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Nr. 132.

Erscheint täglich außer Montags. Breis pränumerando: Viertels jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, roöchentlich 28 Bfg. fret in's Haus. Einzelné Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit tülufte. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Boft- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Defterreich= Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708.

Vorwärts

10. Jahrg

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Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

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Eine Reichs­Erbschaftssteuer?

Donnerstag, den 8. Juni 1893.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Beglaubigte Abschrift. I. IV. B. 185. 93. In der Straf- von Finanzplänen der Reichsregierung nichts gesprochen Steuerprogrammes fordert. Die Sozialdemokratie fordert fache gegen den Redakteur Wilhelm Schroeder zu Berlin , geboren werden, so würden die drei B( Börsen- Branntwein- und nach dem Programm von Erfurt Erbschaftssteuer stufenweise am 6. November 1861 zu Altona , evangelisch, wegen Beleidigung, Biersteuer) in den Wählermassen allzuviel Unruhe ver- steigend nach Umfang des Erbgutes und nach dem Grade der --I. IV. B. 185. 93. hat die fiebente Strafkammer des König- ursachen, man will den Gegnern der Militärvorlage das Verwandtschaft, aber nicht in dieser Formulirung liegt lichen Landgerichts I zu Berlin am 5. Mai 1893 für Recht er­Taunt: Der Angeklagte Redakteur Wilhelm Schroeder wird wegen Agitationsmaterial rauben, indem man den Glauben er das Charakteristische unserer Forderung der Erbschaftssteuer, Beleidigung durch die Presse zu einer Geldstrafe von fünfzig weckt, ganz andere Steuerpläne werden jetzt von der sondern darin, daß sie Glied eines Steuerprogrammes iſt, Mark, der im Nichtbeitreibungsfalle für je fünf Mark ein Tag Reichsregierung erwogen, sie sehe von den unpopulären das die stufenweis steigende Einkommen- und Vermögens­Haft zu fubftituiren und zur Tragung der Kosten des Verfahrens Vorschlägen des Herrn Malzahn ganz ab. Ja man deutet steuer mit Selbsteinschätzungspflicht zur Grundlage und die verurtheilt; auch wird dem Beleidigten, Staatssekretär des Reichs- selbst an, Graf Caprivi sehe von der im Volke nicht allzu Abschaffung aller indirekten Steuern, Zölle und ähnliche postamis Dr. von Stephan die Befugniß zugesprochen, die Ver- hoch geschätzten Kraft des Herrn v. Malzahn vollständig wirthschaftspolitische Maßnahmen zur Folge hat. Den Haupt­urtheilung des Angeklagten auf Kosten desselben durch einmalige ab, und als sein Nachfolger sei der Mann der preußischen werth legt die Sozialdemokratie auf den Ausbau und die Einrückung des Urtheilstenors in die Zeitung Vorwärts, Ber - direkten Steuern, der schlaue Miquel erforen, einer der richtige Gestaltung der Einkommens- und Vermögens­Liner Voltsblatt, Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Zeutschlands", und zwar an hervorragender Stelle, binnen vier wenigen Staatsmänner, dem auch seine Feinde schöpferische steuer. Die Erbschaftssteuer bietet dem praktischen Finanz­Wochen nach Zustellung einer Ausfertigung des