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Nr. 6.

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Berliner Volksblatt.

27. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin "

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Sonnabend, den 8. Januar 1910.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV Nr.1984.

Sparfame Sparkaffen- Statiſtiker. uden müſſen, weil uns leider das ſtatiſtiſche Landesamt die kaffeneinlagen 5993 Millionen Mark betrüge!

am

=

unmöglich, weil ja während des Krisenjahres 1908 nicht

goflor

Das Ende einer Partei.

390

Anno domini 1910, am Tage der Heiligen drei Könige,

"

Wir haben diese Summe rechnerisch zu ermitteln entfielen, während der Anteil der Besitzenden an den Spar­genauen Zahlen nicht mitgeteilt hat! Daß unsere Durch- Nach diesen Ergebnissen begreift man, warum das statistische Der Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Uebersicht schnittsrechnung aber ziemlich genau stimmen dürfte, Landesamt sich bis auf den heutigen Tag so ängstlich davor über die preußischen Sparkassen im Rech ergibt sich daraus, daß eine genau nach derselben Methode gehütet hat, die Zahlen mitzuteilen, die wir hiermit zur wei­nungsjahre 1908, die nach den verschiedensten Rich borgenommene Berechnung der Verteilung der Spareinlagen testen Verbreitung der Deffentlichkeit übergebel tungen hin außerordentlich interessant ist. Sie auf fämtliche Sparkassenbücher überhaupt beweist zunächst, daß die schwere Arise, unter der das Wirt- mit der von der amtlichen Statistik mitgeteilten Gesamt­schaftsleben des Volkes und namentlich die Lebenslage der summe im Endergebnis fast völlig übereinstimmt! nichtbesitzenden Klaffe zu leiden hatte, auch in der die Summe der auf die 356 000 neuen Sparkassenbücher ent- 6. Januar, wurde in Stuttgart die alte württembergis Vor allen Dingen dürfen wir uns nicht daran stoßen, daß Statistik der preußischen Sparkassen seinen deutlichen Ausdruď fand. Betrug doch die Summe des Ueber- fallenden Einlagen in Höhe von 441,2 Millionen Mark fich Boltspartei zu Grabe getragen. Die Trauerfeier, 3 an­schusses der Neueinlagen im Jahre 1908 nur 162,45 Millionen o gar nicht deckt mit den 162 Millionen Mark, um die sich besversammlung der württembergischen Bolts. Mark, eine Summe, die nur im vorhergehenden Jahre 1907 in Wirklichkeit die Summe sämtlicher Spareinlagen ver- partei" benamst, war start besucht. Die Grabrede hielt Herr noch niedriger war, sonst aber seit dem Jahre 1901 im Durch mehrt hat. Eine solche Uebereinstimmung ist deshalb ganz v. Payer selbst. Mit Recht. Denn niemand hat wohl soviel schnitt um das Doppelte übertroffen wurde! Der Gesamtbetrag der Einlagen ergab nur eine Unzahl von Einlagen im ganzen abgehoben dazu beigetragen, das Ende der alten Volkspartei zu beschleunigen, Schlusse des Rechnungsvorjahres 1907 9 121 315 000 m. worden ist, sondern auch von den Einlagen der nicht als gerade der Präsident des Württembergischen Landtags, Ritter während er am Schluß des Rechnungsjahres 1908 aufgelöschten Sparkassentonten ganz erhebliche Be- hoher Orden, Reichs- und Landtagsabgeordneter Herr v. Bayer. Bevor die eigentliche Trauerfeier begann, mußte Redakteur 9 573 088 000 M. angewachsen war. Von diesem Zuwachs von fräge abgehoben worden sind. Daß trop des Ueber­451 