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Nr. 19.

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Vorwürts

Berliner Volksblatt.

29. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1983.

Endkampf.

Sie röchelt noch, die konservativ- Klerikale Reaktion und am Grabe noch pflanzt sie neue Hoffnung auf. Und die " Germania " hat schon recht, wenn sie darauf verweist, daß unter den nationalliberalen Abgeordneten sichere Parteigänger

Mittwoch, den 24. Januar 1912.

Konservative.

Das Wahlergebnis.

des schwarzblauen Blocks sich befinden, wie die Herren Sozialdemokraten b. Heyl, Wittum, Beck und manche andere. Hätten die Fort­schrittler am ersten Stichwahltage nicht sechzehn Mandate der Re- Zentrum attion überliefert, der schwarzblaue Block wäre heute schon zer­trümmert. So wird erst am Donnerstag die Entscheidung fallen und harte Arbeit wird notwendig sein, das Ziel zu erreichen. Nationalliberale. Bis jetzt zählt die konservativ- flerifale Reaktion mit ihren Helfershelfern 188 Abgeordnete; die Liberalen haben 77 Ab- Fortschr. Volkspartei geordnete, die Sozialdemokraten 99. Am Donnerstag finden 33 Stichwahlen statt. In vier kämpfen Schwarzblaue unter­einander, diese sind ihnen also sicher. Dazu kann noch als Wirtsch. Vgg. u. Antis.. fünftes Mandat das von Mörs- Rees kommen, wo das Zentrum mit fonservativer Unterstügung nach den Zahlen der Reichspartei Hauptwahl über die Mehrheit gegen den nationalliberalen

Stichwahlgegner verfügt.

Polen

Das würde aber bereits 193 Welfen.

Mandate ergeben. In den 28 verbleibenden Kreisen sind Elsasser.

in zwölf die Stichwahl zwischen Sozialdemokraten einerseits,

Nationalliberalen und Fortschrittlern andererseits auszufechten. Lothringer. Die eigentliche Entscheidung wird also in den 16 ver­

Bisher

gewählt

Gewinne Verluste

Frühere Stärke

99

59

9

9

91

5

14

58 103

41

6

18

59

38

19

29

51

36

13

18

49

16

1

20

13

3

10

21

12

3

14

25

5

5

1

1

5

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21

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8

3

1

1

9

1

1

1 364

2

5

6

1

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferusprecher: Amt Moritplatz, Nr. 1984.

über den Religionsunterricht verbleiben. In den Schulvorstand sollen zwar auch Einwohner der Gemeinde gewählt werden können, den Frauen soll der Zutritt jedoch nach wie vor versperrt sein. Die allgemeine Volksschule wird zuschanden an der Bestimmung, wonach die Gemeinden befugt sein sollen, nebenein­ander verschiedene Volksschularten, einfache, mittlere und höhere, zu errichten. Damit wird dem Standesschulunfug, der jetzt schon in Sachsen arg grassiert, Tür und Tor geöffnet. Aller­dings wird die Errichtung verschiedener Volksschulen nicht mehr, wie es bisher der Fall war, direkt vorgeschrieben. Doch wird da= durch an dem Standesschulunwesen nichts geändert, denn in den Gemeindevertretungen, die in Zukunft darüber zu entscheiden haben, sigen die Leute, die dem Standesdünkel der Besitzenden durch Errichtung von Sonderschulen mit besonderem Eifer Kon­zessionen machen.

Für schwachbefähigte Kinder sollen Hilfsschulen oder Hilfsschul­Klassen errichtet werden, verbrecherisch veranlagte Kinder aus der Volksschule entfernt und einem besonderen Unterrichte zugeführt werden. Als wesentlichste Besserung kann die Einführung der Fortbildungsschulpflicht für schulentlassene Mädchen gelten. Dieser Unterricht soll zwei Jahre dauern, wenn die wöchentliche Unterrichtszeit wenigstens zwei Stunden beträgt, und ein Jahr, wenn vier Stunden in der Woche Unterricht erteilt wird. Als Unterrichtsgegenstände für die Mädchenfortbildungs­schulen werden genannt: Hauswirtschaftsstunde in Verbindung mit Bürgerkunde, Gesundheitslehre, Erziehungslehre, Kinderpflege, fo= wie deutsche Sprache und Rechnen. Bemerkt sei noch, daß auch dr Fortbildungsschulunterricht für Knaben etwas ausgebaut und durch Bürgerkunde ergänzt werden soll. Diese soll auch in den letzten Jahren des Volksschulunterrichts gelehrt werden, während für die Knaben in der Volksschule auch Handfertigkeitsunterricht obligatorisch eingeführt werden soll.

