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Nr. 122.

Grfcheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel jährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 fg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Bettage Neue Welt" 10 Bfg. Boft- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Boft Zeitungs- Breisliste für 1898 unter Nr. 6708.

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Vorwärts

190

10. Jahrg.

Inferttons- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Betitzeile oder beren

Raum 40 Bfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inferate für die nächite Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in der Grvedition abgegeben werben. Die Ervedition ift an Wochens tagen bis 7 Unr Abends, an Sonn­und gefitagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Cornfpred- Anschlup Amt 1, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Wähler, Parteigenossen!

Ihr habt es in der Hand, am 15. Juni durch Eure Stimmenabgabe für sozialdemokratische Kandidaten das unwürdige Joch zu zerbrechen, unter dem Ihr so lange gefeufzt habt, indem Ihr keinem Manne Eure Stimmen gebet, der nicht die Interessen des ganzen Voltes, sondern blos die der Bourgeoisie vertritt.

Person einzutreten.

Sonnabend, den 27. Mai 1893.

Wahllügen".

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

ur

Volksfeindlichkeit des jetzigen Militärsystems haben sollen, hat freilich Niemand von unserer Seite verlangtwoher Mit diesem angenehmen Worte tritt das westdeutsche sollen fie das nehmen und nicht stehlen? Von einem un­Organ des Nationalliberalismus und des hofmännischen überwindlichen Widerwillen gegen ein militärisches System, s bezeichnet unsere kürzliche Aeußerung, daß es sich um wie wir uns ausdrückten, ist nach dem Hannoverschen Herrn von Bennigsen in die Wahlagitation gegen uns ein. das alles Kulturleben zu überwuchern und zu ertödten droht", den allgemeinen Rampf gegen den Militarismus in feder Courier"" Gott sei Dank im deutschen Bolle noch nichts zu Form, in jeder Stärke, auch in der bisherigen handle", als spüren". Der Entrüstungssturm über die Soldatenmiß­eine bewußte unwahrheit". Unsere eigenen Abgeordneten handlungen, die Selbstmorde und andere schöne Dinge in Nutzet jede Stunde aus, um unserer Partei überall wären für eine nod) ausgedehntere Heranziehung des Voltes der Armee, die Sorgenlast, welche die fortwährende Störung zum Waffendienste eingetreten, indem sie das Milizsystem der mageren Erwerbsthätigkeit durch Militärübungen auf neue Anhänger zu gewinnen. Die Wahlzeit ist am empfahlen". Was sich doch das nationalliberale Blatt so die Schultern der kleinen Leute wälzt, alles das sind dem geeignetsten zur Verbreitung unserer Jdeen. Jedermann hat aufregt! Seine Aufregung bringt es mit sich, daß es den nationalliberalen Blatte unbekannte Dinge. Es jetzt politisches Interesse, es gilt, die Indifferenten aufzu- Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Und in der Auf- theilt vom Standpunkt des Reserve- Offiziers, der es Gott klären, die Schwankenden ganz zu uns zu bringen. Be- regung verräth es außerdem, daß es von der Stimmung im sei Dant" hat und in der militärischen Einziehung eine geistert die Lauen, ermuthigt die Aengstlichen, alle, alle Bolke und dem Ausdruck, den unsere Vertreter derselben Befriedigung seiner Eitelkeit erblickt. Da es aber National­gegeben haben, soviel weiß, wie etwa ein preußischer Land- liberalen auf Widersprüche nicht ankommt, so fügt der Hann. aber klärt auf, damit nur Kandidaten gewählt werden, deren rath von den Sorgen und Mühen der kleinen Leute seines Courier" seiner Versicherung, daß von dem Widerwillen Herz noch für die hohen Jdeale der Freiheit, Gleichheit und Kreises. des Volkes nichts zu spüren" sei, in demselben Athem die Brüderlichkeit schlägt und die auch den Muth haben, für Der Hannoversche Courier fennt zunächst Worte bei: und wo es sich etwa zeigt, da ist es nach­die endliche Verwirklichung dieser Ideale mit ihrer ganzen Muster, wie wir sie mit dem Milizsystem anstreben, und dem Das Kompliment, das in diesen Worten steckt, ist un­den Unterschied zwischen einer Volkswehr nach schweizerischem weislich das Erzeugniß sozialdemokratischer Agitation". preußischen Militärsystem heute noch nicht. Es lohut auch freiwillig, wird aber gern quittirtes agitirt eben alles Gegen die wirkliche Vertreterin des Volkes, die Sozial- nicht, ihm diesen Unterschied auseinanderzusetzen; nur sollte für uns, vom Reichskanzler bis zum letzten Feldwebel! demokratie, wird der Wahlkampf seitens der Volksfeinde ge- es bei solcher Unwiffenheit das nationalliberale Blatt unter- Auch daß diese Agitation dies Mal, so wie früher" gute Er­führt werden, sie sind alle Anhänger des heutigen Systems. laffen, in fo grober Weise über Leute zu urtheilen, die an folge verspricht", ringt sich als Bugeständniß von den Bom Hochkonservativen bis herab zum bürgerlichen Demo- bewußter Wahrheit" den bürgerlichen Parteien denn doch Lippen des nationalliberalen Blattes- was wollen wir ein Stückchen über sind und es ihrerseits am allerwenigsten mehr? Wir überlassen den Nationalliberalen gern fraten verherrlichen fie ein System, unter welchem die nöthig haben, durch Wahlligen" nach berühmtem fartell. das Vergnügen, ein Militärsystem, das nach unteren Volksstände, hauptsächlich der Arbeiterstand, zu parteilichen Muster von 1887 eine Sache zu vertreten, die gerade alle unsere wirthschaftlichen Kräfte verzehrt, Grunde gerichtet werden. Nun, wir nehmen den Kampf auf ihre Kraft und Stärke gerade im richtigen Erkennen der als einen wesentlichen Kulturfaktor" zu erklären; diese und rufen: Fort mit den Brotvertheurern, fort Lage des Volkes und in der rückhaltslosen Aussprache Partei hat an Unglaublichkeiten schon so viel geleistet, daß über dieselbe hat. Nationalliberale Blätter sollten doch diese Leistung ihren Banfrott weder aufzuhalten noch zu mit den Unterbrüdern und Berleumdern nicht glauben, daß andere Leute nun auch Wahllügen" beschleunigen brauchte. der deutschen Arbeiter, fort mit den Anals nothwendiges Requisit in den Wahlkampf schleppen ländischer Revanchepläne" am Schlusse der Auslassung des Ueber ein Denunziatiönchen wegen Förderung aus hängern des Militarismus, fort mit den müßten, der Gewaltspolitik Besitzenden Wir nationalmiserablen Blattes verlieren wir kein Wort so Gegnern des allgemeinen, gleichen und nicht mehr ohne solche Mittelchen auskommt. wissen recht gut, daß gegen die Verlogenheit und etwas gehört einmal zum Rüstzeug der ordnungsparteilichen direkten Wahlrechts, fort mit der Schein Hinterlift unserer Gegner beim Volte nur die größte Wahlagitation. Damit ist doch auch nachträglich der Titel opposition des deutschen Freisinns, fort Ehrlichkeit und Offenheit im Wahlkampfe und in der gerechtfertigt, den das Bennigsen'sche Organ so sinnig seiner mit der ganzen heuchlerischen und nach Agitation nügt. Das lassen wir uns auch diesmal zur Wahlbetrachtung gegeben hat: Wahllügen, aber national­oben schielenden Gesellschaft! Und hoch die Richtschnur dienen, und es kann nur eine Aeußerung ohn- miserable Wahlligen! deutsche Sozialdemokratie! Wähler! Schmiedet Euch mächtiger Wuth darüber sein, daß den bürgerlichen Parteien, aor allem den Nationalliberalen, wegen ihrer verfahrenen nicht neue Ketten, indem Ihr einem Feinde des Volkes Stellung die Möglichkeit jenes Kampfes mit den Waffen Eure Stimme gebt. Das allgemeine, gleiche und direkte

