Nr. 79.
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27. Jahre.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Tn Kampfbereitschaft!
Mittwoch, den 6. April 1910.
gungsanträge der Unternehmer ist zwecklos, wir machen keine mehr mit; denn Komödie ist nun genug gespielt worden."
Er verrechnet
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Nach Ihrer mündlichen Angabe rechnen Sie auf einen Befuch von 50 000 bis 60 000 Menschen.
Wenn
nicht für jeden Versammlungsteilnehmer etwa 3/3 Quadratmeter zur Verfügung stehen, so ist Gedränge und dadurch Gefahr für die öffentliche Sicherheit Reichsvereinsgefeß§ 7 Absatz 2- zu befürchten.
Es kommt hinzu, daß die Zugangs- und Abgangsverhältnisse zum Versammlungsplatz ungünstig liegen; auch daß die Wege des Humboldthains fast durchweg mit ziemlich hohem Fußgängergitter versehen sind. Ueber dieses fönnen bei etwa entstehender Banik Menschen fallen und dadurch in die Gefahr des Zertreten werdens geraten.
Bei Gedränge würden auch Beschädigungen der in der Nähe des Versammlungsplatzes belegenen wertvollen gärtnerischen Anlagen des Humboldthains unausbleiblich sein.
Ich muß unter diesen Umständen die Genehmigung zur Abhaltung einer Versammlung unter freiem Himmel auf dem Rasenspielplatze des Humboldthains am 10. d. Mts. versagen. An den Vorstand des Demokratischen Verbandes Groß- Berlin, 3. H. des Herrn Ludwig Schemel, hier, NO. 43."
Herr v. Jagot ist, wie man sieht, ein sehr gewissenhafter
Jede Arbeit für die Erhaltung des Friedens muß darum zunächst in der Beeinflussung der Unternehmer bestehen. Ob Gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr sind die Ent. eine solche Erfolg hat, ist allerdings nicht zu sagen. Die fcheidungen auf allen vier Verbandstagen der baugewerblichen Unternehmer haben sich durch ihre wiederholten Beschlüsse so Arbeiter gefallen. Den Wortlaut der angenommenen Re- sehr im Dickicht schlimmster Scharfmacherei verloren, daß sie folutionen finden die Leser in den Berichten. Wie diese Be- den Weg zu einer ehrlichen Verständigung mit den Arbeitern richte zeigen, haben die Anträge der Unternehmer auf der nur schwer wieder finden können. Und sie sind ihn doch so ganzen Linie einstimmige Zurückweisung erfahren. oft gewandelt und nicht zu ihrem Schaden. Sehen die Auf der Generalversammlung des Unternehmerbundes zu Unternehmer denn nicht ein, daß es ein nugloser KräfteaufDresden, wo zum Schrecken so manchen Teilnehmers alles wand wäre, zu versuchen, den Arbeitern solche Verträge auseinanderstrebte, tröstete ein Unternehmer sich und die aufzuzwingen, wie es jetzt geschehen soll? Die deutschen BauSeinen mit der Versicherung, daß es mit der Einigkeit im arbeiter sind doch nicht von gestern. Sie haben alte und festanderen Lager auch nicht weit her sei. Vielleicht hat er einige gefügte Organisationen, die auf eine lange und ersprießliche gefunden, die ihm glaubten. Aber alle solche Illusionen find Tätigkeit zurückblicken fönnen. Die Unternehmer können im durch die Ereignisse der letzten zwei Tage zur Freude aller Ernst doch nicht glauben, daß ihnen ihr Vorhaben gelingen derer, die in dieser Sache mit der Arbeiterschaft sympathisieren, fönnte oder daß sie gar auf diesem Wege in eine Zeit nährgraufam zerstört worden. Hoch über den auseinandergehenden samen Friedens fämen. Das ist doch völlig ausgeschlossen. Ansichten und Meinungen innerhalb der einzelnen Organi- Was fie erreichen könnten, wäre die Zertrümmerung des sationen in Fragen der Weltanschauung oder der Organisations - heutigen Tarifvertragswesens im Baugewerbe; aber ist das Mann, der um das Wohl der Berliner Wahlrechtsdemonstranten form stand allen Teilnehmern an den Tagungen der bau- ein Biel, das die Unternehmer locken, sie gar veranlassen viel besorgter ist, als man nach den wilden Attaden seiner Untergewerblichen Arbeiterverbände die geschlossene Einmütigkeit in fönnte, die Schäden eines Riesenkampfes auf sich zu nehmen? diefem Kampfe gegen Unternehmerübermut