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Nr. 227.

Erscheint täglich außer Montags. Brets pränumerando: Viertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Big. frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 fg. Sonntags: Nummer mit Huftr. Sonntags: Betlage Neue Selt" 10 Bfg. Poft- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Defterreich: Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr: in ber Boft Bettungs- Breisliste für 1893 unter Nr. 6708.

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Vorwärts

10. Jahrg.

Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren

Raum 40 Pfg., für Bereins- und Beriammlungs: Anzeigen 20 fg Juferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in Der Expedition abgegeben werden. Die Grpedition ift an Wochens tagen bis 7 or Abends, an Sonn­und festtagen bis 9 1hr Vor­mittags geöffnet.

Fernsprecher: Amt I, 4186. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin Berliner

Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Abonnements- Einladung.

Mittwoch, den 27. September 1893. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3.

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Ich betheilige mich um so lieber an dieser Diskussion, alles auf die Natur und Umstände des Kompromisses an. weil ich die Ueberzeugung habe, daß die Vermuthung Schön. Aber die Natur des von ihm vorgeschlagenen Bernstein's, das Ergebniß seiner Erwägungen werde auf Kompromisses ist eben derartig, daß die Sozialdemokratie Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement vielfachen, vielleicht auf allseitigen Widerspruch in den ihrer Selbsterhaltung wegen nicht darauf eingehen kann. auf den Reihen der Genossen stoßen", zutrifft. Die Taktit, die von Bernstein empfohlen wird, müßte Man kann Bernstein vollkommen Recht geben in seinem die Partei forrumpiren, und eine selbstverständlich von Urtheil über die Wahlenthaltung aus Prinzip, ohne dazu Bernstein nicht gewollte Verwässerung der sozialdemo zu gelangen, aus dem Entgegengesezten ein Prinzip zu kratischen Agitation zur Folge haben. Das Mandat, ein­machen, nämlich aus der Wahlbetheiligung. mal, auch um den Preis eines Kompromisses, als erstrebens­werth hingestellt, zwingt Rücksichten auf, bei denen die Agitation und die Propagirung unserer Ziele unbedingt Schaden leiden muß.

Vorwärts"

Berliner Volksblatt

mit der illustrirten Sonntagsbeilage

,, Die Neue Welt".

Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von

1 Mart 10 Pfennige frei ins Haus,

wöchentlich 28 Pfennige.

&

Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonnements zum Preise von

3,30 Mark für das Quartal

Die Betheiligung der Sozialdemokratie an irgend einer Wahl muß nach meiner Ansicht die Möglichkeit zur Vorauslegung haben, selbständig, aus eigener Kraft, ohne fremde Hilfe eine sozialdemokratische Vertretung in der be­treffenden Körperschaft zu schaffen.

Dies ist bei den preußischen Landtagswahlen nicht der Fall. Nicht das Dreitlassenwahlsystem hält mich von der Betheiligung ab, sondern der Umstand, daß wir bei diesem Wahlsystem niemals die Mehrheit der Wahlmänner haben und dadurch nicht im stande sein werden, Mandate ohne Hilfe anderer Parteien zu erringen.

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Der Klassenkampf des Proletariats muß frei gehalten werden von Bündnissen mit bürgerlichen Parteien.

Genosse Bernstein äußert manche Bedenken gegen die Betheiligung an Barlamentswahlen und die Bethätigung in den Barlamenten.

Ich theile seine Befürchtungen nicht, weil ich die Partei für start genug halte, Leute, die etwa die von Bernstein gedachten Handlungen begehen, jeden Moment un­Der Bernstein'sche Vorschlag will die Kompromiß- schädlich zu machen. macherei in die Reihe der sozialdemokratischen Kampfmittel Aber einen Augenblick die Richtigkeit der Bernstein­einfügen. Es ist dies ein Vorschlag, der, wie ich glaube, schen Ansicht angenommen, so ist doch die Ausführung seines gleich bei seinem ersten Auftreten ganz entschieden zurück- Vorschlages erst recht schädlich. Denn wie soll die parla­entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1893 gewiesen werden muß. mentarische Thätigkeit der sozialdemokratischen Abgeordneten unter Nr. 6708.) Wir ersuchen unsere Postabonnenten höflichst, Es ist auch nicht richtig, was Bernstein behauptet, daß energisch und zielbewußt ausgeübt werden, wenn der das- Abonnement rechtzeitig aufzugeben, damit die regelniäßige nämlich die Sozialdemokratie bisher schon Kompromisse Boden, dem die Mandatsinhaber entwachsen, von der Zustellung des Blattes teine Unterbrechung erleidet. Neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene mit anderen Parteien abgeschlossen hat. Bernstein irrt, Bourgeoisie bereitet ist? wenn er annimmt, bei den Reichstagswahlen sei ein Rom - Was können sozialdemokratische Abgeordnete, die das Der Aufruhr in den Cevennenek nenn euch ein geschriebenes, sondern meist sogar Produkt bürgerlicher Wahlſtimmen sind, im preußischen Land­stillschweigendes" gemacht worden. tage leisten?