Millionen Mark bestanden aber 289 Millionen Mark Schusses von 356 000 neuen Sparkassenbüchern mit ihrer un- Er redete einem Block der Linken mit Einschluß der Sozialdemo­un- Schmidt den Parteibericht vom letzten Jahr erstatten. aus Binsen, so daß der wirkliche Zugang aus dem Ueber- gefähren Einlage von 441 Millionen Mark der Gesamt­schuß der Einlagen über die Rückzahlungen hinaus sich nur überschuß aller Einlagen über die zurückgezahlten Beträge Württemberg in einigen Orten Volkspartei, Nationalliberale und ratie das Wort, weil bei den legten Gemeinderatswahlen in auf die schon genannte Summe von 162 Millionen Marf belief. nur 162 Millionen Mark beträgt, beweift eben, wie erheblich Sozialdemokratie zusammengegangen sind. Diese Konstellation Daß unter der schweren Krise die nichtbesibende der Rückgang der alten Einlagen gewesen ist! Klasse am allerschwersten zu leiden hatte, so daß sie so Unsere Aufmachung beweist ferner, daß höchstwahrschein- liegt auch immer mehr in der politischen Notwendigkeit, je mehr gut wie gar keine neuen Spareinlagen im Jahre lich die Rückzahlungen auf kleine Einlagen relativ außer- fich Zentrum und Konservative zu ihrem reaktionären, selbstsüch­1908 zu machen vermochte, geht aus den näheren Mittei 1908 zu machen vermochte, geht aus den näheren Mittei ordentlich viel beträchtlicher gewesen sind, Versammlung aus. Daß die Sozialdemokratie die Reaktion stets fungen des preußischen statistischen Landesamts zur Evidenz als der Rückgang der größeren Einlagen. Und diesem und mit aller Straft bekämpft hat, ohne auf den Großblod" zu hervor. Ja, diese Mitteilungen beweisen fogar, daß die von der amtlichen Statistik gleichfalls leider nicht erwarten, hingegen die Wolkspartei sich oft genug als Schußengel Spareinlagen der kleinen Sparer nicht nur feine 8u- faßten Rückgang der Einlagensumme gerade der besi ber reaktionären Parteien aufgespielt hat, verschwieg Herr Schmidt. nahme, sondern sogar eine ganz beträchtliche Verminde- losen Klasse steht nur der lächerliche Zuwachs für die Den Landtagsbericht gab Abgeordneter Liesching. Klaffen a bis c von kaum 16 Millionen Mark gegenüber! rung erfahren haben! Alle Schönfärbereien der amtlichen Statistik vermögen ahlrecht zu sprechen. Sehr richtig führte er aus, daß auch Im Verlauf seiner Rede kam er auch auf das preußische also die Tatsache, daß gerade die arbeitende Bevölkerung Preußen der Strömung auf Schaffung eines freiheitlichen Wahl­unter der Strise am schwersten gelitten hat, nicht zu ver- rechts zum Landtag auf die Dauer nicht werde widerstehen schleiern, sie verraten lediglich ein geradezu täppisches können, andernfalls der föderative Charakter des Reiches cher Bemühen, durch Nicht mitteilung gerade der als Rückschritt, denn als Fortschritt betrachtet werden müsse. interessantesten Zahlen, durch Vermeidung ge- Die schwächliche, nicht selten rüdschrittliche Haltung der Volks­rade der wichtigsten Ermittelungen und obendrein noch partei im Landtag, besonders bei der Volksschulreform, durch förmlich absurde Kommentierungs- fuchte der Referent mit der nachgerade berüchtigten Ausrede zu versuche die tatsächlichen Verhältnisse tendenziös zu ent- begründen, daß halt die anderen Parteien auch einen Willen hätten, daß man das Mögliche nehmen müsse, und daß die Leute außer­

