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Nr. 146.

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Berliner Volksblaff.

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Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Sonntag, den 25. Juni 1911.

Der achte Gewerkschaftskongreẞ.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

-

gaben die

Für die Kämpfe

Streits und Aussperrungen

freien Gewerkschaften von 1900-1910 aus:

1900

2 625 642 M.

1906

13 748 412 M.

.

1901

1 878 792

1907

13 196 363

"

"

1902

1 930 329

1908

4 819 399

"

1903

4 529 672

1909

6 904 431

"

"

1904

5 869 519

1910

"

Von der Waterkant" aus, von Hamburg , wo sie zuleht| Wege die maßgebenden Instanzen zur Abhilfe anzuregen. 19 068 972 tagten, sind die Gewerkschaften mit ihrem achten Kongreß elb- War man noch im Zweifel, welches der Ort für den kommen­Das Jahr 1910 mit feinen Riefenkämpfen, Bauarbeiter­aufwärts gezogen nach der Hauptstadt eines Landes, das im den Gewerkschaftskongreß sein könne, so war dieser gegeben auseinanderseßung, Werftarbeiterschlacht usw. usw., es hat die freien deutschen Wirtschaftsleben eine nicht minder wichtige, wenn in dem Augenblick, als die Gewerkschaften den Plan gefaßt Gewerkschaften bereit gefunden! Und so soll, wird und muß auch ganz anders geartete Rolle spielt als der Welthafen an hatten, sich an der Ausstellung zu beteiligen. Auf welche Weise es bleiben! der Mündung der Elbe . Ja, man kann sagen, daß die Be- ihre Absichten zunichte gemacht wurden, ist unseren Lesern Die Arbeiterorganisationen werden sich nichts von dem ent deutung Hamburgs nicht die gewaltige sein könnte, wie sie es nur zu befannt. reißen lassen, was unter bitterer Mühe und Not errungen worden tatsächlich ist, wenn nicht am Oberlauf der Elbe Sachsen läge, Die Tagesordnung des Kongresses in Dresden läßt er- ist. Sept gilt es, die dritte million im noch unorganisierten ein Industrieland, in dem die moderne Fabritarbeit nicht fennen, daß dort ernste, fördernde Arbeit geleistet werden soll, Proletariat zu werben, jeder erfülle seine Pflicht, dann geht es nur die gewaltigen Städte erobert hat, sondern längst aufs Die deutsche Arbeiterbewegung hat die Richtlinien für ihre vorwärts!!! Land hinausgezogen ist, weil sie Platz und Menschenhände Tätigkeit allmählich festgelegt. Die Zeit der Kämpfe in der brauchte. Und mit der induſtriellen Entwickelung dieses Arbeiterschaft um die Stellungnahme zu dem einen oder dem Arbeiterschutz und Arbeiterversicherung. Staates hat auch seine soziale Entwickelung Formen an- anderen Problem ist zwar nicht völlig dahin, dahin aber ist genommen, die ihn so recht nicht nur zu einer Heimat der die Zeit der Leidenschaft, mit der diese Kämpfe untereinander dieser Tagung eingehend mit der Arbeiterschutzgesetzgebung be Es lag nahe, daß der Gewerkschaftskongreß sich gerade bei modernen Arbeiterschaft, sondern auch zu einem Lande der geführt wurden. Man hat sich besonnen, daß es notwendig schäftigt. Einmal harren noch verschiedene Gesetzesvorlagen, die dieser Tagung eingehend mit der Arbeiterschutzgesetzgebung be modernen Arbeiterbewegung gemacht hat. In Sachsen ist, vor allen Dingen die Front dem Gegner zuzuwenden. Aus fozialpolitisch wichtige Fragen berühren, im Reichstag der Er­Hat die politische Organisation der Arbeiter einen Umfang dieser Absicht heraus ist das Programm diktiert, das sich die ledigung, dann aber wird die soeben beendete Reform ber und eine Höhe erreicht, wie in wenigen Staaten sonst. modernen Arbeitertagungen zu geben pflegen. Aus dieser Arbeiterversicherung ein kräftiges Nachwort erfordern. Jr Sachsen hat die Presse der Arbeiterschaft eine Verbreitung Absicht und der, auch die Schäden des modernen Wirtschafts­und eine Bedeutung, wie anderwärts nur in wenigen großen systems von der Arbeiterschaft abzuwenden, versteht man auch Zentren der Arbeiterbewegung. In Sachsen haben auch die das Programm der Dresdener Tagung. wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter einen Umfang und Die Zeiten des Kampfes um die Form der gewerkschaft­eine Geschichte, die sie getrost ihr Haupt neben den gleichartigen lichen Organisation sind zum Glück für die deutsche Arbeiter­Koalitionen anderer Länder erheben läßt. Und die sächsische schaft bei uns für immer vorbei. Auch der Bruderzwist mit Arbeiterschaft hat gegen das Unternehmertum Stämpfe zu dem politischen Teile der modernen Arbeiterschaft, der eine führen gehabt, und hat sie ehrenvoll geführt, die nie aus dem Zeitlang so verbitternd auf die Debatten einwirkte, iſt be­Andenken der Arbeiterschaft verschwinden werden. Wer denkt hoben. Für beide Teile der Arbeiterbewegung ist der Weg an Sachsen , wer denkt an seine gewaltige Textilindustrie, für wirklich praktische Arbeit frei. Schon der Gewerkschafts­ohne sich nicht gleicherzeit der tapferen Crimmitschauer Weber fongreß in Hamburg konnte den noch vorhandenen Rest von Konfliktsstoffen mit einer ruhigen Handbewegung auf die zu erinnern? noch einen Reſt.

