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V- WS RkniMtntfltS'Bttftnsinis»: «Semnemenlä Preis DtfitrumetonSo! «iertcljShrl. 8�0 ÜJU, monatl. 1.10 Ml, wöchentlich 2b Pfg. frei ins Haus. einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- nummer mit illuslrierler Sonntags- Beilage.Die Neue Well' 10 Pfg. Post- Slbomiement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat. PostabonnememS nehmen an: Belgien , Dänemark Holland . Jtoli?«, Luxemburg , Portugal , Kumänien, Schweden und die Schweis vlchk« tlgn»«»» nwtatt. 28. Jahrg. DU Tnlerflons-fiebülfr Getrögt für die sechSgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum 00 Pfg.. für politische und aewerlschaftliche Vereins- Und Versaminlungs. Anzeigen 80 Pig. Kleine Anreizen", das fettgedrurlle Wort 20 Pfg. izulässig 2 fettgedrinfte Wortef, jedes weitere Wort>0 Pfg. Stellengesuche und Lchlafstellenan- iciaen das erste Wort 10 Pfg, jede» weitere Wort b Pfg. Worte über In Buch- slaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer Müllen bis fi Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden Die Erpedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. NevUnev Volksblatt. Zcntralorgan der rozialdcmokratifcbeti parte» Deutfcblanda. Telegramm> Adresse: »SStllllüiMS'ilfSl ksrU»". kedakrion: SM. 68, I�iiicletistrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. I9S3, Donnerstag, de« 5. Oktober 1911. Expedition: SM. 68, Lindcnetrasae 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die S(i)Ulreforn) der Sozial' demokratic. DaS vor einigen Monaten erschienene Buch deS Genossen Heinrich Schulz überDie Schulreform der Sozialdemokratie" (Kaden u. Co., Dresden ) erfreut sich dauernder Ungnade bei der Zentrumspresse. Schon gleich nach seinem Erscheinen zogen die Zentrumsblätter in allen Gegenden Deutschlands zornig vom Leder, weil sie die im Buche hier und da zutage tretende Uebereinstimmung einiger Forderungen der fortschrittlichen Lehrerschaft mit den nächsten Schulforderungen der Sozial- demokratie kränkte; besonders die Forderung der reichsgesetz- lichen Regelung des Schulwesens hatte es dem Zentrum an- getan, und mit unheilschwangerer Geste malte sie diegroßen Gefahren" einerGroßblockmehrheit" im Reichstage an die Wand. Inzwischen hat das Buch des Genossen Schulz auch in der pädagogischen Fachpresse ausführliche Besprechungen ge- funden; auch diePädagogische Ztg.", das von den Schwarzen wohlgehaßte Hauptorgan des Deutschen Lehrer- Vereins, widmete dem Buche einen Artikel, der zwar im wesentlichen nur referierender Natur war. aber neben verschiedenen Vorbehalten doch von demim ganzen groß- zügigen Schulreformplan der Sozialdemokratie". sprach. Da inzwischen die Reichstagswahlen und damit diegroßen Ge- fahren" einerGroßblockmehrheit", was für die Zentrums- leser nur ein beschönigender Ausdruck für die Abrechnung mit dem schwarzblauen Block ist, noch näher gerückt sind, so hält es das Hauptorgan des rheinischen Zentrums, dieKölnische Volkszeitung", für notwendig, noch einmal in zwei Artikeln von zusammen ungefähr zehn Spalten Länge auf das Buch des Genossen Schulz loszuschlagen. Der jugendlich-heiß- spornige Abgeordnete des preußischen Landtags und Kreis- fchulinspektor Dr. Hetz hat die edle Aufgabe übernommen, die Schulforderungen der Sozialdemokratie als utopisch, sinnlos, staatsgesährlich und religionsfeindlich nachzuweisen und auf diese bequeme Weise die deutschen Volksschullehrer als die gefährlichen Bundesgenossen solcher gefährlichen Gesellschaft zu denunzieren. Wir brauchen keine zehn Spalten, um?