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Nr. 141.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Biertel­jährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg fret in's Saus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags: Beilage Neue Selt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz band: Deutschland u. Desterreiche Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingerz. In der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 unter Nr. 6708.

Vorwärts

10. Jahrg.

Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins: und Veriammlungs Anzeigen 20$ fg Inferate für die nächite Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Ervedition ift an Wochens tagen bis 7 Uar Abends, an Sonn­und Feitragen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1. 4186. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin Berliner

Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Sonntag, den 18. Juni 1893.

Genoffen, Wähler!

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Denkt der Stichwahlen! Der 15. Juni war der erste Schlachttag. Der zweite ist am Tage der Stichwahlen, die, wie es heißt, alle am 24. Juni stattfinden sollen. Da ist

kein Augenblick zu verlieren. Der Tag der Stichwahlen muß den Sieg des ersten Schlachttags vollständig

Zur Beachtung!

machen. Auf zu den Stichwahlen!

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sie Katzenjammer und faßt gute Vorfäße. Die Sozial- Hätte das deutsche Bürgerthum das Mark und die demokratie," jammert die Bossische Ztg.", ist groß geworden Kraft dazu, so hätte es in früheren Zeiten die bürgerlichen Die Wahlkomitee's unserer Partei ersuchen wir, durch die Verhältnisse, sie zieht ihre Kraft aus den Fehlern Freiheiten erkämpft, die dem Engländer, Franzosen, furz uns am Montag den 19. d. die amtlich verkündigten unserer Politik die geändert werden muß!" In ihrem jedem Glied eines freien Kulturvolts selbstverständlich sind. Wahlresultate mittellst Postkarte mitzutheilen. Gs gewissenhaften Versuch zur Selbsterkenntniß" sagt das So haben die sozialistischen Arbeiter nachzuholen, was ist nothwendig, daß die Stimmenzahl und die Parteistellung fortschrittliche Organ uns nicht, worin die heilbringende unser liberales Bürgerthum versäumt hat. Aenderung unserer Politik bestehen soll. Wir wollen Die Wahl des 15. Juni hat die politische Unreife und sämmtlicher Kandidaten genau angegeben wird, da wir sonst ihm aber ein Geheimniß verrathen. Es giebt ein Mittel, die Marklosigkeit unseres deutschen Bürgerthums in hellste nicht in der Lage sind, unseren Lesern ein zutreffendes Bild der das Anschwellen der sozialdemokratischen Partei zu ver- Beleuchtung gebracht wer auf den bürgerlichen Frei­Wahlen zu geben. hindern nur ein einziges Mittel, freilich ein sicheres. sinn" gleichviel ob in Stiefeln oder Pantoffeln noch Und dieses Mittel ist: der Staat muß sozial- baut, von dem Freisinn" noch erwartet, er würde in den demokratisch, die Gesellschaft mußsozia- politischen Kämpfen, die uns bevorstehen, eine hervor­listisch werden. ragende Rolle spielen, der hat auf Sand gebaut und thäte

Die Zuschriften sind zu richten an die

Redaktion des Vorwarts" Berlin SW. Beuthstr. 2.

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Die Erfolge

der Sozialdemokratie

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Ein nationalliberales Blatt glaubt, uns auf andere gut, in ein Kloster zu gehen oder ins Frrenhaus. Das Weise schlau beifommen zu können: Ahmen wir die Bürgerthum, das am 15. Juni vor dem Ansturm der musterhafte Organisation der Sozialdemokratie nach Feinde wie Spreu vor dem Wind auseinanderstob, und das - und wir werden die Sozialdemokraten schlagen!" heute, in seinem Kazenjammer und seiner Zerknirschung

Der Rath ist ganz gut schade nur, daß er nicht nach einem Kartell aller staatserhaltenden Elemente" ausführbar ist. Zur Organisation der Sozialdemokratie schreit also seine eigenen Feinde um Rettung an­drücken der Wahl des 15. Juni den geschichtlichen Stempel gehören Sozialdemokraten! Das heißt Männer, bettelt, hat ausgespielt und keine freiheitliche auf. Es ist ein großer Sieg, den wir errungen haben, die keine Furcht kennen und zu jedem Opfer, zu jeder Kraft- Mission mehr zu erfüllen. Es ist nur noch im Weg. Und größer, als wir selbst im ersten Augenblick geglaubt bei anstrengung bereit sind. Und woher solche Wlänner nehmen Herr Richter braucht sich keine Sorgen zu machen: die allen bedeutenden Ereignissen braucht es erst einiger Zeit,- und nicht stehlen? Man müßte sie sich von den Sozial- Reaktion wird keinen Vortheil haben von unserem Sieg. ehe die volle Tragweite erkannt wird. Unsere Gegner sind demokraten holen, und dann würden die Organisationen Die Freude der Herren Schlots und Schnapsjunfer verdutzt. Die Hoffnungen derer, die in manchesterlicher der Gegner sozialdemokratisch werden gerade nebst reaktionärem Zubehör, daß sie auf der politischen Weisheit sich eingebildet hatten, die sozialdemokratische wie der Racker von Staat", wenn er uns wirksam Bühne den Platz des bürgerlichen Freifinn" leer oder ganz Hochfluth des Jahres 1890 sei durch das Sozialistengesetz bekämpfen" will. spärlich besetzt finden, wird sicherlich nicht von Dauer sein. veranlaßt worden Die Sozialdemokratie ist da. Und wir sind auf dem Posten und halten Wacht.

