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Nr. 286.

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für

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

26. Jahrg.

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Telegrammi- Adresse: Sozialdemokrat Berlin "

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Ciebedienerei.

Mittwoch, den 8. Dezember 1909.

bettelte!

"

Expedition: SW. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

Morgen hat der Reichstag wegen des katholischen Feier­

polnischer Wahlen gemaßregelt worden sind, die mon- sekretär heraus, zu erklären, weshalb er seine Eingaben als archische" und" patriotische" Gesinnung zur Vorbedingung Reichstagsabgeordneter nicht beantwortet habe. Herr Ser Koalitions- und staatsbürgerlichen Freiheit" zu erklären! v. Tirpik, der vorher bombastisch versichert hatte, er werde Und es ist bezeichnend für unseren Freisinn, daß es ein über alle Fragen Auskunft geben, zog es indes vor, zu Lehrer und Beamte haben jüngst einen neuen Verband freisinniger Lehrer war, der in so armseliger Weise schweigen. Der große Seeheld brach das Gefecht ab, um gegründet, den Bund der Festbefoldeten". Diese um die Gunst der Regierung und der reaktionären Parteien hinter der schützenden Front der Regierungsparteien Deckung zu suchen. Er konnte das ja auch ungehindert tun, da man Gründung hat bei den bürgerlichen Parteien manche An­Sollte der Bund der Festbesoldeten je auf dem Stand- ihm bei dieser Gelegenheit nicht mit dem schweren Geschütz feindung erfahren. Man hat sie als die Mache eines Zeitungs­verlegers hingestellt, selbst Beamtenfachblätter haben sie als punkt des Herrn Rosin anlangen, so würde das die Sozial- von Anträgen zu Leibe konnte. So ging die Interpellation berlegers hingestellt, selbst Beamtenfachblätter haben sie als bemokratie weniger zu beklagen haben als die Beamtenschaft wie üblich aus, ohne ein anderes Ergebnis als die moralische unlauteres Konkurrenzunternehmen gegen die bestehenden Fachorganisationen bekämpft. In einer Versammlung, die der selbst. Denn das hieße nicht nur die gesinnungslose Streberei Züchtigung des Systems Tirpit- Harms. Schließlich wurde noch eine Anzahl von Vorlagen er­Bund am Sonntag in Berlin abgehalten hat, wurden von den proflamieren, das Liebedienern aus niedrigstent politischen verschiedenen Rednern, Lehrern und Beamten, diese Auschuldi- Kaltül, sondern auch die Beamtenschaft alles politischen Ein- ledigt, wobei eine längere Debatte bis spät in den Abend gungen zurückgewiesen. Der neue Bund solle keineswegs be- flusses berauben. Liegt doch der stärkste Antrieb zu hinein fich über den portugiesischen Handelsver. stehende Organisationen überflüssig machen und ersetzen, viel- einer Politit des Entgegenkommens gegen die Beamten für trag entspann. mehr eine zusammenfassende Vereinigung der gesamten Be- Regierung und bürgerliche Parteien in der Furcht vor amtenschaft darstellen. Zweck des Bundes sei, det Beamten - einem Absch wenten der Beamten zur Sozial- tags( Maria Empfängnis) feine Sigung. Am Donnerstag amtenschaft darstellen. Zweck des Bundes sei, dez Beamten- demokratie! Wenn nun aber die offizielle Organisation soll die Etatdebatte beginnen: da hat der neue Reichs­schaft im Staate und bei den Parteien die Berücksichtigung zu der Beamten selbst die einzige wahrhaft fortschrittsfreundliche kanzler, Herr Bethmann Hollweg , das Wort! sichern, die man ihr bisher leider nicht entgegengebracht habe. Partei, die Sozialdemokratie, verfent, dann brauchen sich ja Wohl hätten die Parteien sich bisher von der Beamten die Wahlhilfe, die Schlepperdienste und die Kuliarbeit bei die bürgerlichen Parteien vor den Drohungen der Kommissionsberatungen gern gefallen lassen, allein nachher Beamten gar nicht zu fürchten! Denn von den Paris , 4. Dezember. ( Eig. Ber.) hätten die Abgeordneten nichts für die Beamten getan, sogar für den äußersten Notfall geplanten Beamtenfandidaturen - sehr Die französische Beamtenbewegung ist durch die Gründung einer gegen ihre Forderungen gestimmt. Das müsse aufhören. Die scheinen sich ja die Beamten selbst und mit Recht! alle Kategorien umfassenden Zentralorganisation in ein neues Barteien müßten gezwungen werden, die Wünsche der Be- wenig Erfolg zu versprechen! Die Beamten sollten sich also vor Ratgebern vom Schlage Stadium getreten. Wohlgemerkt, es handelt sich hier nicht um amten zu respektieren. Wenn es gar nicht anders gehen wolle, des famosen Freisinnsmannes Rosin hüten, wollen sie den revolutionär- syndikalistische Elemente, wie das Betergeschrei der freilich nur im äußersten Falle müsse man zur Aufstellung Karren nicht von vornherein in den Sumpf fahren. Doch großkapitalistischen Presse glauben machen könnte, sondern eigener Beamtenkandidaten schreiten. So weit, so gut. Man kann es den Beamten nicht ver- auch das mögen sie mit sich selbst ausmachen. Die Sozial- gerade um die auf einem bloßen Interessenschutz innerhalb der demokratie ist in der glücklichen Lage, auf die politische Unter­bestehenden Schichten, heutigen Staatsordnung argen, wenn sie nach dem Vorbild sowohl der verschiedensten stügung der Beamten viel weniger angewiesen zu sein als lang geduldig auf das so oft versprochene Beamtenstatut mit Unternehmergruppen wie auch des Proletariats zu dem Wittel diese auf die Hilfe der Sozialdemokratie! seinen Garantien für ein gerechtes Avancement und gegen disziplinäre der Organisation greifen, um ihren Interessen energischer diese auf die Hilfe der Sozialdemokratie! Willtür gehofft und nun diese Geduld verloren haben. In seinem Geltung zu verschaffen. Auch in den Streit, ob der Bund Aufruf wie in feinen Statuten läßt der neue Verband keinen Zweifel der Festbesoldeten" wirklich eine geeignete Vertretung der Be­als Aktionsmittel nicht anerkannt, der Anschluß an fremde