>ie geistvolle Po­lemik des Herrn Heß zurückzuweisen. Wir könnten sie auch ohne jede Sorge um die Folgen auf sich beruhen lassen, wenn es sich nicht verlohnte, an diesem Beispiele wieder einmal die besondere Kampsesmethode des Zentrums klarzustellen. Herr Heß teilt sich seine Arbeit in zwei Teile. Den zweiten, für ihn wichtigeren Teil überschreibt erDie religiöse Seite", alles andere der sozialdemokratischen Schulreform faßt er ebenso einfach wie falsch alsmaterielle Seite" zusammen. In der Relionsfrage ist er so gnädig, den Genossen Schulz ernst" zu nehmen, weil ihm das besser zu seinen denun- ziatorischen Nebenabsichten paßt. Obwohl diePädagogische Zeitung" sich zu den Ausführungen des Genossen Schulz über die Religionsfrage gar nicht geäußert hat, findet Herr Heß doch darin gerade das Bedenkliche. Das freisinnige Zentralorgan des Deutschen Lehrervereins werdeseine Gründe dafür haben." Wir können über die ganzen aufgeregten Deklamationen und Denunziationen des Herrn überdie religiöse Seite" zur Tagesordnung übergehen. Es wäre noch schöner, wenn wir in diesem Punkte irgendwelche Berührung Mit der Schulpolitik des Zentrums hätten l Drigineller ist die Methode des Herrn Heß in der Be- Bekämpfung unserer sonstigen Schulforderungen. Mit kühner Phantasie, verwirklicht er plötzlich inmitten unserer ganzen heutigen Staats- und Wirtschaftsordnung sämtliche Schul- forderungen der Sozialdemokratie bis in ihre letzten Konsequenzen. Leider nur in der Phantasie, und leider nur in der verballhornten Weise, wie ein Zentrumsschädel die sozialdemokratischen Forderungen versteht. Und dann beginnt Herr Heß eine Rechnung aufzustellen; genau bis auf Heller und Pfennig berechnet er, was diese sozialdemokratische Zu- kunstsschule von Gnaden der Heßschen Phantasie kosten würde. Herr Heß kommt dabei auf rund vier Milliarden im Jahr. Wie er das macht? Ganz einfach, nach dem Hexen- einmaleins:aus eins mach' zehn und zwei laß geh'n und drei mach' gleich, so bist du reich." Herr Heß geht von der Klassenfrequenz aus. Heute kommen auf einen Lehrer im Durchschnitt 58 Schüler. Die Sozialdemokratie verlangt selbstverständlich jm Einklänge mit den Forderungen der wissenschaftlichen Pädagogik eine Klasienfrequenz von 80. Ha. sagt Herr Hxsi. das ist nur die Hälfte; wird diese Forde- rung durchgeführt, so verdoppeln sich damit sämtliche Ausgaben für das Schulwesen, bisher betragen sie etwa 5Ü8 Millionen, mithin betragen sie nach dem Schulzschen Rezept eine Milliarde. denn zweimal zwei ist vier! So einfach und leicht und ohne viel Kopfzerbrechen kommt Herr Heß zu seiner ersten Milliarde. Aber ohne sich zu besinnen, begibt er sich an die ziveite. Nach einem Rechenexempel, dessen Zusammenhang er vorsichtiger- weise in seinem Busen bewahrt, rechnet er im Handumdrehen für Beseitigung der einklassigen und Halbtagsschulen eine Viertelmilliarde heraus. Noch besser lohnt sich seine Rechnung bei der unentgeltlichen Verpflegung und Kleidung, ll Millionen Schüler sollen an 250 Schultagen Frühstück und Mittagessen haben. Herr Heß setzt dafür wahrscheinlich nach seinem eigenen Haushaltsetat berechnet pro Tag und Kind 50 Pf. an.Macht 1375 Millionen Mark," sagt Herr Heß;aus fünf und sechs, so sagt die Hex', mach sieben und acht, so ist's vollbracht." Herr Heß räumt jedem Schüler jährlich zwei Anzüge zu je 10 M. ein,macht" nach Herrn Heß nebst Schuhen und anderen nützlichen Bekleidungsgegenständen zu- sammen 330 Millionen Mark. Die Lehr- und Lernmittel be- rechnet Herr Heßnur" mit