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Nr. 56.

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Berliner Volksblatt.

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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Demokratische Probleme.

Dienstag, den 7. März 1911.

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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

Seit dem Jahre 1848 unterscheidet es sich von ihnen wenigstens mehr entwickelt, und aus dem Unterschied kann schließlich ein in Westeuropa durch das Vorwärtsstürmen überhaupt. Gegensatz werden, und mitunter ein recht schroffer Gegensatz, wenn nicht starke Gegentendenzen auftreten, die diese Entwickelung hemmen.

Wo es zu einer derartigen gegenseitigen Entfremdung kommt, wird sie natürlich von beiden Seiten unliebsam empfunden, und die nächste Folge ist in solchen Situationen immer die moralische Entrüstung: hier über die ängstliche Leisetreterei", dort über den " Unverstand der Massen". Indes, wie immer, wo es sich um Er­scheinungen handelt, die nicht zufällige individuelle Besonderheiten darstellen, sondern aus den gesellschaftlichen Verhältnissen mit Not­wendigkeit entspringen, hilft auch hier die moralische Entrüstung nicht viel. Nicht ein Verurteilen, sondern ein Begreifen tut not. Das rücksichtslosere Vorwärtsdrängen der Massen, die größere Behutsamkeit der Führer sind beide gleich unvermeidlich. Wer in der proletarischen Bewegung wirkt, tut gut, mit beiden zu rechnen. und man kann auch nicht sagen, daß eine der beiden Erscheinungen schädlicher oder nüßlicher wäre als die andere. Durch die harmo­nische Zusammenfassung beider hat die Arbeiterbewegung bisher ihre größten Fortschritte erzielt, wenn diese Zusammenfassung be­gleitet war von Entschlossenheit und Klarheit.

Der Bauer und der Kleinbürger und noch mehr der eigentliche Bourgeois unterscheiden sich vom Proletarier dadurch, daß sie etwas In den letzten Wochen ist in Hamburg eine sehr leb- zu verlieren haben. Schon das macht sie ängstlich. Andererseits hafte Diskussion geführt worden, die ihren Ausgangspunkt haben sie keine Welt mehr zu gewinnen, wie sie vor den bürger­von einem Vortrage Massen und Führer" des Gnossen lichen Revolutionen noch glaubten. Eine neue, bessere Welt ist nur b. Elm nahm. Der Vortrag knüpfte an die Fatlassung noch zu erobern auf der Grundlage des Sozialismus, durch Auf­zweier Beamten des Metallarbeiterverbandes an, Sie mit den hebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, also durch Mitgliedern in Konflikt geraten waren. Elm wandte die Aufhebung der Grundlage der besitzenden Klassen. sich sehr entschieden gegen diese Entlassung, wofür er das un- Etwas höher als die Masse in den liberalen Parteien stehen begründete Mißtrauen, das in manchen Gewerkschaftskreisen ihre Führer. Diese werden meist aus der Intelligenz genommen, gegen die Beamten herrsche, verantwortlich machte. Im An- ihre Einkommen fließen vornehmlich aus ihren geistigen Fähig­schluß daran machte er einige allgemeine Ausführungen über feiten, nicht aus ihrem Besit. Sie haben also weniger zu verlieren das Verhältnis der Massen zu den Führern, die sowohl in als jene Elemente, die nur auf ihren Besiz, nicht auf ihre Per der Versammlung als in der Presse auf Widerstand sönlichkeit vertrauen. Sie sind aber auch durch ihre Vorbildung stießen und den Anlaß zu weiteren Erörterungen gaben, und Beschäftigung in der Regel weiterblickend als der liberale die leider nicht immer frei von persönlichen Gereizt- Philister; sie erkennen leichter als dieser manche Notwendigkeiten heiten blieben. Der Tenor des Elmschen Vorschlages der Entwidelung. ging aber auf den Vorschlag hinaus, die gewerkschaft- Daraus ergeben sich manche Disharmonien zwischen Führern liche Verfassung durch stärkere Benügung repräsentativer und Massen liberaler Parteien, daraus folgt aber auch, daß wir Einrichtungen auszubauen und so den demokratischen Einfluß uns nicht durch das Entgegenkommen täuschen lassen dürfen, das der Mitglieder zu stärken, zugleich das beste Mittel, dem Ent- uns zeitweise manche jener Wortführer in Presse und Parlamenten stehen von Differenzen zwischen Massen und Führern vorzu- beweisen; denn bei jedem ernsthaften Schritte uns entgegen, werden beugen.& I m vertrat den Vorschlag in einem Artikel Massen sie von ihrem Gefolge im Stiche gelassen. Das hat der Freisinn und Führer" in der Neuen Zeit"( Nr. 15) und seine Aus bei Stichwahlen und ähnlichen Gelegenheiten unzählige Male be­führungen wurden wesentlich unterstützt durch die interessanten wiesen. aus gründlicher Sachkenntnis stammenden Darlegungen Ganz anderer Art ist der Unterschied zwischen Führern und Adolf Brauns über Gewerkschaftliche Verfassungsfragen" Massen in den proletarischen Kampfesorganisationen. Er entspringt in Nr. 19. Nun benüßt Karl Sa utsty die Gelegenheit, daß bor allem daraus, daß wohl der einzelne Arbeiter nichts zu ver­feine Schrift Parlamentarismus und Demokratie" demnächst lieren hat als seine Retten, daß es aber mit seiner Organisation mit Erfolg. in neuer Auflage erscheint, um in seiner so klaren und lehr- nicht ebenso steht. reichen Art das Problem zu behandeln. Wir geben daher im folgenden unseren Lesern einen Abdruck dieser Ausführungen. I. Massen und Führer.