Daß die sozialpolitische Gesetzgebung in Deutschland einen sehr schleppenden Gang geht, unterliegt feinem Zweifel. Einfluß­reiche Kräfte sind ständig an der Arbeit, sofort den Hemmschuh an­aulegen, wenn der Karren ein wenig vorwärts geschoben wird. Allen voran der Zentralverband deutscher Industrieller, der jedem sozialpolitischen Fortschritt sich entgegenstellt und dabei gute Fühlung mit dem Reichsamt des Innern unterhält. Mehr oder weniger bewegen sich die übrigen Unternehmerorganisationen in demselben Gleife. Unausgesetzt sind die Innungen, Handels-, Handwerks- und Gewerbekammern bemüht, durch Petitionen an den Reichstag und persönliche Vorstellungen ihrer Vertreter Maß­nahmen zu bekämpfen, die auch nur entfernt den Unternehmern irgendeine Beschränkung zum Nußen der Arbeiter auferlegen. Diese Einwände haben immer größere Beachtung gefunden bei den vorhandenen Klassengegensäßen die herrschende Klasse ihre ihrer Rorporationen, denn in der kapitalistischen Gesellschaft wird. Interessen jederzeit in den Vordergrund stellen.

Wenn diese Bedeutung Sachsens in der gewerkschaftlichen Seite schieben. Der Kongreß in Dresden findet davon kaum als die noch so gut begründeten Forderungen der Arbeiter und

feit zuwenden.

als sie mit den Interessen des Unternehmertums vereinbar ist, Der Sozialpolitik wird mithin der Weg nur soweit geebnet, höchstens bequemt man sich zu einigen Stonzessionen, sobald dem Drängen der Arbeiterschaft nicht mehr auszuweichen ist.

