Wohle des Volkes zu 1908. Die Einnahmen verringerten sich von 51 396 784 M. dienen.

Arbeitslosen und Reise unterstüßung:

Arbeitslosenunterstüßung:

Christl. Gewerkschaften. 14

Bei Beurteilung dieser Zahlen muß man berücksichtigen,

im Jahre 1907 auf 48 544 396 M. im Jahre 1908, die Aus- In den Unterstüßungseinrichtungen selbst, sowie daß die Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereine jahrzehntelang gaben von 43 122 519 m. auf 42 057 516 M. Pro Kopf der der Verwaltung, der Herausgabe der Verbandsorgane den auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Mitglieder berechnet fiel die Einnahme von 27,55 M. auf und den internationalen Verbindungen sind im letzten Jahre Gewerkschaften den Vorwurf machen, daß sie Kampfes­26,50 M., die Ausgabe von 23,12 M. auf 22,96 M., während wesentliche Aenderungen nicht eingetreten. Reiseunterstügung organisationen feien, während sie, die Gewerkvereine, in der Vermögensbestand von 17,82 M. auf 22,30 m. stieg. Nach wird von 46, Umzugsunterstützung von 35, Arbeitslosen- erster Linie dafür sorgen, den Mitgliedern in persönlicher besonderen Erklärungen für die Verringerung der Einnahmen unterstützung von 40, Arbeitsunfähigenunterstützung von 49, Notlage Hilfe in Form von Unterstützungen zu gewähren. Mit braucht man nicht zu suchen. Die überaus große Arbeits- Invalidenunterstützung von 6, Unterstüßung in Sterbefällen dem gleichen Feldgefchrei traten die christlichen Gewerkschaften losigkeit machte es den Verbandsmitgliedern unmöglich, ihre von 49 und in Notfällen von 33 Organisationen gezahlt. Die auf den Stampfplak, nicht um gegen das Unternehmertum, Beiträge zu bezahlen und in vielen Organisationen wurden Auflage der gesamten Gewerkschaftsblätter betrug 1951 285 fondern gegen ihre in den gewerkschaftlichen Rentralverbänden die Mitglieder während der Dauer der Arbeitslosigkeit von Eremplare. organisierten Arbeitsgenossen zu kämpfen. den Beiträgen befreit. Dann darf man aber auch nicht über­fehen, wie enorm die Beitragsleistung in den letzten Jahren gesteigert worden ist. Es hatten die Verbände:

1891

1895

1900

1905

1906

1907 1908

Kaffen bermögen

Einnahmen Ausgaben

pro Kopf der Mitglieder berechnet

M.

M.

6,68

9,62

11,53

9,86

13,89

11,89

M. 2,56 6,96 11,38

20,68

18,61

14,60

24,62

21,88

14,98

27,55

23,12

26,50

22,96

17,82 22,30

Andere Organisationen.

0

Die Hirsch Dunderschen Gewerkbereine haben 1908 einen Mitgliederverlust von 3256 zu verzeichnen; ihre Mitgliederzahl ging von 108 889( 1907) auf 105 633 zurück.

An Einnahmen verzeichnen die Gewerkbereine 2 694 893 Mark. Hier machen sie sich einer absichtlichen Frreführung schuldig. Sie rechnen als Einnahme der Gewerkvereine auch das, was die mit ihnen in Verbindung stehenden Freien Hilfskassen vereinnahmt haben.

Dasselbe gilt von der Gesamtausgabe der Gewerk bereine im Betrage von 2 350 727 M. An Vermögensbestand berbleiben 4 210 413 M. Davon in den Gewerkvereinshaupt­tassen 1 620 273 M., in den Krankenkassen 1 206 513 M. und in den Begräbniskassen 1214 200 m.

In dem Bericht über die christlichen Gewerkschaften im Jahre 1908 lesen wir, nachdem den gläubigen christlichen Ge­wertschaftsmitgliedern vorgeschwindelt ist, daß die gewerk­schaftlichen Zentralverbände sich mit Hilfe hoher Lokalbeiträge hohe Durchschnittssäte an Unterstübungen pro Kopf der Mit­glieder berechnen, folgende Säße: Budem müssen mit dieser bloßen mammonistischen Agitation geradezu die ideellen Triebkräfte in der Gewerkschaftsbewegung erstickt werden. Der christlichen Gewerkschaftsbewegung kann auf die Dauer wohl kaum mit dieser Art Agitation geschadet werden." Und weiter: Und mit einem Nickel an höheren Unterstützungen fann fürwahr nicht die Art an die Wurzel der christlichen Ge­werkschaften gelegt, wohl aber ganz bedenklich gegen die Ge­werkschaftsaufgaben und die ureigensten Interessen der Ar­beiter gesündigt werden."

Es ist erklärlich, daß in einer Periode so ungünstiger Wir können uns dem Genossen Regien anschließen, der Wirtschaftskonjunktur, wie sie im Jahre 1908 vorhanden war, Die christlichen Gewerkschaften haben trob feine Darstellung über die Gewerkschaften im Correspondenz­die Gesuche um Stundung oder Erlaß der Beiträge in großer des Anschlusses der Steinarbeiter Mayens, welcher ihnen blatt" also schließt: Hat auch das Jahr 1908, wie bon born­Bahl gestellt und von den Organisationsleitungen berüd- einen Mitgliederzuwachs von 1167 brachte, einen Rückgang herein zu erwarten stand, uns keinen Fortschritt in der äußeren fichtigt werden mußten. Es wäre verfehlt, aus der Ver- von 9408 Mitglieder im Jahresdurchschnitt 1908 gegen 1907 Entwickelung der Zentralverbände gebracht, so ist in der minderung der Einnahmen im Jahre 1908 den Schluß ziehen zu verzeichnen. Der Mitgliederbestand betrug im Jahres- harten Zeit der Krise doch ihre innere Festigung fortgeschritten. zu wollen, als wäre die Opferwilligkeit der Arbeiter für ihre durchschnitt: 1907: 274 323, 1908: 264 519. Werden bei den Die Kraftprobe, welche unsere Verbände in den letzten beiden Organisationen zurückgegangen. Vergleichen die Mitgliederzahlen am Schlusse der Jahre her- Jahren zu bestehen hatten und die sie gut überstanden haben,

Die Jahresausgaben für 1908 im Gesamtbetrage angezogen, so ist der Verlust erheblich höher; er beträgt dann gibt uns die Zuversicht, daß sie in den nächsten Jahren sich bon 42 057 516 m. sind nur um rund 1 Million Mark bei den christlichen Gewerkschaften im Jahre 1908 gegen das immer mehr zu einer Schuhwehr und zu einem Hort für die niedriger als im Jahre 1907, obgleich die Aufwendungen für Jahr 1907 23 882 Mitglieder. Arbeiterklasse entwickeln werden."