-

Hinter den sozialdemokratischen Volksschulforderungen bleibt die Regierungsvorlage himmelweit zurück, doch auch die Lehrer werden schwer enttäuscht sein.. Was die Regierung plant, ist kaum als Volksschulreform zu bezeichnen.

Aus dem Wahlkampf.

bleibenden Kreisen fallen und die liberalen Wähler müßten Bayer. Bauernbund hier ganze Arbeit leisten und bollzählig Bauernbund

für den Sozialdemokraten zur Urne gehen,

soll der schwarzblaue Block zertrümmert werden und eine Dänen halbwegs ausreichende Abwehrmajorität zustande kommen.

Die Nationalliberalen berüben aber Verrat Wilde Sie haben in Dortmund , Effen und Düsseldorf die Parole für das Zentrum gegen die Sozialdemokratie ausgegeben, um sich die Zentrumsunterstützung in Bochum und Duisburg zu erkaufen. Und nicht minder schmählich ist der Kuhhandel, den sie im Dsten abgeschlossen haben.

für die

Sächfliche Volksschulreform.

Aus Dresden wird uns geschrieben:

Ein perfider Wahlschwindel.

In der gestrigen Nummer veröffentlichten wir unter den Vor­

Aus Düsseldorf .

"

In Sorau steht der Führer der Nationalliberalen Herr Seit Jahren wird in Sachsen der Kampf für ein neues Bolts- ort- Nachrichten als Beweis dafür, mit welchen unsauberen Mitteln Bahn mit unserem Genossen Schumann in Stichwahl. schulgesetz geführt, an dem sich die Lehrerschaft lebhaft beteiligte. im Wahlkreise Potsdam Osthabelland die Konservativen arbeiten, Der saubere Nationalliberale hat, wie die Germania " Auch die organisierte Arbeiterschaft hatte besonders im Frühjahr des einen Auszug aus einem Artikel der ehrsamen Potsdamer mitteilt, sich die Hilfe des 8entrums für verflossenen Jahres eine lebhafte Volksschulbewegung entfacht. Die Tageszeitung", in dem den Potsdamer Geschäftsleuten damit feine Wahl gesichert gegen die Verpflichtung, daß die Sozialdemokratie rüdte dabei ihre bekannten Volksschulforderungen gedroht wird, daß dann, wenn am 25. Januar in Potsdam der Nationalliberalen nicht nur in Oberschlesien in den Vordergrund, die von der Landesversammlung in Leipzig fozialdemokratische Kandidat K. Liebknecht gewählt werden sollte, Kleritalen gegen die Polen stimmen, auch für Einheitsschule, Herabsehung der Klassenfrequenz auf ferner mehrere in Potsdam stationierte Garderegimenter nach die Polen stimmen,( 1910) erneut präsentiert worden sind. Die Lehrerschaft trat u. a. der Kaiser fünftig nicht mehr in Potsdam Hof halten werde und was fie am Montag auch getan haben, sondern 35 Schüler und eine Reform des Religionsunterrichts ein, wonach anderen Städten verlegt würden, Maßnahmen, die den Bots­auch am Donnerstag in Kalau - Ludau gegen unseren Genossen dieser mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschungen in damer Geschäftsleuten einen beträchtlichen Teil ihrer Einnahmen Wels für den Konservativen Henning. Dieser Uebereinstimmung gebracht werden sollte. entziehen würden.- schimpfliche Handel setzt dem nationalliberalen Verhalten Während diefer Voltsschulbewegung hat die Regierung Die ganze Nachricht trug deutlich die Merkmale eines perfiden wirklich die Krone auf und man kann nur hoffen, daß die mehrfach versichert, fie arbeite fleißig an der Herstellung eines Wahlmanövers. Um darüber Sicherheit zu erlangen, hat sich der liberalen Wähler so viel Ehr gefühl haben werden, um neuen Volksschulgesetes, das ja auch schon 1907 vom Potsdamer Korrespondent des Berl. Tagebl.", wie dieses Blatt diesen schäbigen Mandatsjäger in Gorau mit Landtage auf Grund von Anträgen von liberaler Seite gefordert mitteilt, direkt an