Nr. 119.
Erscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz band : Deutschland u. DefterreichUngarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708.
Vorwärts
10. Jahrg.
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fernsprech- Anschluß Amt I, Nr. 4186.
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Mittwoch, den 24. Mai 1893.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
wird der Widerspruch gegen die Militärvorlage sunden Grundlage von Gottes furcht" könnten die
Wer kann zum Reichstag wählen? aprivi uno den, von den verbündeten Regie unserer Reit drohenden Gefahren überwunden werden.
Jeder Deutsche, der am 15. Juni 25 Jahre alt ist, kann wählen.
Jeder wählt bort, wo er in die Wählerliste eingetragen ist. Wechselt ein Wähler nach Festfehung der Wählerliste seine Wohnung, so hat er am Wahltage in dem Bezirke seine Stimme abzugeben, wo sich die frühere Wohnung, die in der Wählerliste eingetragen ist, befindet. Jeder Wähler muß dort eingetragen sein, wo er zur Zeit der Aufstellung der Wählerlisten
wohnt.
Es ist nicht nothwendig, daß man die Staatsangehörigkeit des Staates befitt, in dem man wählt, nur Deutscher muß man sein.
Ausgeschlossen vom Wahlrecht sind:
1. Personen, welche unter Vormundschaft oder Kuratel ftehen.
2. Personen, über deren Vermögen Ronkurs gerichtlich eröffnet ist.
3. Personen, welche eine Armenunterstützung aus Staats- oder Gemeindemitteln beziehen oder im letzten der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen haben.
4. Personen, denen durch rechtskräftiges Gerichtsurtheil die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen sind. Schulgeldrefte, erlassenes Schulgeld, Stenerrückstände sind kein Grund, einen Wähler vom Wahlrecht auszuschließen.
Wählen kann nicht, wer nicht in der Wählerliste steht. Wer es unterläßt, sich zu überzeugen, ob er eingetragen ist, der seht sein Wahlrecht aufs Spiel.
Reklamation gegen die Wählerliste( wegen Nichteintragung von Wählern) müssen binnen acht Tagen vom Beginn der Auslegung der Wahllisten angebracht werden. Die Ansprüche auf Nachtragung sind zu beweisen( durch Legitimationspapiere).
Der Wahlaufruf des Bentrums.
rungen aufgenommenen, Antrag Huene im Vordergrund der jezigen Wahlbewegung stehen, das Feldzeichen des Zentrums in der Wahlschlacht sein."
Nach wie vor," erklärt die Fraktion, sind wir bereit für Heer und Flotte Alles, was zur Wehrhaftigkeit des Reichs erforderlich ist, zu bewilligen", allein das Zentrum fordere auch die volle freie Witbestimmung der Volksvertretung darüber, was zu dem Zweck in Wahrheit nöthig ist, wie die Verfassung sie gewährleistet." Es halte fest an den Resolutionen Windthorst.
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von
" Bereits vor fünfzehn Jahren haben wir auf die ent scheidende Bedeutung hingewiesen, welche die Erhaltung und Wiederbelebung religiöser, vor allem gläubig- chriftlicher, Ge finnung für die Bekämpfung der Wahnlehren des Liberalismus und des Sozialismus hat. In dieser Bekämpfung wird das Zentrum jederzeit den Reigen führen. Dies ist von allen Seiten, erst jüngst wieder sogar in heftigster Befehdung von dem Reichskanzler, und nicht minder vom Liberalismus und vom Sozialismus felber, anerkannt, und wird, je dringender und größer die Gefahr, um so bedeutsamer hervortreten. Mehr als zuvor gilt es im gegenwärtigen Wahlkampf, des unver der versöhnlichen Gegensages sich bewußt au bleiben, eine Partei, die in dem positiven Christusglauben wurzelt, vor dem gewaltig aufstrebenden Sozialismus trennt. Wenn nach dem Ausspruch eines seiner Wortführer fein überzeugter Sozialdemokrat auf die Dauer ein Gottesgläubiger sein fann", muß, wer dem Zentrum angehören will, standhaft davon durchdrungen sein, daß fein gläubiger Christ auch nur vorübergehend und in Einzelfragen mit der Sozialdemokratie liebäugeln darf. Nicht Umsturz der bestehenden Ordnung kann die Heilung des franten Erwerbs- und Wirthschafts-, Staatsund Gesellschaftslebens bringen, sondern allein die Wieder herstellung des Christenthums als Grundlage unferes gesammten, des öffentlichen wie des privaten Lebens, unserer Gesetzgebung und Berwaltung, das unbarmherzige, positive Vorgehen gegen die unchristliche liberale Gesetzgebung, wie wir dies jederzeit gefordert, unermüdlich angeregt, hingebend unterstützt haben."
