Nr. 224.
Abonnements- Bedingungen:
Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien , Dänemark , Holland , Italien , Luxemburg , Portugal , Rumänien , Schweden und die Schweiz .
Ericheint täglich außer Montags.
Vorwärts
Berliner Volksblatt.
26. Jahrg.
Die Tniertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Naum 50 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( settgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet.
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Sonnabend, den 25. September 1909.
Parteigenossen!
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Die Beratungen, die er gepflogen, die Beschlüsse, die er gefaßt hat, entsprachen dem Geiste, stimmung beschlossen, den der bisher die Partei beherrschte und ihr die Erfolge sicherte.
Nunmehr tritt an uns die Aufgabe heran, im Sinne dieser Beratungen und Beschlüsse zu wirken, um neue Erfolge zu erzielen.
Das verflossene Geschäftsjahr hat der Partei eine nicht unerhebliche Zahl neuer Mitglieder zugeführt, aber wie der Bericht des Parteivorstandes nachweist, war dieses Wachstum vorwiegend der außerordentlich erfreulichen Steigerung der Zahl der weiblichen Mitglieder der Partei zu danken, während die Zahl der männlichen Mitglieder nur langsam wuchs.
Branntweinboykott
zu verhängen. Wir wollen dadurch nach zwei Seiten wirken. Es soll dem die Gesundheit und geistige Leistungsfähigkeit aufs schwerste schädigenden Fufelgenuß nach Möglichkeit Einhalt getan werden, es soll ferner unseren Schnaps produzierenden Junkern, die erst wieder im Reichstage mit Hilfe ihrer Freunde in den bürgerlichen Parteien einen Raubzug ersten Ranges auf die Taschen der Branntwein trinkenden Bevölkerung unternommen haben, dieser Raub nach Kräften vergällt werden.
Dieser Rückgang wird erklärt durch die Schwere der Krise, die die Arbeiterklasse hart traf. Aber die proletarische Reservearmee, die heute noch außerhalb unserer Organisation steht, ist leider eine sehr große. Wenn auch Zehntausende durch die Krise der Organisation verloren Da wir damit eine Verminderung der Einnahmen aus dem Branntwein und zugleich gingen, so hätten anderseits Zehntausende gewonnen werden können. Es ist bedauerlich, daß eine Verminderung der Reichseinnahmen für Rüstungszwecke herbeiführen, wird der Branntteilweise selbst die ersten Zentren der Partei eine Abnahme statt einer Zunahme an männ- weinboykott zu einem mahnenden Protest gegen die die Massen aussaugende Politik der lichen Parteimitgliedern erfuhren. indirekten Besteuerung, die zugunsten der fast gänzlichen Steuerfreiheit der besitzenden Klassen Dasselbe ist von der Abonnentenzahl der Parteiblätter zu sagen. Hier sind vielfach im Reiche herrscht. Rückgänge zu verzeichnen, die ersetzt werden können und müssen. Das erste Flugblatt betreffend den Branntweinboykott wird in den nächsten Tagen Nach beiden Richtungen hin müssen die Genossen die günstige Agitationsperiode, der wir fertiggestellt sein und den Parteiorganisationen zur Massenverbreitung übersendet werden. in der jetzigen Jahreszeit entgegengehen, auf das nachdrücklichste ausnuten zum Besten der Mit der Massenverbreitung von Flugblättern muß aber die Aufforderung zum BranntweinPartei. Kein Rückschritt! Fortschritt sei die Losung! boykott in der Parteipresse und in allen Versammlungen fortdauernd wiederholt werden. Wir müssen für diesen Boykott mit ganzer Energie arbeiten.
Ist es wahr, was wir uns alle sagen, und was die stattgehabten Ergänzungswahlen zum Reichstag bestätigen, daß die Stimmung der Massen infolge der vom niedrigsten Klassenegoismus dirtierten Steuerpolitik der bürgerlichen Parteien, uns wie selten günstig ist, dann dürfen auch die Erfolge nicht ausbleiben, die in der Vermehrung der Zahl der organisierten Parteigenossen und in der Steigerung der Leser unserer Parteiblätter sich ausdrücken.
