Nr. 218.
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26. Jahrg.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Man schreibt uns:
Sonnabend, den 18. September 1909.
Grundstücke gewonnen zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel; die Gesuche dazu wurden samt und
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
sonders abgeschlagen; in zwei Fällen wurde die erteilte Ge- Die Reichsverficherungsordnung auf
nehmigung, offenbar auf höhere Einwirkung, wieder zurückgezogen. Früher versagte die Behörde die Abhaltung ohne, jekt versagt sie die Genehmigung mit Angabe von Gründen das ist der Fortschritt", den das Reichsvereinsgesetz gegen früher gebracht hat.
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dem Parteitag.
Die Freitags verhandlungen waren ganz der Arbeiterber ficherung gewidmet. Als zweiter Referent sprach Genosse Robert Die Reichstagsnachwahl in Koblenz - St. Goar ist, wie das Unter diesen Umständen wird man die Stimmenzunahme, Schmidt über die Unfallversicherung. In einem sorgbei derartigen bombensicheren Zentrumswahlkreisen üblich, in die unsere Genossen bei der Nachwahl in Koblenz - St. Goar fältigen Referat, das doch nur das Wesentliche gab, wußte Genosse ihrem Verlaufe faum beachtet worden. Das Zentrum besitzt errungen hat, zu schäßen wissen. Das Strafgericht, das sich Schmidt seine Erfahrungen als Arbeitersekretär trefflich zu nutzen. diesen Kreis seit 1871; es hat sich um seine Behauptung nie in diesem bombensicheren Zentrumswahlkreise an der Viel Erfreuliches war's nicht die Unzulänglichkeit des Gesetzes, Mühe zu geben brauchen. Die Liberalen blieben immer schwarzen Partei vollzogen hat, läßt das beste hoffen, wenn die antisoziale Auslegung und Anwendung, die es durch die Berufsin weitem Abstande hinter den Ultramontanen zurück und die es dereinst zur allgemeinen Abrechnung mit den Volksverrätern genossenschaften und die Versicherungsbureaukratie findet, erscheinen Sozialdemokraten standen lange nur auf wenigen hundert kommt. nur zu oft wie blutiger Hohn auf die amtlichen Lobpreisungen der Stimmen. 1903 machten wir einen guten Fortschritt: von " großartigen Arbeiterfürsorge" des Reichs. Schmidt beleuchtete 773 auf 2007 Stimmen, die sich 1907 auf 2172 erhöhten. Das Die Koblenzer Volkszeitung" bemüht sich, fcharf mehrere angebliche Verbefferungen" des Entwurfs und zeigte, Zentrum erhielt bei der letzten Wahl 19 232, der Liberalismus ihre Leser über die Bedeutung der Stimmenabnahme, die das daß sie wahre Danaergeschenke für die Arbeiter find. Zum Schluß 5972 Stimmen. Unter diesen Umständen war auch bei der Zentrum bei der Nachwahl im Kreise Koblenz - St. Goar er- faßte er seine Kritik zusammen in der Feststellung, daß der Entwurf jezigen Nachwahl, die sich durch die Beförderung des bis- litten hat, hinwegzutäuschen.„ Wenn man auch" so schreibt weit mehr schlimme Verschlechterungen denn Verbesserungen enthalte. herigen Abgeordneten, des Oberlandesgerichtsrats Wellstein, er- das ultramontane Blatt forderlich gemacht hatte, an dem Sieg des Zentrums nicht Bentrumswähler bei dieser Ersatzwahl bedauerlich finden Die geringe Beteiligung der Die Arbeiterschaft aber habe Fortschritt zu fordern. Nicht minder trefflich war der Genoffin 8ieg' Bericht über zu zweifeln, zumal die Liberalen von einer Wahlbeteiligung mag, so liegt doch nicht der geringste Grund vor, darin die Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung. Einleitend tat fie Abstand genommen hatten. einen Beweis der Ohnmacht und Schwäche der Zentrumspartei die verlogene Behauptung, daß die Sozialdemokratie keine Ver Aber der Sieg in Koblenz - St. Goar wird beim Zentrum zu erblicken." Gewiß, auch wenn sich zwei Fünftel der bisherigen befferung der Arbeiterlage und deshalb auch keine Arbeiterversicherung das Gegenteil von Freude und Jubel erwecken. Wählerschaft abseits von der Partei gestellt haben, ist deshalb wolle, mit gutem historischen Material ab. Dann gab sie eine eindring Die Ultramontanen haben die beiden Nachwahlen in der das Zentrum noch nicht ohnmächtig im Kreise Koblenz - liche Charakterisierung des Wesens der Versicherungsgesetzgebung, der Pfalz und in Sachsen dazu benutzt, sich den Liberalen gegen- St. Goar . Das hat noch niemand behauptet. Es handelt eigentümlichen Motive, die die Bourgeoisie zu ihrer Schaffung bewogen, über aufs hohe Roß zu setzen und ihnen das Ergebnis sich darum, was die fast 8000 3entrumsleute eine kurze Rechtfertigung der ablehnenden Stellung, die die SozialLandau Neustadt und Stollberg Schneeberg als veranlaßt hat, ihrer Partei die Gefolg- demokratie zu ihren Anfängen einnahm.
