Nr. 105.
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Norwärts
10. Jahrg.
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fernfprech- Anschluk Amt 1, Nr. 4186.
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Bur Tage.
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Freitag, den 5. Mai 1893.
dem Bolt, das sie fürchten, seine schneidigste Waffe zu entwinden: bas allgemeine Stimmrecht.
So lange das allgemeine Stimmrecht besteht, ist es den Reaktionären jeder Sorte ein Greuel, und die Versuche, es zu verfälschen oder zu zerstören, haben seit zwei Jahrzehnten nicht aufgehört. Jeßt, wo wir einen entscheidenden Wendepunkt unserer inneren Entwickelung erreicht haben, halten die
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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
politischen Reaktion so wenig ein Boden sich findet, wie für die Giftpflanzen des sozialen Elends und der sozialen Verderbniß.
Die Militärvorlage.
Die Bossische Zeitung" schreibt in ihrer Morgen
Abwarten! Das Organ Eugen Richter's , der doch am besten Bescheid weiß, äußert sich durchaus nicht ſo ſieges. gewiß. In der Freisinnigen Zeitung" vom 4. Mai lieft man:
Ob und wie viel freisinnige Abgeordnete für den Kompromißantrag Suene stimmen werden, ist durchaus zweifelhaft. Jedenfalls dürfte die Zahl noch weit geringer sein, als man bisher in der Deffentlichkeit angenommen hat."
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So wenig wie die" Freisinnige Zeitung" weiß die„ BoltsBeitung", deren Leiter Fraktionsmitglied ift, etwas von dem angeblichen Beschlusse des Deutschfreisinns. Sie schreibt:„ Die " Boſsische Zeitung" will aus der gestrigen Fraktionssihung der freisinnigen Partei erfahren haben, daß bie Fraktion sich dahin geeinigt habe, mit Ausnahme des Herrn Abg. Hinze ge= fchloffen gegen den Huene'schen Antrag zu stimmen. Diese Nach
Die Ungewißheit ist heute noch so groß wie gestern und wie am ersten Tage des Bekanntwerdens der Militärvorlage. Das Gericht, Ablehnung der Militärvorlage und die Auflösung des Reichstages sei sicher, wird zwar laut auspofaunt, ist aber nur Gerücht. Die heutige Debatte hat Feinde der Volksfreiheit den Augenblick für gekommen, nicht die geringste Klärung gebracht, und die Verhandlungen, dem verhaßten allgemeinen Stimmrecht das Lebenslicht aus Ausgabe vom 4. Mai: die in und mit den problematischen Fraktionen seit gestern zublasen. Die Krise, in der wir uns befinden, ist also ein Wie wir erfahren, hat sich die deutschfreisinnige geführt wurden und werden, sind nur geeignet, noch mehr Kampf nicht blos um die Militärvorlage und den Mili- Frattion in der Sigung, die sie gestern, Mittwoch, Abend zu verwirren. tarismus, sondern auch um das allgemeine 23 ahl- abhielt, dahin geeinigt, gefchloffen gegen den Antrag Freilich, die Ungewißheit herrscht nur in bezug auf recht. Huene zu stimmen. Nur der Abgeordnete Hinze hat sich noch Unwesentliches das heißt in bezug auf die Form, Das deutsche Volt muß sich das vor Augen halten. einen Vorbehalt gemacht. Dieser Beschluß dürfte, wenn nicht welche die Krifis für die nächste Zeit annehmen wird. In Sein Kampfeifer, sein Kampfzorn wird nur noch lodernder neue unvorhergesehene Ereignisse eintreten, das Schicksal der Militärvorlage besiegeln. In parlamentarischen Kreisen wurde bezug auf das Wesentliche: die Krisis selbst, entfacht werden. gestern Abend die Auflösung des Reichstags als ganz giebt's feinen Zweifel. Die Krisis das steht feft das steht fest wird Gegen den Militarismus und für das sicher betrachtet." durch das Votum des Reichstags über die Militärvorlage allgemeine Wahlrecht wird unfer Schlachtruf nicht berührt, die Entscheidung, die letzte endgiltige Ent- sein in den