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Nr. 243.

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Berliner Volksblaff.

28. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Dienstag, den 17. Oktober 1911.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

Männer und Franen des arbeitenden Volkes! Erscheint in Massen heute in den Protestversammlungen gegen die Tenerung und die Untätigkeit der Regierung. Es gilt den Herrschenden den Willen des darbenden Volkes zu künden!

Die Wirkung der Einfuhricheine.usfuhr bon Hafer faſt die Einfuhr erreicht.

II.

steigt und sich wieder auf seinen sogenannten Normal­

bon Roggen die Einfuhr beträchtlich überstiegen hat, und die] Es wurden nämlich 1909 und 1910 an Roggen ein- und ausgeführt: eingeführt 1909: 274 722 Tonnen 1910: 389 508

halten.

"

eingeführt 1909: 527 941 Tonnen 1910: 457 721

"

ausgeführt

650 544 Tonnen 820 007

"

ausgeführt

800 283 Tonnen 436 530

"

Zonne 170 oder 150 Mart erhält, denn im ersteren Falle

Davon wurden gedeckt durch Einfuhrscheine

739,2

692,3

1906= 651,1 Millionen Mart 1907 1908.=

59,6 Millionen Mart

55,4

"

102,3

"

"

1909=

804,9

100,4

"

"

"

"

123,5

"

"

"