sich klar darüber zu werden, ist Sache der Beamten selbst.

Die Föderation der Beamten.

Schichten, die jahre

amten darstellt oder nicht, haben wir uns nicht eingelassen; Cirpitz, Harms und die Werftarbeiter. über feine gemäßigten Tendenzen. Der Streit wird ausdrücklich An und für sich würde eine zusammenfassende Beamten- Aus dem Reichstag , 7. Dezember. Das paßige Organisationen- und darunter ist die Arbeitstonföderation organisation einen entschiedenen Fortschritt darstellen. Trat Bochen auf seine eigene Selbstherrlichkeit und die Unanfechtbar gemeint- abgelehnt. Vorgesehen ist nur eine Verbindung mit Auslandes. Wenn man doch bisher bei manchen Beamtenorganisationen das aus. feit der Marineverwaltung ist dem Herrn v. Tirpitz nicht gut Beamtenverbänden des bekommen. Heute wurde ihm in schärferer Tonart auf Spuren syndikalistischer Anschauungen durchaus entdecken will, fchließliche Berufsinteresse in allzu kleinlicher und engherziger Er selbst zog es dann vor, einen Pflock zurüd fo tönnte dies höchstens in der Programmbestimmung sein, Weise hervor. Wie das Berufsinteresse mit dem Klassen gespielt. als Aufgabe des Verbandes außer dem Schug rein intereffe durchaus in Einklang zu bringen ist, das fönnten zustecken. Um die Beantwortung der heitelsten Fragen drückte er die Dafür benutte aber sein beruflicher Interessen der Beamten die Förderung der Interessen die Beamten von den proletarischen Organisationen sich sehr vorsichtig herum. Meschores", wie man in Kiel fich werfttechnisch ausdrückt, des Publikums durch ein Studium der Verwaltungsreform sehr wohl lernen! Unter solchen Umständen weiß sich die Sozialdemokratie der Geheime Admiralitätsrat Harms, die Gelegenheit, um nennt, und dies auch nur in dem Sinne, daß der Syndikalismus völlig frei von jener Animosität, die die bürgerlichen Parteien den Arbeiterbeschwerden gegenüber den paßigsten Tirpitton wie die Beamtenbewegung Traditionen des Proudhonschen Föderalis mus aufgenommen hat. Die offenkundigen Mängel der Verwaltung bisher für den Bund der Festbesoldeten" empfunden haben. noch zu übertirpigen. Zunächst brachte der freifinnige Dr. Strube neues selbst und die politische Korruption, die sie durchdringt, haben die Was die Beamten fordern: eine angemessene Besoldung und Arbeitszeit, das freie Stoalitionsrecht, und das unbeschränkte kompromittierendes Material über die unheilvollen Wirkungen Oppofition gegen den jatobinischen Zentralismus sehr gestärkt Recht der politischen Betätigung- das sind ja alles Forde- des bureaukratischen System Tirpit" in der Marineverwal- und nach den reaktionären Verteidigern des Korporations­rungen, die gerade die Sozialdemokratie stets mit tung vor. Er stellte dabei fest, daß ein unlösbarer Wider Prinzips find nicht wenig neuere republikanische Verwaltungstheoretifer spruch besteht zwischen der Behauptung des Marineministers, zu Anwälten einer Dezentralisation geworden, die bis zur Auflösung allem Nachdruck erhoben und verfochten hat. Was uns an der Versammlung der Festbefoldeten miß daß die Verwaltung dem recherchierenden Kriminalfomniissar des staatlichen Appaarats in Genossenschaften mit ausgedehnter fiel, das war der von einigen Rednern allzu ostentativ feine Prozente versprochen habe, und der eidlichen Aus- Autonomie geht. Der Föderation sind bis jetzt 19 Verbände der verschiedenen herausgesteckte Hurrapatriotismus, das allzu naive Bestreben, fage des striminalfommissars