das Kriegsministerium gewandt und dort er­Schimpf und Schande durchfallen zu lassen und Vertretung dort hatte. Denn Genosse Goldstein, der einzige Sozial- glatt erfunden ist; im Kriegsministerium ist, wie festgestellt wurde. Das war zu einer Zeit, wo die Sozialdemokratie feine fahren, daß die Nachricht des konservativen Potsdamer Blattes in Ralau- Quda u für den Sieg unseres Kandidaten Wels bemokrat im verflossenen sächsischen Dreitlaffenparlament, war zu wurde, von der ganzen Sache gar nichts bekannt, und es kann erst recht alle Kraft einzusetzen. jener Zeit durch seine Krankheit lahmgelegt. von irgendwelchen Vorbereitungen zur Umgarnisonierung von Aber diese Vorgänge zeigen zugleich, wie schwer am Jetzt ist der Entwurf für ein neues Boltsschul- Potsdamer Regimentern gar keine Rebe sein. Donnerstag der Kampf werden wird, wie um jedes Mandat gesetz endlich erschienen. Sein Inhalt muß alle enttäuschen, mit aller Kraft gerungen werden muß. Wir Sozial- die auf eine durchgreifende Reform im fortschrittlichen Sinne ge= demokraten stehen in 21 Stichwahlen, viermal gegen rechnet haben: Wohl bringt der Entwurf eine ganze Anzahl Aende­Konservative, zweimal gegen die Reichspartei, dreimal gegen tönnen, aber die wichtigsten wünsche des Boltes und rungen, darunter auch mehrere, die als Verbesserungen gelten das Zentrum und je sechsmal gegen Nationalliberale und der Lehrerschaft bleiben unerfüllt: die allge­Fortschrittler. Wir werden natürlich alles daransezen, um meine Boltsschule tommt nicht einmal für die die Siege, die wir bisher errungen, durch neue Erfolge ersten vier Schuljahre, der Religionsunterricht würdig zu frönen und wir zweifeln nicht daran, daß wird nach wie vor als wichtigstes Unterrichtsfach an erster Stelle die Genossen Berlins in gewohnter Opferwilligkeit ihre genannt, die konfessionelle Berunstaltung der Volksschule soll er­Arbeitskraft zur Verfügung stellen werden, um die Wahlarbeit halten bleiben, am Religionsunterricht soll nichts geändert werden, in Brandenburg zu einer wirksamen und intensiven zu gestalten. die Erhebung von Schulgeld soll zwar nicht mehr durch Gesetz Um wichtige Kreise handelt es sich! In vorgeschrieben werden, doch sollen die Schulgemeinden das Recht er­Potsdam Osthavelland fällt Donnerstag die Ent- Neuzeitliche Schulforderungen sozialer Natur, wie die Unent= Enthalten, die schlimmste aller Kopfsteuern nach wie vor zu erheben. scheidung. Dieser industriell rasch sich entwickelnde Streis geltlich feit des Schulunterrichts und der Lern. gehört wirtschaftlich immer mehr zu Groß- Berlin. mittel, sind nicht nur völlig unbeachtet gelaffen worden, es wird Jetzt soll er auch politisch sich dem ruhmbollen sogar mit Schärfe bestimmt, daß die Eltern die Lernmittel selbst zu Beispiel Berlins anschließen. Frankfurt Lebus , beschaffen haben, widrigenfalls das Einziehungsverfahren Plak das wir bei der Nachwahl wiedererobert hatten, muß in hartem greifen soll. Einer der schlimmsten Krebsschäden im sächsischen Kampf gegen den Gegner behauptet, Bolksschulwesen, die Ueberlastung armer Gemeinden, die jeden Kalau­Ludau, Sorau Forst, Landsberg Soldin Fortschritt unmöglich macht, wird nach wie vor bestehen bleiben. Es sind also die wichtigsten Wünsche, die bedeutendsten Volksschul­müssen gewonnen werden! Da gibt's am Donnerstag forderungen völlig unbeachtet geblieben. noch viel Arbeit, die getan werden muß. Aber sie wird, wie immer, in mustergültiger Weise von unseren Genossen geleistet werden, in Brandenburg wie überall sonst im Reiche.