-

bereits

die Ein­

Für die getreidebauenden Großgrundbesizer und die Kornhändler im Dsten ist das im vorigen Artikel geschilderte 1910= 839,2 Einfuhrscheinsystem von großem Nußen; und es ist daher Wir sehen, es ist im Jahre 1909 ungefähr ein Achtel und durchaus begreiflich, wenn sie von einer Aufhebung oder Be - Fast alle Länder Europas haben Roggen aus Deutsch im Jahre 1910 sogar mehr als ein Siebentel der gesamten schränkung dieses Systems nichts wissen wollen. Durch die land erhalten: vornehmlich Dänemark , Norwegen , Holland , Bolleinnahmen des Reiches durch Einfuhrscheine bezahlt worden. Einfuhrscheine hat sich nicht nur der Getreideausfuhrhandel aber auch Rußland , Schweden und Finnland , und selbst nach Nun behaupten zwar die Interessenten hoher Getreide­ganz enorm gehoben, es sorgt dieses System auch dafür, Belgien , Frankreich und England sind große Mengen deutschen preise, und die tonfervative wie tlerifale Presse schwäßt es daß sich der inländische Getreidepreis auf den Korn Roggens verschifft worden. märften der Ostprovinzen stets auf einer gewissen Aehnlich verhält es sich, wie die folgenden Zahlen be- gedankenlos nach, daß der Reichskasse kein Schaden durch die Einfuhrscheine entstände, denn wenn diese Scheine nicht Höhe über dem Niveau des Weltmarktpreises hält, weisen, mit Hafer. Es wurden existierten, würden nicht solche Mengen von Getreide, Kaffee, und zwar um so viel, als der volle Vertragszoll( für Betroleum in das Zollgebiet eingeführt werden. Eine ganz Weizen 55 M., für Roggen und Hafer 50 M. pro Tonne) alberne Behauptung! Die Einfuhr von Kaffee und Petroleum abzüglich der Transportfosten nach den zollfreien Ostsee - und richtet sich erstens nach dem Bedarf, zweitens nach dem Preis­Nordseehäfen beträgt. Denn sinft der Getreidepreis auf den Der größte Teil des ausgeführten Hafers ging nach stand. Auf beide sind die Einfuhrscheine ohne jeden Einfluß. östlichen Getreidemärkten unter diesen Preisstand herab, so wird sofort die Ausfuhr ein profitables Geschäft, und bald England, Dänemark , der Schweiz , Schweden und Holland , Selbst der Kaffee- oder Petroleumzollaufschlag wird dadurch nehmen durch den Erport auf den betreffenden inländischen doch hat selbst Rußland im Jahre 1909 31 833 und im nur in so bescheidenem Maße berührt, daß die fleine Ermäßigung Märkten die Getreideangebote dermaßen ab, daß der Preis Jahre 1910-11 231 Tonnen Hafer aus Deutschland er ohne irgendwelche Rückwirtung auf die inländischen Kaffee­und Betroleumpreise bleibt. Wenn auch der Kaffee- Importeur Sogar die Weizenausfuhr ist ganz beträchtlich gestiegen die Einfuhrscheine mit einem geringen Abschlag an der Börse stand" stellt. Das Einfuhrscheinſyſtem ſtellt also nicht, und hat im vorigen Jahre nicht weniger als 281 389 Tonnen fauft, also für Einfuhrscheine im Zollbetrage von 1000 M. nur wie verschiedentlich behauptet worden ist, eine gewiffe betragen im Werte von faft 52 Millionen Mart. So hat vielleicht 970 oder 980 m. gibt, so ist doch diese kleine Zoll­Stabilität der Preise her. Im Gegenteil, es durch dieses System die Inlandspreise noch viel ab- Frankreich 112,231, Holland 42 490, Schweden 34 671, Belgien ersparnis viel zu gering, um irgend einen Einfluß auf den in­hängiger vom Weltmarktpreis geworden als früher; wohl 29 331, Dänemart 21 071 Tonnen Weizen von Deutschland ländischen Preisstand oder gar den Bedarf auszuüben. Sie aber bewirkt die durch die Einfuhrscheine gegebene stete Aus- erhalten. verschwindet einfach als Extraprofit in die Taschen des Kaffee­fuhrmöglichkeit, daß die Preise der Inlandmärkte sich auf einer Das Einfuhrscheinsystem wirkt also wie Importeurs. Höhe halten, die um einen gewiffen Betrag höher ist, als der wird das Angebot auf den Märkten Dstelbiens fünstlich auch zur Begleichung von Kaffee- und Petroleum- Zollrechnungen eine Ausfuhrprämie. Durch den enormen Export Wird die Bestimmung aufgehoben, daß die Einfuhrscheine Preis auf den leicht erreichbaren zollfreien Getreidemärften des Auslandes. Wie sehr auch unter dem Einfuhrscheinsystem verringert, der Preis hochgehalten. Solche Preis hochhaltung verwendet werden dürfen, so wird darum durchaus nicht die Getreidepreise schwanken, lehrt die Tatsache, daß z. B. in liegt nun sicherlich im Intereſſe des großen Landwirtes. Es ist weniger Kaffee oder Petroleum in Deutschland eingeführt Danzig der Weizenpreis sich pro Tonne im Jahre 1905 auf dem Herrn Rittergutsbesizer, der vielleicht 1000 Tonnen werden der Unterschied wird nur sein, daß dann die Zoll­165,2 m., 1906 auf 168,6 m., 1907 auf 202,2 m., 1908 auf Roggen zu verkaufen hat, feineswegs einerlei, ob er pro fassen die Zollbeträge in Geld erhalten. 