Nr. 151.
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Vorwärts Libstr. 39
Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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Telegramm Adresse:
,, Sozialdemokrat Berlin".
Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Sonnabend, den 1. Juli 1911.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Entrechtete! Auf zum Proteft!
Erscheint massenhaft in den den Versammlungen am Dienstag!
Der Protest der Massen.
brandschen Desperado politik ein. Jordan v. Kröcher Wahlrechtsfeinde. Heute ist es auch nicht annähernd möglich, eine hat, indem er das unparteiische Präsidentenamt in illoyal ster Weise für einseitige Parteizwecke ausnutzte, genau nach dem Vorbild des Herrn v. Heydebrand der Zerstörungspolitik des Zentrums den Boden bereitet, und die Liberalen können ihm nur dankbar sein, daß er aus seinem Herzen so wenig eine Mördergrube machte. Ein ehrlich nationaler Politiker, dem es wirklich um den Kampf gegen die Mächte des Umsturzes zu tun ist, konnte diesen Ausgang einer Landtagssession nicht verantworten. Die Herren b. Heydebrand und v. Kröcher haben es getan. Ihre Stichwahlparole und diese Vorgänge deuten dahin: Sie wollen durchs Note Meer und achten keinen Standal zu gering, der dieses patriotische" Biel fördert.
llebersicht über alle geplanten Kundgebungen zu geben. Wir wollen uns für heute damit begnügen, jene Versammlungen unter freiem Himmel bekanntzugeben, die am Sonntag in der Provinz Brandenburg stattfinden werden. Solche Versamm lungen, neben denen in zahlreichen anderen Orten Versammlungen in geschlossenen Räumen stattfinden, sind einberufen in Rottbus, Frankfurt a. D., Finsterwalde , Brandenburg a. H., Neu- Nuppin, Zehdenick , Guben , Forst( Lausitz ), Jüterbog , Welten, Prenzlau , 2udenwalde, Rathe now , Lindow , Spremberg ( hier findet die Versammlung am Montag statt).
Die Junker im Dreiflassenparlament haben ihre Aufgabe gut erfüllt. Das frivole Spiel, das sie mit der Wahlreform getrieben, hat in ganz Preußen die Empörung aufflammen lassen. Ueberall rüsten sich die Massen zum Protest. Im ganzen Lande hat die Agitation mit größter Intensität ein gefeßt, überall sind Versammlungen einberufen. Der Wah I- tampf hat wieder begonnen und die Junker dürfen sich rühmen, das Signal zur Erneuerung des Kampfes gegeben zu haben. Aber nicht nur bei den entrechteten Massen bricht die Die Versammlungen werden meist auf großen städtischen Entrüstung über das Dreiklassenparlament mit elementarer Die Worte sind ja scharf genug und was über die Blägen abgehalten. Es kann gesagt werden, daß die Magistrate Wucht hervor. Auch die bürgerlichen Parteien Geschäftsführung des Herrn von Kröcher, über die Katastrophen- der meisten Städte uns die Plätze bereitwillig zur Verfügung ges rücken von den Junkern ab. Wir haben gestern darauf hin- politik des Herrn von Heydebrand gesagt wird, ist ganz richtig. stellt haben. Alles spricht dafür, daß die Beteiligung sich zu gewiesen, daß das Zentrum trotz aller Bündnistreue die Aber nicht minder richtig ist, daß diese konservative Politit einer massenhaften gestalten wird. Junker warnt, der Reform des Dreiklassenwahlrechts noch nur möglich ist infolge der nationalliberalen fänger einen Widerstand zu leisten, der schließlich doch vergeb. Schwäche und Feigheit. Ist es doch nur die fich sein muß. Daß die Sentrumspresse den Juntern io Feindschaft der Nationalliberalen gegen bittere Wahrheiten zu fosten gibt, beweist freilich nicht das das gleiche Wahlrecht, das den Konservativen es geringste für die Wahlrechtsfreundschaft der Klerifalen. Wohl immer wieder ermöglicht, der Wahlreform Steine in Die Diskussion über Heinemanns Referat zum Koalitionsrecht aber beweist es, daß die steigende Erbitterung in den Massen den Weg zu rollen. Die Nationalliberalen wollen ja wurde heute zunächst beendet. Dann kam es zur Abstimmung. es auch dem Zentrum nahelegt, den Versuch zu machen, den nicht das Recht des Volkes, sie wollen nur andere Die vom Vortragenden vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig Groll der Entrechteten durch Konzessionen zu beschwichtigen. Privilegien. Ihre Feindschaft gegen das gleiche Wahl- angenommen.