sowohl Rechtsnationalliberale wie Jungliberale und Fort­In Düsseldorf hat die Liberale Vereinigung, zu der schrittler gehören, die Parole ausgegeben: Keine Stimme der Sozialdemokratie!" Der Rheinisch- Westfälischen Zeitung" wird darüber aus Düsseldorf berichtet:

.Die Bertrauensmännerversammlung der liberalen Vereini gung hat nach stundenlanger Erörterung folgende Parole für die Stichwahl ausgegeben: Die Beteiligung an der Stichwahl wird empfohlen; feine Stimme der Sozialdemokratie. Für diese Parole stimmten 40, dagegen 34 Personen. Ein vorher gestellter Antrag, für das Zentrum einzutreten, wurde mit großer Mehrheit ab­gelehnt. Der Vorsitzende der Fortschriftlichen Volkspartei, die ebenfalls der liberalen Bereinigung angehört, erklärte in der heute im Apollotheater abgehaltenen sozialdemokratischen Wähler­bersammlung, daß die Fortschrittler im ersten Wahlgange nicht für den nationalliberalen Kandidaten gestimmt haben würden, wenn fie nicht ein Abkommen zwischen Liberalen und Zentrum für vollständig ausgeschlossen gehalten hätten. Die Führer der liberalen Bereinigung dürfte aber der Verlauf der Bertrauens­männerversammlung überzeugt haben, daß die liberalen Wähler der Stichwahlparole feine Folge leisten würden. 34 der Versam melten hätten sich für eine Unterstübung der Sozialdemokratie ausgesprochen."

Seite auf ein eventuelles Gemeindewahlbündnis mit den Dann behauptet das Blatt, daß von fozialdemokratischer ralen hingewiesen worden sei.

Aus Osnabrück .

Im Vergleiche mit den Forderungen, die unberücksichtigt ge­blieben sind, müssen die Verbesserungen, die die Regierungs­vorlage bringt, als unbedeutend bezeichnet werden: Die Die Liberalen stehen in acht Kreisen gegen lassenstärke soll in den einfachen und mittleren Bolfsschulen von Blauschwarze. Wären wir ihrer Unterstügung überall so 60 auf 50 und in den höheren Volksschulen auf 40 herabgemindert ficher wie sie der unseren, der Ausgang des Endkampfes aber auf dem Papier bleiben, weil sie die Anstellung neuer Lehrer werden. In fleineren, armen Gemeinden wird diese Forderung wäre für den reaktionären Block schon heute nicht zweifelhaft. der finanziellen unzulänglichkeit wegen nicht durchführen können. 25. Januar für den nationalliberalen Kandidaten, nachdem diefer Wie immer aber der schließliche Entscheid fallen mag: Wie wir Im übrigen bleibt diese Herabsehung der Klassenfrequenz felbst die Jenaer Bedingungen unterschrieben hat. Die sozialdemo Sozialdemokraten bisher unsere Pflicht getan haben, wir werden weit hinter den Leitfäßen der Lehrer zurück, die 35 Stinder als au- fratische Parteileitung veröffentlicht dort folgende Stichwahlparole: fie bis ans Ende tun. Von herrlichen Siegen kommen wir her, zu lässige Höchstzahl forderten. Der Geistliche soll als Orts­An die Wähler der sozialdemokratischen Partei im 4. Hanno­neuen Siegen wollen wir am Donnerstag schreiten! schulinspektor zwar abgesetzt werden, doch soll ihm die Aufsicht Gerschen Reichstagswahlkreise! Den 12. Januar hat uns einen

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Die Parteigenossen im Wahlkreise Osnabrück stimmen am