Nr. 11.
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Parteigenossen!
Der 12. Januar hat gehalten, was er versprochen. Das arbeitende Volk Deutschlands hat mit den Parteien des schwarzblauen Blocks gründlich Abrechnung gehalten. Unsere Partei hat sich glänzend geschlagen. Wir haben
65 Mandate
im ersten Wahlgange erobert und
etwa 4 Millionen Stimmen
auf unsere Kandidaten vereinigt
An
121 Stichwahlen
find wir beteiligt.
Sonntag, den 14. Januar 1912.
Die Probe aufs Exempel.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Aunt Moritzplatz, Nr. 1984.
Heze, durch die die Regierung die liberalen Parteien in den Pferch der Reaktion treiben will, auch nicht gerade einen erhebenden Beweis diplomatischer Geschicklichkeit und noch weniger einen Beweis pflichtgemäßer Gewissenhaftigkeit, die angesichts einer noch immer gespannten internationalen Lage Wenn etwas noch die Genugtuung über den schönen sich von solchen Ausschreitungen fernhalten würde. Sieg, den die Sozialdemokratie gestern errungen hat, steiWichtig an dem Aufruf ist nur das eine, die Ankündas unser lieber Bethmann in der Nordd. Allgem. tarismus, die selbstverständlich auch neue Steuern gern fann, so ist es das laute Klagegeschrei und Wehgeheul, digung neuer Forderungen für den MiliZeitung" anstimmen läßt. Also lautet die Beschwörung, die bedeutet. Und damit ist die Frage an den Libedie bürgerlichen Parteien zur gemeinsamen Sammlung gegen ralismus in seiner ganzen Schärfe gestellt. Will er den die Sozialdemokratie bringen soll: ganzen Kampf, den er seit mehr als zwei Jahren geführt hat, Die Hauptwahlen sind vorüber. Sie haben gebracht, was sie verleugnen, will er sich an Händen und Füßen gefesselt wieder nach den erbittetren Kämpfen unter den bürgerlichen Parteien den Blauschwarzen ausliefern und damit seine Existenz als bringen mußten, einen beträchtlichen Gewinn der selbständige Partei aufgeben, oder will er den Mut haben, Sozialdemokratie. 64 Mandate haben nach den bisher vor eine Politik zu treiben, die der Arbeiterklasse die ihr ge liegenden Nachrichten die Sozialdemokraten im ersten Anlauf gebührende politische Vertretung läßt, den Liberalen aber selbst wonnen. Sämtliche bürgerliche Parteien zusammen nur 144, da- eine starke parlamentarische Position verbürgt? von das Zentrum allein 83, die Parteien rechts von ihm 36, der Die konservativ- flerikale Presse wendet alle Mittel an, treiben. Mit absichtlicher Uebertreibung schildert sie den Mißum die Liberalen zum politischen Selbstmord zu erfolg der Liberalen bei den Wahlen. Da muß denn doch darauf hingewiesen werden, daß die Blauschwarzen ihre Mandatserfolge einzig und allein der Wahlkreiseinteiung verdanken, die das Reichstagswahlrecht zu einm PriSchlacht- bilegienwahlrecht für die agrarische Re affion gestaltet hat. Das Ergebnis der Stimmenzählung wird zeigen, wie wenig die Reaktion Grund hat, über liberale Niederlagen zu schreien. Das Geschrei dient nur der Verhüllung des eigenen Rüdganges. Und wenn der Liberalis. mus seine Aufgabe versteht, müßte er alles daran sezen, mit uns den Kampf um die Neueinteilung der Wahl. freise zu führen.
bürgerliche Liberalismus nur 4.
In 120 Wahlkreisen kommt die Sozialdemokratie zur Stichwahl. Nicht aus eigener Straft kann fie dabei fiegen. Jedes Mandat, das sie noch erwirbt, wird sie dem deutschen Bürgertum verdanken. Die bürgerlichen Parteien selbst werden Schuld tragen,
wenn die rote lut noch weiter ansteigt.
In die Hauptwahl ist die Sozialdemokratie mit dem Schlachtruf gezogen:
Krieg bis aufs Messer den konservativen Freiheitsfeinden. Kampf bis zur Vernichtung den verräterischen Zentrumspfaffen.
Unerbittliches Ringen mit den nationalliberalen Scharf.
machern.
C gilt daher das Werk, das bei der Hauptwahl so Rückhaltlose Fehde den fortschrittlich- liberalen Worthelden! glänzend begonnen, am Stichwahltage zu vollenden. Zahl- Gegner machen, der ihnen allen, wie der ganzen bestehenden staatWelche bürgerliche Partei kann gemeinsame Sache mit einem reiche Kreise können durch Heranziehung der Reserven noch lichen Ordnung, seinen ingrimmigen Haß so hochmütig ins Ge
erobert werden.
ficht schreit?
