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Nr. 18.

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Berliner Volksblaff.

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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1983.

Dienstag, den 23. Januar 1912.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1984.

Und wieder Kampf und wieder Sieg!

Das war ein guter Tag heute!

nicht vermocht, heute schon den Sieg der Sozialdemokratie

Das Wahlergebnis in Berlin I .

Bei der gestrigen Stichwahl erhielten:

Der Freifinnige

In der Hauptwahl erhielten Stimmen: Kaempf( Fortschr.) 4657, Dütvell( Soz.) 4408, Gäble( Dem.) 1895,

Thomas( W.Vg.) 482, Graf Oppersdorff ( 3.) 169, Chocißewski( Pole) 37, zersplittert 7.

Reiche Ernte haben wir gehalten und nicht nur die Zahl zu verschaffen. Zu ungünstig ist die soziale Struktur ber Siege, sondern auch ihre Art dürfen wir rühmen. An dieses Bezirkes und nur besondere Umstände konnten dies­53 Stichwahlen waren wir heute beteiligt und bis zur Stunde mal Siegeshoffnungen erwecken, die dem kühlen Urteil gegenüber Kaempf( Fortschr.) 5588 Stimmen verzeichnen wir 27 Siegesmeldungen und 99 Mandate be- nicht ganz gerechtfertigt waren. Damit Berlin I hätte erobert Düwell( Soz.).. 5579 fizzen wir. werden können, wäre notwendig gewesen, daß die reaktionären 124 Stimmzettel wurden für ungültig erklärt. Köln ist unser! Das deutsche Rom hat die rote Wähler sich der Stimme enthalten und die Wähler des Herrn Gädke Kaempf ist somit gewählt. Fahne gehißt, die Hauptstadt des Zentrums ist von der vollzählig für den Sozialdemokraten gestimmt hätten. Beides Sozialdemokratie erobert worden. Heiß war der Kampf war unwahrscheinlich. Die Demokratische Vereinigung ist eine alles hatte das Zentrum daran gesetzt, die heilige zu junge und zu schwache Organisation, als daß auf die Stadt zu halten. Unser ist sie und stolze Hoffnungen be- Innehaltung der von ihr ausgegebenen Parole mit Sicherheit gleiten diesen Sieg. Das ist eine mächtige Bresche in den hätte gerechnet werden können. Unter ihren Wählern befinden Zentrumsturm, das ist eine Niederlage, von der das Zentrum sich gewiß zum großen Teil Angehörige von Schichten, die fich nicht wieder erholen wird. Zu Ende geht das stolze ihrer sozialen Lage nach als Ausgebeutete des Kapitals zu uns Märchen von der Unbesiegbarkeit der Klerikalen. Jetzt haben gehören und den Weg zu uns auch finden werden. Da­wir ihre Reihen ins Wanken gebracht und unermüdliche Arbeit neben aber haben für Herrn Gädke viele aus" persönlichen Zu den bisher gewählten 72 Sozialdemokrater wird dafür sorgen, daß sie nicht mehr zum Stehen kommen. Gründen sei es aus Sympathie für diesen dem preußischen sind folgende 27 hinzugewählt: Und noch ein prächtiger Erfolg ist uns heute im Westen Militarismus so verhaßten Mann, sei es aus Antipathie gegen Weimar beschert worden. Hagen haben wir erobert, den alten Wahl- Herrn Kaempf gestimmt. Diese haben unter dem Ein­kreis Eugen Richters, der so lange unserem Ansturm stand- fluß der gewaltigen Agitation, die die Liberalen entfaltet gehalten hat. haben, wieder ins freisinnige Lager zurückgefunden.

Und auch Hagen ist wie Köln nur ein Anfang und das Ende wird heißen: das ganze Industrierevier, dieses mächtigste Zentrum des Kapitalismus in Europa , ist sozialdemokratisch geworden. Langsam und mühsam, Schritt für Schritt bringen wir dort vor, aber den Boden, den wir einmal gewonnen haben, den wissen wir zu halten und zu erweitern.

