Nr. 257.
Abonnements- Bedingungen:
$
Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 ML, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntagss nummer mit illustrierter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen alt: Belgien , Dänemart, Holland , Italien , Luxemburg , Portugal , Rumänien , Schweden und die Schweiz .
Ericheint täglich außer Montags.
Vorwärts
Berliner Volksblatt.
26. Jahrg.
Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinss und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jebes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin "
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Aut IV, Nr. 1983.
Mittwoch, den 3. November 1909.
Auf zur Wahl!
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Der Wahltag ist da! Die Bürger Berlins sollen heute entscheiden, wer in Zukunft| Stimme kommt es hente an. Die Gegner find in den letzten Tagen äußerst rührig ihre Interessen im Rothen Hause in der Königstraße vertritt. Für Angehörige der erwerbs- gewesen und rechnen schon in mehreren Bezirken damit, uns bisher gehörige Mandate zu tätigen Bevölkerung kann es keinem Zweifel unterliegen, wem sie ihre Stimme zu geben entreißen. Das darf nicht sein! Die Lässigen und Faulen müssen aufgerüttelt werden. haben: sie können nur einen Vertreter ihrer Jntereffen, können nur einen Sozial- Ihnen muß flargemacht werden, daß sie gegen ihre eigenen Interessen, gegen die Interessen demokraten wählen. ihrer Klasse verstoßen, wenn sie durch ihr Fernbleiben von dem Wahlakte den Sieg der Infolge eines niederträchtigen Dreiklassenwahlrechts hat die erwerbstätige Bevölkerung Gegner herbeiführen helfen. nur einen bedingten Einfluß auf die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung. Es gilt aber nicht nur, unseren Besitzstand zu erhalten, sondern neue Siege zu erstreiten. Diesen Einfluß ganz auszunnten ist Pflicht jeden Wählers der dritten Abteilung. Das kann geschehen, wenn jeder Genosse sich ganz in den Dienst unserer Sache stellt. Wird Kein Wähler darf zu Hause bleiben! Jeder muß von seinem ohnehin geringen Wahl- alle Kraft angespannt, so wird der heutige Tag ein neuer Siegestag für die Sozialrecht Gebrauch machen und es ausüben, indem er einen Sozialdemokraten wählt. Auf jede demokratie sein.
Die verhinderte Wahlreform.
durchzuführen ist und ob nicht auch bei einer Betrachtung vom Standpunkt der sozialistischen Demokratie gewichtige Interessen gegen sie sprechen.
Hände der Wählerschaft gegeben. Wird diese sich aus den stagnierenden Tümpeln" erheben können? Die sozialistische Partei wird jedenfalls in ihrem Wahlkampf unter ihren Forde Paris, 31. Oftober.( Eig. Ber.) Was Jaurès gefordert hat, war ein Abkommen, daß die rungen mit besonderem Nachdruck die einer Wahlreform Briand , der Anpassungsminister, hat den Nadikalen für den Proporz eintretenden Kandidaten im Fall eines nennen, die, wenn sie schon nicht Wunderwirkungen fun und den Willen getan. Noch in Périgueur hatte er in un- zweiten Wahlganges zugunsten des im ersten Wahlgang be- die aus den wirtschaftlichen Zuständen erwachsene politische bestimmten Wendungen eine Neigung zum Pro porz ahnen günstigten Proporzanhängers zurücktreten sollten. Boraus Korruption ganz aus der Welt schaffen kann, außer ihren lassen und von den stagnierenden, fauligen Sümpfen der fegung eines solchen Abkommens wäre natürlich, daß die unter günstigen Einflüssen auf die Verwaltungspolitik das Ergebnis Bezirkspolitik gesprochen. Die Radikalen zeigten darob große diefen Umständen gewählte