rechtskräftigen Ideen zutrauen. politiker eine sehr werthvolle Kontrolle und Ergänzung der Urtheilstenors öffentlich bekannt zu machen, sowie der inkriminirte Graf Caprivi wird wohl im Reichstage mit einer Vermögenssteuern, dem Sozialpolitiker eine Anerkennung Artifel in Nr. 33 des Vorwärts" vom 8. Februar 1893 in der verächtlichen Armbewegung die Verantwortung für das der Oberhoheit der Staatsgewalt über das Privateigen­vorgedachten Zeitung und diejenigen Theile der Platten und Finanzgeschwät seiner Offiziösen ablehnen und die ver- thum. Man muß sich aber hüten, die Erbschaftssteuer als Formen, auf welchen sich der Artikel befindet, unbrauchbar zu lachen, die demselben Bedeutung beimaßen. Wir gehören Deckungsmittel der geforderten Mehrauslagen zu machen. Für richtige Abschrift, Berlin , den 1. Juni 1893. nicht zu diesen, wenn wir aber trotzdem auf die offiziös überschäzen. Die Erbschaftssteuer hat vor allen au­Meyer, Aktuar. empfohlenen Steuerarten eingehen, geschieht es, um die deren Steuern den Nachtheil, daß ihre Erträgnisse sehr Wähler schon jetzt auf die Tragweite der Projekte einer ungleichmäßig sind, vom Zufalle abhängen, daß sie sich des­seits aufmerksam zu machen, andererseits um zu verhindern, halb sehr wenig zur Deckung eines regelmäßigen Erforder daß sie sich Sand in die Augen streuen lassen. Und dies nisses eignen. Dann ist zu erwägen, daß wir in den Einzel­thut gerade den besiglosen Klassen gegenüber dringend noth, staaten schon Erbschaftssteuern besigen, daß demnach, wenn heute mehr denn je! Wurden doch gerade in den letzten bas Reich sich zur Einführung von Erbschaftssteuern ent­Es scheint die vornehmste Aufgabe der offiziösen Presse Tagen Steuerprojekte feitens der Offiziösen zur öffentlichen schließen würde, den Einzelstaaten eine Steuerquelle entweder zu sein, das Volk in betreff der Steuerpläne der Reichs- Erörterung gestellt, durch welche auf die Stimmung der entzogen werden müßte, oder die Reichs- Erbschaftssteuer regierung vor dem Wahltage möglichst zu verwirren. Von besitlosen Klassen spekulirt wurde. Steuern wurden nur ganz niedrige Erträge abwerfen würde, weil sie dann nichts schreiben die wieder voll ausgewachsenen Reptilien empfohlen, durch die vornehmlich die Besitzenden getroffen blos als eine Art von Zuschlag zur Landessteuer zur An­mehr als von Steuerplänen, obgleich der Reichskanzler den werden konnten, so die Reichs- Einkommensteuer, dann Luxus- wendung kommen könnte. Beide Wege hätten ihre Schwierig­fuperflugen Schlachtplan haben soll, vom Reichstage die steuern, hierauf die Steuern auf den Totalisator und nun feiten. Würde man den Einzelstaaten das Recht Annahme seiner Militärvorlage zu fordern und sich die die Reichs- Erbschaftssteuer, dabei wird versichert, daß die der Besteuerung von Erbschaften nehmen, so würde Borlage seiner Steuerentwürfe für eine spätere Session Verdoppelung der Brausteuer nicht wiederkehren wird. Dies nicht ohne ungünstige Einwirkung auf die vorzubehalten. Man will damit den Anschein erwecken, daß Nun ist freilich der Plan von der Reichs- Einkommensteuer Reichsfinanzen sein, da die Matrikularbeiträge dann nicht man in der Steuerfrage zu den größten Zugeständnissen rasch fallen gelassen