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Nr. 234.

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Berliner Volksblaff.

27. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Donnerstag, den 6. Oktober 1910.

Revolution in Portugal !

Die Republik proklamiert!

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

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Das Volt Portugals hat in einem Aufwallen der] Das republikanische Ideal begeistert sowohl die Städte, als das| Landes andauert, ist eine Entwickelung des Sozialismus nur schwer Empörung, laut den Nachrichten, die bisher noch schwer zu flache Land und der Sieg war um so eklatanter, als in Portugal möglich. Andererseits ist der Boden uns günstig und wir zweifeln kontrollieren sind, die Monarchie gestürzt, die so lange ihr ein bedeutender Teil der Bevölkerung infolge ihrer Unwissenheit nicht, daß das portugiesische Volt seinen Platz unter den Kultur­verbrecherisches Regiment führte. sehr schwer dem Einfluß der Pfaffen zu entziehen ist. Die Stegie- völkern Europas erringen wird. Die Ermordung des Professor Bombarda, eines der rung hat, genau wie in Spanien , nichts für die Volksbildung getan Führer der antiflerifalen Bewegung, durch einen fanatisch- und hoffte dadurch die Aufklärung zu verhindern, den Vormarsch Die telegraphischen Meldungen lauten: fatholischen Offizier hat das Signal zum Ausbruch der Jn- der Wahrheit zu verhindern. furettion gegeben, die seit der Erschießung des Königs Carlos Paris, 5. Oktober. Der Matin" erhält ein drahtloses Teles Außerdem sind die diktatorischen Vollmachten, die dem Er- gramm von einem in den portugiesischen Gewässern liegenden und seines Sohnes Louis am 1. Februar 1908 in der Luft präsidenten des Ministerrates Franco unter der Regierung des Schiff, das nach Saintes- Maries- du- la- mer im Departement Bouche hing. Ungeheuerliche Finanzsfandale sind in der letzten Zeit vorigen Königs erteilt wurden, noch in Kraft unter der Regierung di Rhone geschickt und dann nach Paris weitergegeben wurde. In wie Lawinen über das Land gestürzt: die Affäre Hinhou, die des Herrn Tegeira de Souza, der die Dreiſtigkeit hatte, fein dem Telegramm heißt es, die Revolution ist ausgebrochen, der Ver­aufs schwerste den Kommandanten der königlichen Jacht Ministerium das Ministerium der Regenerierung" zu nennen, trok| kehr nach der Stadt ist untersagt. Um 2 Uhr mittags hat das " Amelia" kompromittierte, einen Intimus des Königs aller Standale, die während seiner Herrschaft sich ereigneten. Diese Bombardement des königlichen Palais durch die Kriegsschiffe Le­Carlos; der ungeheuerliche Diebstahl in der Hypothekenbant Vollmachten wurden dazu benutzt, um alle, die den Mut hatten, gonnen. Ein großer Teil der Landarmee und die gesamte Marine Credito Pren dol, bei dem der Hauptschuldige Senhor gegen die Gewaltakte der Regierung bei der Fälschung der Wahlen sind auf Seiten der Republikaner . Es ist unmöglich, Details au geben. Ein gleiches Telegramm mit fast demselben Wortlaut ist Luciano de Castro war, der Chef der Progressistenpartei und zu protestieren, einzuferkern. auch dem Echo de Paris" zugegangen. Um 1 Uhr morgens er­gleichzeitig Geheimer Berater des Königs Manoel; die Fronde Der Chef des republikanischen Blattes D Mundo" in Lissabon , flärte das Pariser Bureau der Daily Mail", daß sein Londoner in der Sache der Steuergesetze auf seiten des Chefs des Herr Franca Borges, mußte vor den Wahlen flüchten, weil man Stammhaus ein Telegramm erhalten habe, wonach König Manuel Arsenals. Vor allem aber fommt in Betracht der Unwille ihn ins Gefängnis werfen wollte. Ein anderer Journalist, Herr Gefangener der Revolutionäre sei. Weitere Nachrichten waren bis des Volkes gegen die falschen Mandatare, die die ruch- Chacon Siciliani, wurde zu zwanzig Monaten Gefängnishaft ver- 4 Uhr morgens in Paris nicht eingetroffen. Das Kabel zwischen lofen Gesetze des Diftators Franko beschlossen, zur Befämpfung urteilt wegen angeblicher Beleidigung der Religion". Bei den Portugal und England funktioniert nicht. Die Telegraphenlinie der Gegner der Rückständigkeit und der mittelalterlichen Zu- Prozessen, die hier geführt wurden, glaubt man sich ins Mittelalter von Portugal nach Frankreich hat gestern nicht ein einziges Tele­verfekt. Die Richter verwandelten die Gerichte in wahre Inqui- erhielt der Matin" ein Londoner Telegramm der" Times", in gramm von Lissabon befordert. Um 2 Uhr 50 Minuten morgens stände; dieser Unwille bereitete den Ausbruch vor. fitionskammern und schickten Opfer über Opfer in die Kerker. welchem es heißt, man habe allen Grund zu der Annahme, daß Portugal sich in einer sehr schwierigen Position befinde. Die tele graphische Verbindung mit Portugal habe gestern während des ganzen Tages nicht funktioniert. Nach einem der Times" gestern gabe veröffentlicht, heißt es, daß nach einer Information ihres gut abend zugegangenen Brief, den fie in ihrer heutigen Morgenaus unterrichteten Sorrespondenten der Stönig in den letzten Tagen Gegenstand heftiger Angriffe gewesen sei und zwar deshalb, weil er die Progressisten unter feinen Umständen an der Regierung teil­nehmen lassen wollte. Der König halte sich zwar streng monarchis ftisch, wolle aber den Revolutionären selbstverständlich keinen Ein­fluß auf seine Person gestatten.