Im Jahre 1908 wurden 1 630 523 Sparkassenbücher neu ausgegeben und 1273 786 Sparkassenbücher zurückgezogen, so daß sich die Zahl der Sparkassenbücher um 356 737 Stüd ver­mehrte. Nach Größenklassen geordnet, verteilten sich diese

356 737 Bücher folgendermaßen:

Bücher

a) 173 453 b) 18 120

c) 10 599

auf Einlagen

bis zu

60 bis

bon

Büchervermehrung

in Proz. 5,38

1,12

60 M.

150

150 300

"

"

0,73

"

d) 14 222

300

600

0,85

"

"

e) 98 738

600

3000

"

3,40

" 7

3000 bis 10000

"

über 10 000

f) 35 443 g) 7314

6,49 10,42

stellen!

-

-

tigen Treiben verbinden," führte er unter starkem Beifall der

-

Ebenso wie die Wahlrechtsstatistik des preußischen halb des Parlaments im Grunde genommen nichts von der parla­statistischen Landesamts ist auch die Sparkassenstatistik ein mentarischen Arbeit und dem Kräfteverhältnis der Parteien ver­Zeugnis dafür, daß sich auch die amtliche Statistik ständen. Daß die Sozialdemokratie nicht jeden Verzicht der Volks­Schon die Prozentzahlen der Büchervermehrung den Wünschen und den Interessen der herrschenden und be- partei auf grundsätzliche Schulforderungen mitmachte, hat die Un­beweisen ja, daß nur eine ganz geringfügige Zahl von fitenden Klassen zu unterwerfen hat! zufriedenheit des Herrn Liesching in besonders hohem Grade er­Das ergibt sich schließlich auch daraus, daß in der regt. Sparsamkeit in der Staatsverwaltung verlangte der Redner, neuen Büchern für die geringeren Spareinlagen aus­gegeben wurde, während sich die Zahl der Sparer mit 3000 Statistik über die Sparkassen ängstlich jede Ermittelung eine Forderung, die sich im Munde eines Volksparteilers ganz bis 10 000 m. und über 10 000 m. noch immer ganz erheblich auf die einzelnen lassen der Einleger entfallen. Herauszugreifen die Volkspartei z. B. den gänzlich überflüffigen barüber vermieden wird, welche Beträge denn überhaupt besonders merkwürdig ausnimmt, hat doch um nur einen Fall vermehrte. Es ist deshalb schon eine ganz auffallende Wohl finden wir Mitteilungen darüber, wie groß die 3 ahl Gesandtenposten in München in zweiter Etatslejung gerettet, nach­Schönfärberei, wenn es in dem vom Reichsanzeiger" der Sparkassenbücher der Einzelklassen ist, aber dem die Ausgabe in erster Lesung mit großer Majorität( die gegebenen Auszug heißt: " Aus diesen Verhältniszahlen könnte man zunächst den Ein- darüber, wie groß denn eigentlich die auf die einzelnen Mehrheit der Volksparteiler eingeschlossen) gestrichen worden war. drud gewinnen, als sei die 8unahme im wesentlichen auf Slaffen entfallende Summe ist, schweigt man sich vorsichtig Reichstagsabgeordneter Konr. Haußmann gab die größten und fleinsten Konten beschränkt gewefen; aus! Diese Vorsicht nütt freilich nichts, denn auch auf Grund den Reichstagsbericht. Der Blod so begann er fei es ist dies aber einer der zahlreichen Fälle, in denen die Ver- der gegebenen Mitteilungen läßt sich mit fast absoluter Sicher- im Lauf der politischen Entwickelung zertrümmert worden. Er hältniszahl allein irreführt und durch die a bheit berechnen, in welcher Weise sich die 91/2, Milliarden der werde in diesem und auch im nächsten Reichstag nicht wieder auf­folute Bahl ergänzt werden muß.... Hier zeigt sich, daß preußischen Sparkassenbücherbefizer auf die einzelnen Klassen stehen.( Beifall.) Der Blod sei zugrunde gegangen, weil seine die verhältnismäßig so große Zunahme der Bücher mit über verteilen. Wenn wir nämlich dieselben Durchschnittsbeträge Mehrheit nicht homogen war. Der Gedanke, der dem Block zu­10 000 M. Einlage doch nur 7314, also biel weniger als bei allen anderen Klassen macht. Daß im zugrunde legen, die wir bereits oben in Anrechnung gebracht grunde lag, sei aber konstitutionell, sei gesund gewesen. Es war übrigen nur die Bücher mit mehr als 600 m., die zu einem haben für die Klasse a den Durchschnittssatz von 30 M., für die Absicht, eine feste Regierungsmehrheit zu schaffen. An Stelle erheblichen Teile im Eigentum der befizenden b von 105 M., für c von 225 M., d von 450 M., el bon des alten Blocks müsse nun etwas Festes und Solides geschaffen Klassen oder juristischen Personen und der- 1050 M., eII von 2250 M., f von 5000 M., und den Betrag werden. Der Redner besprach weiter die auswärtige Politit, den gleichen sein werden, sowie die ganz kleinen für g in der gleichen Weise abrunden wie bei unserer Berech zwangsarbeitsnachweis für die Bergarbeiter, die Unterschleife auf Bücher start an Bahl zugenommen haben, sieht allerdings nicht nung für die 356 000 neu hinzugekommenen Sparkassen- der Werft in Kiel , die Reichsfinanzreform, die Neugruppierung der besonders erfreulich aus." bücher- fo ergibt sich folgendes Bild: Barteien nach der Durchpeitschung dieser Reform und kam schließ­lich auch auf den neuen Reichskanzler v. Bethmann Hollweg zu sprechen, den er sehr abfällig kritisierte. In Anspielung auf die Eosinfärbung der Gerste meinte Herr Haußmann zum Schluß, die neuen Eofin- Steuern", die die Agrarier dem Volke eingegeben hätten, würden hoffentlich dazu führen, daß die Wähler inwendig rot würden( Beifall und Heiterkeit), aber nicht feuerrot", sondern morgenrot".( Stürmische Heiterkeit.)