Die Kreuzztg." fennt aber noch ein anderes Mittel, die Liberalen gefügig zu machen. Sie droht:
Bleibt die Linke bei den Stichwahlen der Taktik des„ Front In vielen Wahlkreisen scheiden wir jedoch aus der Stich- orderungen und Aufgaben? Und wie steht die Sozialdemokratie zu unseren nationalen gegen rechts!" treu, dann wird die Sozialdemokratie noch viel glänzendere Geschäfte machen, da sie an 109 Stichwahlen beteiligt waht aus und haben daher zu entscheiden, ob wir für einen Im Innern betreibt fie die Absperrung der Arbeiter ist. Sie selber ist auch ohne Gegenleistung gezwungen und bereit, Kandidaten der bürgerlichen Parteien eintreten können. ben allen anderen Voltsschichten. Der Klassentam pf. ist ihr für liberale Stichwahltandidaten zu stimmen. Liefert ihr aber die Lebenselement. Eine sosiale Revolution mit Abschaffung Linke durch ihre Wahlhilfe Mandate der Rechien aus, dann Nach dem Beschluß des Parteitages in Jena 1911 dürfen des Privateigentums ihr Ziel. Während sie so im eigenen Lande werden die konservativen Wähler taum zu bedie Genossen nur denjenigen Kandidaten ihre Stimme zu- den Haß schürt und einen gewalttätigen Terrorismus stimmen sein, die von den„ Genossen" bedrohten liberalen gegen die Glieder des eigenen Volkes ausübt, huldigt sie nach außen Kandidaten herauszuhauen. Wir selber können unseren wenden, die sich vor Zeugen oder schriftlich verpflichten: dem Trugbild der allgemeinen Völkerverbrüde- Freunden nicht empfehlen, die überaus verderbliche liberale 1. für Aufrechterhaltung des bestehenden Wahlrechts für rung. Deshalb ist sie die Hoffnung der fremden Tattik dadurch zu unterstüßen, daß sie ohne ganz bestimmte den Reichstag;
Neider und Gegner des Deutschen Reichs. Wie be- Gegenleistung freifinnige Stichwahlkandidaten wählen. Es stürzt waren diese nach der unerwarteten Niederlage der Sozial- muß von Wahlkreis zu Wahlkreis auf der Grundlage wechsel2. gegen eine Beschränkung des Vereins- und Verſamm- demokratie bei den Wahlen 1907! Wie werden sie frohloden, wenn seitiger Unterstübung berhandelt und die Gegen= lungs- und des Koalitionsrechts; sich die Erfolge der sozialdemokratischen Partei vom 12. Januar 1912 leistung mit aller denkbaren Sicherheit ausge= bei den Stichwahlen fortseben! macht werden. Wenn der Fortschritt darauf nicht eingeht, müssen
8. gegen eine Verschärfung der sogenannten politischen Paragraphen des Strafrechts;
4. gegen ein wie immer geartetes Ausnahmegesetz; 5. gegen jede Erhöhung oder Neueinführung von Zöllen auf die Verbrauchsartikel der großen Masse; 5. gegen jede Neueinführung oder Erhöhung indirekter Steuern auf Verbrauchsartikel der großen Masse einzutreten und zu stimmen.
Stehen in der engeren Wahl zwei Kandidaten, die beide bereit sind, die aufgestellten Bedingungen zu erfüllen, so ist der Liberale dem Nichtliberalen vorzuziehen. In jedem anderen Falle ist strikte Stimmenthaltung zu proklamieren. Danach und unter Würdigung der Persönlichkeit der in Danach und unter Würdigung der Persönlichkeit der in Frage kommenden Kandidaten ist im Einverständnis mit uns zu entscheiden.
Nun, auf an die Arbeit! Unsere Parole ist nach wie vor: Gegen die Steuerplünderung des schwarzblauen Blocks!
Gegen die Feinde des Koalitionsrechts! Gegen die Feinde des Reichstagswahlrechts!
Vorwärts zum Sturm!
Der letzte Wall muß niedergelegt werden!
Bas an uns liegt, muß geschehen, die Reaktion der Ritter und Heiligen aus ihrer unheilvollen Machtstellung zu verscheuchen, die Gegner des fulturellen Aufstieges der Arbeiter Classe, die Feinde der freiheitlichen Entwickelung des Deutschen Reiches endgültig niederzuringen!
Mit Parteigruß
Der Parteivorstand.
Unsere Werke des Friedens können nur gedeihen, wenn wir wir ihn seinem Schidsal überlassen. Besinnt er sich uns als starte einige Nation in der Welt behaupten. Bu aber auf seine Selbsterhaltungspflicht, dann wird es möglich sein, den nahen Aufgaben des neuen Reichstags gehört die Sicherung ein Anschwellen der sozialdemokratischen Mandate über den Beunserer Wehrfähigkeit. Eine Partei, die sich selbst inter- fitstand vom Jahre 1903 hinaus zu verhindern." national nennt, in der sich der Gedanke eines massenstreits im Falle der Mobilmachung hervorwagen durfte, ist ihrem ganzen Wesen nach zur Erfüllung diefer wichtigsten Aufgabe unfähig. Nicht Mißmut über diesen oder jenen mit Recht oder Unrecht als Uebel empfundenen Zustand in Reich und Staat, nicht Rückficht auf Parteivorteile durch Paktieren mit der Sozialdemokratie lente den Schritt zur Stichwahl.