208,8 m., 1909 auf 228,8 M., 1910 auf 206,9 m. stellte. stellen sich seine Einfünfte um 20 000 Mart höher. Aber fuhrscheine in um so stärkerem Maße zur Bezahlung des Aber werden nicht dann die Getreideerporteure die Ein­Der Preisunterschied zwischen 1905 und 1909 beträgt also hat auch die Arbeiterklasse, der Mittelstand, Bolls für eingeführtes Getreide benutzen? Sicherlich würden nicht weniger als 63 M. Wie sich diese Preisregulation vollzieht, mag folgendes der fleine, Roggen taufende Viehzuchter sie das zunächst versuchen; ob sie es aber auf die Dauer Beispiel veranschaulichen: irgend ein Interesse an dieser Erhaltung fönnen würden, ist eine andere Frage. Die Ausfuhr von Nehmen wir an, Beizen gleicher Qualität fofte in Königs- hoher Weizen., Roggen, Hafer- und Gerste- Roggen übersteigt, wie wir sehen, berg 205, in Kopenhagen 160 Mart pro Tonne; dann lohnt preise? Was der Getreide verkaufende Großgrundbefizer fuhr, und die Ausfuhr von Hafer hat nahezu die Höhe es fich für den Königsberger Getreidegroßhändler nicht, bon der Korn- Großhändler infolge des Einfuhrschein- der Einfuhr erreicht, die Verwertungs- bezw. Verwendungs­Königsberg Weizen nach Kopenhagen zu schicken; denn beträgt fyſtems mehr" berdienen", müssen diese Bevölkerungsmöglichkeit der Einfuhrscheine ist also schon heute eine ziemlich Würde nun aber die Verwendungsmöglichkeit ba­auch die Bollvergütung 55 Mart pro Zonne, so vermag er schichten aus ihrer Tasche bezahlen. Früher, als noch begrenzte. doch seine Einfuhrscheine zurzeit vielleicht nur mit 3 Prozent nicht das heutige Einfuhrscheinsystem bestand, da drückte durch noch mehr eingeschränkt werden, daß nicht mehr, wie doch seine Einfuhrscheine zurzeit vielleicht nur mit 3 Prozent in reichen Erntejahren die Fülle des Angebotes auf die bisher, ein großer Teil der Einfuhrscheine im Kaffee- und Abschlag( Disagio) an der Börse zu verkaufen, er erhält pro Abschlag( Disagio) an der Börse zu verkaufen, er erhält pro Getreidepreise im Osten, so daß die Konsumenten in solchen Petroleumhandel untergebracht werden kann, wird also die Tonne Weizen nicht 55 Mart, sondern nur 53,35 Mart Zoll­bergütung; außerdem aber muß er vielleicht noch 8 M. pro im Dsten die Konsumenten im Getreidepreis den ganzen oder fie jederzeit abseßen zu können, wesentlich eingeschränkt, so ist Zeiten nur einen Teil des Zolls trugen; jetzt müssen auch Nachfrage nach solchen Scheinen und zugleich die Gelegenheit, Tonne für Transportkosten und sonstige Spesen rechnen. Er würde also beim Handel nichts verdienen. doch fast den ganzen Zoll zahlen. Für die notleidenden" die natürliche Folge, daß die Einfuhrscheine ihren Wert teilweise Dann sind aber auch eine ganze Reihe Getreide­Anders stellt sich die Sache, wenn infolge starten An- Landwirte, die mehrere Hundert Hektar mit Getreide be- verlieren. gebots der Preis in Königsberg auf 195 m. pro Tonne finft. bauen, eine recht vorteilhafte Einrichtung, denn durchschnittlich exportgeschäfte, die heute noch rentabel sind, nicht mehr Sofort wird das Geschäft lohnend. Nehmen wir an, der bringt ein Heftar im Osten einen Ertrag von 32 bis 36 rentabel. Sie werden aufhören, das heißt die Ausfuhr wird Königsberger Exporteur hätte 500 Tonnen zu verkaufen. In Zentner Roggen oder 35 bis 50 Zentner Weizen für die abnehmen, und die östlichen Getreideproduzenten werden Königsberg würde er erhalten: unteren, schwer um ihren Lebensunterhalt kämpfenden Volts- suchen müssen, auf den Märkten Westdeutschlands ihr Ge­schichten aber eine weitere Erhöhung ihrer Ausgaben, die in der treide abzusetzen. 