Die Regierung hat bei den Wahlen trotz des frechsten Wahlschwindels schlecht abgeschnitten. Ministerpräsident Tereira Die Kirche tat natürlich alles, um die Regierung zu stützen, de Souza befand sich in einer verzweifelten Situation, aus denn wenn die Dynastie fällt, fällt auch der Einfluß der Kirche und der er nur durch abermalige Auflösung des Parlaments ent- bas bedeutet nicht nur die Preisgabe der geistigen Macht, sondern tommen fonnte, aber auch das durfte er nicht wagen, denn auch des materiellen Besizes. Die Pfaffen sträuben sich mit aller das nächste Mal würde der Schwindel nicht gelingen. Gewalt dagegen, daß ihnen die Führung der Standesamtsregifter So spizte sich alles zu, als der Mord an Bombarda den entzogen wird, weil damit gewaltige Einnahmen für sie fortfallen. Becher zum Ueberlaufen brachte. Hinzuzufügen ist, daß an dem Kampfe gegen die Klerifei auch tie Bourgeoisie beteiligt ist, weil auch sie sich bedrängt fühlt, ähn­lich wie das Proletariat, und außerdem ihre materiellen Interessen unter der Konkurrenz der Mönchs- und Nonnenorden leiden. Schließlich aber fühlt auch die Bourgeoisie, daß die allgemeine reaktionäre Tendenz der Klerisei ein Hemmnis für die Entwickelung des Landes auf allen Gebieten ist.

Wenn die erhaltenen Nachrichten, die freilich mehr oder minder phantastisch sein müssen, da die Telegraphenlinien ge­sperrt sind, einigermaßen zutreffen, so haben die Truppen und die Mannschaften der Striegsschiffe gemeinsame Sache mit den bürgerlichen Revolutionären gemacht.

Die Revolution muß jedenfalls einem Volte, das unter dem Sklavenjoche einer finsteren Pfaffenherrschaft seufzte, Erlösung bringen. Sie ist aber vor allem das Werk der Bourgeoisie, deren wirtschaftliche Entwickelung durch eben diese Herrschaft der katholischen Kirche gehemmt wurde. Die Regierung, die gestürzt wurde, war ein Werkzeug der Reaktionäre und der Schwindler, der Mönche und Jesuiten , der Industrieritter und Bucherer, gestüßt von der Königin Mutter Amelia, der frömmelnden Freundin des Papstes, und einem jungen schwächlichen und unfähigen König.

In Portugal waren in den letzten Tagen Gerüchte im Schwange über eine angeblich bevorstehende Verlobung des Königs mit der Tochter des deutschen Kaisers. Es war wohl der Versuch, für die Dynastie eine Stüße im Auslande zu finden, nachdem der Plan der Heirat mit einer englischen Brinzessin fehlgeschlagen war.

meldet, daß die Revolution in vollem Gange ist. London , 5. Oktober. Ein drahtloses Telegramm aus Lissabon In der Stadt herrscht Militärdiktatur. Kein Fremder darf Lissabon betreten. Die ganze Flotte sowie zahl. reiche Offiziere des Landheeres befinden sich auf feiten der Republikaner. Um 2 Uhr nach mittags begannen die im Hafen liegenden riegsschiffe den königlichen Balast zu be. hießen. Weitere Einzelheiten können bei der streng gehand habten Zensur nicht gegeben werden.

