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Nr. 61.

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt Moritplatz , Nr. 1983.

Mittwoch, den 13. März 1912.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Mr. 1984.

Der Grubenarbeiter- Streik.

Frivoler hat noch nie eine Unternehmerschaft ihre Ar-] Sie versucht umgekehrt auf die Grubenbefizer einzuwirken,[ ein Drittel der christlichen Belegschaft, im Dorimunder Revier stehen beiter zum Streit getrieben als es diesmal die Bergherren damit diese die berechtigten Forderungen der Arbeiter er- teilweise bis zu 88 Proz. im Streif. Eine Privatmitteilung, die wir des Ruhrreviers in ihrem Cäsarenwahnsinn getan haben. Die füllen. Die Regierung Bethmann aber scheint über nicht erhalten, nennt als Resultat der lezten Zählung Arbeiter wollten nicht streiken und am allerwenigsten wollten mehr Verstand zu verfügen als zur Abkommandierung von 220 000 Ausständige!

die Führer der Organisationen jetzt den Kampf. Sie wußten, Polizisten nötig ist. Dies ist ja auch weiter nicht gefährlich, Statt dreier Schichten lassen die Zechen nur eine Schicht vers sie standen nicht nur dem mächtigsten Kapitalistenklingel da fönnen höchstens Arbeiterleben draufgehen und man be- fahren, ein Beweis, daß ihnen mindestens zwei Drittel der gegenüber, nicht nur einer Staatsmacht, deren Vertreter sich kommt dabei noch den Zert zu einer Rede für Arbeitswilligen- Arbeiter, nach den Zählungen der Arbeiter aber weit mehr fehlen. noch geehrt fühlen, wenn sie die Rolle des Büttels über- schuß. Dagegen wäre ein Druck auf die Kapitalherren eine Auch die Christen streiken! nehmen dürfen. Sie wußten, daß sie die Verräter in sehr gefährliche Sache. Sie könnte den Unwillen sehr mächti- In Gelsenkirchen , woselbst viele Christliche ansässig sind, streifte threm Rücken hatten, die Führer der christlichen Organi- ger und einflußreicher Personen hervorrufen und der Mann mittags auch schon weit über die Hälfte der Belegschaft. Die Chrift fationen, die Judasse, die das Vertrauen rechtfertigen mußten, der gottgegebenen Abhängigkeiten sieht ja die Kapita I- lichen beteiligen sich immer stärker am Streit, selbst Gelbe" streifen das ihre Auftraggeber in fie gesezt haben; die beweisen hörigkeit seiner Regierung wohl als die un- mit. Die Zeitung des Christlichen Gewerkvereins gibt ihre Position mußten, daß sie die christlichen Arbeiter nicht zum Stampf für zerreißbarste dieser Abhängigkeiten an.

haben.