Dresden, 30. Juni 1911.
Freilich, noch glaubt das Bentrum das ganze und un- recht ist nicht geringer als die der Konservativen. Für die Angenommen wurde auch eine Resolution Knoll, in welcher der teilbare Recht des Boltes auf politische Gleichberechtigung politische Gleichberechtigung sind sie nicht zu haben. Des- Kongres Protest erhebt gegen die parteiische Stellungnahme der zu seinen Schacher- und Handelsgeschäften benußen zu können. wegen haben die scharfen Worte der Nationalliberalen staatlichen und kommunalen Behörden bei der Aussperrung der Noch ist ihnen die Wahlrechtsforderung nur ein Mittel, um Korrespondenz" auch feine Bedeutung. Die Politit der Na- Steinseher im Regierungsbezirk Merseburg.
die Konservativen mit der Drohung einschüchtern zu können, tionalliberalen unterscheidet sich von der der Konservativen Der Kongreß ging dann über zur Behandlung der äußerst es werde seinen wahlrechtsfreundlichen Worten auch Taten nur durch ihre größere Einfalt. Die Konservativen wollen wichtigen Fragen des Arbeitsnachweises und der Arbeitslosenfolgen lassen. Die schlauen Revolverpolitifer möchten an das Bestehende erhalten und wehren sich mit Zähnen und unterstüßung. Es liegt den Delegierten zu diesem Punkte eine dem Feuer unserer Wahlrechtsbewegung ihr Süppchen fochen. Klauen gegen jede Aenderung. Die Nationalliberalen bilden Denkschrift vor, welche Material enthält über die Arbeitslosigkeit So lange das Damoklesschwert der Wahlreform über den sich ein, sie könnten das Bestehende zerstören, um an in den Gewerkschaften sowie über die einzelstaatliche und komKonservativen schwebt, sind diese ja gezwungen, auf allen Stelle des alten Unrechts ein neues zu setzen. munale Arbeitslosenversicherung. Schon der Stuttgarter Gewerks politischen Gebieten dem Zentrum entgegenzukommen, um Nichts fann törichter fein, denn die Wahlrechts- schaftskongreß im Jahre 1902 forderte die Einführung einer Reichsden Lohn des flerifalen Wahlrechtsverrats einzuheimſen. bewegung, die start genug ist, die konservativen Vor- arbeitslosenversicherung. Die Gewerkschaften sollten nach jener Aber allzu lange wird das Zentrum dieses freble Spiel nicht rechte zu zerstören, auf denen heute die Vormachtstellung der Forderung Träger der Arbeitslosenversicherung sein. Ihnen sollten fortseßen fönnen. Heute freilich hat Herr von Zedlig, der Konservativen und des Zentrums ruht; diese Wahlrechts zu jenem Bwvede Beihilfen gewährt werden. Fortschritte hat seitdem grimmigste Feind des gleichen Wahlrechts, gewiß völlig recht, bewegung wird auch stark genug sein, um die Gefeßwerdung die Bewegung im Reiche nicht gemacht. Dagegen haben eine Anzahl wenn er schreibt: neuer Privilegien zu verhindern, die die Nationalliberalen von Gemeinden unter dem Zwang der Verhältnisse, namentlich Das Zentrum, das die weitaus meisten Stimmen für das zur herrschenden Partei machen und an Stelle der Diktatur unter dem Druck der letzten Krise, sich genötigt gesehen, der Frage Reichstagswahlrecht stellte, verlangt überdies gar nicht dessen der Junker und Klerikalen die des Großkapitals setzen sollen. näherzutreten. Umbreit als Referent stellte die Arbeitsalsbaldige Einführung, stedt mit seiner Zustimmung vielmehr Der pfiffige Gedanke der Nationalliberalen, mit dem Kalbe lofenfürsorge hin als eine öffentliche Pflicht. Als Grundlediglich einen langfristigen Wechsel auf eine nebelhaft ferne der Sozialdemokratie zu pflügen, wird sich nicht