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Nr. 273.
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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernschrecher: Amt Morigplak, Nr. 1983.
Die nationalliberale Wahlparole.
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Dienstag, den 21. November 1911.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.
Parteien mogeln und schachern. Entspricht es ihrem Algerier und Tunefen. Gegenwärtig habe Frankreich in Marollo Vorteil, so wollen sie im Süden mit der Sozialdemokratie 81 000 Mann stehen, barunter 84 000 Mann Europäer . In Maroflo gegen das Zentrum zusammengehen, in den anderen Landes- ist von Frankreich beabsichtigt zehn Bataillone Infanterie und zehn teilen dagegen, wenn ihnen nur die geringste Gegenleistung Estadrons marollanische Truppen zu errichten. In Tunis und geboten wird, auch zugunsten der so arg beschrie- Algier geht das Streben Frankreichs dahin, mit der Zeit etwa nen Kandidaten des schwarz- blauen Blods 145 000 Mann militärisch ausgebildeter Eingeborener zur Verfügung die Sozialdemokratie niederringen helfen! zu haben.
Die nationalliberale Partei hat am Sonntag in Berlin ihren Parteitag abgehalten. Einen der glänzendsten Partei- Man müßte ja freilich auch an politische Wunder glauben, Abg. Dr. Arning( natl.) glaubt aus diesem Gutachten schließen tage," wie die nationalliberale Presse rühmt, den die Partei wenn man es für möglich gehalten hätte, daß es diesmal zu müssen, daß diefer vielleicht in fernerer Zeit liegenden" franzöin ihrer langjährigen Geschichte aufzuweisen" habe. Die anders gekommen wäre. Die Nationalliberalen sind ja seit fischen Truppenvermehrung durch eine entsprechende Truppenber 1000 Delegierten spendeten den Rednern stürmischen Beifall jeher und bis auf den letzten Tag die är gsten Feinde mehrung in Deutschland begegnet werden muß. Er erging fich in und zum Schlusse wurde einstimmig der vom Zentralvorstand der Arbeiterbewegung gewesen. Gerade fie sind die langen Schilderungen über die angeblich schwere Gefahr, die durch entworfene Wahlaufruf angenommen. ausgesprochenen Vertreter des Scharfmachertums, und die Bildung schwarzer Truppen von seiten Frankreichs für Deutsch
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Die Reden, die von den Herren Baffermann, es ist fein geringerer als Herr Bassermann selbst gewesen, der land entstehen wird. Die Maroffaner feien sehr wohl in der Lage, Stresemann, Rebmann, Rohmann und anderen vor etlichen Jahren den Scharfmachern versprach,„ bei den auch im europäischen Klima zu kämpfen. Sachverständige bezweifeln gehalten wurden, fügten dem Charakterbilde der Partei keine Industrieka pitänen, deren Rat er gebrauchte, Richt nur die Fähigkeit der französischen Offiziere, das Menschenmaterial neue Linie hinzu. Was da gesagt wurde, waren die alten linien für unsere Sozial- und Wirtschaftspolitik auszubilden. Frankreich würde schon in baldiger Zeit 20 000 Mann nationalliberalen Stilübungen. Und ebenso- sich zu beschaffen". Aber die Herren Nationalliberalen, die auszubilden in der Lage sein, um dann dem Ziel zuzuftreben, später wenig Ueberraschendes boten die Ausführungen, die der Stel- iegt fobiel von idealen Gütern" faseln, die vom Zentrum und 200 000 Mann nordafrikanischer Truppen zur Verfügung zu haben. lung der nationalliberalen Partei im Wahlkampfe galten. Sem intoleranten Klerus bedroht seien, haben ja nicht einmal man hoffe in Frankreich , mit 50 Millionen Mehrausgaben das durchHerr Bassermann gab die stürmisch bejubelte Losung aus, diese nationalen Güter gegen den Klerus zu verteidigen ver- auführen. daß der Wahlkampf gegen zwei Fronten geführt werden sucht, sondern beispielsweise in Preußen an der skan- Abg. Ledebour( Soz.) bedauert, daß General Wandel fich müsse: einmal gegen die Sozialdemokratie und dann da lösen Schulverpfaffung mitgewirkt! Man nur darauf beschränkt habe, zu sagen, was nach französischer Aufgegen den schwarz- blauen Blod. Die prinzipielle muß schon selbst ein jungliberaler Kulturkampfpauker fein, faffung und Absicht versucht werden soll. Viel wichtiger sei aber Stellung der Partei zur