Nr. 206a.
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28. Jahrg.
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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin"
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Montag, den 4. September 1911.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Die Armee des Friedens.
Und die Massen marschieren, marschieren... Der Einberufung ihrer Organisation erkannt haben, daß der Krieg, den die Herrschenden herauszufordern wagen, nicht ihre leisten alle Arbeiter Folge. Pünktlich treffen die einzelnen an den zahllosen Sammelpunkten Sache, sondern die ihrer Feinde ist, das ist es, was diese proletarische Kundgebung scheidet ein. Dann formieren sich die Züge und ziehen durch die Straßen. Ruhig, ernst, würdevoll, von den Redensarten, die in ruhigen Zeiten so billig wie nichtssagend find.
stolz auf den Dienst, den sie ihrer hohen Sache heute leisten dürfen. Zug trifft auf Zug, bis Unsere Friedensdemonstration fand nicht statt in ruhiger Zeit, wenn Fürsten und Pfarrer, sich schließlich die Massen zu dem unabsehbaren Heerwurm zusammengeballt haben, den das Minister und Parlamentarier von Friedensliebe triefen. Sie fand statt in ernster Stunde, ungeheure Feld des Treptower Parkes allmählich aufnimmt. Eine Armee ist's, die da ver- wo an Stelle der offiziellen Friedensphrasen der düstere Hinweis auf die ultima ratio der ſammelt ist, eine Armee freilich eigener Art. Denn dem Kriege erklärt sie den Strieg und Waffen erfolgt, wo die Welt erfüllt ist von dem Lärm der Chauvinisten und dem Drohen der ihr Kampf gilt denen, die den Frieden gefährden. Kriegsinteressenten. Und ernst wie die friedensgefährdende Politik des Imperialismus ist
Die Kundgebung der Berliner Arbeiter im Treptower Park ist sicherlich die größte unsere Abwehr. Wir sind uns bewußt, daß wir die bürgerliche Welt in die Schranken fordern, Friedens demonstration, die die Welt je gesehen hat. Wenn noch irgendwo der indem wir uns der Gewaltpolitik entgegenwerfen, aber wir wissen auch, daß wir im Interleifeste Zweifel an dem unerschütterlichen Friedens willen des deutschen esse der überwiegenden Mehrheit der deutschen Nation handeln und Volkes bestanden hätte, der heutige Tag gibt Gewißheit über die wahre Gesinnung der daraus erwächst unsere Straft.
arbeitenden Massen. Die Riesenfundgebung vom 10. April ist noch über- Was ist es denn, das unsere Gegner so toben läßt, wenn wir die geheimnisvolle, troffen; noch größer war diesmal der Zustrom der Demonstranten. Würdig war dieser unheilverkündende Stille der diplomatischen Verhandlungen mit unseren Friedensrufen unterTag der Hauptstadt der deutschen Sozialdemokratie, der Hauptstadt der völkerverbrüdernden brechen? Was ist es, das sie nicht zufrieden sein läßt mit der Ausschaltung des Parlaments, daß selbst der unverhüllte Absolutismus, den sie in der auswärtigen Politik nach Willkür
Internationale.
Was aber dieser Kundgebung ihr besonderes Gepräge, ihre geschichtliche Bedeutung gibt, schalten lassen, ihnen nicht Genüge tut? Es ist die Einsicht, daß diese großen Aftionen der das ist der Geist, der sie erfüllt. Es war keine platonische Friedensbeteuerung, kein weh- arbeitenden Massen, daß die gehöhnte Politik der Hasenheide denn doch von ganz leidiges Slagen über ein unabwendbares Geschick, auch keine von jenen Sympathie- anderer Bedeutung für den Gang der Ereignisse ist, als sie eingestehen wollen. Denn das beteuerungen, die gerade dann vergessen werden, wenn es gilt, fie durch die Tat zu be- eine müssen sie erkennen, so verhaßt ihnen solche Erkenntnis ist: Einen Krieg kann heute weisen. Die da gestern beisammen waren, um die Erhaltung des Friedens zu wahren, sind kein Staat mehr führen ohne die Zustimmung, die Begeisterung der Massen. Und diese Zufeine Schwächlinge, die um ihr Leben zittern. Weun es sein muß, dann werden sie auch ihr ſtimmung ist für sie nicht zu erlangen, die Begeisterung für den Strieg können sie nicht wecken, Leben für ihre Sache einzusetzen wissen. Aber daß sie wissen, was ihre Sache ist, daß sie weil die unermüdliche Aufklärungsarbeit der Sozialdemokratie das Bewußtsein der arbeitenden
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Tribune 4.
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