einigen 60 Millionen pro Jahr. Dafür bringt er für die von der Sozialdemokratie geforderten Kindergärten durch einige kühne Besprechungenund neun ist eins und zehn ist keins" eine Milliarde zuwege. Addiert man alles zusammen, so kommen ungefähr vier Milliarden heraus. Wer sich darob entsetzt, tröste sich mit Mephistos Menschenkenntnis:Es war die Art zu allen Zeiten, durch drei und eins, und eins und drei, Irrtum statt Wahrheit zu verbreiten." Es versteht sich von selbst, daß wir die Zahlen des Herrn Heß nicht wegen ihrer Höhe an sich der ösfentlichen Lächer- lichkeit preisgeben. Dadurch unterscheidet sich gerade die sozialdemokratische Schulreform von der bürgerlichen und besonders von der Schulreaktion des Zentrums, daß sie nicht zuerst wagt: was kostet eine Reform? sondern: Ist sie not- wendig? Nach der bürgerlichen Methode kommt die Schule nicht vorwärts, weil jede Verbesserung etwas kostet und für die Volksschule niemals Geld vorhanden ist. Nach der sozial- demokratischen Methode aber wird den Schülern und der Schule und damit auch dem Volke geholfen; wegen der Beschaffung der Kosten lassen wir eine Reform so wenig scheitern wie die bürgerliche Gesellschaft irgend eine Heeres- resorm an den Kosten scheitern läßt. Weswegen wir die Zahlenkunststücke des Herrn H- an den Pranger stellen, das ist einmal die ungeheuerliche Leichtfertigkeit, mit der Herr Heß ein Kreisschulinspektor! mit einem Anschein von Wissenschaftlichkeit und Sachverständnis phantastische Zahlen aus der Luft greift, um eine gute Sache aus politischer Gehässigkeit zu schädigen; und das ist ferner die totale Gleichgültigkeit des Herrn Hetz, eines der jüngeren und wahrscheinlich zukunftsreichen Schulpolitikers des Zentrums gegen jede ernsthafte Schulreform; denn das ist die Grund anschauung, aus der heraus die Argumentation des Herrn Heß geboren ist. Es scheint dem Herrn keinen Augen blick zum Bewußtsein gekommen zu sein, welche geradezu vernichtende Anklage er durch seine Zahlen operationen gegen daS heutige Schulwesen schleudert. Er kann nicht bestreiten, daß die Normalfrequenz in Preußen(70 und 80 Schüler in der Klasse) pädagogisch einfach unhaltbar ist, und daß auch bei 58 Schülern, dem Durchschnitt in Deutsch - land, keine guten Früchte zu erwarten sind. Statt nun mit anderen Schulreformern die Erringung der zulässigen Frequenz von 30 anzustreben, erhebt Herr Heß ein großes Geschrei: das kostet Geld I Freilich tut's daS, aber es ist eine Schmach für einen Kulturstaat wie Preußen, daß er dafür kein Geld hat. Allerdinas: in Preußen herrschen die Schwarzen und die Blauen. Was kümmert's die, wenn die Arbeiterkinder in Klassen mit 100 und mehr Schülern nichts lernen l Was kümmert's dieselben Volksfreunde, wenn von den Millionen Volksschulkindern täglich jahrein jahraus Hunderttausende ohne jedwedes warme Frühstück in die Schule kommen und auch den ganzen Tag keinen warmen Bissen in den Leib be- kommen I Die Ritter und Heiligen spüren den Hunger, der in den Eingeweiden der Proletarierkinder brennt, ja nicht. Und sterben die armen Kinder an Unter- ernährung dahin, so kommen sie in den Himmel. Sterben sie aber nicht, sondern verdummen sie nur, weil sie wegen körperlicher Schwäche dem Unterricht nicht ordentlich folgen konnten, so sind sie immer noch ganz brauchbare Ausbeutungs- objekte in den Spinnereien der schwarzen Schlotbarone am Rhein oder auf den Karroffel- und Rübenfeldern der blauen Grafen östlich der Elbe . Auch Säuglings- und Kleinkinder- schütz ist nach der Schul- und Sozialpolitik