Theil der Erzählung

auf Verlangen gratis nachgeliefert.

Die Redaktion und Expedition des

Vorwärts" Berliner Volksblatt.

ろろく

Nochmals

die preußischen Landtagswahlen. Da der Leitartikel, den wir aus der Feder eines Ge­noffen am vorigen Sonntag veröffentlicht haben, noch einige Ergänzungen zuläßt, so bringen wir hente, um mit der Frage vollständig aufzuräumen, nachstehenden ursprünglich für die Neue Zeit" bestimmten und darum von dem Verfasser unterzeichneten Artikel zum Abdruck:

Die Sozialdemokratie

und die preußischen Landtagswahlen. Eduard Bernstein spricht sich in der Neuen Zeit" für die Betheiligung der Sozialdemokratie an den preußischen Landtagswahlen aus und fordert, indem er seine Ansicht zur Erwägung stellt, zu einer Diskussion seines Vor schlages auf.

Feuilleton.

( 18

Das Verhalten der Sozialdemokratie bei den Reichstags- Die Sozialdemokratie soll wie ich meine wahlen ist prinzipiell and taktisch unanfechtbar. Unbedingte nicht danach streben, in einem Parlament zu sigen, das Stimmenthaltung bei Stichwahlen zwischen gegnerischen aus dem Schooße des" elendesten und widersinnigsten aller Parteien wäre in manchen Fällen politischer Selbstmord. Wahlsysteme" geboren, die widerliche Karikatur einer Bolts­ber unsere Taktik bei den Reichstagswahlen ist bei den vertretung darfstellt. Die Size in einem solchen Parlament dürfen

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denke

preußischen Landtagswahlen nicht anwendbar. Dort geben wir selbstverständlich, ohne eine Gegenleistung zu fordern oder ich nicht erkauft werden mit der Preisgabe eines zu erwarten, unsere Stimmen einer Partei, die in bestimmten Grundsages, den die Partei seit Jahrzehnten mit Recht als Fragen eine unserer Auffassung entsprechende Politit verfolgt. ein Gebot der Parteiehre bezeichnet hat.

pier sollen wir nach Bernſtein's Vorschlag unsere Stimmen Der Bernstein'sche Vorschlag ist aus prinzipiellen für den Preis eines Mandats an unsere Feinde verkaufen. Gründen unannehmbar, und jede noch so gewandte dialektische Wir können nicht verhindern, daß gegnerische Stimmen bei Bertheidigung desselben scheitert an der Thatsache, daß den Reichstagswahlen für unsere Kandidaten abgegeben feine Ausführung mit den ehernen Prinzipien der Sozial­werden, aber was wir verhindern müssen, ist der Tausch- demokratie unvereinbar ist. handel mit Mandaten, den uns Bernstein zumuthet.

Oder ist etwa die Bernstein'sche Anregung so zu ver­Würde es nicht unseren Prinzipien und unserem Pro- stehen, daß es sich nicht darum handelt, auf dem Wege des gramm gegenüber geradezu ein Hohn sein, wenn die Kompromiffes mit einer beliebigen, hierzu bereiten bürger­sozialdemokratischen Wahlmänner in Berlin für einen lichen Partei sozialdemokratische Abgeordnete in den Freifinnigen, in Königsberg für einen Konservativen, in preußischen Landtag zu bringen, sondern daß er es als Hannover für einen Nationalliberalen und in Köln für eine Aufgabe der Sozialdemokratie betrachtet, das Ab­einen Ultramontanen stimmten, nur um in diesen Städten geordnetenhaus aus einer konservativ- ultramontanen Körper­ein Landtagsmandat zu ergattern? schaft in eine liberale Vertretung der Kapitalistenklasse zu verwandeln?

Bernstein ist nicht von der Verderblichkeit und Ver­werflichkeit aller Kompromisse überzeugt und meint, es fäme

In diesem Falle müßte Genosse Bernstein erst an­

Bause an, oft durch Schluchzen unterbrochen, hab' ich doch Läßt es sich sagen, mein Vater?" fing Edmund an, feit manchem Jahr diese Zeichen Deiner Liebe nicht ge- werden Sie es faffen, was ich selber nicht mit meiner ge­spürt, und nun eben, in diesem entsetzlichen Augenblicke, in wöhnlichen Erkenntniß begreifen würde? Wir würden es welchem mein ganzes Leben wie in einem Traum zerrinnt, ja nicht verstehen, wenn dieser Saal sich plötzlich um uns in welchem Du so gewaltsam meinem Herzen entrissen in hesperische Gärten verwandelte, aber wir würden die wirst!- ich kann mich nicht fassen, ich kann Dich nicht Früchte genießen, wir würden im Wunder leben und sein, meine Liebe, wenn nichts Deinen starren, räthselhaften andern Erkennens bedürfe." Willen brechen kann? D Gott der Liebe! giebt es in allen Empfindungen, die Du geschaffen hast, eine innigere als die des Vaters zum Kinde? Und wissen wir, welche un geheuere Schmerzen wir uns erflehen, wenn wir den Himmel um Kinder bitten?"