Deputiertenkammer sofort nach der schärferen Herausbildung der politischen Parteien und Empfindlichkeit und schickten zum Ministerpräsidenien fragen: Erledigung der Wahlreform auseinandergehe. Denn es ist einer in großem Stil gehaltenen Interessen- und Ideenpolitik Meinen Sie uns? Briand versicherte, die Radikalen nicht klar, daß man der Arbeiterschaft nicht zumuten könnte, klerikale haben muß. damit gemeint zu haben, und er tat mehr. Er entschloß sich, Feinde der politischen Freiheit und liberale Gegner des Arden Proporz, den Millerand eben noch als die un- beiterschutzes in den Sattel zu heben. Das Abkommen ist Blutrünftige Landratsphantafle! umgängliche Vorbedingung der kleinsten Reform in der Ver- also als die Allianz gedacht, die weiterhin alle Allianzen überwaltung und in der Justiz, als das einzige Mittel zur Ver- flüssig machen soll und unter diesem Gesichtspunkte ist sie Die Magdeburger Zeitung" bom 30. Oftober bringt ein besserung der politischen Sitten bezeichnet hatte, im Parlamente prinzipiell unanfechtbar. Auch ist selbstverständlich die sozia- längeres, anscheinend I andrats offizielles Gingesandt über umzubringen. Er hat dieses Geschäft mit strupelloser Ge- listische Partei berechtigt, ihre politische Taktik nach ihren die Entstehung und den Verlauf des Streits in Mansfeld , wie auch schicklichkeit erledigt und sich damit die dankbare Anerkennung eigenen Interessen zu bestimmen und Bretons Wort von der eine Begründung für die Heranziehung des Militärs und die Beder Radikalsozialisten von der Pelletan- Gruppe er- an der radikalen Partei verübten Erpressung ist nicht nur für stätigung, daß der Landrat das Militär requiriert worben, die es ihm bisher nachgetragen hatte, daß er die Auffassung bezeichnend, die dieser Parteigenosse" von hat. Die Mansfelder Bergleute feien bisher durchaus loyal feinen ihrer Ministerkandidaten in das Kabinett aufgenommen der Parteidisziplin und bon der unter Genossen an- gewesen, hätten den„ Lodungen" des Bochumer Verbandes stets hatte. Mit der Vereitelung der Wahlreform hat er die wendbaren Tonart Tonart hat, sondern auch politisch ein widerstanden und in ihrer großen Mehrheit den reichstreuen parlamentarische Uebermacht der Radikalen gerettet, die Wieder- Unsinn. Aber sicher ist der Jaurèssche Vorschlag, verbänden angehört! Aber in letzter Zeit sei es anders ge wahl so und so vieler Berufspolitiker, die kleinen und großen der in den Kreisen der Partei schon vielfache Zu worden, wozu auch die straffere Ordnungshandhabung Profite der Bezirksklüngel gesichert. Darum ist ihm jetzt ſtimmung erfahren hat, nicht leicht zu verwirklichen. Ab- der neuen Generaldirettion"(!!) mit beigetragen mancher Seitensprung nach dem Zentrum hin, sogar seine gesehen von den verfassungsrechtlichen Schwierigkeiten, die sich habe. Aus dieser Mißstimmung hätte der Bochumer Verband Abneigung gegen die lärmende Kulturkämpferei vergeben. einem Auseinandergehen des Parlaments entgegenstellen und Sapital geschlagen. Er fei öffentlich dazu übergegangen, die MansDas Hauptargument Briands gegen den Proporz war die immerhin dadurch umgangen werden könnten, daß sich felder Bergleute für sich und die Sozialdemokratie zu gewinnen, um das bei allen einer Wahlreform widerstrebenden Ministern wenigstens die Proporzanhänger verpflichten, im Fall ihrer dann allmählich die Gewerkschaft unter das sozialdemokratische übliche: die Wähler seien noch nicht reif. Nicht als ob Wahl nach Erledigung der Wahlreform in diesem oder jenem Verbandsjoch zu beugen. Es handele