" So nach wie vor erachten wir die Einführung der gesetzlichen zweijährigen Dienstzeit bei den gesammten Fußtruppen für wünschenswerth und durchführbar und werden gern bewilligen, wie wir dies auch jetzt gewollt, was dazu innerhalb der gegenwärtigen Friedenspräsenzstärke an Erhöhung des Refrutenkontingents, an Durchschnittsstärke und vermehrtem Ausbildungspersonale nöthig ist. Allein wir halten fest daran, daß insbesondere nach der durch uns errungenen Dispositionsurlauber= Vermehrung 1890 die zweijährige Dienstzeit für Ausgleichsmaßnahmen zu theuer ist, die eine Erhöhung des Personalbedarfs um 60 000 Mann, des dauernden Geldaufwands um jährlich 40, des einmaligen um 32 Millionen Mark bedeuten, und mit denen weitere Forderungen an Geld und Mannschaften in Höhe von jährlich 20 und einmalig 85 Millionen Mark und 28 000 Mann verquickt werden. Am allerwenigsten fonnten und können wir dem Ausgangspunkt und Ziel der jüngsten Vorlage der verbündeten Regierungen und der von diesen Das Zentrum habe bei der Arbeiterversiche. gutgeheißenen Abänderungsanträge zustimmen, dem Grund- rungs- und Arbeiterschuh- Gesetzgebung, bei saße der vollen Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht, wenn auch bei Einführung der zweijährigen der Neuregelung des Innungswesens und den Bemühungen Dienstzeit für die Fußtruppen. Hier schieden und hier scheiden um Einführung des gewerblichen Befähigungsnach= sich die Wege. Wir mußten Vorschlägen die Zustimmung ver- weises, bei der Zurückdrängung des unlauteren fagen, welche die mit der schließlichen Verwirklichung der Wettbewerbs in Handel und Gewerbe, des Wuchers, allgemeinen Wehrpflicht verknüpfte, auf die Dauer unerträgdes Abzahlungsunwesens und eines gefähr= liche Belastung des Voltes nothwendig zur Folge lichen Hausirens, bei Umkehr zu einer den Interessen hatten und auf die obwaltenden hochbedenklichen wirthschaft der vaterländischen Produktion in Landwirthschaft und Inlichen und Sozialzustände unseres Landes keine Rücksicht dustrie gerecht werdenden Zoll- und Wirthschaftspolitik endlich zu berufsorganisatorischer Das Zentrum halte fest an seinem alten Programm, Busammenfassung und Vertretung der es wolle des Vaterlandes Wehrkraft, aber auch die Landwirthschaft" den Vortritt genommen oder den Steuerkraft des Reichs und das Budgetrecht des Reichs- Ausschlag gegeben. Den Handelsverträgen mit tages nicht geschädigt sehen". Das oberste Gesetz sei die Desterreich- Ungarn und Italien habe das erfassung, sie müsse geschützt werden. Das Zentrum Bentrum balte fest an dem verfassungsmäßigen Charakter des wenigstens in der Höhe dieser Verträge auf zwölf zugestimmt, die ,, weil sie Schutzölle Deutschen Reichs als eines Bundesstaates und an den Jahre mit sich brachten; weil sie dem politischvon unseren verdienten Borkämpfern mühsam errungenen militärischen Dreibund eine wirthschaftliche Unterlage und Gerechtsamen des deutschen Volkes und seiner verfassungsmäßigen Vertretung auf damit größere Festigkeit und Bürgschaft der Dauer gaben; grund des allgemeinen, gleichen, unmittel- und weil ohne dieselben, mit dem unmittelbar bevorstehenden baren und geheimen Wahlrechts und werde für Ablauf früherer Abmachungen, ein wilder Zollkrieg gerade den wirksameren Schutz des Wahlgeheimnisses und unter den Verbündeten zugleich die heimische Industrie und der Wahlfreiheit die Obsorge treffen, welche seitherige Landwirthschaft und das für Deutschlands Sicherheit und Erfahrungen nothwendig und unaufschieblich machen." die Erhaltung des Weltfriedens so nothwendige Bündniß geschädigt haben würde." Wie steht es mit den tünftigen Verträgen, z. B. dem wichtigsten aller, dem Vertrage mit
nahmen."