worden, wohl weil den für die mehr in der gleichen Höhe aus den Kassen der Einzelstaaten bereit ist, während man in der Militärfrage von der neuen Agitation für die Militärvorlage Geld spendenden Groß- in die des Reiches fließen fönnten, andererseits würde die lex Huene sich nicht mehr viel abhandeln lassen will. Man banken und Großbankiers schon die nicht ernst gemeinte Erhaltung der partikularen Erbschaftssteuern und eine er spekulirt auch auf die verschiedene Gruppirung des Reichs- offiziöse Lancirung dieses Projektes Unbehagen verursachte. gänzende Reichs- Erbschaftssteuer schon infolge der ungleich­tags bei der Militär- und bei der Finanzfrage. Die Rickert, Aber es ist noch vieles übrig geblieben, was sozial ver- mäßigen Belastung in verschiedenen Staaten ihre Schwierig­Lieber, Huene, Bennigsen, Kardorff, Hammerstein, Helldorf, söhnend" wirken sollte. Ueber die Luxus- und Totalisatoren- feiten haben und kaum besonders Erhebliches einbringen. Koscielski, Bödel, Ahliardt lassen sich in der Militärfrage steuer braucht der Vorwärts" kein Wort zu verlieren, er hat Wie sehr die Erbschaftssteuern in den deutschen Einzel­unter einen Hut bringen, fie laufen aber bei der Frage der diese Projekte schon beleuchtet. Wohl aber verdient der neueste staaten abiveichen, sei durch einige Beispiele bewiesen. In Deckung des Militärbedarfes sofort in alle Richtungen aus- von Miquel dem Klügsten, der die demokratische"" Frank- Prozenten vom Werthe des Erbtheiles werden Ehegatten furter Beitung" als offiziöses Organ u gebrauchen ver- mit 3 bez. 9 pCt. in Elsaß- Lothringen , mit 1% pCt in Deshalb kann Capriri sein Steuerprogramm heute un steht, ausgeheckte Steuerplan eine Beleuchtung. Dagegen Baden besteuert, sie bleiben dagegen in Preußen, Bayern , möglich enthüllen, denn für seine Militärpolitik und für können doch die Sozialdemokraten nicht agitiren, die Erb- Sachsen, Württemberg , Hessen steuerfrei. Geschwister seine Steuerpläne muß er mit zwei verschiedenen Mehrheiten schaftssteuer wird doch in allen ihren Programmen ver- Deszendenten zweiter und weiterer Grade werden in Preußen rechnen, er muß wirklich in diesem Falle den freilich blos langt, alle die nichts zu vererben haben, werden für diese mit blos 2 pct., in Baden mit 34 pCt., in Bayern mit parlamentarischen Krieg nach zwei Fronten Steuer sein, das ist die Mehrzahl der Bevölkerung, also 4 pCt., im Reichslande mit 7-8 pt. besteuert, andere führen. Verräth Caprivi heute seine Steuerabsichten, so haben wir einen famosen Wahlkoup ausgeführt", so mag Verwandte dritten Grades werden in Preußen mit 4 pct., schwenkt sofort ein Theil seiner Wähler in die Opposition fich Miquel gedacht haben, als er sich dem Korrespondenten in Bayern mit 6 pct., in Baden mit 10 pCt. der Erbschafts­über, so muß er sich auf den nothgedrungenen Standpunkt der Frankfurter Zeitung " gegenüber verplauderte". summe besteuert. des Nichts Gewisses weiß man nicht" stelleu. Es ist ja richtig, daß die Sozialdemokraten Erbschafts­Warum nun das unaufhörliche Schnattern der Enten steuern fordern, aber es ist ebenso richtig, daß die Sozial­des Preßbureaus? Die Erklärung ist sehr einfach. Würde demokratie die Erbschaftssteuern im Rahmen eines ganzen