Kämpfen, die durch diese Militärvorlage entscheidung, nicht im Reichstag getroffen werden. Ob der fesselt worden sind. Reichstag die Militärvorlage ablehnt oder annimmt in Den Herren Reaktionären, die durch das geplante jedem Fall wird der Kampf in dem Volt, von den Wählern ausgefochten. Der Kampf um die Militär- Attentat auf das allgemeine Wahlrecht ihre staatserhaltende vorlage ist der Kampf um den Militarismus, oder- wie Natur offenbaren, sei hier im Vorbeigehen bemerkt, daß ein sehr unpatriotisches" ist, denn ein liberales Blatt es ausdrückt der Kampf um die ihr Treiben Frage: soll das Deutsche Reich ein ausschließlicher Kasernen was tönnte dem Ansehen des Deutschen Reiches mehr staat werden, oder soll es in die Bahnen bürger- schaden, als das Bekenntniß, daß das deutsche Volt deshalb licher Freiheit einlenten? Der Militarismus hat bei politisch entmündigt werden soll, weil es in seiner Mehrheit die Politik des Deutschen Reiches perurtheilt? Kann man uns in Deutschland einen unverhältnißmäßig dem Deutschen Reiche ein tläglicheres Armuthszeugniß aus großen Spielraum im politischen Leben sich angeeignet, einen so unverhältnißmäßig großen Theil der Lebens ſtellen? Kann man das Deutsche Reich vor dem Auslande fäfte des Volkes auf, daß der Staatsorganismus seine tiefer herabsetzen? wichtigsten seine eigentlichen Funktionen: die Kulturdas allgemeine Wahlrecht ist fester gewurzelt funttionen, denen er feine alleinige Existenz- als die Herren Reaktionäre glauben. Freilich, sie berechtigung verdankt, gar nicht oder nur aufs dürftigste schrecken ja nicht vor der nackten Gewalt zurück; die Ververrichten kann, und daß das deutsche Volk rettungslos dem theidiger des Militarismus und die Feinde des allgemeinen Ruin verfallen muß, wenn es nicht gelingt, den er- Stimmrechts sind so konsequent, daß sie ihren Gesezessinn brückenden Alb abzuschütteln. und ihre staatserhaltende Natur auch noch durch die mehr Das deutsche Wolf hat dies begriffen, und darum fich oder weniger versteckte Drohung mit einem Staatsstreich mit einer in der Geschichte unseres Boltes faft beispiellosen bekunden. Der Staatsstreich das ist die Revo Einmüthigkeit und Energie gegen die neue Militärvorlage lution. und den Militarismus erhoben. Mit dem Feuer zu spielen, ist ein gefährlicher ZeitDer deutsche Reichstag ist bereit, gegen das vertreib. Und die Herren, die jetzt gegen das allgemeine deutsche Bolt für die Militärvorlage einzutreten. Das Wahlrecht konspiriren und mit einem Staatsstreich, das Bolk wird sich dadurch nicht beirren, nicht zu feigem heißt mit einer Revolution von oben drohen, dürften zu Nachgeben verleiten lassen. Kein Verrath des deutschen ihrem Schaden entdecken, daß nicht blos das allgemeine Reichstags wird die Sanktion des deutschen Boltes er Stimmirecht, daß auch das deutsche Volk stärker ist als sie langen, welches weiß, daß es die eigene Existenz vertheidigt, glauben. indem es den Militarismus angreift. Und wer angreift, Was immer tommen möge, die Sozialdemokratie wird muß den Feind auch niederwerfen und für immer un- ihre Schuldigkeit thun, und zu dem deutschen Volk haben schädlich machen. Der Krieg gegen den Militarismus muß wir das Vertrauen, daß es den Kampf für seine Rechte und Krieg zur Vernichtung sein. Interessen unentwegt führen wird, bis der Moloch des Leicht und furz wird der Kampf nicht sein. Und das Militarismus zerschmettert und die Staats- und Gefell Schlachtfeld wird sich bald erweitern. Die Vertreter des schaftsordnung nach Grundsägen der Humanität und FreiMilitarismus haben tein Hehl gemacht aus ihrer Absicht, heit derart umgestaltet ist, daß für die Sumpfgewächse der
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Feuilleton.
abrud verboten.)