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Seit einiger Zeit erstarkt wieder die Kritik des Parlamenta­rismus in unserem Lager. Man spricht von seinem Niedergang, hält ihm zwar nicht mehr die Volksgesetzgebung, wohl aber die direkte Aktion entgegen. Diese Anschauungen stüßen sich auf die Tatsache, daß die Parlamente, auch die Volkshäuser", wie das österreichische, immer weniger leisten, immer mehr versagen. Das ist eine notwendige Folge davon, daß die besitzenden Klassen politisch immer konservativer werden, daß sie sich durch jede größere Aende­rung des Staatslebens in ihrem Bestande bedroht fühlen. Bei den bestehenden Machtverhältnissen muß das auch bei der freiheitlichsten Verfassung zu einer zunehmenden Stillsetzung der politischen Maschinerie führen.

Aber nur zu leicht sieht man als Schuld des Werkzeugs an, was Schuld derjenigen ist, die es handhaben. Statt vom Nieder­gang der bürgerlichen Parteien zu sprechen, der sich überall, also auch in den Barlamenten äußert, spricht man vom Nieder­gang des Parlamentarismus auch in dem Sinne, daß die Ein­richtung des Parlaments und die Teilnahme des Proletariats an den Kämpfen im Parlament und um das Parlament für seinen Emanzipationskampf immer zweckloser werde.

Da erscheint es mir nicht für überflüssig, das Intereffe und das Verständnis für den Parlamentarismus wieder neu zu be­leben.

Sollte es meinem Schriftchen gelingen, dazu beizutragen, dann wird es schon dadurch seinen Zweck erfüllen. In den letzten Jahren hat aber auch die Jdee der Volksgesetz­gebung wieder Aktualität gewonnen, freilich in einem anderen Sinne, als zur Zeit der ersten Auflage meiner Schrift. Die Frage wird heute diskutiert nicht mit Beziehung auf die Organisation des Staats, sondern mit Beziehung auf die innere Organisation der proletarischen Organisationen, der Gewerkschaften, Ge­nossenschaften, der Partei.