Freilich würde das Klassenregiment der Bourgeoisie, sobald sie ans Nuder kommt, sich gegen die Arbeiter wenden. Aber das Pro­letariat Portugals muß notwendigerweise bei dem Kampfe gegen die Klerisei auf feiten der Bourgeoisie stehen, weil es zurzeit infolge der bestehenden Verhältnisse die Führung im Kampfe nicht übernehmen fann. Für das Proletariat gilt es, das Feld frei zu machen, die Madrid , 5. Oftober. Privatmeldungen aus Portugal zufolge Ueberbleibsel des Feudalismus und der Klerisei zu beseitigen, worauf dauern die Straßentämpfe in Lissabon fort. die beiden wirklichen Kämpfer des modernen Klassenkampfes fich von An- Die Republikaner haben bereits verschiedene Kasernen und Be­gesicht zu Angesicht gegenüberstehen werden: Proletariat und Kapital. festigungswerte eingenommen. Der Königliche Balast ist um­In zweieinhalb Jahren hat der König sechs Ministerien ver- gingelt und der König befindet sich tatsächlich in braucht, die eins nach dem anderen ihre absolute Ohnmacht er- er Gewalt der Revolutionäre. An den Operationen wiesen. Die Royalisten zersplittern sich immer wieder, so groß ist beteiligen sich drei Kriegsschiffe. Aus der Provinz fehlen jegliche die Eifersucht und der Haß der einzelnen Cliquen untereinander. Paris , 5. Oktober. Aus Lissabon über Spanien hier eins Heute ist die Situation die: Auf der einen Seite haben wir das getroffene Privatmeldungen, die jedoch sehr zuverlässig sind, bes Ministerium der Regenerierung" des Herrn Tegiera de Souza, gestätigen, daß der König Gefangener der Republikaner ist und der Welche Konsequenzen die Revolution nach sich ziehen wird, stützt von den" progressistischen Diffidenten", deren Parteichef Sieg der Revolutionäre unzweifelhaft sei. Einige tönigstreue ift nicht abzusehen. Portugal selbst würde voraussichtslich m. Alpom ist, und von der Gruppe der Frankisten" mit dem Truppen halten vorläufig die Republikaner in einzelnen Stadt­bald der republikanischen Form sich anpassen. Die Republik Eydiktator Franko an der Spize. Auf der anderen Seite der Royalisten teilen zwar noch in Schach , doch ist deren Uebergabe nur eine Frage in Portugal würde aber auch eine Stüße der Freiheits - steht der konservative Block", der aus folgenden Gruppen besteht: weniger Stunden. Die Zensur wird äußerst streng gehandhabt und feinerlei Telegramme über die Kämpfe werden durchgelassen. bewegung in Spanien werden. 1. die Progreffisten", 2. die Henriquisten( die sich von den Stegenatoren" abgesplittert haben), 3. die Nationalisten", 4. die 8000 bewaffnete Bauern eingezogen. Die republikanische Flagge Madrid , 5. Oktober. Hier geht das Gerücht, in Lissabon scien leritalen. wehe nicht auf dem königlichen Palast, sondern auf einem Kriegs schiffe.

Jedenfalls bedeutet die Republik für Portugal ein rasches Vordringen des Sozialismus. Der Sieg der Revolution wird somit auch ein neuer Sieg des internationalen Pro­letariates sein.

Auf die Lage, wie sie sich in Portugal vor Ausbruch der Revolution gestaltete, wirft der nachfolgende Artikel Licht, der uns gestern von einem portugiesischen Genossen zuging.

blid in der Minorität bleiben.

Die Republikaner fämpften gegen alle diese Elemente, wobei die Skandalaffären der letzten Zeit ihnen den zugkräftigsten Agitationsstoff boten. Sie führten eine feurige Kampagne und revolutionierten das Volt; es entstand eine Stimmung der Gereizt heit und der Empörung im ganzen Lande. Es unterliegt gar teinem Zweifel, daß sie die Mehrheit der Bevölkerung auf ihrer Seite haben, und daß bei dieser Lage jeden Augenblick die ernſteſten Er­eignisse eintreten können, deren fatale, aber logische Entwickelung teine Macht mehr aufhalten kann. Die jetzige Regierung wird allen Anzeichen nach die legte der Monarchie fein.

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Nachrichten.