und unverschämt. Das ist es doch wohl nicht, und nach den eigenen Erklärun- gebenen auf friedliche Spaziergänger bisher annehmen zu dürfen Er ist ein Gemütsmensch, der, wenn auch sein heit. Wir wollen sein ein einig Volt von Brüdern, in feiner gen der Vertreter des Arbeitgeberbundes darf es das auch glaubte. in der Entwickelung zurückgeblieben ist, Not uns trennen und Gefahr!" rief Bömelburg mit herr- nicht sein; denn die besagen doch ebenfalls, daß den Unter- Scharfsinn etwas als Ersatz ein sehr empfindsames Herz besitzt, licher Zuversicht der begeisterten Menge der Delegierten des nehmern als Ziel ein tariflich gesicherter Frieden vorschwebte. doch dafür Nimmt der Arbeitgeberbund nicht noch in letter Stunde so daß es ihn tief schmerzt, wenn sich im Humboldthain Maurer- und Bauhilfsarbeiterverbandes zu, und jubelnder Wahlrechtsdemonstranten drängen und schieben lassen Beifall afflamierte dies Gelöbnis. Wahrlich, wenn die Unternehmer Bernunft an, entschließt er sich nicht zur Zurückziehung seiner bie wirklich töricht genug gewesen sein sollten, sich Hoffnungen auf eine Vergewaltigungsanträge, so führt er einen Stampf herauf, für müffent. Freilich, selbst wenn man diese humane Fürsorglichkeit Zersplitterung der Arbeiter zu machen, so müssen sie diese den es ihm sehr schwer fallen wird, die Verantwortung des Herrn v. Jagow geziemend anerkennt, bleibt es unverständlich, Hoffnungen nun wohl begraben. In diesem Kampfe stehen auf sich zu nehmen. Der in vollem Umfange ausbrechende Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter, stehen sozialdemo- Kampf müßte die zaghafte Aufwärtsbewegung unseres Wirt- daß die Polizeigeometer so lange Zeit zur Berechnung gebraucht das haben, denn die Größenverhältnisse des Humboldhains find genan kratische" und" chriftliche" Gewerkschafter einmütig in opfer- fchaftslebens zum Stillstand bringen. Nicht nur gesamte Bauwesen, sondern auch die Ziegeleien, die bekannt. Wir meinten deshalb auch schon in unserer Ueberschäzung freudiger Abwehr zusammen. Aber sie stehen auch gerüstet. Alle vier Tagungen be- Zementfabriken, der Güterverkehr, die Trägerwerke, die des Herrn v. Jagow, daß er, um die Demonstranten vor der Einund viele andere Erwerbszweige atmung schlechter Luft zu bewahren, zugleich ausrechnen laffe, ob schloffen mit prächtiger Einmütigkeit, die Karenzzeit für die Beleuchtungsindustrie würden bald ganz empfindlich getroffen werden. Hat der Luftraum den hygienischen Anforderungen entspräche. Aber so Unterstützung der Ausgesperrten auf zwei Wochen zu verlängern. Ebenso einmütig beschlossen sie eine Reduzierung der Arbeitgeberbund wirklich gar kein Empfinden für weit reicht, wie wir sehen, die gütige Vorsorge und Gründlichkeit des δας Unmaß des Unheils, баз er durch der Einheitssäße für die Unterstützungen, eine Erhöhung reaktionären Starrsinn heraufbeschwört? feinen Berliner Polizeipräsidenten doch nicht. der Leistungen der Arbeitenden während der Bewegung und Leider ist trop der Länge der Beit, die die Flächenberechnung besondere Leistungen der Beamten, die von diesen selbst sich, wenn er hofft, in wenigen Wochen mit den Bauarbeitern gefordert waren. So steht die Bauarbeiterschaft in flirrender fertig zu sein. Seine Sekretäre haben ausgerechnet, daß der des Rasenplages im Humboldthain erfordert hat, die Lösung nicht Rüstung bereit, den Ansturm der vom Machttikel geblendeten Stampf nach bier bis fünf Wochen durch die Erschöpfung der richtig. Denn erstens fommt nicht nur der Rasenspielplatz allein Unternehmer zu empfangen. Wie sieht es aber bei diesen Gewerkschaftstassen beendet sein würde. Rednet der Bund für die Versammlung in Betracht, sondern auch die angrenzenden aus? Die beiden größten Arbeitsgebiete gehen ihre eigenen wirklich so, dann wird ihm eine schwere Enttäuschung zuteil Wege und Alleen des 37 Hektar großen Barts, und zweitens ist Wege. Vielleicht findet ihr Beispiel Nachahmung. In den werden. Die Beschlüsse der vier