Das ist aber keine so einfache Sache und gelingt oft nicht. Dann kommt es zu Friktionen, die der Sache des Proletariats nicht förderlich sind. So finden wir augenblicklich in England die Er­scheinung, daß in manchen Gewerkschaften die Mitglieder gegen die taktischen Anordnungen ihrer Führer nicht bloß protestieren, son­dern auch handeln, daß sie im Gegensatz zu ihnen streiken. Sie fühlen sich von den Beamten ihrer Gewerkschaften förmlich ver­fauft und verraten, bäumen sich mit größter Erbitterung gegen deren Abmachungen mit den Unternehmern auf, und nicht selten Aber so gerechtfertigt solche Streifs jebt in England sein In vollstem Gegensatz zu der Geringfügigkeit des indivi- mögen, so sehr die Energie und Einsicht zu begrüßen ist, duellen Aufstiegs des Arbeiters, die am Zustand der Gesellschaft die dabei zutage trat, so ist der schroffe, unüberbrückbare Gegen­gemessen ein Abstieg ist, steht der Fortschritt der proletarischen sak zwischen Führern und Massen, der sich dabei geltend macht, Organisationen- Partei, Gewerkschaft, Genossenschaft. doch ein großes Uebel. Es herbeizuführen, kann nur dann gerecht. Aus lächerlich unbedeutenden, zwerghaften Anfängen sind sie zu fertigt sein, wenn dadurch ein noch größeres Uebel, das Bersagen riesenhaften Dimensionen angewachsen, die an Ausdehnung und der Führer, aufgehoben wird. Wiederholt es sich, dann bedeutet es Kraft die anderen gesellschaftlichen Gebilde immer mehr über die Vertreibung des Teufels durch Beelzebub, die Auflösung der holen und die Macht der Arbeiterklasse enorm steigern, auch wenn Disziplin und der Organisation selbst. Die Lähmung der Organi­sie nicht immer ihr Einkommen zu erhöhen vermögen. Durch sation durch die Führer wird dann geheilt auf dem Wege der sie ist der Proletarier ein Faktor geworden, vor dem die Herren Lähmung der Organisation durch die Massen. der märchenhaftesten Reichtümer, der unbesiegbarsten Armeen Respekt gewonnen haben, vor dem sie nicht selten zittern. Durch seine Organisationen erscheint ihm das Größte erreichbar, durch fie hofft er zum Herren der Welt zu werden.

Man hat mich vor einiger Zeit gescholten, als ich in meinem ,, Weg zur Macht" konstatieren mußte, daß in den letzten Jahren die Steigerung der Löhne von der der Lebensmittelpreise über­holt wurde. Damit hätte ich die Werbekraft der Gewerkschaften geschädigt. Aber man unterschäßt diese Kraft, wenn man annimmt, fie hänge bloß von dem Vermögen ab, die Löhne der Arbeiter zu steigern. Auch wo sie dies nicht bermag- und mit solchen Situas tionen hat jede Gewerkschaft zu rechnen, ist sie unschäßbar für den Arbeiter, den sie in einen anderen Menschen verwandelt, aus einem scheuen, hoffnungslosen Paria in einen aufrechten, freien Mann, der keinen Höheren über sich erkennt, der sich jedem Macht­haber ebenbürtig fühlt.

Jedes wollende Wesen entwidelt aufs stärkste aus dem Willen zum Leben den Willen zur Macht, zur Kraft, sobald es auf Wider­stände stößt, die nur durch Machtentfaltung zu überwinden sind. Beim Proletarier wird naturgemäß der Wille zur Macht der Wille zur Organisation. Sein Weg zur Macht ist der Weg zur Organi­fation. Darauf beruht deren Lebenskraft, auch wenn sie dem Ar­beiter nicht sofort eine Lohnerhöhung schafft, sondern von ihm Opfer heischt, wie es ja am offenkundigsten bei der politischen Organisation der Fall ist.