weil

die

uns

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der Wahrheit und des Rechtes fehlt, wenn sie Politische Uebersicht. jetzt die Wahllügerei andichten wollen, in der sie solche Virtuosen sind.

Berlin , den 26. Mai.

"

Wahlrecht ist in Gefahr, daher bedenkt wohl, daß, wenn das Wahlrecht noch mehr geschmälert wird, für die unteren Es besteht nicht der mindeste Widerspruch zwischen den Volksstände die allgemeine Rechtlosigkeit proklamirt ist. Die Furcht vor einem Konflikt zwischen Regierung Wähler! Wollt Ihr, daß dem arbeitenden Volke Kampf gegen den Militarismus. Unsere Vertreter haben Beitung" in Pindter'scher Genialität beseitigt. Nach der Wähler! Wollt Ihr, daß dem arbeitenden Bolle eußerungen unserer Genossen im Reichstage und unserem und Reichstag wird von der Norddeutschen Allgemeinen energische Hilfe zur Seite steht, wollt hr, daß das arbeitende vielmehr gerade vom Standpunkt der Volkswehr und des Verfassung hat der Kaiser das Heer zu führen; das kann Bolt aus seiner elenden Lage befreit wird, wollt Ihr Milizsystems aus dem preußisch- deutschen Militarismus mit er aber nur, wenn das Heer so beschaffen ist, wie er es ferner, daß allgemeine gleiche Rechtszustände geschaffen seinen traurigen Folgeerscheinungen am wirksamsten zusetzen für gut erachtet. Bewilligt der Reichstag das, was der ferner, daß allgemeine gleiche Rechtszustände geschaffen können. Indem sie für die Demokratifirung der Landes- Kaiser hierzu für nothwendig hält, nicht, dann der werden, welche zur Grundlage gleiches Recht und gleiche vertheidigung eintraten, übten sie an der voltsfeindlichen Bindter spricht es nicht offen aus, aber er giebt es mit Pflicht haben, so wählt am 15. Juni Mann für Mann die Organisation des jetzigen Heeres die schärfste Kritik. dem Baumpfahl zu verstehen hat der Kaiser auch ohne Kandidaten der Sozialdemokratie! Daß nationalliberale Blätter ein Verständniß für diese Reichstag seine Schuldigkeit zu thun und das Heer so zu

Feuilleton.