der christlichen Ritter und Heiligen nicht notivendig. Das alles kostet Geld I Sollte für einen christlichen Schulpolitiker nicht die erste Sorge sein, daß alle notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schulunterricht erfüllt werden? Müßte er nicht mit der Sozialdemokratie danach streben, daß die Kinder körperlich genährt und vor der zitternden Blöße geschützt sind. ehe man an ihre geistige Ausbildung denkt? Müßte er nicht mit uns sagen: Die Kinder müssen essen, und sie müssen Kldidung haben, möge der Staat Mittel und Wege finden, um die Kosten dafür aufzubringen l Bringt er doch auch die Kosten für die Erhaltung des kostspieligen stehenden Heeres auf! Allerdings beschäftigt sich auch Herr Heß mit dem Heere und seinen Kosten. Aber so verschwenderisch er ins Volle greift, so lange es sich um die Diskreditierung der von ihm zurecht phantasierten sozialdemokratischen Schulreform handelte, so vorsichtig und bedächtig wird Herr Heß, wenn er die Kosten für den Militarismus berechnet. Heer und Marine dürfen nicht in- schlechten Geruch gebracht werden, denn ihre Funkttonen des Massenmordes sind echt christlich. Herr Heß berechnet die jährlichen Kosten für Heer und Flotte auf un- gefähr eine Milliarde. Gegen diese unproduktiven Ausgaben hat er nichts einzuwenden, denn: Heer und Marine dienen zur Aufrechterhaltung deS Friedens(wie die gegenwärtigen Kriegszeiten klärlich beweisen I). das Heer ist der größte Kon- sument(als wenn eS die Schule bei freier Verpflegung nicht in noch viel höherem Maße wäre l), und das Heer setzt ungeheure Massen von Arbeitern in Brot(als wenn diese Arbefter beim Bau und bei der Instandhaltung von Schulen nicht viel nütz- kichere Arbeiten leisteten!). Aber die Berechnung der mili- tärischen Kosten durch Herrn Heß ist ganz unzulänglich. Wir haben erst vor einiger Zeit an dieser Stelle nachgewiesen, daß sich die jährlichen mittelbaren und unmittelbaren Aus- gaben Deutschlands für seine Heeresrüstung auf vier bis fünf Milliarden Mark stellen. Das ist ungefähr achtmal so viel, als die Kosten für das Schulwesen gegenwärtig betragen. Wenn das Verhältnis umgekehrt wäre, so könnten wir uns glücklich preisen. Im übrigen ist eS eine pharisäische Methode, wenn Herr Heß alle Schulforderungen der Sozialdemokratie, sowohl die­jenigen, die sofort erfüllt werden können, als auch diejenigen, die erst eine völlige Umgestaltung zunächst der Staats- und später der Gesellschaftsverfassung voraussetzen, in einen Topf wirst und für dieses Durcheinander einen irreführenden Kosten- anschlag macht. Das Buch des Genossen Schulz will gerade die praktische Schulreform unserer Parteigenossen in Staat und Gemeinde orientieren, von der nächsten bescheidenen Schulreform an bis zur großen und ttefgreifenden. Deshalb stellt er auch überall die grundsätzliche Forderung, wie sie der wissenschaftliche Sozialismus verlangt, auf, um die Richttmg jeder einzelnen Reformaktion auf unser Endziel hin abzustecken. Daß das Volks- und schulfeindliche Zentrum die folge» richttge und entschlossene Schulreform der Sozialdemokratie voller Zorn im Herzen begeifert und verleumdet, ist im übrigen nur ein dankenswerter Beweis für die erfreuliche Tatsache, daß wir auf dem richtigen Wege sind. DU MsroMtoverhztiälutigeii. Mittwoch mittag hat eine Unterredung zwischen den Herren C a m b 0 n und v. Kiderlen-Waechter statt- gefunden. Man nimmt an, daß dabei die letzten Diffe» r e n z e n über den Marokkovertrag im engeren Sinne b e» s e i t i g t worden seien, so daß nunmehr die Verhandlungen über die Landabtretungen im KoNgo beginnen könnten. Die Hoffnung, daß diese Schacherei einen raschen Verlauf nehmen werde, ist durch die letzte Verlautbarung der französischen Regierung erheblich herabge stimmt worden. Die Kompensationen. Paris , g. Oktober.