Sozialdemokratie habe sich nicht in um die kulturkämpferischen Phrasen der Bassermann und au erfahren, welchen Wert und Bedeutung die deutsche Heeresder geringsten Weise verändert. Gerade gegen die Sozial- Konsorten ernst zu nehmen. verwaltung diesen schwarzen Truppen für Kämpfe in Europa beidemokratie" würden die Nationalliberalen schwere Dazu kommt, daß die Nationalliberalen im Grunde ge- messe. Weiter: Welche Folgen fönnen oder müssen, militärisch beKämpfe zu bestehen" haben. Und die Partei werde in nommen diejenige Partei sind, die die Hauptverant- trachtet, für Frankreich in Nordafrika entstehen, wenn es von dort diesem Kampfe ihre volle Schuldigkeit tun". Ebenso alt wortung für das uferlose Land- und Flottenrüsten und unsere etwa 200 000 Mann nach Europa herüberholt? Hält es die deutsche und klar sei die Gegnerschaft der nationalliberalen Partei famose Kolonial- und Weltpolitik trifft. Und wenn es gerade Heeresverwaltung für möglich, daß Maroffaner, Berber und Araber zum Zentrum. Ein Bündnis mit dem Zentrum sei Herr von Heydebrand war, der durch seine chauvinistischen militärisch so ausgebildet werden können, daß fie auch einem wider die Natur der nationalliberalen Partei. Mit Heyphrasen den Kaltwasserstrahl des Herrn von Bethmann europäischen Gegner gleichwertig sind? Da die angebliche schwarze dem Zentrum könne man sich nach einem Wort Bismards Hollweg provozierte, so darf doch nicht vergessen werden, daß Gefahr zur Propagierung einer Heeresbermehrung nicht einlassen, ohne sich ihm mit Leib und Seele zu ber- die leidenschaftlichste Kriegshebe gerade von benutzt werden soll, sei die Beantwortung dieser Fragen von schreiben". Darum: Hände weg von der Zentrumspartei ." nationalliberalen Organen getrieben wor- Wichtigkeit.
Freifinnige Blätter haben die Entdeckung gemacht, daß den ist. Bu allem Ueberfluß betonte ja auch Herr Baffermann Abg. Dr. Ba as he( natl.): Nach der Darstellung des Generals die Striegserklärung des Herrn Baffermann an das Bentrum am Sonntag wieder, daß die nationalliberale Partei nicht nur Bandel sei die Situation viel ernster, als bisher angenommen um eine Nuance schärfer gewesen sei, als die an die Sozial- Seer und Flotte auf der Höhe voller Leistungsfähigkeit er- worden ist. Sei denn vor dem Abschluß des Maroffovertrages das Demokratie gerichtete. Nun, was Herr Bassermann als halten" wissen wolle, sondern auch eine starke und ziel Kriegsministerium ebensowenig gefragt worden wie das Kolonialsüddeutscher Nationalliberaler etwa an solcher Schärfe bewußte Regierung wünsche, die auch den richtigen amt? So ernst die schwarze Gefahr sei, noch mehr und ernster sei vermissen ließ, das holten andere Nationalliberale grind Gebrauch von ihren Machtmitteln zu machen" verstehe. gegenwärtig die rote Gefahr.
lich nach. Rechtsanwalt Cremer Hagen hob hervor, daß und Herr Rebmann, der Mustervertreter der süddeutschen Abg. Dr. Dietrich( f.) wünscht dringend, daß die Frage einer feit jeher der Kampf gegen die Sozialdemokratie als Spielart des Nationalliberalismus, wurde sogar noch deut- eventuellen Heeresvermehrung jetzt nicht weiter erörtert wird, obwohl die vornehmste Aufgabe gegolten habe, und daß prin- licher als Herr Bassermann. Der Ausfall der auch er glaube, daß die eventuelle Erörterung dieser Frage sehr wohl zipielle innere Gegensätze die Partei von der Sozial- Konstanzer Wahl begeisterte ihn zu der Fanfaronade, daß es die Grundlage für eine Heeresvermehrung abgeben könne. Gegen Demokratie trennten. Der Landtagsabgeordnete Schiffer er- fich gezeigt habe, daß unser Volt in feiner tiefsten Seele wärtig soll man aber nicht davon sprechen, sondern davon, was von Stiel erklärte gleichfalls, daß die grundsäßliche und energische durchdrungen ist, daß das deutsche Schwert nicht geber Tribüne des Reichstages herunter dem Volle als Ergebnis der Bekämpfung der Sozialdemokratie als die vornehmste schliffen ist, um unter allen Umständen in der Scheide Beratungen über den Marotto- und Kongo - Bertrag mitgeteilt werden Aufgabe der ganzen inneren Politik anzusehen sei. Und der ste den zu bleiben. Bis in die kleinsten Dörfer be- tönne.
schwächen.