Die Organisation, das ist die Errungenschaft im kapitalistischen Je umfangreicher diese Organisationen werden, desto schwie- Produktionssystem, die der Proletarier zu verlieren hat. An ihr riger und schwerfälliger wird für sie die direkte Gesetzgebung" hängt er, fie gefährdet er nicht ohne Not. durchs Volt, die in diesen Fällen allerdings weniger Gesetzgebung Dadurch wird bei jedem organisierten Arbeiter die Rücksichts­als Verwaltung und Kampfesführung durchs Volt darstellt. losigkeit und Unbekümmertheit etwas abgeschwächt, mit der sich der Gleichzeitig wachsen die Aufgaben ihrer Verwaltung und Leitung, unorganisierte in den Kampf wirft, wo nur immer eine Gelegenheit die immer weniger nebenbei, als Feierabendarbeit, neben oder nach dazu vorhanden. Innerhalb der organisierten Arbeiterschaft selbst der Erwerbsarbeit erledigt werden können, die eigene Beamten aber wird sich das Bedürfnis nach Behutsamkeit wieder stärker bei erfordern, deren ganze Zeit und Kraft diesen Aufgaben gehört. jenen äußern, die die Organisation leiten, die Verantwortung für Damit erstehen Verhältnisse, die repräsentative Einrichtungen, ihren Bestand und ihre Leistungsfähigkeit tragen, deren ganze " Bolfsvertretungen"," Parlamente" wünschenswert machen. Persönlichkeit der Organisation gehört, als bei jenen, die einfache Sie werden wünschenswert, nicht wie im Staate durch die Mitglieder sind, nur für sich selbst eine Verantwortung tragen und Interessengegensätze der Klassen, sondern durch die psychischen in der Organisation nur ein Stückchen ihres Tätigkeitsgebietes Unterschiede zwischen Führern und Geführten. Fast bei jeder sehen. Der Unterschied zwischen ungeduldig vorwärtsdrängenden Stampfesorganisation sind solche Unterschiede festzustellen, nicht bei Massen und zur Behutsamkeit mahnenden Führern wird in dem jeder sind sie die gleichen. So wurde schon oft die Beobachtung ge- Maße größer, als die Organisationen wachsen und die Aufgaben macht, daß in proletarischen Organisationen des politischen oder ihrer Leitung zur dauernden Berufsarbeit eigens dazu bestellter ökonomischen Kampfes die Massen meist ungestüm vorwärts drän­gen, die Führer eher bremsen. Bei der bürgerlichen Demokratie der letzten Jahrzehnte finden wir meist das umgekehrte. Sehr oft wollten da die Führer vorwärts, sie wurden dann aber von ihren Leuten im Stiche gelassen, eine Erfahrung, die sie freilich auch selbst wieder ängstlich und behutsam macht.

Beamter werden, die den psychologischen Einwirkungen dieser Arbeit natürlich viel stärker unterworfen sind als Funktionäre, die ge­legentlich aus der Masse emportauchen, um nach einiger Zeit wieder in ihr zu verschwinden.

Je größer die Organisation, desto unübersichtlicher aber auch ihr Gebiet, desto zahlreicher und meist auch geschlossener ihre Feinde, Die Unterschiede hier wie dort liegen in der verschiedenen desto mehr steht bei jedem Kampfe auf dem Spiele. Damit wächst Klaffenlage der Geführten. Der Proletarier hat nichts zu verlieren nicht nur das Maß der Verantwortung der Leiter, es wachsen auch als feine Ketten. Er hat eine Welt zu gewinnen. Ungestüm drängt die Anforderungen an ihre Kenntnisse. Sie müssen sich jetzt mit er vorwärts. Seit den Tagen der französischen Revolution, ja seit Dingen vertraut machen, die dem einfachen Mitglied nicht nahe jenen der englischen der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, ist liegen, die die Masse oft nicht genügend kennt. das Proletariat die revolutionäre Klasse par excellence. Damals So wird mit steigendem Wachsen der Organisationen der unterschied es sich indessen von Kleinbürgern und Bauern nur Unterschied im Denken und Empfinden zwischen Führern und burch die Wucht und Rücksichtslosigkeit seines Vorwärtsstürmens. Massen, den sie vom Anfang an im Reime in sich tragen, immer

Wo solche Differenzen vorkommen, ja schon dort, wo sie drohen, wird es dringend notwendig, nach Einrichtungen zu suchen, die verhindern, daß die Entfremdung zwischen Massen und Führern so weit fortschreitet; Einrichtungen, die es beiden Teilen erleichtern, in ersprießlicherer Weise aufeinander und miteinander zu wirken.