Arbeiterbewegung dadurch nicht offen zutage tritt, daß in diesem So kann er ganz sich der Aufgabe widmen, Forderungen twichtigen Industriezentrum Deutschlands sich auch eine größere Zahl von Zentralverwaltungen der Gewerkschaften angesiedelt an die Herrschenden aufzustellen, die im Interesse der deut­ schen Arbeiterschaft, erfüllt werden müssen. Und er kann die haben, so ist dies nur eine Folge der. durch die wirtschaft Waffen schmieden zur Abwehr der Angriffe, die ein rücksichts­lichen Gegensätze bedingten politischen Reaktion. Staaten wie loses und profitgieriges Unternehmertum mit Hilfe der Ge­Sachsen und Preußen zwangen die Gewerkschaften, ihre wichsetzgebung auf die Arbeiterschaft plant. Und der inneren tigsten Organe vor den Eingriffen der Behörden in Schutz zu Vertiefung der Arbeiterbewegung kann er seine Aufmerkſam­Dem verdanken wir wohl zu einem wesentlichen Teil die bringen, indem sie ihre Zentralinstitutionen nach Orten mit Novelle zur Gewerbeordnung vom Jahre 1908, die den Arbeite­weniger scharf entwickelten wirtschaftlichen Gegensäßen oder Es gibt keinen deutschen Arbeiter, sei es innerhalb der rinnen den Behnstundentag brachte. Der einzige beachtliche Fort­mit freiheitlicheren politischen Einrichtungen verlegten. So tam Hamburg , so tamen die süddeutschen Staaten dazu, die Partei, sei es innerhalb der Gewerkschaften, der sich der un- schritt, den der Reichstag auf dem Gebiete des Arbeiterschukes herbeiführte. Ein Fortschritt, der allerdings an Bedeutung ein­Mehrzahl der Gewerkschaftszentralen zu beherbergen. Und sinnigen Hoffnung hingäbe, Beschlüsse der Arbeiterschaft büßt, da die Gewerkschaften bereits in ganz erheblichem Umfange allein genügten, die Angriffe der Scharfmacher abzuwehren die zehnstündige Arbeitszeit und weitere Herabsehungen errungen erst die Unbequemlichkeit für manche Organisationen, die von oder die Regierung zu sozialpolitischen Maßnahmen zu be- hatten. Auch weniger ein Erfolg der deutschen Sozialpolitik, da ihnen beherrschten Gebiete von dort aus zu bearbeiten, führte wegen. So leicht schrecken die Scharfmacher nicht zurück, so die Einführung des Behnstundentages einer internationalen Ber hinterher zur Uebersiedelung nach Berlin . leicht beugt keine Klassenstaats- Regierung sich Arbeitern. einbarung entsprach, der sich andere Industriestaaten gleichfalls Ist die sächsische Arbeiterbewegung für das Land ein Aber die Beschlüsse in Dresden geben dem Willen Aus- unterstellt hatten. Wie rückständig Deutschland auf diesem Ge Ruhm, so ist der Jammer, den die moderne Industrie vielfach druck von über zwei Millionen Staatsbürgern, nicht von biet des Arbeiterschutes ist, dafür genügt es hervorzuheben, daß in seine fernsten Gaue trug, das gerade nicht. Und sprich einzelnen, sondern von einer scharf umrissenen Masse, von nahezu in allen bedeutenden Industriestaaten auch eine Marimal­wörtlich im schlimmen Sinne ist das Elend speziell der Haus- einem fest organisierten, gut disziplinierten Millionenheere! arbeitszeit für männliche Arbeiter vorgeschrieben ist. Die Schweiz ist jetzt dazu übergegangen, in einer Vorlage industrie Sachsens . Da schien die in Dresden geplante Das Wollen einer solchen Masse ist schon eine Tat! Darum an den Nationalrat den Behnstundentag allgemein für die In­Hygiene- Ausstellung der Drt, einmal die Finger an die Wunde blicken die Gegner der Arbeiterbewegung mit nicht zu ber- bustrie in Borschlag zu bringen, nachdem seit 34 Jahren der Elf­zu legen, und die Schäden dieses Systems vor aller Augen leugnender Besorgnis, die Arbeiter selbst mit gespannter Auf- stundentag Geltung hatte. offen aufzudecken. Die Gewerkschaften ergriffen mit Freuden merksamkeit, mit unverhohlenem Stolz und freudiger Hoff­Die deutsche Regierung hat sich seinerzeit, als in der Kome die ihnen scheinbar gebotene Gelegenheit, auf dieser Aus- nung auf das Arbeiterparlament in Dresden . mission des Reichstages der Antrag auf Einführung eines Zehn­stellung ein wahrheitsgetreues Bild von den tatsächlichen Ver- Mag der achte deutsche Gewerkschaftskongreß die auf ihn stundentages für männliche Arbeiter zur Debatte stand, ent­hältnissen der Heimindustrie vorzuführen, um auf diesem gefeßten Hoffnungen erfüllen! schieden dagegen ausgesprochen. Es bleibt bei der Beschränkung auf die Arbeiterinnen, und die vielgerühmte deutsche Sozialpolitik mußte auf den Ruhm verzichten, das Ausland zu überflügeln, nicht einmal die Gleichstellung war ihr bergönnt.

Bei der dritten Tillion!

die 8ahl ihrer Anhänger! Ende 1910 waren es schon 2 128 021, heut etwa 2 200 000 Mitglieder!