einander.

Feuilleton.

Nadbrud verboten.)

Vom Stamm gerissen.

Von Elise Schweichel.

( 21

Mitten in der Lektüre wurde er plötzlich auf das Stimmchen der kleinen Jeannette, der jüngsten Tochter des Brauers, aufmerksam, die neben einem anderen Schritte die Treppe heraufgetrippelt kam.

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fumée!"

er wieder ihre Hand ergriff und sie nach dem Stuhle vor seinem Schreibtische, dem einzigen, etwas bequemen Sit der sehr einfach eingerichteten Stube, führte:" Wie komme ich zu dem unverhofften Glück, Sie hier in der Fremde zu sehen. Was führt Sie her?"

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Man ersieht hieraus, daß die Einführung der Reichs­Erbschaftssteuer nicht gerade so einfach ist, wie die Herren Offiziösen zu meinen vorgeben.

Brauerei; da giebt es einen köstlichen Trunt. Entschul­digen Sie mich, in zwei Minuten bin ich wieder hier. Da mit eilte er hinaus und mit elastischen Schritten die Treppe hinab.

Tussy saß ein Weilchen sinnend da. Dann aber fing " Ich bin als Reisebegleiterin einer Dame hier," er- fie an, sich in der Stube umzusehen. Ihr Blick begegnete widerte Tuffy, ihre Thränen gewaltsam bezwingend. Wir vielem, was ihrem weiblichen Ordnungssinn nicht gefiel, logiren unten am See, im Hotel Beau Rivage. Frau und schnell erhob sie sich, legte Hut und Handschuhe ab und Malm, so heißt die Dame, fonnte sich aber nicht entschließen, begann Ordnung zu schaffen. Das noch immer schwelende so hoch zu steigen," fezte sie, wie zur Entschuldigung ihrer Holz im Kamin hatte sie schon vorhin zum Nachhelfen ge­Kühnheit, ihn allein aufgesucht zu haben, hinzu." Ich reizt. Jezt kniete sie nieder, ergriff den kleinen Blasebalg mußte Sie aber sehen, das hat mir der Vater auf die und blies die glimmenden Holzstücke erst sachte und dann Seele gebunden." immer kräftiger an, bis eine schöne helle Flamme aufschlug. ,, C'est ici, Mademoiselle. Monsieur Oetting est chez" Nun, Tussy, ich hoffe, Sie sind nicht nur des Vaters Als Kurt mit einer Karaffe schäumenden Bieres zurück­lui. La porte est grandement ouverte, entrez seulement, megen gekommen," sagte Kurt mit einem leisen Vorwurf fehrte, brannte es tuftig im Kamin, und Tussy war gerade Oh alors, qu'est ce qu'il a fait? C'est tout plein de im Ton. dabei, einige umherliegende Kleidungsstücke aufzuhängen. Gewiß nicht," versetzte sie schnell und fuhr dann ab- Er blieb betroffen auf der Schwelle stehen. Der Anblick Dettinger ließ die Hand mit dem Briefe sinken und fah lenkend fort: Aber wie entlegen wohnen Sie hier? Gut, des häuslich geschäftigen Mädchens, dessen schwellende erwartungsvoll nach der Thür. Nicht lange, so erschien eine daß Frau Malm nicht mitkam; mit der hätte ich meine liebe Formen ihm jezt erst auffielen, erfüllte seine vereinsamte Dame in dem Rahmen derselben. Befremdet erhob er sich Noth gehabt. Sie kann gar nicht gehen, sie ist so zart und Seele mit einem ganz eigenen Wohlgefühl und setzte ihn und schritt ihr langsam entgegen. Sie war eingetreten und verwöhnt und auch ein wenig findisch," lächelte Tuffy mit doch zugleich ein wenig in Verlegenheit. Indessen scherzte hatte die Thür vor der Nase der kleinen Jeannette, die mit köstlicher Ueberlegenheit, aber so gut, wirklich herzensgut," er so unbefangen wie möglich über den Graus einer Jung­dem Finger im Munde neugierig stehen geblieben war, sette sie schnell hinzu. Sie erwartet, daß Sie mich heut' gesellenwirthschaft, die der wahre Gegensatz des Ewigweib­hinter sich geschlossen. Jezt hob sie den Schleier. zum Diner um sieben Uhr zurückbegleiten. Bis dahin bin lichen sei. " Tuffy," rief er und streckte ihr beide Hände entgegen, ich frei." Tussy erröthete ein wenig, ging aber munter auf seine in die sie die ihrigen mit einem unbeschreiblichen, aus Freude, Ach, das ist ja herrlich, köstlich!" jubelte Dettinger, Scherze ein, während sie für die Karaffe ein kleines Tisch­Wehmuth und lieblicher Verwirrung gemischten Blicke legte. Da führe ich Sie in meinem Paradies herum, bis hinauf chen abräumte und vor den Kamin stellte. Dettinger war Kurt schüttelte sie ihr immer und immer wieder, und sah sie auf das Signal, den höchsten Punkt über Lausanne . Dort seelenvergnügt über diese Anordnung und freute sich dabei mit tiefer Ergriffenheit an. Reden konnte er aber ist eine Aussicht! Oder wollen Sie die Kathedrale sehen? über das helle Feuer wie ein Kind, das er in seinem Aber ich bin ganz kopflos vor Freude. ebensowenig wie sie, und als ihr nun die Thränen über die Zunächst Herzen war, fchob für Tussy seinen Lehnstuhl heran, und Wangen stürzten, hielt auch er sich nicht länger. müssen Sie sich erquicken." Und als Tussy ihm wehren lief der Magd entgegen, um ihr Gläser, Brot und Käse wollte, fuhr er, mit scherzhafter Heimlichkeit sich zu ihr abzunehmen, welche Dinge er sich von der Wirthin erbeten niederbeugend, fort; Sie wissen, ich wohne hier in einer hatte.

Von einander abgewandt, suchte jedes sich zu fassen. Kurt gelang es zuerst. Liebe, liebe Tuffy," sagte er, indem

-VO

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