Der Aufruhr in den Cevennen. fragen; und was soll ich auch erfahren, wenn meine Bitten, fa durch dasselbe, und darüber vergessen, daß es noch eines

Eine Erzählung

von Ludwig Tied.

Der Vater raffte sich gewaltsam auf, er faßte träftig den Sohn in seine Arme und trug ihn so mit übermensch licher Anstrengung in den Saal. Hier sette er ihn in den Lehnstuhl, nahm dann das Licht, leuchtete ihm in die Augen und betrachtete seine ganze Gestalt; dann faßte er ihn bei der Brust und rief im heftigsten Ton: Das wolltest Du mir thun, Ungerathener?"

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Sie hielten sich lange umarmt. Endlich sagte Edmund: Lassen Sie mich mit Ihrem Segen scheiden, mein Vater,"

Den kann ich Dir nicht zu Deinem gräßlichen Vor­haben geben," antwortete der Nath; es ist so furchtbar, daß ich Dich und mich noch immer wie zwei Gespenster an­starren muß."

So hat Dich also jener Wahnsinn," rief der Alte, auf seine Weise auch angefaßt und in die dunkeln Falten feines Gewandes eingewickelt? Nun davor sicher zu sein, hätt ich wohl geschworen! Und doch hätt' ich unrecht ge­than, denn jede Schwärmerei ist ja doch nur die Zwillings­geburt der scheinbar unähnlichsten und feindseligsten."

Sie sprechen von Ihrem Gemüthe aus," sagte der Sohn, und ich verstehe Sie vollkommen, aber Sie mich nicht." " Nun gut, Edmund," sagte der Rath, Du magst recht haben, erzähle nur, sprich, vielleicht komm' ich Deiner Seele näher."

" Ja," antwortete Edmund kalt, ich kann nicht anders, ich muß! lassen Sie mich! glaubte ich doch so einmal Ihren Beifall zu erwerben." Beide schwiegen lange Zeit. Endlich sagte der Vater: Als Rebell?" schrie der Parlamentsrath mit gewalch mag. Dich nicht bitten, Dich niederzulegen, denn ich Wie sehr ich diefe Hugenotten haßte," fing Edmund tiger Stimme, als Mörder? den ich unter Martern auf muß fürchten, Du gehorchst mir nicht, es nußt nicht, wenn wieder an, wie sehr ich ihren Krieg gegen den König, dem Hochgericht soll sterben sehen? der mein graues ich mich auch durch Schlaf beruhigen wollte, denn jeder ihre Schwärmer und Propheten verabscheute und den Haar beschimpft? der den Vater in die Hände der Henter Schlummer wird mein zerrüttetes Gehirn fliehn; was ich groben Betrug des Gesindels verachtete, brauche ich Ihnen liefert?" morgen erfahren würde, tann ich auch heut' noch hören; nicht zu sagen, denn meine gereizte Empfindung machte Der Sohn fah ihn starr an, aber falt und rubig; der wenn ich es fasse, wenn ich das Unbegreifliche verstehe, so Sie unglücklich, und es scheint mein Schicksal, daß ich Bater war aufs tiefste erschüttert und verlor vor diesen wird es mich vielleicht weniger entsetzen, ich werde Ihr Elend bin, ich mag mich auf eine Seite stellen, auf Er hielt todten Blicke die Gewalt, die ein übernatürlicher Schreck mit Gram und Schmerz dem Nothwendigen vielleicht nach welche ich will, so jetzt wie damals." Mit diesen ihm nur auf Augenblicke geliehen hatte; er fiel laut geben, wie dem Sturm oder Erdbeben; aber von diesem ein Weilchen inne und sprach dann weiter: meinend auf den Sohn, der die Arme um ihn schlug, ihn Gespenstergrausen, von diesem fast fragenhaften Räthsel, Empfindungen zog ich die Bauernkleider aut, die mir so ver­tüßte und durch Liebkosungen den Jammernden zu trösten das mich rajend zu machen droht, befreie mich wenigstens haßt waren, unser Freund verließ mich, wie Sie wissen, und ich ging mit seinem Sohne in das Gebirgsthaf hinauf. fuchte. mein Sohn!" fing der Vater nach einer langen durch Sprechen und Erzählen."

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