Heute Abend ist er endlich erschienen, der sehr lang gerathene Wahlaufruf des Vorstandes der verflossenen Zentrumsfraktion im deutschen Reichstag. Die„ Germania " veröffentlicht ihn in ihrer Abendausgabe. Darin heißt es: ,, Die Umwandlung des Reichs in einen Militärstaat, ein stehendes Heerlager bereits in Friedenszeiten; die dauernde Heranziehung des letzten halbwegs waffenfähigen Manns, die bleibende übermäßige Belastung des nothleidenden Nährstands für den Wehrstand bis zur Erschöpfung vor dem Krieg: das ist's, worum der nun entfachte Kampf geht. Er war zu wichtig für die ganze Zukunft unseres Volts- und Verfassungslebens, als daß wir nicht schon darum ihn zur Entscheidung des Das Zentrum trete ferner ein für Gewissensfreiheit deutschen Volkes selber bringen mußten. In diesem Sinne und tämpfe gegen das Jesuitengesetz.„ Nur auf der ge
Feuilleton.
Madbrud verboten.)
Vom Stamm gerissen.
Von Elise Schweichel.
Nun, mit den neuen wird es bei denen auch übel bestellt sein. Tante Wanda, die die Stern engagirte, schrieb, daß es recht ärmlich bei den Leuten aussähe. Sie hat jedenfalls nöthig, zu verdienen."
„ Um so merkwürdiger ist die Sicherheit und natürliche Eleganz, mit der sie auftritt. Ich bin begierig, wie Papa sie finden wird. Schade, Holdchen, daß Du nicht mit zur Bahn fahren kannst, um ihn abzuholen."
verheirathet und Mutter von vier Kindern, war Frau von Warum konnte nicht wenigstens der Abglanz jenes Glückes Kries eine Frau mit jungem Herzen. Sie liebte ihren Mann noch die Neige des Lebens vergolden? Eines tröstete fie: noch ebenso innig, als da sie mit ihm vor den Altar trat. sie hatte die wärmeren Gefühle ihres Gatten an teine Solche bräutlich empfindenden, ihre Mädchenliebe unverändert andere abtreten müssen, wie es so vielen Frauen ergeht. bewahrenden alten Frauen sind keine so großen Seltenheiten, Nur die Wirthschaft und die öffentlichen Angelegenheiten wie man denkt. Bei Frau von Kries hatte sich das Ge- waren ihre glücklicheren Nebenbuhlerinnen gewesen, und bisfühl um so frischer erhalten, als die Anwesenheit ihrer weilen meinte sie sogar die alte Bärtlichkeit aus seinem Schwägerin im Hause sie genöthigt hatte, dasselbe zurückzu- Herzen hervorbrechen zu fühlen, besonders wenn er nach drängen. Ihr Inneres profanen Augen preiszugeben, war längerer Abwesenheit nach Hause kam. Ihre heutige Aufregung ihr nicht möglich, und Fräulein Adele war für sie eine war daher erklärlich. Aeußerlich gab sich dieselbe durch nichts profane Person. Diese wiederum hielt die scheu reservirte als durch einen lebhafteren Glanz der ruhigen, dunkelArt der Gattin ihres Bruders, dem sie eine überschwäng- grauen Augen und durch zarte rothe Flecken in dem schmalen, liche Verehrung zollte, für Geistesbeschränktheit und be- fast mädchenhaften Gesichte kund, Zeichen, auf die außer handelte sie demgemäß mit einer zur Schau getragenen Valesta niemand achtete. In dieser hatte Frau von Kries ein