darmen. Sie treiben ihre Leute in die Gruben. Die Effener

selbst für verloren. Sie übertüncht ihren Hereinfall mit dem Hin. ihre Interessen, sondern zum Kampf gegen ihre Brüder Und doch! Werden die Bergarbeiter einig, bleiben sie fest, weise, daß ihre Mitglieder ausständig werden, um Krawalle zu ver organisiert haben, die zeigen mußten, daß sie kapabel find, so wird alles nichts nüßen. Nichts der Versuch der Re- meiden. Tatsache ist, daß in diesem großen wirtschaftlichen Kampfe politische und religiöse Verhegungen nicht möglich sind, weil sie wirkungs­ihre Anhänger für das Kapital gegen die Arbeit ins Feld gierung, die öffentliche Meinung gegen die armen Berg- los blieben. Die Zentrumspresse, besonders die Effener, schreit nach Militär. zu schicken. arbeiter aufzuheben. Nichts die sinnlose Ansammlung von wozu durchaus nicht der geringste Anlaß vorhanden ist. Beim Schicht Das wußten die Leiter der Arbeiterorganisationen, und Polizei und Gendarmerie. Denn die öffentliche Meinung wechiel vollzieht sich alles in größter Ruhe und Ordnung. Mit rotem Kopf so lange sie fonnten, haben sie den Streit verhindert. Aber weiß, daß dieser Streif geführt wird gegen eine Ausbeuter- und vor Scham gesenktem Haupte verlassen die wenigen Streit fie fonnten es nicht länger. Denn die Bergherren sippe, die nicht nur ihre Arbeiter, sondern das gesamte brecher die Schächte. Ein großes Polizeiaufgebot sorgt für die Fern­wollten es nicht. Die wollten jezt den Kampf, weil sie mit deutsche Volk aufs äußerste ausplünder t. Die baltung einer Berührung der Streifbrecher mit den Streifenden. dem Zwiespalt rechneten, den die Zentrumsführer unter die Herren des Kohlensyndikats, die Kirdorf und Thyssen, die Ein berittener Boligist begleitet den fleinen Trupp bis zum nächsten Bergarbeiter getragen, den sie immer von neuem geschürt Stinnes und Haniel sind reich geworden, weil sie jedem Posten und überträgt diesem den Weitertransport der Streifbrecher. deutschen Bürger eine in dirette Steuer von wuche- Doch viele famen mittags aus dem Schacht mit ihrem Bündel- Der englische Streit zeigt, welch ungeheure Macht die rischer Höhe auflegen können. Auf jeden Zentner Kohle sie wollen nicht weiter den Streifbrecher spielen. Die Mehrzahl der Arbeitenden sind übrigens Arbeiter über Bergarbeiter eines industriellen Landes haben, wenn sie entfällt neben dem normalen Kapitalprofit noch ein Zuschlag, age, bie also bei der Kohlenförderung nicht in Betracht kommen. einig sind. Die Bergherren wissen, daß die Einigkeit auch den die im Kohlensyndikat vereinigten Monopolisten er- Auch die Kolsarbeiter verlassen die Defen. heben und der alljährlich Millionen und Aber. in Deutschland kommen wird, daß das verräterische Spiel der millionen den Wenigen einbringt, die über die wird anscheinend von der Verbandsleitung zurüdgehalten, weil er Der christliche Sekretär Effert ist nicht im Streifrevier, er Zentrumsführer nicht allzulange mehr währen kann. Des Kohlenschäze verfügen. Diese Kohlenschäße aber gehörten mit der Taktik der Christlichen nicht einverstanden ist. Effert war halb die Provokation. von altersher dem Staate und sind den paar Reichen einfach auch nicht auf der außerordentlichen Generalversammlung am Mitt­Die deutschen Bergarbeiter haben heute, trotz der riesig geschenkt worden durch eine Berggesetzgebung, die das woch voriger Woche, trotzdem er Vorstandsmitglied ist. Er hält auch gestiegenen Kosten der Lebenshaltung, noch