(Eig. Ber.) Der Abschluß des Abkommens über Marokko scheint nun wirklich handgreiflich nahe gerückt, und soviel profitlüsterne Hände werden ihm entgegengestreckt, daß er ihnen kaum mehr entgleiten kann. Die Börse ist ob der frohen Botschaft luftig emporgehüpft und die Presse um C a i l I a u x läutet FnedenSglocken und möchte mit ihrem patriotischen AndachtSgebet augenscheinlich daS Murren jener übertönnen, die sich von der marokkanischen Gründerei und dem Schacher im Kongo nichts zu versprechen haben. Vorläufig hat Caillaux über seine oppositio- nellcn Ministerkollegen gesiegt. T 0 r d i e u war ein Herold der Wahrheit und deS Völkerfriedens und darf auf den Erfolg der moralischen Kanonade pochen, mit der er die Störenfriede der Gruppe de S e l V e S zum Schweigen gebracht hat. Die Jämmerlichkeit der Kiderlen-Waechterschen Diplomatie hat freilich den Sachwaltern deS französischen Kolonialkapitalismus einige wertvolle Trümpfe in die Hände gespielt. Caillaux bringt das marokkanische Protektorat wirklich ohne die schikanösen Klauseln heim, worin sich schließlich das Genie der deutschen Politik erschöpft hat und fertigt die deutsche Profitbegehrlichkeit mit der zweifelhaften Konzesfion von unwohnlichen und soweit werwoll von kapitalistischen Kon» zessionären ausgepreßten Fiebergegenden ab. Nun ist aber damit noch lange nicht gesagt, daß der«est der Verhandlungen wie am Schnürchen gehen wird. Die Gegner Caillaux ' rüsten nicht ab. DaSJournal deS DöbatS", das von Anfang an dem Marokko -Abenteuer keinen Geschmack abgewonnen hat, erklärt verdrossen, daß den Leuten, die die Affäre für erledigt halten, noch Ueberraschungen bevorstehen dürften. Die nationalistische und antirepublikanische Presse wird natürlich jeden von der Republik ge- schlossencn Vertrag, laute er wie immer, für einen Verrat am Vater- land erklären. Aber auch andere Stimmen mischen sich ein. Im Figaro" erklärt heute der Financier und gemäßigte Republikaner Joseph R e i n a ch, dem Versuch der Regierung, etwa den ganzen mittleren Kongo und den Talweg des Ubangi als KompensationS- gebiet für Deutschland zu erwirken, ein entschiedenesNeu possurnus" (28ir können nicht 1") entgegensetzen zu müssen. Wenn da» Kongo - abkommen scheitere, so falle fteilich auch daS Marokkoabkommen mit. was wohl dazu führen werde, die Marokkoangelegenheit wieder vor die Mächte Europas zu bringen. DaS werde zwar eine neue schwere Krise bedeuten, aber auch sein Gutes haben. Daß fich gegen dieAbttetung des Kongo die sentimentalen Regungen zugängliche öffentliche Meinung und das von ihr abhängige Parlament bearbeiten läßt, ist nicht unwahrscheinlich,«ber auch in der.Humanit6' wird die Kritik laut. Genosse Marcel S e m b a t begrüßt da« Marokko-Ab- kommen wohl, weil eS den Konflikt zwischen Deutschland und Frank- reich beende, aber er meint, man müsse doch erst abwarten, ob man nicht bei dem Tausch ein schlechtes Geschäft mache. Man sieht, der Himmel ist noch nicht wolkenftei und ebensowenig wie daS deutsche Proletariat wird das französische von seiner Auf» merksamkeit auf die Weltpolitischen Intrigen ablassen dürfen. Die Haltung der Sozialiste«. Paris , 4. Oktober. Der Abgeordnete MareelSembat stellt in einem Artikel in der.Humanith" fest, daß die französischen So»