sich nicht um Lohn- und Briand auf den in der Diskussion schon erledigten läppischen Sinn sofort ihre Mandate niederzulegen, ist doch nicht zu sonstige Wirtschaftsfragen, sondern um eine Machtfrage, Einwand Gewicht gelegt hätte, daß die französischen Bürger, übersehen, daß die parlamentarische Erledigung einer so wich- barum, wer in Zukunft in Mansfeld über die Arbeiterschaft die die unter allen Nationen des Kontinents die längste politische tigen Materie in den beiden Kammern längere Zeit in AnErziehung genossen haben, ein Verfahren nicht verstehen spruch nehmen kann und daß, während der Senat über die Herrschaft besitzt, die Gewerkschaft oder die Sozialdemokratie. Diese Frage sei nicht nur für die Gewerkschaft, sondern für die ganze würden, das den an Voltsbildung und politischer Erfahrung Wahlreform beriete, der Apparat der Deputiertenkammer nicht Bevölkerung von hoher Wichtigkeit. zurüchstehenden Belgiern ohne jede Schwierigkeit vertraut stehen bliebe. In diesem Punkt entbehrt Bretons Kritik nicht Wenn der Kampf sich zu einer Machtfrage zugespigt hat, so hat geworden ist. Aber er berief sich darauf, daß die bürgerlichen der Berechtigung. republikanischen Parteien infolge ihrer Zerbröselung auf das Jedenfalls aber wird die Frage des Proporzes die bevor- Herr Vogelsang ihn von allem Anfang dazu gestempelt; er hat ihn Proporzsystem nicht vorbereitet seien und bei einer sofortigen stehenden Wahlen beherrschen, mögen sich auch etliche Radikale heraufbeschworen, nicht aber der Bergarbeiterverband, der nichts mehr und nichts weniger forderte, als Duldung der Organisation, Einführung so zu Schaden kommen würden, daß gerade die bemühen, wieder einmal das Schreckgespenst der flerifalen mehr und nichts weniger forderte, als Duldung der Organisation, falls die Mansfelder Knappen sich derselben anschlossen. Die MitMehrheit der Wähler um die ihnen gebührende Vertretung ge- Gegenrevolution zu zitieren. Die Propaganda für die Wahlbracht werden würden. Nun ist in der Tat nicht zu leugnen, daß reform hat im Lande genug tiefe Wirkung gehabt, um die gliedschaft zu den reichstreuen Verbänden beruht nur auf direktem Zwange, nicht aber auf Ueberzeugung. Die ganze Gegend würde die Radikalen in der ersten Zeit infolge ihrer organisatorischen Radikalen, die nicht gerade eingesessene Bezirksgrößen sind, faut aufjubeln, wenn dieser Streit endlich den reichstreuen Nebel Zersplitterung eine schwierige Stellung hätten. Nur ist eben zum Nachdenken darüber zu veranlassen, ob sie doch nicht fortfegt. Nicht nur den Bergleuten hat dieser Schwindel bis an diese Erscheinung eine Folge der Bezirkswahl mit ihrem besser fahren, sich als Anhänger der Reform zu bezeichnen. ben Hals gestanden, sondern auch den Geschäftsleuten, ja ber ganzen Widerstreit der lokalen Cliquen, und zu warten, bis der Freilich das bloße Versprechen ist noch lange keine Bürgschaft Bevölkerung.
-
Briandsche Appell an den Idealismus" der bürgerlichen für den ernsten Willen. Die Geschichte der verschiedenen Re- Ueber die Notwendigkeit der Heranziehung des Militärs schreibt Republifaner Wirkung erzielt und die Einigkeit der Radikalen formen, die seit einem Menschenalter darauf harren, aus den der Offiziofus, daß am 20. Ottober in einer Streitversammlung zu hergestellt hat, heißt die Einführung des Proporzes auf den radikalen Wahlprogrammen in die Wirklichkeit übergeführt zu Hettstedt unerwartet die Ausübung des Zwanges gegen die ArbeitsSankt Ninimerleinstag verschieben. Die Konsolidierung des werden, zeigt das zur Genüge.