nicht einmal die nationale Gut verschleuderte, um ein paar Dußend feine Versammlungen im Streitrevier ab. Röhne von 1907 erreicht. Ihre Arbeitsbedingungen sind viel- millionäre zu züchten. Und jetzt weigern sich die, von diesem Die christlichen Sekretäre stehen unter dem Schutz der Gen fach schlechtere geworden, je tiefer die Gruben abgeteuft Staube auch nur den kleinsten Teil herauszugeben, ihren Ar- Bolkszeitung", ein Zentrumsblatt, brachte am Dienstag einen werden. Die Krankheitsziffern wachsen, die Unfallsgefahr beitern anständigen Lohn, anständige Arbeitsbedingungen 31- Artikel, in dem sie militärischen Schutz für Arbeitswillige berlangt. steigt. Und unwürdiger als je erscheint ihnen die Ver- zugestehen. Und derselbe Staat, dessen Gut sie ufurpiert iflabung, in die sie die Gewalt des monopolistischen Berg- haben, der stellt ihnen jetzt die Machtmittel zur Verfügung, Schächten sind viele Polizisten mit dem Karabiner geschultert poſtiert. Die Polizei geht, wie bei allen Streits, rigoros vor. Vor den fapitals herabgedrückt hat. Verweigerung der Anerkennung die mit dem Gelde der Steuerzahler geschaffen worden sind, Berittene sprengen die Straßen auf und ab. Stehen Streifende au der Organisation, 3wangsarbeitsnachweis; diese beiden der schickt ihnen jetzt seine Gendarmerie und, wenn es ge- vier oder fünf Personen, gemütlich ihre Pfeife rauchend, in der Worte besagen, daß der Grubenarbeiter, der die gefährlichste wünscht wird, sein Militär, um die Usurpatoren gegen seine wärmenden Frühlingssonne beisammen, so treibt sie das Schutz­und aufreibendſte Arbeit verrichten muß, mit seiner Arbeits- Bürger zu schüben! Das ist der Klassenstaat, so mannspferd vom Bürgersteig in die Häuser. Nicht eine Person darf fraft zugleich seine Freiheit verkauft hat. Und alle fieht er aus, und jetzt, wo sie sein wahres Gesicht sehen, wer- Auf- und Abpromenieren angehalten. Daneben wird schneidig bor vor dem Wohnhause stehen bleiben. Die Streifenden werden zum Forderungen beantwortet das Kapital mit schroffem, den auch die christlichen Arbeiter erkennen, daß ihr Platz ist gegangen, so daß beim Räumen des Trottoirs ein Kind hinfiel und höhnischem Nein. nicht an der Seite des Kapitals, nicht an der Seite der Be- beinahe überritten wurde. Deshalb ist es zum Streif gekommen. Die Massen herrscher des Klassenstaates, sondern an der Seite ihrer hielten es einfach nicht länger aus. Sie trieben die Führer kämpfenden Brüder. Die bürgerliche Presse verbreitet voran, und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß Nachrichten über Zusammenstöße Ihren Kampf aber begleitet die Arbeiterschaft Deutsch im Streitgebiet, die maßios übertrieben sind und die verschweigen, es so ist, dann ist dieser Beweis durch das rasche Anlands mit ihren heißesten Wünschen, zur Unterstützung bereit, daß das überaus schneidige Auftreten der Gendarmen und der wachsen des Streits geliefert. Ueber 70 Proz. der sobald sie verlangt wird, und sicher, daß, wie immer der Belegschaften stehen im Streit. Das heißt, es streifen nicht Kampf auch diesmal entschieden werde, den Bergsklaven doch nur die Unorganisierten mit, sondern es streiken auch zu die Freiheit errungen werden wird! einem großen Teil die christlichen Arbeiter. Sie haben den Berrat der Führer nicht mitmachen wollen, sie weigern sich, Streifbrecher zu sein, die proletarische Soli­darität siegt über die Tücken der Zentrumsführer und die Einigkeit ist auf dem Marsche.