Aber genügen nicht schon die bestehenden Formen der Demo­fratie in den Organisationen des Proletariats dazu? Die Beamten werden von den Mitgliedern gewählt; die Anordnungen der Be­amten unterliegen oft, wenn sie einschneidender Bedeutung sind, der Bestätigung durch die Urabstimmung der Mitglieder. Genügt das nicht? Die jetzigen Erfahrungen in England zeigen, daß diese demokratischen Formen nicht stets genügen.

Sicher werden die Beamten der proletarischen Organisationen von den Mitgliedern gewählt. Aber das besagt nur, daß sie im allgemeinen vollkommenes Vertrauen genießen, feineswegs aber, daß auch jeder ihrer einzelnen Schritte allgemein ge­billigt wird. Und die Aufgaben eines Gewerkschaftsbeamten sind heute so mannigfaltige, sie erfordern so viele Spezialfenntnisse, sollen sie richtig erfüllt werden, daß man nicht wegen einer vorüber­gehenden Differenz einen eingearbeiteten Fachmann fallen läßt, um einen unerprobten Neuling an seine Stelle zu setzen. Dazu kommt noch, daß die Verschiedenheiten zwischen Massen und Führern, von denen hier die Rede ist, nicht zufällige sind, sondern solche, die aus der Verschiedenheit der Funktionen von Führern und Massen in der Organisation entspringen.

Da so ziemlich alle Beamten übereinstimmende Funktionen und übereinstimmende Mittel der Informierung haben, stimmen fie auch so ziemlich in ihren Auffassungen überein. Durch die Volkswahl der Beamten wird daran nichts geändert. Sie kann nur die Personen ändern, nicht aber die Verhältnisse, die deren Denten und Fühlen bestimmen.

Aber die direkte Gesetzgebung durchs Volf", die Urabstim­mung? Sie ist ein ganz zwvedmäßiges Mittel bei kleinen Organi­fationen, aber sie wird immer umständlicher und schwerfälliger bei großen. Die Frage, die am ehesten eine Differenz zwischen Massen und Führern hervorrufen kann, ist die, ob eine Aktion im gegebenen Falle wünschenswert ist oder nicht. Diese Frage erheischt oft die rascheste Beantwortung. Mitunter liegt die einzige Aussicht des Erfolgs in der überraschenden Schnelligkeit des Losschlagens. Andererseits erheischt die Beantwortung dieser Frage, daß man die eigenen Kräfte sowie die des Gegners kennt, während es gleich. zeitig notwendig ist, diesen über die eigene Leistungsfähigkeit im dunklen zu halten. Endlich, daß man weiß, wie nicht nur in der eigenen Lokalität, sondern in allen Lokalitäten, die in Betracht kommen, die Verhältnine liegen.

Bei einem großen Industrieverband, der zum Beispiel über das ganze Deutsche Reich verzweigt ist und mannigfache Berufe umfaßt, bermag man das nicht leicht festzustellen. Die Massen der einzelnen Lotalitäten werden immer der Gefahr unterliegen, von lokalen Gesichtspunkten übermäßig beeinflußt zu werden. Oft fehlt die Zeit, sie über alle Verhältnisse aufzuklären, vielfach ver­bietet es sich sogar, denn nichts ist törichter, als sich am Vorabend einer Aftion vom Gegner in die Karten schauen zu lassen.

Alles das bewirkt, daß die Urabstimmung als Mittel der Ein leitung einer Aftion immer mehr versagt. So wie die Staaten, so wachsen auch die Organisationen des Proletariats, so bald sie