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Noch viel weniger Einfluß hat die reaktionäre Wahl­parole ausgeübt. Die Berliner Asphaltkonservativen sind keine hartherzigen Bündler. Es sind zumeist abhängige Existenzen, höhere Beamte, Offiziere a. D., Herren, die sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, auf so bequeme Weise den Staat zu retten und Patriotismus zu prästieren. So sind sie denn dem Diesen zwei schönsten Siegen schließen sich eine ganze Beispiel des Herrn von Bethmann und seiner Minister gefolgt Reihe anderer an. Frankfurt a. M. ist nach heißem Ringen und haben Kaempf gewählt. Die ihrer Klassenstellung nach erobert, Breslau - Ost ist sozialdemokratisch geworden, in zusammengehören, haben sich in diesem Wahlkampf gefunden Görlitz ist Dr. Mugdan, der intellektuelle Urheber der und das Lager des Kapitals hat sich von dem der Arbeit Reichsversicherungsordnung, von uns verdrängt, in Plauen reinlich geschieden. Wir sind die letzten, die solche flaren ist der Führer des sächsischen Freisinns, Herr Günther, zur Scheidungen nicht freudig begrüßen. Vergeblich ist für uns Strede gebracht worden, die wohlverdiente Vergeltung für die Haltung der Fortschrittler in Sachsen . Das rote König­reich hat aus seinen 23 Kreisen 19 Sozialdemokraten in den Reichstag geschickt. Die Scharte von 1907 ist gründlich aus­gewekt.

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dieser Wahlkampf sicherlich nicht gewesen. Vielen dem Prole­tariat Nahestehenden hat er die Augen geöffnet, gute Werbe­arbeit ist verrichtet worden. Und der ziffernmäßige Erfolg darf uns mit Stolz und Genugtuung erfüllen. Nur neun Stimmen und die letzte Feste wäre erstürmt gewesen. Nur Soweit bis zur Stunde, wo die Zahlenangaben nicht voll einige Stimmen, die vielleicht für die Sozialdemokratie be­ständig zu überblicken sind, ein Urteil gefällt werden kann, stimmt waren, nicht für ungültig erklärt und der Freisinn scheinen sich die Wähler der Fortschrittspartei im hätte feine letzte Zufluchtsstätte in Berlin eingebüßt. Wir Kampf gegen den schwarzblauen Block besser gehalten zu find es wahrlich nicht, die da Grund zur Trauer hätten. haben, als am ersten Stichwahltage. Dies gilt für die süd- Außergewöhnlich politische Bedeutung hat ja der deutschen Wahlkreise mehr als für die norddeutschen. Und Kampf gerade um diesen Kreis, der zu den Kleinsten städtischen in Köln sind nicht nur Fortschrittler, sondern auch National- Wahlkreisen gehört, nicht gehabt. Aber er war für viele eine liberale für den Sozialdemokraten gegen das Zentrum mit Sache des Gefühls. Allen ungünstigen Verhältnissen zum ihrer Stimme eingetreten. In Mühlhausen in Thüringen Trok sollte auch über den letzten der Berliner Wahlkreise aber haben die Fortschrittler uns im Kampf gegen den Kon- heute schon die rote Fahne aufgepflanzt werden. Es ist nicht fervativen im Stich gelassen. gelungen, aber so sehr wir auch diesen Mangel beklagen, der gleichsam in dem Bilde des roten Berlin einen Schönheitsfehler bildet, zur Enttäuschung ist weder Grund noch Zeit. Und am Donnerstag wollen wir uns Revanche holen und in Potsdam soll die rote Fahne auf­gepflanzt werden als Zeichen unseres unaushaltsamen Vormarsches!

Die Konservativen und Klerikalen haben eine schwere Niederlage zu verzeichnen. Zirka 19 Mandate haben sie verloren. Die schwarzblaue Herrschaft liegt in den letzten Zügen. Donnerstag muß sie völlig zertrümmert

werden.