Radikalismus ist übrigens ein unlösbares Problem, unter Daß Briand , wenn er gewollt hätte, die Sache der Re- willigen beschlossen" worden sei, worauf dann am 20. und 21. Dr dem heutigen Wahlsystem wie unter dem Proporz, da sich in form, deren Notwendigkeit er und noch mehr sein Stollege 3-4000 Streifende beteiligten; Arbeitswillige und Gendarmen der radikalen Partei Elemente mit den gegensätzlichsten wirt Millerand mit den treffendsten Argumenten gezeigt haben, feien eingeteilt, verhöhnt, gestoßen und mit Steinen geworfen schaftlichen und sozialen Interessen zu einer Aufteilung poli- schon jetzt hätte zum Siege führen können, ist sicher. Er hat feien eingeteilt, berhöhnt, gestoßen und mit Steinen geworfen worden. Direkt unwahr ist es, daß jemals ein derartiger Bes tischer Profite zusammengefunden haben. Unter dem Proporz, die Macht, die dem regierenden Mann unter dem bestehenden schluß gefaßt worden wäre, wie es denn geradezu lächerlich flingt, wo sich dem Wähler nicht die einzelnen Kandidaten mit ihren Wahlsystem auf die Zusammensetzung des Parlaments zusteht, von einer„ Revolte" zu sprechen. Es sind an einem hellen Nach Versprechungen, sondern die Parteien mit ihrem poli- der sehr notwendigen Hebung des Parlaments in der öffent mittag- mehr wohl des schönen Wetters halber als in bestimmter tischen, wirtschaftlichen und sozialen Programm vorstellen, lichen Meinung vorgezogen. Er will lieber Wahlen nach dem Absicht- 2-300, nicht 4000 Frauen und Männer zum Schicht. müßte eine Partei, die hauptsächlich durch traditionelle napoleonischen Muster machen, als einen„ Staatsstreich", der wechsel an die Kupferkammerhütte gezogen. Das ist alles, und Phrasen zusammengehalten wird, erst recht recht aus dem in der Befürwortung eines gerechten Wahlrechts läge. Und Leim gehen, allerdings um neuen, festeren, den sozialen mit seinem verblüffenden moralischen Pathos, dessen virtuoſe wenn der Offiziosus schreibt, daß die" Tumulte" fich am anderen Tage wiederholt hätten, fo ist das ein BroInteressenfreisen entsprechenden Gebilden Platz zu machen. Handhabung in den Zuhörern den Anreiz zum Gelächter be- duft seiner Phantasie, nicht Tatsache. Am anderen Tage Briand will den Radikalen ihren Besitzstand sichern das siegt, verkündet er, er wolle nicht, indem er der Mehrheit jezt sind die Straßen durch die weitere Gerede ist nur Geflunker. Der Ministerpräsident hat vor den Wahlen das Messer an die Brust setze, der„ legte der in die Straßen durch die Streilleitung in aller Ruhe gesäubert worden, und als das Militär tam, war alles öde und leer. schließlich noch einen Lobeshymnus auf das bestehende Elenden" sein. Wahlsystem angestimmt, alle seine hochpreislichen Leistungen Die Wahlreform hat in dieser Gesetzgebungsperiode reine Von den angeblichen Mißhandlungen hat man bisher überhaupt nichts für das Volkswohl aufgezählt. Zum Schluß brachte er eine Aussichten mehr. Für sie sind die besten Redner eingetreten gehört, und das Werfen mit Steinen ist auch neu; vordem wurde gegen die Sozialisten gerichtete Apostrophe an die Befür- von unseren Genossen Varenne, in einer großangelegten behauptet, daß es Pferdebreck gewesen sein soll. worter eines gemeinsamen Vorgehens der Proporzanhänger systematischen Rede, und dann Sembat, der auch das bisbei den Stichwahlen vor. Daß die Phrasen über die Ge- her vergessene Frauenstimmrecht forderte, sowie Jaurès , fährdung der Republit, die Herr Briand dem Vorrat der der seine Ausführungen erst in der nächsten Sizung " Lanterne" und des Noch- immer- Genossen Breton ent beendigen wird und ihr gefährlichster Gegner nommen hat, für das Verhalten der sozialistischen Partei nicht Briand hat ihrem Prinzip wertvolle Zugeständnisse maßgebend sein können, ist klar. Etwas anderes ist die Frage, machen müssen; aber sie scheitert an dem Widerstreben der ob eine solche Stichwahlparole unter den gegebenen Umständen großen und kleinen Machthaber. Ihr Schicksal ist nun in die
Gleichzeitig wurde festgestellt heißt es in dem Eingesandt weiter daß die Streitenden die Stillegung mehrerer Hütten, insbesondere auch der elektrischen Zentrale der Gewerkschaft für das nördliche Abbaugebiet durch Absperrung aller Arbeitsträfte für die nächste Schicht ins Wert segen wollten."
Wo und durch wen das Landratsamt diesen schrecklichen Plan festgestellt hat, teilt der Schreiber nicht mit, und doch tväre es notwendig, die Deffentlichkeit erführe das. Die Streilleitung hatte