Nadbrud verboten.)

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Vom Stamm gerissen.

Von Elise Schweichel.

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Papa, das ist ein famoser Einfall," rief der Lieutenant, erschöpflich. Er erzählte von seinem Leben in Berlin , von der mit seiner Braut schäfernd in dem länglichen, geräumigen den Gesellschaftskreisen daselbst, der Langenweile und Geistes­Bimmer auf und abging. Ich fühle mich so bedrückt von öde derselben, von den hübschen kleinen Soupers mit seinen dem neuen glänzenden Talent meiner Braut, daß ich wirt- Parteigenossen, den Soireen beim Reichskanzler, in denen lich eine Aufmunterung branche. Was für eine unes urgemüthlich, faft mit zu wenig Zeremoniell zuging, bedeutende Rolle werde ich Aermister dereinst neben meiner von der Noth unter den Künstlern, besonders den Malern, Frau spielen. Ich werde mich gar nicht mehr hören lassen die mit ihren Skizzen bei den Abgeordneten umherliefen tönnen." und oft ganz reizende Sächelchen für einen Spottpreis zum Das ist ein wahres Glüd," lachte Rosa. Es ist Stauf anböten. Er hätte selbst dergleichen mitgebracht und Was ich höre, muß annähernd vollendet sein. Es zum Davonlaufen, wenn du fingst, keine Spur von Gehör. wollte sie morgen den Seinen zeigen. So plauderte er fort, ist für einen alten Landschweden vielleicht sehr komisch, Ich weiß nicht, wie Du und Papa in dieselbe Familie und als endlich die Hausfrau zum Aufheben der Sigung mahnte, sah er ganz befremdet auf seine Uhr und fand es ein so empfindliches Ohr zu besitzen," lachte er. ch bin daher auch selten genug in Berlin in der Oper Da Du das Mittelglied darstellft, so sind die beiden noch immer viel zu früh, sich zur Ruhe zu begeben. In­gewesen. Wen bekommt man denn dort zu hören? Extreme nicht sehr verwunderlich," schaltete Fräulein Adele dessen wurde er überſtimmt, und als guter Parlamentarier Unter uns, es ist ein wahrer Etandal; mit zwei oder drei ein, die immer gern ihre Bildung hervorleuchten ließ, und fügte er sich der Majorität.

tommen."

Ausnahmen, alles abgenutzte oder noch grüne, ungeschulte die das Wort Champagner" nicht weniger als den Lieute- Zu Aller Verwunderung dauerte die animirte Stimmung Stimmen. Sie, mein Fräulein, haben eine Brachistimme. nant elektrifirt hatte. Rosa zuckte verächtlich gegen sie des Hausherrn auch am folgenden Tage fort. Die Damen Sie müssen uns noch etwas allein zum Besten geben." die Achseln, da sie die Aeußerung keineswegs verstanden saßen noch beim Kaffee, den er schon viel früher in seinem Go plauderte er sehr angeregt, in der Biegung des und nur eine Verkleinerung ihres Talentes herausgehört Bimmer eingenommen hatte, als er mit seinen am Abend Flügels lehnend. Seine Frau strahlte vor Glück. hatte. zuvor erwähnten Stizzen unter dem Arm erschien. Nach Na, Kinder, zankt Euch nicht," ließ sich Herr von dem sie von Allen gebührend bewundert worden, forderte er Kries gemüthlich vernehmen." Sezen wir uns lieber um seine Frau und Baleska auf, ihm sofort einen geeigneten den Kamin. Mama läßt schon frisches Holz auflegen. Hier Platz für die kleinen Kunstwerke ausfindig machen zu helfen. tommen unsere Flaschen." Bon Valeska's fünstlerischem Geschmack von vornherein über­zeugt, richtete er bei dem Probiren der Bilder, bald an dieser, bald an jener Wand, zumeist das Wort an sie, wie lästig und peinlich es ihr auch war, dem Ehepaar von Zimmer zu Bimmer folgen zu müssen. Auch Frau von Kries bauerte die Sache zu lange. Sie verstuminte allmälig und

Balesta tam feiner Aufforderung sogleich in liebens würdigster Weise entgegen und sang ein munteres, neckisches Lied, bei dem der Vortrag die Hauptsache war. Herr von Krics hing mit Auge und Ohr an der Sängerin. Nachdem er sich im Beifallspenden erschöpft, rief er plöglich:

Diesen Abend, Kinder, müssen wir noch durch Cham pagner feiern. Elschen, wo steckst Du! fix, laufe und sage Karl, daß er uns ein paar Flaschen von denen aus dem obersten Fach heraufholt."

Bald saß man im anstoßenden Wohnzimmer im großen Kreise um die bell auflodernden Flammen, die sich in den Echaumperlen des Weines spiegelten und die aufgeregte Stimmung durch ihr trauliches Knistern und Praffeln wohl thuend beschwichtigten. Herr von Kries war bente un