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Nun
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Er konnte nicht mehr sagen, ohne sein Geheimniß zu verrathen. Sie nahmen von einander ebenso herzlich Abschied, wie sie sich begrüßt hatten. Repin wiederholte Andrej, daß sein Haus und seine Beziehungen, wenn er sie nur brauchte, zu
Die Laufbahn eines Nihilisten. feinen Dienſten ſtänden.
Von S. Stepniat.
Autorisirte Uebersehung. Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun.
Geben wir zu, was Du sagft. Wir, die sogenannte Gesellschaft, find Feiglinge. Da Du es aber nicht ändern faunst, mußt Du dies wie jede andere Thatsache der Gegenwart hinnehmen. Um so mehr Grund, Euch nicht umsonst die Köpfe zu zerbrechen, indem ihr versucht, mit ihnen ein Loch in die Wand zu stoßen."
" Nein, wir sind nicht so hoffnungslos," sagte Andrej nachgiebiger. Wir haben außer der Gesellschaft noch etwas anderes, worauf wir bauen fönnen und wir hoffen, daß die Gesellschaft selbst, wenn ihr neues Blut eingeflößt wird, sich veredeln wird. Hat nicht ein großer Philosoph gesagt: Je höher deine Achtung für die Majorität der Menschen, desto fleiner die Gefahr, sich zu irren?"
Repin bemerkte, daß, soweit seine Kenntniß der großen Philosophen reichte, keiner diesen Ausspruch gethan habe, einer aber gerade das Gegentheil behauptet habe. Dann sollten sie's gesagt haben," antwortete Andrej. " Thaten sie's nicht, so würde ich nicht einen Pfennig für die Bande geben."
Er nahm seinen Hut und zog seine Handschuhe an. Lebe wohl, Gregory Alexandrowitsch," sagte er.„ Ich weiß nicht, wann ich Dich wiedersehen werde."
Andrej nickte mit dem Kopfe, um zu sagen, daß er dies wohl wisse und dafür dankbar sei. Sein Gesicht hatte aber einen besonderen Ausdruck, den Repin erst später sich erklären konnte.
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Rapitel IX,
Andrej's Traum. Andrej ging nicht direkt nach Hause. Er mußte dem Hauptquartiere noch einen Besuch abstatten und wurde dort durch Nachrichten sehr unangenehmer Art zurückgehalten.
Die Freunde riethen ihm, garnicht mehr nach Hause zu gehen, sondern anstatt dessen Tanja die Nachricht zukommen zu lassen. Jezt am allerwenigsten dürfe er der Polizei in die Hände fallen.
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richt ist schon deswegen nicht zutreffend, weil die Fraktion über die in der Sizung nicht zugegen geweſenen Mits glieder mangels Fraktionszwanges nicht verfügt. Es bleibt daher die Abstimmung im Plenum des Reichstages abzuwarten." Mit den Wadelstrümpfen ist nicht gut Kirschen effen, sie leben und sterben für die Verständigung". Zu dem nach der„ Vossischen Zeitung" mitgetheilten Beschluß des Deutschfreisinns bemerkt die National Beitung": Die Herren Hänel, Ridert und Genoffen haben sich danach in einer gestern Abend abgehaltenen Fraktionsligung- angeblich mit alleiniger Ausnahme des Abgeordneten Hinze der Mehrheit der Fraktion unterworfen! As ihr Beweggrund wird das schon gerüchtweise erwähnte Argument angeführt: für den Antrag Quene sei doch feine Majorität des Reichstages zu erlangen, deshalb würden sie nicht für diesen, sondern für den deutschfreisinnigen Fraktionsantrag stimmen!"