-

Zahl der Spar faffenbücher

3 395 184

Gesamtsumme

102 Millionen 173

Einlage

1 642 870

1454 477

bis 60 M. 60-150 150-300

"

"

327

"

"

1 691 132

764

"

"

2071 545

2175

"

"

ell)

927 572 581 770 77 478

2083

"

11

2910

"

"

"

"

g)

Nun endlich konnte Herr v. Baher über die

" Fusion der linksliberalen Parteien"

"

Hier wird also darauf hingewiesen, daß die Zahl der neuen Bücher für Einlagen von mehr als 10 000 m. nur" 7314 gegenüber insgesamt zirka 356 000 betragen habe. Das ,, nur" ist famos! Denn auf diese" nur" 7314 Bücher allein entfällt selbst dann, wenn die Einlage pro Buch nur 10 000 m. betragen hätte, schon der Betrag von mehr als 300-600 73 Millionen Mark! Also fast die Hälfte ver 600-1500 Summe, um die sich insgesamt die Sparkasseneinlagen 1500-3000 3000-10000 in Preußen im Jahre 1908 vermehrten, wäre danach auf die über 10000 1000 Bücher mit mehr als 10000 m. Einlage ent­fallen! Nehmen wir vollends die Klasse f mit 3000 bis In Summa 9534 Millionen reben. Die alte württembergische Volkspartei soll in der deute 10 000 M. Einlage hinzu und rechnen wir auf die Einlage Daß diese unsere Durchschnittsrechnung die Wirklich fchen freisinntgen Voltspartei" aufgehen. Nicht nur die Durchschnittssumme von 5000 M., so macht das für teit fast böllig trifft, geht ja daraus hervor, daß der die äußere Selbständigkeit muß die württembergische Partei auf. 35 443 Bücher den Betrag von 177 200 000 m. Also allein Gesamtbetrag aller Sparkasseneinlagen nach der amtlichen geben, sondern auch einen großen Teil ihrer prin­die Bücher mit mehr als 3000 M. Einlage er Statistik 9 573 088 000 m. beträgt, von der errechneten End- aipiellen Forderungen. Die Leichtigkeit, mit der diese gaben eine Mehreinlage bon mindestens fumme unserer Durchschnittsberechnung also nur Bartei eine ganze Reihe alter bedeutungsvoller Programmpunkte 250 Millionen Mark, das heißt mehr, als die ganz unwesentlich abweicht! über Bord warf, zeigte so recht deutlich, daß sie mit diesen Forde ganze Zunahme der Sparkassen an reinem Neueinlagen- Was ergibt sich aber aus unseren Berechnungen? Daß rungen längst gebrochen hatte und sie nur als lästigen Ballast überschuß betragen hat! Nehmen wir für sämtliche Kontenklassen auf die mehr als 8 Millionen Sparkassenbücher mit Einlagen noch mitschleppte. Herr v. Bayer führte etliche der abgelegten eine Durchschnitsberechnung vor, so ergibt sich folgendes Bild: bis zu 600 M. nur 1366 Millionen Mark Einlagen von ins- Programmfäße auf. Nicht aufgenommen in das neue Einigungs­Durchschnittliche Gesamteinlage Zahl der Bücher gesamt 9573 Millionen Mark Einlagen entfallen! Wodurch programm wurde die Forderung auf Abkürzung der Legislatur ja wohl der törichte Schwindel, daß der größte Teil der Spar- perioden, das Referendum( Gefeßannahme- und Verwerfungsrecht faffeneinlagen sich in den Händen der nichtbesigenden Klasse des Volkes), die Oeffentlichkeit der Bundesratssigungen, unentgelt­befinde, ein für allemal erledigt sein dürfte! Denn selbst lichkeit der Lernmittel, Verantwortlichkeit der einzelstaatlichen Mi­wenn man noch die 2175 Millionen Mark der Klasse el als nister, Trennung von Staat und Kirche usw. Letztere Forderung- Einlagen der nichtbesitzenden Klasse in Anrechnung so meinte Herr v. Bayer- sei in ihre Einzelforderungen aufgelöst bringen wollte, ergäbe sich noch immer das Resultat, daß auf im Programm aufgenommen worden. Die Forderung auf Ab­die mehr als 10 Millionen Sparkassenbücher der großen schaffung der Todesstrafe ist ausgemerzt worden. Dafür ist ein Messe des nichtbesitzenden Volkes nur 3541 Millionen Mark humanes Straffyftem" eingeflidt worden. Wenn man will, tann

a) 178 453

b) 18 120

c) 10 599

d)

14222

Einlage

30

5 200 000

105

1 900 000/

225

2 400 000

450

6 400 000

1500

f) 35 448

5000

148 100 000 177 200 000

g)

7814

über 10 000

In Summa

e) 98 738

100 000 000 441 200 000