Meichstagsabgeordnete Stresemann betonte gleichfalls, fundete sich der feste Wille des Volkes, die deutsche Ehre Abg. Wiemer( Vp.) hat aus dem Gutachten des Generals daß die unüberbrüdbare Kluft, die die Nationalliberalen von im äußersten Falle auch mit dem Schwerte zu wahren." Wandel den Eindruck getvonnen, daß es beruhigend gewirkt der Sozialdemokratie trenne, nur dann geschlossen werden In der Tat, von einer solchen Partei trennt allerdings hat; scharf müsse auch er die Anregung des Abg. Arning wegen der könne, wenn die Sozialdemokratie fich ändere, die Sozialdemokratie eine abgrundtiefe luft. Und Truppenvermehrung bekämpfen, aber auch er wünsche, daß wenn sie die„ Grundfäße des nationalen Staates wenn die Nationalliberalen den Kampf gegen die Sozialdemo- im Plenum die Arningschen Anregungen sich nicht wiederholen und Lebens anerkenne". Herr Rebmann, der Führer der fratie mit aller prinzipiellen Schärfe und Energie zu führen mögen. badischen Nationalliberalen, bestritt das Vorhandensein dieser gelobt haben, so wird die Sozialdemokratie ihrerseits die Abg. Baasche( natt.) versucht, die Propagandarede feines Kluft gleichfalls nicht, nur meinte er, daß sie mit der Zeit Gegenfäße wahrhaftig nicht zu verschleiern suchen, die sie von Fraktionskollegen Arning für eine neue Militärvorlage abzubielleicht auszugleichen sei. Womit Herr Rebmann dieser Partei des Scharfmachertums und der systematischen nicht etwa andeuten wollte, daß die Nationalliberalen sich in Kriegsheke trennen. Aber auch dort, wo ein wahltatder Richtung der sozialen Demokratie entwideln fönnten, tisches Zusammengehen zwischen Nationalliberalen füffige Geheimnisträmerei bei diesen Beratungen und Abg. Bebel( S03.) wendet sich scharf gegen die meist über sondern worunter er verstand, daß die Sozialdemo- und Sozialdemokraten in Frage kommen sollte, ist es die betont, daß die Sozialdemokraten sich streng an den fratie fich möglicherweise ber bürgerlichen könne. felbstverständliche Pflicht unserer Parteigenoffen, vertraulichen Charakter gehalten haben, was von den Aber noch einen Grund führte der badische Parteiführer ins den Wahlkampf mit der äußersten prinzipiellen bürgerlichen Parteien nicht immer behauptet Feld: Bei einem Zusammengehen von Nationalliberalen und Schärfe zu führen. Nichts wäre furzsichtiger, als wegen werden könne. Das Gutachten des Generals Wandel tönne Sozialdemokraten brauche der Nationalliberalismus feines eines zeitweiligen, zufälligen wahltaktischen Zusammengehens wohl als Einleitung zu einer neuen Militärvorlage betrachtet werden. wegs immer schlecht abzuschneiden. So hätten bei der Wahl den in der Tat unüberbrückbaren Abgrund zu verhüllen, der wohl als Einleitung zu einer neuen Militärvorlage betrachtet werden. Db in Konstanz die Sozialdemokraten nur um 5 Bro- die Partei der sozialen Demokratie und der internationalen die Verhältnisse in Nordafrika derart seien, daß Frankreich im zent, die Nationalliberalen aber um 30 Pro- Völkersolidarität für alle Zeit von einer so reaktionären und stande sein werde, im Kriegsfalle von dort große Truppenmassen gent an Stimmen zugenommen! chauvinistischen Partei, wie die nationalliberale Partei, wegzunehmen, sei doch recht fraglich. Staatssekretär v. Riderlen 23aechter teilte mit, daß es Im übrigen aber nahmen die Meinungsverschiedenheiten scheiden muß und scheiden wird. zwischen rheinisch- westfälischem und süddeutschem National- Und was hier von den Nationalliberalen gesagt wird, fich bei der allgemeinen Behrpflicht in Algier zunächst liberalismus durchaus keine scharfen Formen an. Im Gegen hat auch von den Freisinnigen zu gelten. Man kann in einer nur um einen Versuch handele, der in Algier selbst bei den teil: der scharf sozialistengegnerische Abgeordnete Lohmann, bestimmten politischen Situation auch für einen Gegner als Diese