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ein Strafgericht für das Verhalten der Liberalen in schaft zu versagen, und da ist für jeden, der Eine temperamentvolle Darstellung der zahllosen Mängel und der Reichsfinanzreform vorzuhalten. Wenn man den die Stimmung in dem genannten Wahlkreise zu erforschen unzulänglichkeiten des bestehenden Gesezes und des neuen EntAusfall der Nachwahl in Koblenz - St. Goar von dem Gelegenheit hatte, kein Zweifel, daß es das Verhalten wurfs, eine scharfe Geißelung der die lebel der paragraphierten felben Standpunkte aus bewertet, dann ist das Strafgericht des Zentrums bei der Reichsfinanzreform ist, Bestimmungen noch verschlimmernden arbeiterfeindlichen Aushes Volkes hier noch viel schärfer für das Zentrum aus das einen großen Teil seiner Anhängerschaft erbittert und legung und Ausführung bildeten den Hauptteil des Referats, dem gefallen, als für die Liberalen in den beiden vorhergehenden zum Protest durch Wahlenthaltung bestimmt hat. Es ist be- sich eine überzeugende Begründung der Forderungen, die das Nachwahlen. Das Zentrum hat in Koblenz - St. Goar rund zeichnend und verrät das böse Gewissen, daß das Zentrums- Proletariat stellen muß, anschloß. achttausend Stimmen eingebüßt, und dabei hatte blatt an dieser Frage vorübergeht. Als Hauptergebnis" In der Debatte sprachen vornehmlich Genossen, die als Arcs sich, weil es den Ausfall der Wahl als ein Urteil über sein der Wahl gilt gilt ihm dagegen der Umstand daß beitersekretäre und Leiter von Krankenkassen über die beste SachVerhalten bei der Reichsfinanzreform zu schätzen wußte, dies die Sozialdemokratie trotz der umfassenden Agitation funde verfügten. Alle forderten zum energischen Kampfe gegen mal mit ganz besonderem Eifer in die Wahlagitation feinen irgendwie nennenswerten Fortschritt den Wechselbalg des Entwurfs auf; die Empörung der Arbeitergestürzt und den legten Wähler mobil zu machen zeichnen hat". Das Blatt weiß ganz gut, daß die schaft muß die bürgerlichen Parteien zwingen, die Anschläge auf versucht. Wer wie wir Gelegenheit hatte, die Stimmung Sozialdemokratie gar nicht in der Lage war, eine die Rechte der Arbeiter, die Verschlechterungen des geltenden Rechts der Zentrumswählerschaft zu erkunden, der weiß, daß weite umfassende Agitation" zu entfalten, weil Klerus, Behörde und abzulehnen und die Forderungen des Proletariats zu erfüllen. Kreise der ultramontanen Gesellschaft, namentlich auch unter der Zentrum erfolgreich bemüht waren, der Sozialdemokratie die Genosse Maurer wandte sich dabei gegen die in dem beim ländlichen und kleinbürgerlichen Bevölkerung, über das Zentrum Gelegenheit, sich an die Wähler zu wenden, bis auf ein Fraktionsbericht behandelten Antrag Eisners gestellte Forderung, wegen seines Verhaltens in der Reichsfinanzreform erbittert Mindestmaß zu beschränken. Hätten wir wirklich eine„ um- einen Gegenentwurf auszuarbeiten eine vergebliche Riesenist; sie sind massenweise der Wahlurne ferngeblieben, ein Teil fassende Agitation", wie wir sie wünschten, entfalten dürfen, arbeit! Gegen den von Maurer empfohlenen Antrag, der auf einen ist ins sozialdemokratische Lager abgeschwenkt und hat zu dann wäre es nicht bei dem Zuwachs von siebenhundert Stongreß von Sachverständigen hinauslaufe, wandte sich Genoffe unferem Stimmenzuwachs von 700 mit beigetragen. Zwei Stimmen geblieben. Es verrät die ganze heuchlerische Fräßdorf; er hält Konferenzen der Fraktion mit Sachver Fünftel der Zentrumswählerschaft in Koblenz - St. Goar haben Gesinnung des Zentrums, erst dem Gegner die ständigen für besser. Er hob besonders die Notwendigkeit hervor, sich durch die M.