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nach Entfernung des eisernen Gegen die Sozialdemokratie ist kein Kraut gewachsen. Reifens" werde die Partei von selbst wieder zerfallen, sind Diese Krankheit" ist nicht mit Pfusch- Arzneien, nicht durch die beredte Sprache der Wahlziffern Lügen gestraft. hypokratisch mit Eisen( Blut und Eisen"), nicht mit Feuer Die Unabhängigen", obgleich von dem gesammten Ord-( Feuer und Schwert") zu heilen und auszurotten, nungsvoll unterstüßt und gehätschelt, waren am Tage der und jedes Mittel, das gegen uns angewandt wird, wirkt Wahl nirgends zu sehen, und die Wahlenthaltung", die für uns. So war es und so wird es sein. Hypokratisch fie aus ein paar Winkeltneipen heraus predigten jedoch ist nur das Gesicht der kapitalistischen Gesellschaft, die nur

aus guten Gründen sehr piano- erwies sich als ebenso den Stempel des Tabes auf der Stirn trägt. Unter einem Politische Weberlicht.

fauler Zauber", wie weiland die Zukunftsstaats- Reden Sozialistengesetz König Stumm hat ja ein neues in der Richter, Bachem und Konsorten. Unsere Gegner müssen petto- gedeihen wir nicht minder gut als unter der so­sich wohl oder übel mit der Thatsache abfinden, daß die genannten milden Praxis"; und die Freiheit wie in Sozialdemokratie die tommende Partei ist d. h. die England", die den Gelehrten der Vossischen Zeitung" als Partei, die unaufhaltsam voranschreitet und fortwährend Ideal vorschwebt, würde uns ausgezeichnet bekommen. wächst, bis sie stark genug ist, die Macht anzutreten. Vorläufig haben wir sie noch nicht, und werden sie auch Die Wahlziffern des 15. Juni 1893 sind ein Menetekel nie haben, es sei denn, daß wir Sozialdemokraten für die kapitalistisch reaktionäre Gesellschaft und wie sie erkämpfen. Die Fortschrittsphilister der Tante Voß" immer, wenn ihr eine derartige Warnung zugeht, empfindet werden es nimmermehr thun.

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Feuilleton.

Nagbrua verboten.)

Die Fabriklerin.

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Erzählung aus dem schweizerischen Volksleben

von einem Baseler Arbeiter.

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So leicht ließ sich Herr Stedig jedoch nicht zufrieden stellen. Sein Mißtrauen gegen Rosa war nun einmal er­wacht und ließ sich so leicht nicht wieder verwischen. Wer anders als sie konnte auch der Dieb sein?

Sie war ja Fabriklerin, Grund genug, ihr alles Schlechte zuzutrauen, um so mehr, als das Mädchen in den dürftig­sten Verhältnissen lebte. Die beiden Angestellten dagegen waren in Stedig's Angen über jeden Verdacht erhaben.

Nun, Mädchen, so leicht lassen wir uns nicht täuschen. Jedenfalls wirst Du Dir eine genaue Durchsuchung gefallen laffen müssen," entgegnete Herr Stedig barsch.

Entrüstet und im Gefühl ihrer Unschnld verletzt, be­gann Rosa nun selbst in Gegenwart der drei Herren ihre Taschen zu leeren.

Wie erschrat sie aber, als sie zugleich mit ihrem Nas­tuch eine Banknote aus der Seitentasche zog. Todtenbleich ließ sie diese fallen und barg ihr weinendes Angesicht laut schluchzend in den Händen.

Stimme ihre Unschuld. Wie die Banknote in ihre Tasche gekommen, davon habe sie freilich selbst keine Ahnung; dieselbe könne ihr nur von jemand zugesteckt worden sein, in der Absicht, den Verdacht auf sie zu lenken.