-LA
Nicht auf vergangenen Hader der Parteien auf die Zukunft der Nation richte sich der Blick!"
Es ist wirklich interessant zu sehen, wie wenig diese wahren Patrioten von der„ bürgerlichen Gemeinbürgschaft gegen die Sozialdemokratie" halten, wenn sie mit deren Verleugnung bessere Schachergeschäfte zu machen hoffen.
Noch komischer kommt die Formulierung dieser Erpreſsertaftik bei der Deutschen Tageszeitung" heraus. Zuerst verkündet das Brotwucherorgan, daß die Zurückdrängung der Sozialdemokratie das Hauptziel aller monarchisch gesinnten Parteien sein müsse. Dann aber erinnert sie sich rechtzeitig, daß die Konservativen zum Glück das Geschick des Liberalismus größtenteils in ihrer Hand halten. Und wir zweifeln nicht daran, die Bündler sind imstande, ihre monarchische Gesinnung auch in diesem Fall ebenso zu verleugnen, als wenn es sich etwa um Herabsetzung der Getreidezölle handelte.
Aber so steht die Sache ja gar nicht und die Drohung berbirgt nur die Angst. Bleiben die Liberalen fest, so ist die schwarzblaue Majorität unwiederbringlich, dahin. Freilich, daß die Liberalen das tun werden, das werden wir sehen müssen, um es zu glauben.
Eine ausführliche Polemik wird man uns wohl erlassen. Wir werden Herrn von Bethmann nicht darüber belehren, daß der Klassenkampf, seitdem es ein Privateigentum gibt, die bewegende Kraft der Geschichte gewesen ist, und daß wir in dem Vorwurf, daß„ Klassenkampf unser Lebenselement" sei, nur eine Anerkennung finden. Wenn aber die„ Nordd. Allg. 3tg." sich erfrecht, die geschlossene Stellungnahme eines Drittels des deutschen Volkes zu verunglimpfen und ihr schmutziges Wahlgeschäft mit der Berleumdung zu betreiben sucht, daß unser Sieg die Hoffnung der fremden Neider und Gegner des Deutschen Reiches sei, so wollen wir Die Sozialdemokratie aber geht unabhängig ihr darauf die Antwort allerdings nicht schuldig bleiben. Ja- und ohne Gedanken an politische Schachergeschäfte in die Stichwohl, unser Sieg ist die Hoffnung und der Jubel von Milli- wahl. Ihre Bedingungen sind klar formuliert, ihre Haltung onen, die außerhalb Deutschlands wohnen. Wo überall in der durch ihr Interesse an der politischen Fortentwickelung des Welt Arbeiter zum Bewußtsein ihrer Lage und ihrer geschicht- deutschen Volkes eindeutig bestimmt. Sie wird alle Kraft lichen Aufgabe erwacht sind, da wird die Kunde von dem daran seßen, der flerifal fonservativen Reatgroßen Siege des 12. Januar Begeisterung wecken, den tion den Garaus zumachen. Die Möglichkeit dazu Kampfesmut beleben und zu neuen Straftanstrengungen an- ist vorhanden, wenn der Liberalismus zu Gleichem spornen. Aber diese Millionen sind nicht die Gegner des die Kraft des Entschlusses findet. Deshalb lastet aber auf ihm genossen. Die Gegner und Neider des Deutschen Reiches finden sich nur in der schmalen Schicht, in deren Interesse
deutschen Volkes, fie find unsere Brüder und Kampf- auch die ganze Schwere der Verantwortung.
Herzliche Glückwünsche zu Eurem prächtigen Sieg.
Das Internationale Sozialistische Bureau. Anseele, Vandervelde, Furnemont, Huysmans .
und zu deren Nußen die Grey, Caillaug und Aehrental ebenjo Die Glückwünsche der Internationale. regieren wie die Bethmann und seinesgleichen in Deutschland . und ihre Hoffnung ist nicht der Sieg der deutschen Sozialdemokratie, der weit hinauswirkend auch in ihren Ländern die Partei der Freiheit und des Friedens stärkt, ihre Hoffnung ist höchstens die Unfähigkeit fremder Staatsmänner. Und die Herren Bethmann und Kiderlen täten sehr gut daran, uns nicht zur Untersuchung der Frage anzuregen, ihrem messen Unfähigkeit nach dem Urteil der patriotischen Presse die„ Gegner und Neider des Deutschen Reichs" ihre Erfolge zu verdanken haben. Liefert doch die chauvinistische