- Gladbacher Flugblätter, durch die Waffe aus der Hand zu schlagen und dann zu höhnen, daß das Selbstverwaltungsrecht der Krankenkassen mit aller Energie Zeitungsartikel der ultramontanen Presse und durch er der Uebermacht teine größeren Erfolge abzuringen bermag! 3u berteidigen. Braun- Königsberg und Mössinger deckten die Wahlreden der Kapläne und Arbeiterfekretäre Die Kölnische Volkszeitung" faßt die Sache den Mißbrauch auf, den die Unternehmer mit Betriebskrankennicht überzeugen lassen, daß die Bewilligung bon nicht viel tiefer und ernster auf. Das Blatt hätte, wenn auch fassen treiben; Sachse Bochum brachte die besonderen Leiden der 365 Millionen indirekter Steuern eine„ nationale Tat" sei, nicht die Beteiligung von 1907, so doch mindestens die bon 1903 Bergarbeiter zur Sprache, die in ihren Knappschaftskaffen noch S000 haben durch Wahlenthaltung gegen die Steuerpolitit erwartet, wo das Zentrum 15 585 Stimmen erhielt, aber auch weniger Rechte als die übrigen Proletarier haben, und Genoffin ihrer Partei protestiert, und viele Hunderte haben endgültig gegen diesen Stand sei es bei der diesmaligen Wahl um Baumann zeigte, wie sehr die Proletarierinnen unter der das Band zwischen sich und dem Zentrum zerrissen und den 4000 Stimmen zurückgeblieben. Das sei sehr zu bedauern: unzulänglichkeit der Versicherung leiden. Anschluß an die Sozialdemokratie vollzogen. Gerade im gegenwärtigen Augenblick durfte auch der„ bomben ficherste" Wahlkreis nicht das Schauspiel einer folchen Wahl flauheit bieten. Die Zentrumswähler mußten sich sagen, daß die Gegner schon im Hinblick auf die Reichsfinanzreform diesen Nach einem Hinweis des Vorsißenden auf das Protestschreiben Umstand zuungunsten des Zentrums weidlich ausnußen würden des Vorwärts" wurden sodann die Verhandlungen um 1½ 1hr um von anderen Vorgängen, die zur Freude unserer auf Sonnabend vertagt, da der Nachmittag zur Besichtigung der Gegner gerade im Wahlkreise Koblenz- St. Goar sich abgespielt Gebäulichkeiten und Einrichtungen des Konfumvereins Leivaighaben, einsttweilen ganz zu schweigen. Inwieweit diese Plagwitz verwandt werden soll. Vorgänge zu dem unbefriedigenden Ergebnis der gestrigen Nachwahl mitgewirkt haben, können wir in diesem Augenblick nicht feststellen. Jedenfalls wird man innerhalb der Zentrumspartei , zunächst feitens der berufenen Parteiinstanzen, nicht fäumen, den Ursachen der gestern zutage getretenen Wahlflauheit mit dem Ernste und der Entschiedenheit, die sie in solchen Fällen stets geübt, nachzugehen und für ihre Abstellung Sorge zu tragen."
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Die Resolution der Referenten wurde sodann einstimmig angenommen und die übrigen Anträge dem Parteivorstand und der Frattion zur Berücksichtigung überwiesen.
Fort mit dem Schnaps!