Im Jahre 1891 noch ein fleines Häuflein, das fortgesetzt unter Die Vertreter der freigewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen der letzten Wut des Sozialistengeſetzes noch zu leiden hatte, und werden nächste Woche in Dresden den Rechenschaftsbericht heute in der dritten Million, wer will dagegen noch ankommen? der Generalfommission der Gewerkschaften Deutschlands für die Die Entwickelung seit jener Beit zeigt die folgende Busammen Beriode vom Juni 1908 bis Mai 1911 entgegennehmen. stellung: Mitgliederbestand Einnahmen Ausgaben Vermögen Jahr im Jahresdurchschnitt

1891 1895

1900

1905

1910

277 659 259 175 680 427 1 344 803 2017 013 1910( Ende) 2 128 021 1911( Mai) ca. 2 200 000

1 116 588 3 036 803 9 454 075 27 812 257 64 372 176

in Mart 1 606 534 2488 015 8 088 021 25 024 234 57 926 566

425845 1 640 437 7745 902

Ueberblickt man die Beschlüsse des Reichstages, dann könnte es allerdings erscheinen, als ob dem Fortschritt Tür und Tor ge öffnet sind und eigentlich sich nur die Regierung gegen die Er­füllung wichtiger sozialpolitischer Forderungen sträubt. Man wird indes die Befürwortung, die in unzähligen Resolutionen zum Etat niedergelegt sind, sehr vorsichtig aufnehmen müssen; sobald es an die gesetzgeberische Formulierung geht, bleibt nur noch das Wohlwollen der bürgerlichen Parteien übrig.

Ein trefflicher Beweis dafür ist die Ablehnung des Antrages bei der Reichsversicherungsordnung, die Altersrente vom 65. Jahre 19 635 850 an zu gewähren. Diese Entscheidung erfolgte, obgleich wiederholt 52 575 505 bie bürgerlichen Parteien die Forderung in Resolutionen erhoben und beschlossen hatten. Der Vorgang wird nicht vereinzelt bleiben, es gibt später tausend Wenn und Aber, hinter die die Einlösung des Geforderten verschwindet, oder es erfolgt in so abgeschwächter Form die Erfüllung, daß der ursprüngliche Antrag nicht wieders zuerkennen ist..

Es war eine stürmische Zeit, diese drei Jahre. Nur kurz fann da alles noch einmal berichtend aufgerollt werden, was die Arbeiterschaft in dieser Periode durchzittert und durchkämpft hat. Finanzreform, Arbeitstammergesey, Regelung der Heimarbeit, Entwurf eines Hausarbeitsgefeges, Novelle zur Gewerbeordnung, Gesetz über die Sicherung der Bauforderungen, Entwurf eines Stellenbermittelungsgesetzes Reichsversicherungsordnung; dann mehr immerer Art, die Beziehungen der Gewerkschaften zu den Genossen- Ein Stück gewaltiger Entwickelung, das die deutsche Arbeiter schaften, die Regelung der Maifeier und vieles andere, bewegung durchgemacht hat. Sie ist nicht umsonst gewesen. Die und zu guter Letzt noch als Finale der arbeiterfeindlichen Gesellschaft Hilfe, welche dem deutschen Proletarier seine Gewerkschaften seit von heute, die Episode der Nichtbeteiligung an der zwei Jahrzehnten gebracht haben, zählt nach Millionen von Internationalen hygieneausstellung es ist eine Mart und Millionen Stunden Arbeitszeitgewinn; Neihe großer Aufgaben gewesen, die es zu befriedigendem Ende in wirtschaftlich ungünstigen Zeiten haben sie ihn vor dem Versinken zu bringen galt, wenigstens, sowelt heute die Kräfte schon reichen. ins traurigste Elend des Hungernmüssens bewahrt, in seinen Kämpfen haben sie ihm die Finanzmacht gegeben.

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Haben die Scharfmachereien der Unternehmer, die sozialpolitische Rückständigkeit und Arbeiterschikanierung der Regierung den Seit 1900 zahlten die freien Gewerkschaften insgesamt 45 768718 Siegeszug der freien Gewerkschaften hemmen können? Nein und Mart an Arbeitslosenunterstügungen, dabei sind die dreimal nein!! Siegesgewiß sind die Massen vorwärts ge- Riefensummen für Kranken-, Invaliden-, Notstands- und Sterbe­zogen, immer größer, immer mächtiger wird ihre gewaltigste Waffe, unterstützunges noch nicht mitgezählt!

Diese Gebrechen haften auch den Vorlagen an, die dem Reichstag für die Herbsttagung zur Erledigung überwiesen sind. Das Arbeitskammergesez birgt in sich durch die große Zer­splitterung nach Berufsgliederung nur den Keim zu einer schwäch­lichen Entwickelung. Das Ausscheiden großer Berufsgruppen, das Verlangen, die Arbeitersekretäre von der Vertretung auszumerzen, sind weitere erhebliche Mängel.

Den geforderten Schutz der Heimarbeiter bringt bas Haus arbeitsgesetz nicht. Die Verordnungen, die Bundesrat, Landeszentral