Keine öffentliche Versammlung darf vorübergehen, in der nicht in diesem Sinne gewirkt wird.
Parteigenossen! Vergessen wir nicht einen Augenblick, daß wir eine ungeheure Arbeit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zu leisten haben. Für unsere Aufrüttelungs- und Aufklärungsarbeit ist noch ein sehr weites Feld vorhanden. Unterstützt die Jugend in ihrem Streben nach Erkenntnis und Aufklärung, agitiert mit allen Kräften in den bevorstehenden Wahlkämpfen, kurz, nüßt die Situation nach jeder Richtung aus. Wir dürfen nicht ruhen und raften. Die Familie, die Werkstatt, die Fabrit, die Arbeitstätte zu Wasser und auf dem Lande sei unser Werbegebiet.
Unser nächstjähriger Rechenschaftsbericht muß noch viel erfreulichere Resultate auftveisen,
In Anbetracht dieser großen Aufgaben darf die Werbekraft der Partei nicht durch als der letzte. Heinliches Parteigezänt beeinträchtigt werden, das die Parteigenossen erbittert und die Stoßtraft der Partei schädigt.
An Kraft, Ausdauer und Opfermut darf es uns in unseren Kämpfen nicht fehlen. Begeisterung muß uns zu unserem großen Ziele führen, dessen Erreichung die Menschheit von Sachliche Differenzen erörtere man sachlich, persönliche Differenzen gehören nicht in den Elend und Not, Unterdrückung und Ungerechtigkeit befreien wird. Nicht zählen wir den Feind, Streis öffentlicher Erörterungen. nicht die Gefahren all 1" Gegen eine Welt von Feinden marschieren wir zum Sieg!
Parteigenoffen! An's Werk! An's Werk!- Hoch Doch die Sozialdemokratie!
Der Parteivorstand:
Bebel, Ebert, Gerisch, Liepmann, Molkenbuhr, Müller, Pfannkuch, Singer, Wengels, Ziek.
Parteigenoffen!
Die Konstituierung des Parteivorstandes ist erfolgt. Die Adresse
bes Parteivorstandes ist wie bisher
stimmten Zuschriften und Drucksachen zu richten.
Alle Geldsendungen sind nur an den Parteikassierer
A. Gerisch , Berlin SW. 68, Lindenstraße 69,
zu adreffieren. Alle Zuschriften betreffend die Frauenagitation find an D. Baader, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, zu richten. Die Adresse des Bildungsausschusses lautet wie seither:
"
Tochmals: Volksschullehrer und Stadtfreifinn.
den gerade in der Lehrergehaltsfrage immer wieder hervor. tretenden Widerspruch zwischen der Fülle freisinniger Worte im Landtage und dem Mangel freisinniger Taten in den Kommunen. In der Debatte über die angebliche Lehrerfreund- Will die Freis. 8tg." die Haltung der Freisinnigen und lichkeit" des Berliner Stadtfreisinns tut die der Sozialdemokraten zur Lehrergehaltsfrage durchaus mit An diese Adresse sind sämtliche für den Parteivorstand be- reisinnige Beitung", was wir von ihr erwartet 3itaten beleuchten, so sind wir in der Lage, ihr zur Verhatten. Sie gefällt sich weiter darin, den Spizbuben- vollständigung ihrer Zitatensammlung noch ein paar sehr fniff zu üben, mit dem sie die Aufmerksamkeit von dem be- charakteristische beizusteuern. In diesem Jahre 1909, als drängten Freifinn hatte ablenken wollen. Noch einmal be- die Berliner Stadtverordnetenversammlung über die allermüht sie sich, ihren Lehrern vorzuschwaken, daß hinter neueste Gehaltsregelung für die Gemeindeschullehrer der Aeußerung, die im Jahre 1903 der Stadtverordnete Ge- beriet, wurde am 24. Juni in der ersten Lesung der Magistratsnosse Dr. Bernstein über die vermeintlich nimmersatten" vorlage vom freisinnigen Stadtverordneten Cassel die„ bom Lehrer getan hatte, tatsächlich die sozialdemokratische Magistrat genommene Initiative" gepriesen und eine„ epocheFraktion der