Der Umfang der Bewegung.

Polizisten allgemeine Empörung auslöft. In Samborn und engede tam es au fleineren Zusammenstößen. In Wanne drang die Polizei sogar in das Bureau des Streiffomitees ein und hob das Komitee aus. Solche Vorgänge sind nur zu sehr geeignet, aufreizend zu wirken und rasch fliegen dann die Säbel aus der Scheide. Die den Bechen gefällige Presse bauscht jedes Vorkommnis riesig auf, stellt fich natürlich stets auf die Seite der Polizei und versucht es damit, die Lage bedrohlicher erscheinen zu lassen als sie in Wirklichkeit ist.

Der dritte Streik!

Schauplag eines fozial und wirtschaftlich bedeutungsvollen Zum dritten Male seit 1889 ist das Ruhrrevier der Ringens. Mit der Waffe des Streits fämpfen die gequälten Gräber der schwarzen Diamanten für eine Erleichterung ihres harten Loses.

Nach den überfüllten Versammlungen und der begeisterten Stimmung vom Sonntag hatte es am ersten Streiftage zuerst den Die nächsten Tage müssen zeigen, ob die proletarische Anschein, als ob die Streifbrudproflamation der Chriftlichen doch Solidarität der christlichen Arbeiter start genug sich zeigen lodend fonnte die Zentrumspresse und die Bechenpresse melden, von einigem Einfluß auf die Streitbeteiligung sein sollte. Froh wird, um den Verrat ihrer Führer wieder gut zu machen, dem daß von der Frühschicht am Montag nur 35 Prozent nicht Kapital die geschlossene Front der Arbeiterarmee entgegen angefahren seien. Aber schon von der Nachmittagsschicht mußte zustellen. Wenn aber eines geeignet ist, die christlichen Ar- fie dann mitteilen, daß 57 Prozent ausgeblieben waren. Entgegen beiter aufzuklären, so ist es das Verhalten der Regierung. den Erfahrungen bei Streits in anderen Industrien vollzieht Die Regierung des Herrn von Bethmann Hollweg sich die Beteiligung sei Bergarbeiterstreits nicht plöglich; fennt keine dringendere Sorge, als sich mit den Arbeiterver- erst allmählich steigt die Zahl, eine Erscheinung, die auch beim Streit rätern solidarisch zu erklären. Die Norddeutsche Allgemeine 1905 im Ruhrrevier schon zu beobachten war. Wohl hatte am Sonn­Zeitung" ist entzückt von den christlichen Führern und man abend schon mancher Bergarbeiter sein Gezähe"( Arbeitszeug) mit darf erwarten, daß die Herren Imbusch und Brust und Gies- genommen, als er die Grube verließ. in der sicheren Erwartung, berts und wie die Helfershelfer der Grubenherren alle heißen, mation des Streits durch die Verbandsleitung lag noch nicht vor. daß der Streif Montag beginnen müßte; aber die offizielle Prokla bei der nächsten Ordensdekoration die bunten Vögel aus dank- Erst der Sonntag entschied. So fuhren am Montag noch viele an. barer Höhe werden herabflattern sehen. Vorläufig aber er- Jn der Waschlaue fehrt nicht jeder um; er ist schon im Betrieb, ver­füllt die Regierung die gemeinsamen Wünsche der Gruben- fährt noch eine Schicht, nimmt dann sein Gezähe mit und kommt herren und christlichen Arbeiterführer und konzentriert im nicht wieder. Ruhrrevier ein Massenaufgebot von Polizei und Gendarmerie. Die Sucht der bürgerlichen Bresse, die Zahl der Streifenden im Es sind Leute, die aus allen Weltgegenden zusammengeholt Ruhrrevier zu verkleinern, scheitert an den Tatsachen. find, unbekannt mit Land und Leuten, durch die ungewohnte 1905 streiften am ersten Tage 43 000, am zweiten und dritten man sich einig in dem Urteil: Der Streit ist das Situation aufgeregt und die durch ihr massenhaftes Erscheinen Tage stieg die Zahl auf 68 000, erst am achten Tage wurde die Höhe Ergebnis einer wüsten, ja berbrecherischen ultramontanen die Bergarbeiter, die zur Aufrechterhaltung der Ruhe feit bon 180 000 erreicht. Jest sind schon am ersten Streiftage 150 000 Sebe! entschlossen sind, unnüß aufregen. Der englische Streit hat berzeichnen. Das Eifener Zentrumsblatt verkündete am ersten Der englische Streit hat Tage mittels Extrablatts, daß einige Tausend" streiken. Am bisher keine Ausschreitung gekannt. Aber die Regierung zweiten Tage muß es schon selbst die Zahl der Streifenden auf Asquith hat auch aufs sorgiamste vermieden, Polizei und 105 000 angeben. Das Vorhaben der christlichen Führer, den Streit Gendarmerie den Arbeitern überall in den Weg zu stellen. zu brechen, ist mißglückt. Im christlichen Bezirk Recklinghausen feiert

zu

Voraufgegangene Klagen und Bitten blieben erfolglos! Das ist das Gleichmäßige in der Erscheinungen Flucht. Sonst bilden fie eine sehr wechselbolle, unterschiedliche bunte Reihe. Der Streif im Jahre 1889 jah die freie Gewerkschaft, den Kindheit Schwäche. Die ultramontane Opposition stand da jeßigen sogenannten alten Bergarbeiterverband, noch in seiner gegen in des Lebenssommers Bollkraft. Und diese Opposition erging fich im Ruhrrevier in einer rücksichtslosen, raffiniert demagogischen Agitation gegen das gottlos liberale Kapital"! Bei den katholischen Arbeitern gab sie der Empörung gegen das Grubenkapital einen sehr starken Stich ins fonfessionell Fanatische. In Unternehmerkreisen war

In seinem Buche Der Ausstand der Berg­arbeiter." Effen 1889- Verlag Bädeder schreibt Natory unter anderem, daß die ultramontane Presse die niedrigsten Leidenschaften der Begehrlichkeit und des Neides gegen die Besitzenden nähre". Wenn jemand die Verantwortlichkeit für den eben beendeten Streit und dessen unheilvolle Folgen

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