verwirt- lage zur Schaffung dieser Fürsorge' forderte er eine dauernd Zukunft aus. lichen. Aber diese nationalliberale Politik ist heute ein fortgeführte Statistik über die Arbeitslosigkeit, zu deren DurchAn den Massen ist es, durch diese Rechnung einen nicht geringeres Hindernis der Wahlreform führung die Hilfe der Gewerkschaften heranzuziehen ist. In der Siden Strich zu machen und von ihrer Energie hängt es als die konservative Feindschaft. Arbeitsvermittelung soll die private Tätigkeit ausgeschlossen werden. ab, wie kurz die Verfallszeit für diesen Wechsel sein wird. Dennoch sind diese Zerwürfnisse unter den bürgerlichen An ihre Stelle sollen öffentliche, gemeinnüßige und gebührenfreie Freiwillig wird das Zentrum in der Wahlreform troß aller Parteien beachtenswert. Beugen sie doch von dem Vor Arbeitsnachweise unter paritätischer Leitung treten. Die Disschönen Versprechungen keinen Schritt nach vorwärts tun, bringen des Wahlrechtsgedantens und beweisen tussion über diese Frage ist eine recht lebhafte. Es sprechen die aber dazu gezwungen fann es werden, wenn die Agita- fie doch die Richtigkeit der Klage eines bürgerlichen Blattes, Bertreter aller der Berufe, welche mit der privaten Arbeitsvertion für das gleiche Recht immer mehr die Massen ergreift, daß unsere Wahlrechtsagitation wie Sprengpulver die bürger- mittelung bedauerliche Erfahrungen machen mußten. Schwere Bewenn den Arbeitern des Zentrums flargemacht wird, wie lichen Parteien auseinandertreibe. Gewiß, man darf die denken äußert Cohen zu einem Artikel in dem Entwurf für die schmählich und entwürdigend es für sie ist, daß die Partei, Streitigkeiten im bürgerlichen Lager nicht überschägen und Arbeitslosenversicherung Charlottenburgs. Dort werden auch Verder sie bei den Wahlen zum Reichstag ihre Stimmen zur Ver- man muß immer darauf gefaßt sein, daß sie in entscheidenden einen oder Arbeitgebern die Befugnisse zugesprochen, statt Einzelfügung stellen, in Preußen ihre Rechtlosigkeit verewigt. Momenten beigelegt werden, um der Sozialdemokratie mit versicherungen solche für einen bestimmte Personenkreis abzus
Und wie das Zentrum darauf bedacht ist, den Anschein geeinter Macht gegenübertreten zu können. Aber auf der schließen Cohen fürchtet, daß, wenn dieses Beispiel Nachahmung zu vermeiden, daß es in der Wahlrechtsfrage die Geschäfte anderen Seite klären sie doch die Arbeiterklasse über ihre fände, dadurch den Unternehmern ein neuer Weg zur Gründung der Konservativen besorgt, so rüden auch die National- politische Macht auf. Einer Agitation, die die Massen gelber Organisationen gezeigt werde. Schließlich wird die Resoliberalen von den konservativen Wahlrechtsfeinden ab. ergreift, einer Forderung, hinter die das arbeitende Volt lution des Referenten angenommen. Die Nationalliberale Korrespondenz" wendet sich in schärffter seinen entschlossenen Willen stellt, nicht zu ruhen und Ueber die Stellung der Privatangestellten im Wirtschaftsleben Weise gegen die Konservativen, die auf dem Wege zum zu raften, bis sein Verlangen erfüllt ist, können sich auf die stellte dann Genosse Lange- Hamburg eine Anzahl Thesen auf, Roten Meer" begriffen seien. Das offizielle Organ der Dauer auch die bürgerlichen Parteien nicht ganz verschließen. die in dem Saze gipfelten, daß Arbeiter und Angestellte in eine nationalliberalen Parteileitung schreibt: Und eben deshalb ist es so wichtig, daß der Wahlrechts gemeinsame Kampfesfront zusammengehören.