Wannowski: ihm sei 1 Broz. sich Regierung und bürgerliche Parteien durch die immer aus dem Erlös der Zivilflage gegen die" Chabruse" Refforts beigetreten. Sie zählen zufammen etwa 165 000 Mitglieder. von neuem wiederholte Beteuerung der Loyalität günstig zu zugesagt worden. Auch Herr Erzberger und Herr Leon Die stärkste Gruppe ist die der Volksschullehrer mit 96 000 Mit­gliedern bei einer Gesamtzahl von 115 000 Schrern. Weiter hat sich ftimmen. Ja man ging fogar so weit, die neue Organisation art zogen noch einmal vom Leder. Genosse Severing verlas aus der nichtbeachteten Ein- der allgemeine Verband der Post unterbeamten mit 30 000 der Beamten gewissermaßen als ein Bollwerk gegen den Um­sturz anzupreisen! Am meisten tat sich in dieser Beziehung gabe des Metallarbeiterverbandes Stellen, in denen die Ver- Mitgliedern( von 60 000 Beamten diefer Kategorie), meist Brief­der Lehrer Rosin hervor, ein Freisinniger" und waltung auf viele von den jetzt enthüllten Wißständen bereits trägern, angefchloffen. Die Drganisationen der Föderation waren faltgestellter Sonderkandidat der Beamten gegenüber dem damals hingewiesen wurde. Dann brachte er aber besonders bisher bloß in einem Studienkomitee" vereinigt, das jetzt wegen Kommunalfreisinn bei der letzten Berliner Landtagswahl. Tatsachen zur Sprache, die zeigen, daß die terroristische des die Föderation begründenden Beschlusses gesprengt ist. Daneben arbeiterfeindliche Verwaltungsmethode des Systems Tirpitz- aber besteht noch das Zentralfomitee zur Verteidigung Herr Rosin sagte unter anderem: überall die Wirkung hat, tüchtige Arbeiter, der Gewerkschaftsrechte", das außer Staatsarbeitergewer Er wolle nur feststellen, daß jeder Bundesangehörige einer Harms und gewerkschaftlich betätigen schaften auch Unterbeamte und eine beträchtliche Zahl von Beamten beliebigen Partei angehören tönne, ausgenommen jene sobald sie sich politisch Parteien, die nicht für Kaiser und Reich seien, sie möchten oder an Beschwerden die Verwaltung schicken, höherer Kategorien umfaßt. Ihm gehört nämlich auch die Association sonst noch so tüchtige Parteien sein. Das wären die Sozial- außer Brot zu bringen, während notorische Spizbuben Génerale" der Postbeamten an, die während der zwei Poststreits demokratie, die Welfen, Polen , Dänen und in Amt und Stellungen kommen. Verschlimmert wird dieser dieses Jahres eine führende Rolle gespielt hat. Da in ihr die ent Franzosen, die in Deutschland lebten. Wir verkennen nicht, Bustand noch dadurch, daß ein gelber nationaler Arbeiterschieben gewerkschaftlichen Tendenzen vorherrschen, ist ihr Eintritt in erklärte der Redner, daß auch die Sozialdemokratie berein in Stiel gegründet ist, dessen Kandidaten in jeder Weise die so ausgesprochen gemäßigte Föderation noch fraglich. alles für die Beamten tun werde, aber sie stehe bevorzugt und begünstigt werden. Eine Geſundung des Be- Die Konstituierung der Föderation ist auf Grund der Bes außerhalb der monarchischen Gesinnung, ihre Abgeordneten verließen den Saal beim Kaiserhoch, auch lehne sie triebes, so schloß Severing, fönne nur durch völlige Bestimmungen des Vereinsgefeßes erfolgt und juristisch unanfechtbar. das Staatsbudget ab, worin auch die Gehälter der seitigung der Günſtlingswirtschaft erzielt werden. Die Regierung wird sich auch wohl hüten, dem Wunsch der Scharf­Der Geheime Admiralitätsrat Harms, der im Marine- macherblätter wie" Temps"," Journal des Débats "," Figaro" usw. Beamten enthalten seien. Sie fäme also für den Bund nicht in Betracht. amt die nämliche Rolle spielt wie der bekannte Herr Schwarz- Folge zu leisten und mit Gewaltmaßregeln und Ausnahme­Wir halten es, rund heraus gesagt, für einen groben fopff im preußischen Kultusministerium, erklärte im barschen bestimmungen einzuschreiten. So unangenehm ihr der Zusammen Unfug, wenn Herr Rosin, der doch selbst für die Beamten Unteroffizierston: ein Werftarbeiter in Danzig , der zehn Jahre schluß der Beamten sein mag, so entscheidet doch ein Umstand über Freiheit der Organisation und der Gesinnung fordert, in in Dienst gewesen war und dann eine Beschwerde über die alle Projekte dieser Art: die Nähe der Wahlen. eigener Person die abgeschmackteste Gesinnungs - dortige Mißwirtschaft eingereicht hatte, worauf er schleunigst riecherei und den standalösesten Terror dadurch gemaßregelt wurde, hätte entlassen werden müssen, weil fördert, daß er die famose These aufstellt: ein Beamter er sozialdemokratischer Arbeiter" gewesen sei. In lauten darf nur einer patriotischen und monarchischen Proteftrufen machten die Sozialdemokraten ihrem Unwillen Partei angehören! über diese brutale Scharfmacherpolitik Luft. Genosse Legien Die Beamten sind Diener des Staates. Diefer Staat ergriff später noch einmal das Wort, um dieses terroristische in das richtige Licht zu setzen. aber ist feineswegs die Domäne der Stone oder der königs- System in das Er stellte Der Zechenverband und sein Zwangsarbeitsnachweis. treuen" und staatserhaltenden" Parteien. Ganz davon ab- fest, daß der Staatssekretär sich offenbar in völliger Der Verband deutscher Arbeitsnachweise in Berlin hat gesehen, was hinter der monarchischen Gesinnung etwa der Unkenntnis über das Wesen der Gewerkschaftsbewegung an den Verein für bergbauliche Interessen in Essen einen wenn er fich Junter stedt, die es mit dem Prinzip halten und der befinde, er sich erlaube, ,, Organisationen Brief gerichtet, in welchem er sich gegen die geplante Er­Stönig absolut, wenn er uns den Willen tut", oder der des Herrn Legien" zu sprechen. So etwas gebe es überhaupt richtung eines Bentral- Zwangsarbeitsnachweises ausspricht und Nationalliberalen, die sich ja selbst als Ver- nicht. Daß man die Arbeiter auf den Werften als Gewert auf Grund feiner Erfahrungen mit paritätischen Arbeits­nunft monarchisten" bezeichnet haben, also als Anhänger schaftler und Sozialdemokraten verfemen wolle, sei um so nachweisen die Einführung eines gleichermaßen von Unter­des Monarchismus aus nüchternster materieller Be- skandalöser, als es sich da um die Mehrheit der Werft- nehmern und Arbeitern besetzten Zentralnachweises unter rechnung. Zum Staat gehören als vollberechtigte Glieder arbeiter handele; die Arbeiter feien aber obendrein die Leute, aus Leitung eines unparteiischen Vorsitzenden empfiehlt. Der alle Parteien, auch die Polen und die Sozialdemo- deren Geldern durch die Zölle und indirekten Steuern der Haupt- wichtigste Teil des Schreibens lautet:" fraten! Es ist geradezu eine Jämmerlichkeit ohne Gleichen, teil der Mittel aufgebracht würde, die zur Bestreitung der Marine­n einem Augenblick, wo erst wieder fünf Lehrer wegen ausgaben dienten. Er forderte dann noch einmal den Staats­

"

-

gar

Politische Ueberficht.

Berlin , den 7. Dezember 1909.

Der Verband deutscher Arbeitsnachweise, welcher mit Zu­ftimmung und mit materieller Unterstügung der Reichsregierung