Stadtverordnetenversammlung gestanden machende Verbesserung der Gehälter und Lehrkräfte" anhabe. Solche Albernheit des Freisinnsorgans wird überall gekündigt." Bravo!" bestätigten seine Freunde, aber der nur ungeheuere Heiterfeit weden. fozialdemokratische Stadtverordnete Borgmann kennzeichnete Gegenüber unserer Feststellung, daß jene Bernsteinſche folgendermaßen die magistratliche Initiative und die epocheAeußerung gerade von freisinnigen Stadtverordneten machende Verbesserung: in der Sigung durch öffentlich zustimmenden Zwischenruf und Ich habe den Eindruck gehabt, als wenn bei der Abfassung nach der Sitzung durch privatim geäußerte Anerkennung ge- der Vorlage nicht so sehr mit dem Herzen und mit Liebe gearbeitet billigt worden sei, hat die Freis. 8tg." nur die lahme worden sei, wie man das erwarten mußte.... Bei den GehaltsAusflucht einer Anzweifelung. Uns wirft sie vor, verschwiegen festsetzungen für die Lehrer ist immer ein gewisser Druck von außen oder ganz besondere Umstände die Veranlassung gewesen, zu haben, daß damals der freisinnige Stadtv. Kreitling die die, wie in diesem Fall, eine Aenderung hervorgerufen haben." Aeußerung Bernsteins sofort festgenagelt und ihr namens der Borgmann stellte fest, daß durch gesetzliche RegeFreisinnigen widersprochen habe, während kein Sozialdemokrat Iung der Lehrergehälter diese Neuorenung nötig geworden Der Leipziger Parteitag hat dem Organisationsstatut dagegen gesprochen habe. Was soll denn da zu verschweigen" fei. Aber trotz den Verhandlungen im Landtag sei leider, die der Partei eine neue Fassung gegeben. Den Barteiorganisationen sein!? Daß der Freisinn, wenn er Lehrerfreundlichkeit größte Stadt der Monarchie zu dem Entschluß gegehen eine Anzahl Exemplare des neuen Statuts in einigen befunden soll, mit Worten nicht targt mun, das kommen, die Ortszulage nicht in vollem Umfang in die ist ja hinreichend bekannt und war auch durch uns noch Gehaltsfestsetzung der Lehrer hineinzuarbeiten, anstatt Die neuen Bestimmungen in§ 5 des Statuts treten am hervorgehoben worden. Weder durch die schönen Ver- 900 m. nur 750 M. zu setzen". Wolle man für die Lehrer 1. April 1910 und die übrigen Bestimmungen dieses Statuts am sprechungen der Wortführer des Freisinns noch durch die auf eine gewisse Zeit Ruhe schaffen, so müsse man ihren Tage der Veröffentlichung in Kraft. frechen Schwindeleien der Freis. 3tg." kann der Mangel Wünschen annähernd Rechnung tragen. Das neue Organisationsstatut wird die Partei fördern bei der der Tat verdeckt werden, durch den der immer zum Bremsen Reihen der Freisinnigen gelacht wurde, fuhr Borgmann fort: Erledigung der großen Aufgaben, die von der deutschen Sozial bereite Stadtfreisinn sich einen Namen gemacht hat. demokratie zu lösen find. höhnende Titel, Kommunalliberalismus" ist einst in Lehrertreifen geprägt worden, und treffen sollte er
H. Schulz, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Bur Kontrolle des Parteivorstandes und als Beschwerdeinstanz ist die aus neun Personen bestehende, im§ 20 unseres Organisations statuts vorgesehene Kontrollkommission gewählt. Dieselbe hat sich im Anschluß an den Parteitag in Leipzig konstituiert und sind alle Buschriften für dieselbe an A. Kaden, Gohlis bei Dresden ,
zu richten.
Tagen zu.
*
Der Parteivorstand.
"
Der
Als hier in den
" Ich höre hier ein lebhaftes Lachen. Ich möchte wissen, mit welcher Berechtigung Sie lachen. Ich erinnere daran, daß Ihre Vertreter im Parlament die Forderung der Lehrer, mit den