ihr durchaus Ueberlegenheit. Sie war ja auch nur von bürgerlicher Herkunft, die Tochter eines höheren Gerichtsbeamten aus der sympathisches Wesen gefunden, und täglich pries sie das Genahen Provinzialhauptstadt. Fräulein von Kries besaß noch schick, welches Valesta in ihr Haus geführt. Nicht nur, viel von dem veralteten Adelstolz, auch war sie es gewesen, daß durch sie das ganze häusliche Leben einen höheren Gehalt die die Liebe zwischem ihrem Neffen, dem Lieutenant Georg gewonnen hatte, daß sie geistig erfrischend und belebend auf alle von Kries, den sie bis zu seinem Eintritt in das Kadetten wirkte, sie übte auch den günstigsten Einfluß auf das körperhaus erzogen, und ihrer Nichte, die beide ihren adligen liche Befinden ihrer Töchter aus, namentlich der ältesten, Namen trugen, eifrig geschürt und begünstigt hatte. welche aus ihrer Apathie aufgerüttelt und sichtlich munterer Herr von Kries, der Gutsherr, war ein ebenso leiden- und lebensfreudiger geworden war. Früher jeder förperlichen schaftlicher Landwirth wie Politiker und nebenbei ein eif- Bewegung abgeneigt, hatte Agnes sehr bald an den Spazier Der Reichstag hatte seine Sigungen vierzehn Tage vor riger Briefschreiber. Er korrespondirte mit der halben Welt. gängen theilgenommen, welche Valesta mit Elfchen, Hans dem Feste geschlossen und der Gutsherr seine Heimkehr an- Wenn er daher zu Hause war, was selten der Fall, so saß und Rosa, wenn diese nicht gerade mit ihrer täglichen gekündigt. Heute Abend wurde er erwartet. Das ganze er in seinem Zimmer am Schreibtisch. Seine Frau hatte Epistel an Georg beschäftigt war, regelmäßig in der Haus war deshalb in Aufregung. Fräulein Adele wirth- wenig von ihm. Er liebte sie, wie ein Mann mit großem Mittagsstunde unternahm. Appetit und Schlaf hatten sich schaftete in allen Wohnräumen herum, um überall für die Wirkungskreise in späteren Jahren seine Frau zu lieben wieder eingestellt und mit ihnen ein erhöhtes LebensBequemlichkeit des geliebten Bruders zu sorgen. Die Thätig- pflegt, mit jener Gewohnheitsliebe, die mehr von Gewohn- gefühl, eine zweite Jugendblüthe. Frau von Kries sah feit der Hausfrau war weniger geräuschvoll. Sie beschränkte heit als von Liebe hat. Dies war nun ihr steter Gram, sie dieses mit unaussprechlicher Freude und innigem Dank gegen sich auf Anordnen und Beaufsichtigen. Innerlich war sie fonnte sich nicht darein finden. Die Tage ihres jungen Liebes- Valeska. Sie selbst hatte nie so viel Einfluß auf ihre aber um so erregter. Dbgleich mehr als zwanzig Jahre glückes waren ihrem Gedächtniß unauslöschlich eingeprägt. Töchter beseffen, da ihre Schwägerin ihr stets entgegen
Daran ist nicht zu denken. Aber Du fährst auch nicht," Daran ist nicht zu denken. Aber Du fährst auch nicht, dekretirte Holdchen." Tante Adele und Elfchen können Papa abholen. Nein," Georg, Du bleibst bei mir, Du darfst nicht fahren."
Heimlich seufzend ergab sich der Lieutenant in den süßen Zwang.