Köln , 5. Oftober.( Privattelegramm des Vorwärts".) Ein westdeutsches Großkaufhaus erhielt eine portugiesische Depesche, wonach dort alles drüber und drunter gehe. Die Revolution greife weiter um sich. Die Regierung erhielt vorgestern bereits Warnungen, daß ein Putsch geplant sei. Ob der König verhaftet oder in Sicherheit ist, fonnte noch nicht einwandfrei festgestellt werden. Außer dem Schloß und Telegraphenamt befinden sich auch die übrigen hauptstädti­schen öffentlichen Gebäude in Händen der Republikaner . Von auswärts wohnenden Familienmitgliedern der königlichen Familie eintreffende Depeschen bleiben unbeantwortet. Vor­mittags wurde das Bombardement von neuem eröffnet. Paris , 5. Oktober. Je spärlicher die Meldungen aus Lissabon

Das portugiesische Parlament wird eröffnet und mit ihm beginnt die legte Aera einer Monarchie, die infolge ihrer eigenen Fäulnis zusammenbricht. Trotzdem die Wahlen" forciert" wurden, erhielt die Regierung doch nur eine ganz schwache Majorität und fann infolge der Zersplitterung der monarchischen Parteien jeden Augen- Wenn die Regierung keine dauernde Majorität findet, wird fie gehen müssen. Vielleicht gelingt es ihr, Aufschub bis zum Januar Niemals, selbst nicht im Moment der Erschießung des Königs zu gewinnen, indem sie einen Teil der Royalisten dafür gewinnt, Carlos und feines Sohnes, war das Königtum in so großer Gefahr. den Republikanern einige Zugeständnisse zu machen. Aber es fragt Die portugiesischen Gesandschaften in Paris und London haben sich noch, ob es ihr erlaubt wird. Der König wird vielleicht die eintreffen, desto mehr Gerüchte sind im Umlauf, welche die Situa mit großem Aufwand an Geld das Schweigen der bürgerlichen Demission akzeptieren und einen anderen Chef der Regenatoren" tion von Stunde zu Stunde fennzeichnen. Uebereinstimmend ist Presse in den beiden Metropolen erkauft und so vor der Welt berufen, wodurch die Situation nicht im geringsten geändert wäre, nur die Nachricht, daß es den Republikanern gelungen die Wirrnis und die alarmierenden Symptome der letzten Wahlen oder aber er wird ein Ministerium des Blocks einberufen. Dann ist, die Oberhand zu gewinnen und zwar mit nur verhältnismäßig geringen Verlusten an Men­wäre die Lage genau dieselbe, wie beim Tode des Königs Carlos, schenleben. Man gewinnt nach den vorliegenden Nachrichten Die Regierung, die nur von einer Sorge fich leiten ließ: Wie immer die Lösung der augenblicklichen Schwierigkeiten er ben Eindruck, daß von der Bandarmee ein starker Prozentsaz für Verteidigung des Thrones um jeden Preis unter Hintan fegung aller folgen mag, es besteht gar kein Zweifel, daß alles darauf hindrängt, die Monarchie sich eingesetzt hat und daß es großer Geschicklichteis anderen Interessen, hat das einzige Mittel angewandt, das ihr Portugal in eine Republik umzugestalten. Und es ist zu hoffen, der neuen Männer bedarf, um sich überall durchzusetzen. Man blieb die Gewalt. Aber das portugiesische Bolt hat es fatt, daß das Land eine solche Umivälzung ohne große Schwierigkeit darf nicht übersehen, daß neben den republikanischen Deputierten den Moder und die Fäulnis weiter zu ertragen, an denen es langfam akzeptieren wird, und daß der Widerstand faum erheblich sein wird. noch im Lande eine sehr große Anzahl angesehener und finanziell dahinfiecht und es zeigte bei diesen Wahlen seinen festen Willen, fich Denn zu betonen ist: Heer und Marine, wenigstens die Matrosen mächtige Persönlichkeiten den Cortes angehören und daß diese sich nicht so ohne weiteres in den Hintergrund drängen lassen werden. au emanzipieren. Die Republikaner erzielten einen großen Sieg. und Soldaten sind auf Seite des Volfes. Man wird also mit ihnen paktieren müssen. Das war die endliche logische Antwort auf dreißig Jahre einer Politik der Reaktion, die Bolitik der Plutokratie und der Pfaffen.

bor der Welt vertuscht.

Ist die Republit einmal eingeführt, so wird auch für uns Sozialisten die Bahn frei. Denn so lange der jezige Bustand des

Paris , 5. Oktober. Der portugiesische Republikaner Magalhaes Rima erklärte unserem Korrespondenten gegenüber, daß er ein aus