Verbandstage werden ihm die Schägung, daß sich 50-60 000 Menschen dort einfinden würden, hauptsächlichsten Streitpunkten sind sie sich ebenfalls nicht einig. doch zeigen, mit wem er es zu tun hat. Welche Verblendung reichlich hoch gegriffen, wie denn auch der Vorstand des DemoDer Landesverband der württembergischen Unternehmer er ist es, einen solchen Kampf mit dem Maßstabe eines Rechen- tratischen Verbandes bestreitet, den Besuch so hoch eingeschätzt zu flärt in einem vertraulichen und darum auch den Arbeitern erempels zu messen! Was der Bauarbeiterschaft zugemutet haben. bekannt gewordenen Rundschreiben, daß für sein Gebiet die wird, ist die Preisgabe der fundamentalsten Grundsäze aller Wie Herr von Jagow zu dieser Ziffer kommt, ist deshalb etwas Frage der Affordarbeit und der Arbeitsnachweis teine gewerkschaftlichen Tätigkeit; die Bauarbeiter kämpfen für ihr Schwierigkeiten bereiten könnten, für beides können sich die Menschenrecht, für ihre Organisationsehre! Und dann: fie verwunderlich; denn selbst an der großen Demonstration des 6. März Schwaben nicht begeistern. In Nürnberg haben sich die Unter- sind die Preisfechter der ganzen deutschen Arbeiterschaft und im Tiergarten haben sich doch nach offizieller polizei. nehmer über die Beschlüsse ihrer Generalversammlung hinweg- diese weiß ganz genau, was die Glocke geschlagen hätte, licher Angabe höchstens 30 000 Menschen beteiligt: eine gesetzt, indem sie entgegen den getroffenen und von beiden wenn man den Bauarbeitern solche Fesseln anlegen könnte. Bahl, die schließlich sogar auf 7500 zusammenschmolz. Barteien genehmigten Vereinbarungen schon am 4. April die Wir wünschen, die unterdrückungsluftigen Unternehmer Entweder muß also Herr v. Jagow selbst die Angaben der hoch. Maurer und Bauarbeiter aussperrten. So strebt bei den hätten gehört und gesehen, wie auf dem gemeinsamen Ver- wohllöblichen Polizei für unglaubwürdig halten, oder Unternehmern alles auseinander. Verwunderlich ist das nicht, bandstage der Maurer und Bauarbeiter die Abstimmung er muß annehmen, daß sich die Masse der Wahlrechts. denn jeder Unternehmer mit halbwegs normaler Ueberlegung über die Resolution und die besonderen Bestimmungen für demonstranten infolge der niederträchtigen muß doch allmählich erkennen, daß die vom Bund gewünschten den bevorstehenden Kampf vor sich ging. Sie würden mit Trauben doch allzu hoch hängen. uns der Meinung sein: eine solche Arbeiterschaft läßt sich Praktiken seiner Partei und der vorgekommenen Polizeibrutalitäten enorm erhöht hat. Und selbst, Beides, die Geschlossenheit in den Reihen der Arbeiter nicht knebeln. Doch mag der Arbeitgeberbund nun entscheiden. Will wenn fich 50 000-60 000 Menschen im Humboldthain einfinden, ist und die Berfahrenheit im eigenen Lager sollte dem Arbeitgeberbund Veranlassung sein, sich seine Stellungnahme noch er den Kampf, so muß er eben geführt werden, dann ist er damit noch nicht gesagt, daß die öffentliche Sicherheit " einmal gründlich zu überlegen. Jezt gibt es nur noch einen auch notwendig. Aber das ist heute jedem klar: diefer gefährdet würde; hat doch bereits am 13. Februar in diesem Park Weg zum Frieden: der Arbeitgeberbund muß auf die bean- Kampf kann nie und nimmer anders als mit dem zu eine sozialdemokratische Wahlrechtskundgebung stattgefunden, an der tragten Aenderungen des Vertragsmusters verzichten, er sammenbruch der Scharfmacherei enden. Drum möge er damals weit über 50 000 Personen teilnahmen, ohne daß irgend muß seinen Unterverbänden die Fessel des Verbots der Ver- kommen: er wird ein reinigendes Gewitter sein! fürzung der Arbeitszeit unter zehn Stunden abnehmen. Diese Berkürzung der Arbeitszeit ist reif, überreif für Städte wie Köln , Frankfurt a. M., München und andere. In diesen gewaltig angewachsenen Stadtgebieten haben die Die Demokratische Vereinigung beabsichtigte am nächsten Sonntag legung des§ 7 des Reichsvereinsgefeges. Was heißt denn:„ Gefahr Bauarbeiter feine zehnstündige