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Angesichts des skandalvollen Ausklangs der tampf in vollem Umfang wieder auf- Der Kongreß tritt dann noch in die Beratung der sonstigen Landtagssession wird sich nunmehr wiederum, und zwar in ber- genommen, daß die Forderung des allgemeinen gleichen Anträge" ein. Diese Anträge betreffen Grenstreitigkeiten, stärktem Maße, der Ruf nach einer Aenderung des Wahlrechts geheimen und direkten Wahlrechts in Preußen auch in Boykott-, Verschmelzungsfragen usw. Sie werden teils zurüderheben, das uns zu solchen nicht mehr erträglichen Zuständen den Mittelpunkt des Wahlrechtstampfes ge- gezogen, teils ungenügend unterstützt. Angenommen wird cin gebracht hat. Das frivole Verhalten des Zentrums und rückt wird. Antrag der Schiffszimmerer an der Kieler Föhrde, der die
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der Konservativen in den letzten Tagen des Juni hat, mehr als Deswegen gewinnen auch die Protest versamm Branchenverbände auffordert, sich zu leistungsfähigen Industriedie Verhandlungen über den fortschrittlichen Antrag, dafür ge- sammlungen, die am Dienstag in Berlin und in der Verbänden zusammenzuschließen, abgelehnt ein Antrag des Gesorgt, daß jener Ruf im Lande draußen ein ganz anderes, weit Woche vom 2. bis zum 9. Juli in ganz Preußen stattfinden werkschaftskartells in Verden, der von der Generalkommission verfräftigeres Echo finden wird. Herr Jordan v. Kröcher wird werden, so große politische Bedeutung. Sie sollen langt, sie möge Verhandlungen zur Verschmelzung aller in der dem unerhörten Vertrauensbruch, der in dem Mig- den bürgerlichen Parteien zeigen, was für sie auf dem Spiele Nahrungs- und Genußmittelbranche bestehenden Verbände einbrauch der ihm übertragenen Präsidialgewalt, liegt, ein ganz steht, sie sollen anfündigen, daß die Macht des gleichen leiten. Ueber den letzteren Antrag mußte durch Auszählung bebesonderes Verdienst hieran zuweisen können. So unverant. Stimmrechts im Reiche in den Dienst der Eroberung des schlossen werden, weil das Resultat der Abstimmung zunächst unwortlich ist selten ein Präsident mit der wehrlosen Minder- gleichen Walrechts in Preußen gestellt werden wird. Deshalb flar schien. Die Ablehnung geschah mit 141 gegen 117 Stimmen. heit, die ihn selbst mit auf den ersten Stuhl des Hauses gesetzt kommt auch viel darauf an, daß die Entrechteten in Brenßen hat, umgesprungen, so daß sein Selbstverzicht auf die Wieder. diese Versammlungen zu einer eindringlichen Rundgebung wahl wohl der Ueberzeugung zu danken ist, daß er die Anwart. ihrer Entschlossenheit und ihrer politischen Einsicht zu gestalten schaft auf das erste Ehren- und Vertrauensamt des Hauses wissen. dauernd verwirkt hat. Denn seine" humorvolle Art" und seine„ Bonhommie" haben sich zuletzt doch als nadter
Die Protestbewegung im Lande.
Bynismus demastiert. Freilich fügte sich die Kröchersche„ Ge- In ganz Preußen rüsten die arbeitenden Massen zu Protestschäftsführung" aulegt völlig in den Nahmen der Heyde. fundgebungen gegen das schnöde Verhalten der Privilegienritter und