In Koblenz ist vor kurzem von einem ultramontanen Abgeordneten das Wort gefallen: Lassen Sie nur einmal in cinem Wahlkampfe den Klerus neutral sein, und das Zentrum liegt zerschmettert am Boden". Was die Klerisei für das Zentrum als Wahlagitator bedeutet, das hatte man diesmal in der Rhein - und Moselecke zu beobachten Gelegenheit. Keine VersammIung, die nicht von einem Geistlichen geleitet wurde, in der nicht ein Geistlicher als Redner auftrat. Und selbstverständlich bewährten sich die Diener der christlichen Liebe auch hier wieder in ihrer beliebten Aufgabe, den Gegner mundtot zu machen, indem sie der Der Beschluß des Parteitages über den Schnapsboykott Sozialdemokratie die wenigen Lokale abfindet überall begeisterten Widerklang, und wir dürfen hoffen, zutreiben suchten, die wir hier und da erdaß der Kampf Erfolg haben wird. Vor allem wird es ein halten konnten leider vielfach mit Erfolg. Auch hier die bewußte Absicht der Täuschung, immenser Erfolg sein, wenn die eifrige Agitation der GeUnd die Laienschaft folgte getreulich dem von den als ob es fich nur um die Wahlflauheit der nossen es dahin bringt, daß mancher Arbeiter, der heute inSeelenhirten gegebenen Beispiele. In einer von bürger- Sentrumswähler handele, als Ausfluß der Sicherheit, daß folge der Schnapsseuche indifferent ist, für unsere Bewegung licher Seite veranstalteten Versammlung, wo auch die der Kandidat des Zentrums doch gewählt werde. Und dabei gewonnen wird. Ferner aber dürfte den Schnapsjunkern das Genossen Dr. Erdmann und Haas( Köln ) zu Worte tamen, hat das Zentrum bei dieser Nachwahl eifriger agitiert als bei Geschäft gründlich verdorben werden, denn ihnen die war beschlossen worden, die Versammlung zu vertagen und einer Wahl vorher, weil es sich bewußt war, was der Aus- Liebesgabe abzuiagen, ist gar nicht so schwer, wie am nächsten Sonntage fortzusetzen. Flugs schlich sich der fall der Wahl, nicht für den Sieg seines Kandidaten, aber es scheinen mag. Allerdings machen wir uns feine Illusionen, Zentrumsredner, der vorher seine Partei gegen für die Beurteilung der Wirkung zu bedeuten hatte, die sein daß wir mit einem Schlage den unglücklichen Lumpenproleden Vorwurf der Saalabtreibung mit der Verhalten in der Frage der Reichsfinanzreform auf tarier dem Schnapsteufel abspenstig machen. Auch die LandWürde getränkter Unschuld in Schuh ge- seine Wähler ausübte. Und unter diesem Gesichtspuntte ist arbeiter in verlorenen Winkeln Ostelbiens, die einen starken nommen hatte, zum Wirt, um diesen zu ber- benn auch der Stimmenrückgang des Zentrums bei der Koblenz - Teil des Fusels konsumieren, hören heute noch wenig auf aulassen, seinen Saal nicht mehr herzu- St. Goarer Nachwahl zu betrachten: zwei Fünftel der Zentrums- unser Wort; sie werden für uns gewonnen werden, aber mit geben! Der Streich wurde in der Versammlung noch be- anhängerschaft hat die Steuerpolitit des Zentrums, die es auf unserer Boykottaktion werden wir nicht sofort diesen Konkannt und der Biedermann festgenagelt! die Ausplünderung der Massen und die Schonung der Reichen sum lahmlegen. Dafür aber müssen und werden wir Erfolg In dem weit ausgedehnten, mehr als hundert abgesehen hat, verurteilt und diesem Urteil durch Wahl- haben bei jenen Arbeitern in Industrie, Bergbau und SchiffOrtschaften umfassenden Kreise hatten unsere Genossen enthaltung Ausdruck gegeben. fahrt, die heute noch als Konsumenten von Schnaps in gemur in etwa einem halben Dugend Drten Gelegen- Wenn das Zentrum es fertig bringt, sich über diese un- mäßigtem Umfange in Betracht kommen. Das aber ge= heit, zu den Wählern zu sprechen und immer nur unter sehr zweifelhafte Tatsache mit allerhand Selbsttäuschungen hinweg- nügt, um die Liebesgabe verschwinden zu beschränkten räumlichen Verhältnissen; an einigen zutrösten, so ist das seine Sache. Wir haben umso weniger I assen. Drten behalf man sich mit Besprechungen im engsten Anlaß, es in diesem Vergnügen zu stören, als wir an dem Streise. Das Reichsvereinsgesetz bewährte auch bei Beispiel von Koblenz - St. Goar den Beweis haben, daß es dieser Gelegenheit sich in seiner ganzen Herrlichkeit. politische Sünden gibt, die durch sich selber aufklärend wirken An verschiedenen Stellen im Kreise hatten unsere Genossen und aller Beschönigungsversuche spotten.
Die Liebesgabe beruht bekanntlich darauf, daß den Schnapsbrennern ein Kontingent vorgeschrieben ist, das zu dem„ normalen" Sak versteuert werden muß, während der Branntwein, der über dieses Maß hinaus broduziert und