Arbeitszeit, fie find in ihrer im Humboldthain eine große öffentliche Wahlrechtsversammlung für die öffentliche Sicherheit "? Geſetzt, der Platz erwiese sich in der Tat als etwas zu flein: es entstände zeitweilig ein gewiffes Geüberwiegenden Mehrzahl 14 und 15 Stunden täglich von unter freiem Himmel abzuhalten. Der Magistrat von Berlin Wellte at als etwas zu klein: es entſtände zeitweilig ein gewiffes Geihrer Familie fort. Und er muß weiter den unglaublichen bereitwillig den Platz zur Verfügung; aber Herr v. Jagow, Berlins dränge, einige Personen würden auf die Hühneraugen getreten und Standpunkt aufgeben, Lohnerhöhungen nicht zu gewähren. genialer Polizeipräsident, fand auf das Genehmigungsgefuch zunächst es fielen fogar obgleich das mehr als unwahrscheinlich ist- Alle Kenner der einschlägigen Verhältnisse sind sich darin teine Antwort. Wie die„ Berliner Volkszeitung" gestern be- einige Kurzfichtige über die Fußgängergitter": würde dadurch einig, daß eine Verteuerung der Lebensmittel eingetreten die öffentliche Sicherheit gefährdet? Keineswegs! erklärte er, er müsse erst erst Messungen Messungen aristellen ist, wie wir sie seit Jahrzehnten nicht fennen gelernt haben. richtete, Was da die junkerliche Wirtschaftspolitik nicht getan hat, ist lassen über den zur Verfügung stehenden betretbaren Raum, um Höchstenfalls würde dadurch eine Unordnung hervorgerufen. Eine aufs Konto der neuen Steuern zu sezen. Und gleichwohl sich zu vergewissern, ob für den zu erwartenden An- Unordnung ist aber noch keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit! Tatsächlich hieß es denn auch in der Regierungsvorlage des defretiert der Arbeitgeberbund: eine allgemeine Lohnerhöh- brang genügend Blak borbanden fei. ung gibts nicht! Wie kann man mit solchen Grundsätzen Tatsächlich hat Herr v. Jagow folche Meffungen vornehmen Reichsvereinsgesetzes ausbrüdlich, daß die Genehmigung zur Verträge schließen wollen? laffen, und er ist nach längeren polizeilichen Erwägungen zu der Abhaltung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel Dieser Standpunkt fommt in allen beschlossenen Resolu- weisen Erkenntnis gekommen, daß der Nasenspielplatz im Humboldt dann versagt werden dürfe, wenn eine Gefahr für die öffent tionen zum Ausdruck, die, obgleich nicht uniform im Wort- hain für die zu erwartende Massendemonstration zu flein feiliche Ordnung" oder für die öffentliche Sicherheit " laut, doch in diesen Forderungen gipfeln. Seinen flaren und unzweideutigen Ausdrud fand er in der Erklärung, die folglich das Gesuch abgelehnt werden müsse. Dem Vorstande des zu befürchten sei: eine Zusammenstellung, die ganz finnlos ist, Bömelburg an die Adresse der vermittelungsluftigen Demokratischen Verbandes ist nämlich folgendes stilvolle Schreiben wenn öffentliche Ordnung" und öffentliche Sicherheit " dasselbe wären. Weil aber die den Regierungsentwurf beratende Kommission nicht wollte, daß schon wegen Befürchtung einer Störung der„ öffent lichen Drdnung" die Genehmigung zur Versammlungsabhaltung ver sagt werden dürfe, strich sie die Wörter öffentliche Ordnung",
Personen richtete:
,, Sollten jene Menschenfreunde," sagte Bö melburg, ,, Verhandlungen anzubahnen bersuchen, so werden wir ihnen erklären, daß wir als echte Tariffreunde bereit sind, daran teilzunehmen, daß wir aber nicht eher an eine Erfolgsmöglich feit glauben können, bis die Unternehmer diese Forderungen haben fallen lassen. Jede Verhandlung über die Vergewalti
Herr v. Jagow als Gemütsmenfch.
zugegangen:
Der Bolizeipräsident. Tagebuch Nr. 756, VII. G. Zum Antrag vom 8. d. M.
1 ha 77 ar 45 qm= 17744 qm,
"
welche Ordnungsstörungen vorgekommen sind.
Beigt sich aber das Polizeipräsidium in der Rechnung mit unbekannten Größen schlecht bewandert, so noch mehr in der Aus
Der Rasenspielplas im Humboldthain hat einen und das Reichstags plenum atzeptierte( auch Herr Flächeninhalt von
bon Bethmann Hollweg erklärte sich damit eine ' berstanden) diese Aenderung.