Kolonisten sähen in der militärischen Ausbildung der Farbigen Solonisten zum großen Teil auf starten widerstand stoße. der meinte, die Nationalliberalen könnten es nicht verbas kleinere lebel eintreten, aber diese aus momentanen eine Gefahr für sich selbst und seien der Meinung, daß die antworten, die Sozialdemokratie zu unterſtüken, solange politischen Situationen sich ergebende Stellungnahme wird aufstandsmöglichkeit dadurch wachse. Wenn man auf die Sozialdemokratie nicht eine andere grundsägliche nur dann keine Verwirrung in den Wählermassen anzu- die Siths und Gurkhas hinweise, so dürfe man auch nicht die große Stellung zu Heeres- und Marinefragen ein richten vermögen, wenn den Wählern keinerlei IluSemokraten in Baden und Bayern für durchaus be- gelaffen werden und die nötige Belehrung über die tieferen liches Gemälde bavon zu entwerfen, was alles passieren werde, nehme, erklärte doch das Zusammengehen mit den Sozial- tonen über den wahren Charakter der Gegner Mutiny", den Sepoyaufstand, vergeffen. Abg. Prinz v. Schönaich- Carolath versucht, ein schauergreiflich. Wenn man in Gefahr sei, vom Zentrum erstickt politischen und sozialen Zusammenhänge nicht fehlt! wenn nennenswerte schwarze Truppenmassen auf einem europäischen zu werden, möge man auf alle Zukunftserwägungen pfeifen. Die Badenfer hätten mit ihrer Taktif völlig recht! Und Kriegsschauplatz Verwendung finden werden. auch über die bayerische Politik brauche man sich„ nicht den Stopf zu zerbrechen".
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Abg. Ledebour betonte, daß die schwarze Gefahr nach den Darlegungen des Generals Wandel als ein Phantasieprodukt zerstört worden ist.
Im weiteren Verlauf der Beratungen, die meistens wieder als streng vertraulich bezeichnet wurden, kündete Graf We st arp( t.) an, daß die Konservativen sich nicht dem Wunsche des 8entrums fügen werden, das Vergangene ruben zu
Die Haltung der Herren Nationalliberalen ist also völlig flar. Wie stets, wollen sie auch in der Wahltaktik jeder prinzipiellen Stellungnahme ausweichen. Der Schwindel von der schwarzen Armee". Sie wollen nicht nur was natürlich auch wir als ihr In der Montagsigung der Budgetfommiffion gab auf Verlangen selbstverständliches gutes Recht betrachten die Sozialdemo- der Generalmajor andel ein militärisches Gutachten über die tratie mit aller Schärfe bekämpfen, sondern sie wollen trok fogenannte schwarze Gefahr" ab. General Wandel führte etwa laffen. Nachdem der Reichskanzler die Konservativen so scharf analles Geschreis über die schwarz- blaue Finanzreform und alles folgendes aus: Die Franzosen haben den Wunsch, marokkanische gegriffen habe, glauben sie es der Deffentlichkeit und der Nation Gezeter über die ultramontanen Antikulturbestrebungen Gingeborene militärisch auszubilden und sie als Soldaten dem schuldig zu sein, die englischen Provokationen noch nicht einmal für die Stichwahlen eine klare und Sultan zur Verfügung zu stellen. In fernerer Zeit würden ausführlich zu behandeln, da sie der Meinung sind, daß einheitliche Parole dahin ausgeben, daß in jedem Falle vielleicht folche marokkanische Soldaten auch in Europa Ver- die Regierung nicht in gebührender Weise auf diese Provokationen geder sozialdemokratische Kandidat einem konservativen wendung finden. In absehbarer Zeit ist aber mit antwortet habe. oder Zentrumsmann vorzuziehen sei. Sie wollen vielmehr, solchen Truppen in Europa nicht au rechnen. Nach In der Nachmittagssigung der Kommission erschien Generals wie das ihrer Grundsazlosigkeit und Feigheit, ihrem politi- den bisherigen Erfahrungen, die Frankreich in Maroflo gemacht hat, feldmarschall v. d. Gols , um über türkische und italienische Fragen fchen Molluskencharakter entspricht, möglichst mit allen sind die Maroffaner als Soldaten nicht so brauchbar, wie die sich eingehend zu äußern.