Die Ehren dieses Tages aber gehören vor allem der Sozialdemokratie. Nicht weniger als 18 Wahlkreise sieht sie zum erstenmal in ihrem Besiz. Es sind die folgenden: Bitter­ feld , Kaiserslautern , Heilbronn , Köln , Hagen , Kolmar, Jena , Bensheim , Bernburg , Bayreuth , Hildesheim , Görlitz , Dessau , Ansbach , Einbeck - Northeim , Metz , Straßburg - Land und Jericho .

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Das Gefamtrefultat.

Diesen 18 Eroberungen und 9 Wiedererwerbungen stehen Bis Mitternacht waren von 80 Stichwahlen sämtliche Resultate! nur zwei Verluste entgegen: Friedberg - Büdingen und Eisenach - bekannt. Gewählt find: 27 Sozialdemokraten, 18 Fort­Dermbach, die unsere Genossen Busold und Leber in Nach- schrittliche Volkspartei, 13 Nationalliberale, 5 Konservative, wahlen geholt hatten, konnten diesmal nicht behauptet werden. 3 Wirtschaftliche Vereinigung, 3 Zentrum, 3 Welfen, 2 Polen , Noch einmal ist es den Freisinnigen gelungen, Berlin I1 Reichspartei, 1 Deutsche Reformpartei, 2 Bayerischer Bauern­zu behaupten. Der Sieg" ist allerdings mehr als knapp. bund, 1 bayerischer Liberaler und 1 Lothringer. Die Sozial. Genosse Düwell hat 5579 Stimmen, Kaempf 5588 er- bemokraten gewinnen 26 und verlieren 2 Site, die Fork­halten. Nicht weniger als 124 Stimmen wurden aber für schrittler gewinnen 5 und verlieren 5, die Nationallibe ungültig erklärt. Aus welchen und ob aus absolut stich- ralen gewinnen 7 und verlieren 8, die Konservativen ge­haltigen Gründen ist uns natürlich jetzt noch unbekannt. Der winnen 1 und verlieren 4, das Zentrum gewinnt 2 und ver­Sozialdemokrat hat 1171 Stimmen, Kaempf 931 gegen die liert 2, die Polen verlieren 1, die Reichspartei verliert 4, die Wirt­Hauptwahl gewonnen. Die bewunderungswürdigen An- fchaftliche Vereinigung gewinnt und verliert 1, die Welfen gewin­strengungen unserer Genossen, die energische Unterstützung der nen 3, der Bayerische Bauernbund gewinnt 2, die Elsässer ver­Leitenden Kreise der demokratischen Vereinigung haben also tieren 1, die Lothringer gewinnen und verlieren 1 Sit.

Die gewählten Sozialdemokraten.

Darmstadt

Breslau - Ost

Baudert Dr. Duessel Bauer

Plauen

Jäckel

Frankfurt a. M.

Quard

Dschersleben- Halberstadt Brandes

Rottbus Altenburg

Höchst

Giebel

Käppler

Brühn

Neu eroberte Kreise:

Kaiserslautern

Hoffmann

Heilbronn Bitterfeld Köln

Feuerstein

Raute

Hofrichter

Erbach- Bensheim

Hasenzahl

Bender

Peirotes

Bernburg Kolmår

Jena Hagen

Dessau Görlitz

Leutert

König

Ansbach

Hierl

Heine

Taubadel

Hildesheim Bayreuth

Rauch

Hugel

Einbeck - Northeim

Deichmann.

Mezz Straßburg- Land Jerichow

Weill

Fuchs

Haupt

An Mandaten besitzen nunmehr:

die Sozialdemokratie

früh. Frat­

tionsstärke

99

53

die Fortschr. Volkspartei

34

49

die Nationalliberalen und Bauernbund die Konservativen

38

51

40

das Zentrum

.91 103

die Reichspartei

12

25

Antisemiten und Wirtschaftliche Vereinigung 13 Polen

21

16

20

Welfen

5

Elfaß- Lothringer Dänen

6

8

1

1

Wilde

2

6