" Wie, die freche, verdorbene Dirne wagt es noch, zu leugnen?" schrie nun aber Herr Stedig erbost, geschwind rufen Sie den Landjäger, Herr Schmeichler, wollen doch sehen, ob die Frechheit dieser Person soweit geht, auch vor dem Manne des Gesetzes zu leugnen."

Als dieser jedoch nach einer halben Stunde erschien, be­stätigte Rosa ihre frühern Aussagen Wort für Wort und auch eine peinliche Untersuchung ihrer Effekten förderte nichts Verdächtiges mehr zu Tage.

Die vorhandenen Thatsachen genügten freilich vollauf, ihre Berhaftung, welche denn auch sofort erfolgte, zu rechtfertigen.

Berlin , den 17. Juni. Von italie Glückwünsche der Bruderparteien.

nischen

Genossen geht uns aus Rom folgende Depesche zu: " Wir können dem Drange nicht widerstehen, un­versäumt zu gratuliren."

Der politische Verein Svornost in Prag telegraphirt: Den muthigen Kämpfern gegen den Militarismus ein donnerndes Hoch."

rechter Trost, wußte er die Arme doch stets zu trösten und ihren gesunkenen Lebensmuth wieder zu heben.

Stundenlang saß er oft im Häuschen der Wittwe, mit ihr Pläne schmiedend, wie man auf die Spur des wirk­lichen Diebes kommen und Rosa dadurch die Freiheit wieder gewinnen könnte.

Justinktiv lenkten sich in solchen Stunden die Gedanken des Buckligen auf Heinrich Schmeichler. Daß dieser heim­tückische und gewissenlose Mensch bei der unglückseligen Ge­schichte die Hand im Spiele gehabt, ja wahrscheinlich selbst der Dieb war, schien ihm nur zu gewiß.

Die weitere Untersuchung gegen Rosa hatte selbst verständlich keine neuen Thatsachen zu Tage gefördert. Wohl hatte man am Tage ihrer Verhaftung bei ihrer Mutter so­wohl als auch in der Fabrik selbst eifrig nach den fehlenden Banknoten gesucht. Umsonst! Sie blieben verschwunden, zum großen Aerger der Polizei.

Wie ein Lauffeuer hatte sich inzwischen die Kunde von dem Diebstahl und der dadurch erfolgten Verhaftung Schmeichler hatte dieselben inzwischen ruhig in jener Rosas in der Fabrik und im Dorfe verbreitet, und ob schon man über Rosa und ihre Mutter bis dahin nur Gutes zu sagen gewußt, so waren doch viele geneigt, an Rosa's Schuld zu glauben; denn böse Zungen giebt es überall, und die Gunst der Menschen ist wandelbar wie das Wetter.

Es waren nur wenige, welche nicht an die Schuld Rosa's glauben mochten, unter diesen befand sich selbstverständlich der Bucklige obenan.

Triumphirend hob Schmeichler die Banknote in die Ueberall, wohin der treue Mensch während dieser Höhe, Herr Stedig gerieth in eine grenzenlose Aufregung. Tage tam, nahm er das arme Mädchen in Schutz; oft " Da sieht man, wie weit man einer unschuldigen Fraze setzte es deswegen scharfen Wortwechsel zwischen ihm und trauen darf," sprach er zornig, dann befahl er Rosa, die seinen Widersachern ab. Nichts konnte seinen Glauben an andern Banknoten augenblicklich herauszugeben. Rosa's Unschuld erschüttern.

Diefe betheuerte jedoch mit von Thränen erstickter Für Rosa's Mutter war Karl während dieser Zeit ein

Kiste in der Gerümpelkammer versteckt gehalten. Für ihn waren sie ja dort weit weniger gefährlich als zu Hause, mußte er ja doch immer noch gewärtigen, daß man auch bei ihm Haussuchung halten werde.

Erst etliche Monate später, als Rosa vom Gericht als schuldig erkannt und zu fünf Jahren Zuchthaus vers urtheilt worden war, brachte er seinen Raub bei sich zu Hause in Sicherheit.

Von diesem Moment an fühlte er sich jedoch weit weniger sicher als bisher, obschon bis dahin noch kein Schatten des Verdachts auf ihn gefallen war. Sein schlechtes Gewissen verfolgte ihn Tag und Nacht und ließ ihm nir­gends Ruhe.

Er beabsichtigte deshalb, Buchegg so bald thunlich ohne Verdacht zu erregen zu verlassen und im nahen