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Die Bolts 3eitung" meldet über die Fraktionsfizung des Zentrums:„ Nach äußerst lebhaften Auseinander fegungen stellte ein Mitglied den Antrag, die Fraktion möge die bestimmte Erwartung aussprechen, daß Frhr. von Huene den von ihm formulirten Antrag in der Mittwoch- Sitzung nicht einbringen werde. Die Tendenz dieses Antrages ging dahin, die jenigen Mitglieder, welche für den Antrag Huene stimmten, zum fofortigen Austritt aus der Fraktion zu veranlassen, da sonst ein einheitlicher Wahlaufruf der Zentrumsfraktion, wie man vielfach andeutete, mit den größten Schwierigkeiten ver
warten zu lassen. Es war halb zwölf Uhr, als er das Ufer erreichte.
Es waren nur wenige Passagiere um diese Stunde da. Andrej nahm ein kleines Boot für sich allein und konnte sich so leicht überzeugen, ob er das andere Ufer des breiten Flusses erreiche, bevor ein anderer Passagier diesseits abgefahren war.
Am andern Ufer mußte er sich länger aufhalten, als es ihm lieb war, um das Haus von der Seite zu erreichen, wo er nicht erwartet wurde. Dies alles verursachte eine beträchtliche Verzögerung, und da er gewöhnlich sehr pünktlich war, hatte Tanja bereits Zeit, sich um ihn zu beunruhigen; sie freute sich desto mehr über seine glückliche Rückkehr, als ob das wirklich etwas Wesentliches für sie be= deute. Weshalb wollte Dich mein Vater sehen?" fragte sie ihn.
Die Auskunft Repin's erwies sich als sehr richtig. Die Polizei hatte beschlossen, alle Hebel in Bewegung zu setzen, Andrej erzählte ihr von den Warnungen, die ihm von um seiner habhaft zu werden. Sie hatte herausgebracht, ihrem Vater und den Freunden im Hauptquartier zugegangen daß er irgendwo jenseits der Newa eine Zufluchtsstätte ge- wären und die sie zwängen, ohne Aufschub umfunden habe. Das war sehr ärgerlich. zuziehen. Gie machten sich sogleich an die Ar beit, das Wenige, das ste mitnehmen wollten, zu packen, und am nächsten Morgen vollzogen sie glücklich die doppelte Operation, unbemerkt aus der Zahl der Lebenden zu verschwinden und gleich einem Phönix an anderem Orte Andrej sah dies wohl ein, doch konnte Tanja nicht, wieder aus der Asche zu erstehen. während er selbst abwesend war, allein und plößlich das Ihr neues Heim war so sicher vor jeder Gefahr, wie Haus verlassen. Gerade dies mußte auffallen. Er beschloß es eine Reihe der schlauesten Vorsichtsmaßregeln, die durch also, lieber gleich nach Hause zu gehen, um in der Frühe lange Praxis diktirt waren, nur machen founten. Die des nächsten Morgens fortziehen zu können. Die Gefahr Polizei ahnte nichts von dem geplanten Barenmorde. Die schien noch ferne, und er hoffte, seine Vorsichtsmaßregeln Jagd nach ihm galt noch seinen letzten Heldenthaten, sie gegen die Spione schon noch treffen zu fönnen. wurde aber ohne ein Zeichen von Lässigwerden fortgesetzt. Dies Er nahm eine Droschte nach der Gagarin- Fähre, ent- war schlimm genug. Viele Spione tannten ihn vom Sehen. Gr schlossen, den kürzesten Weg zu nehmen, um Tanja nicht lief Gefahr, so oft er das Haus verließ, erkannt und auf