500 Tonnen X 195 M.= 97 500. heutigen Teuerungszeit um so schwerer auf ihren Schultern lastet, Uebrigens das wollen wir hier gleich hinzufügen Schickt er dagegen seinen Weizen nach Kopenhagen , ergibt als auch die Fleisch, Gemüse, Startoffel- und Kaffeepreise be- genügt es feineswegs, daß die Verwendung der Einfuhrscheine fich für ihn folgende Rechnung: trächtlich gestiegen sind. zur Begleichung von Kaffee- und Petroleumzollgefällen auf­Doch werden die ärmeren Volksschichten nicht nur info- gehoben wird; im Interesse der ärmeren Volksschichten muß viel­fern durch das Einfuhrsystem geschädigt, als es die Getreide- mehr verlangt werden, daß auch stets für die Ausfuhr und damit auch die Brotpreise erhöht, sondern als es auch die einer bestimmten Getreidegattung die gleiche Bolleinfünfte der Reichskasse verringert und die auf diese Weise Getreidegattung wieder eingeführt werden entstehenden Fehlbeträge der Reichseinnahmen natürlich durch muß, daß also Einfuhrscheine, die für exportierten andere Steuern und Abgaben ersetzt werden müssen. Wie schon er- Hafer ausgestellt sind, für die Einfuhr wähnt, fönnen die Einfuhrscheine nicht nur zur Bezahlung des Bolls von Hafer gelten, ebenso auch Einfuhrscheine für exportierten für eingeführtes Getreide verwendet werden, sondern auch Roggen nur für die Einfuhr von Roggen. Auf diese Weise zur Bezahlung des Bolls für Kaffee und wird zwar ermöglicht, daß je nach den verschiedenen örtlichen Ein schönes Geschäft! Aber der Gewinn loďt auch andere Petroleum. Der Getreideerporteur, der feine Verwendung Bedürfnissen für ausgeführten ostelbischen Weizen nordameri­Getreidehändler, Weizen nach Kopenhagen zu werfen. Die für die erhaltenen Einfuhrscheine hat, verkauft sie daher an fanischer, argentinischer oder englischer Weizen eingeführt Folge ist, daß dort die Preise sinten, während in Königsberg der Börse an einen Staffee- oder Petroleumimporteur, natürlich werden kann usw., daß aber stets für ein bestimmtes Quantum Die Nachfrage im Verhältnis zum Angebot teigt und dem- nicht zum vollen Zollbetrag, sondern meist mit 1 Getreide, das zur Ausfuhr gelangt, an derselben oder an nach der Weizenpreis anzieht", b. h. in die Höhe geht. bis 3 Proz. Abschlag( je nach dem Verhältnis von An- anderer Grenzstelle das gleiche Quantum Getreide derselben Nun wird der Export unrentabel und hört vorläufig auf. gebot und Nachfrage), und diefer Importeur gibt sie dann Gattung eingeführt wird, das Gesamtquantum des im deutschen So wird, falls die Preise auf den östlichen Getreide- bei der Entrichtung seiner Zollgefälle mit in Zahlung. Da Bollgebiet vorhandenen Getreides der einzelnen Gattungen märkten sinken, durch den alsbald einfegenden Export immer durch wird bewirkt, daß in Jahren starten Getreideerports also dasselbe bleibt. wieder bewirkt, daß sie sich im Durchschnitt auf einem be- ein recht beträchtlicher Teil der Zolleinkünfte nicht in stimmten Niveau über dem Weltmarktpreis halten. bar an die Zolltassen entrichtet, sondern durch Einfuhrscheine gedeckt wird. Wie beträchtlich diese Summen sind, beweist folgende Aufstellung:

500 Tonnen X 160 M. Einfuhrscheine: 500 x 55 97.26 675 abzüglich 3 Broz.

== 80 000 m.

=

"

Davon ab Transportkosten und Sonstige Spefen

500 Tonnen a 8 M.

=

106 675 M.

4000 m. 102 675.

Folglich Gewinn 5 175 M.

Wie beträchtlich die Förderung der Getreideausfuhr durch das Einfuhrscheinsystem ist, beweist die Tatsache, daß, während früher nur ganz geringe Quanten von Getreide aus Deutsch­ land ausgeführt wurden, in den letzten Jahren die Ausfuhr

und

-

Es betrug der Bruttoertrag der deutschen Zölle( Eins, Ausfuhr- und Durchgangszölle) im Jahre

auch

nur

-

Eine solche Bestimmung würde zwar auch zur Folge haben, daß im Osten der Getreidepreis etwas höher stehen bleibt, als wenn wieder der alte Identitätsnachweis hergestellt würde, sie würde aber andererseits die Versorgung der nicht genügend Getreide für den eigenen Bedarf produzierenden westlichen Gegenden mit billigerem Getreide wesentlich erleichtern und