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Nr. 239.

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Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Mittwoch, den 11. Oktober 1893. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Das Wahlrecht in Oesterreich . nicht, so lange Militäruntaugliche und des Lesens und tage, dem Vortage der Barlamentseröffnung, wieder er­

Schreibens Unkundige vom Wahlrecht ausgeschlossen werden. Die ununterbrochene Agitation unserer österreichischen Aber trotzdem ist das Zugeständniß des Grafen Taaffe Bruderpartei zum Zweck der Erringung des allgemeinen ein Fortschritt gegen den gegenwärtigen, unmöglich ge­Wahlrechtes hat einen großen Erfolg zu verzeichnen. Graf wordenen Zustand in Desterreich, aus dem es nur einen Taaffe hat eingesehen, daß nicht weiter fortgewurstelt werden Ausweg gab, den einer gründlichen Wahlreform. kann, daß das Zensuswahlsystem nicht mehr aufrecht zu Als nicht mehr weiter fortgewurstelt werden konnte, erhalten ist, er hat das österreichische Bolt mit einem dem mußte Graf Taaffe sich den Vorschlägen des österreichischen Abgeordnetenhause bei seinem Zusammentritte überreichten Proletariats anbequemen. Er sah ein, daß die Wahlrechts­Gesetzentwurf überrascht, wonach das allgemeine Wahlrecht bewegung nicht mehr einzudämmen ging, daß Hundert­eingeführt werden soll. Freilich zu ganzer Arbeit konnte tausende in Wien wie in allen Provinzen, Deutsche wie sich auch diesmal Taaffe nicht aufschwingen. Er läßt den Czechen, Polen wie Ruthenen, Italiener wie Slovenen Großgrundbesizern ihre Vorrechte, so daß diese auch ferner- die gleiche Forderung nach dem allgemeinen gleichen und hin fast ein Biertheil des Abgeordnetenhauses wählen direkten Wahlrechte erhoben, er merkte mit Schrecken, wie werden und so jeder konservativen Regierung stets eine die parlamentarischen Vertreter der Bourgeoisie unter dem fichere Gefolgschaft und leicht auch die Majorität des Drucke der Volksbewegung einer nach dem anderen sich für Abgeordnetenhauses gesichert bleibt. Vom Wahlrechte sollen das allgemeine Wahlrecht erklärten, Liberale, Ultramontane, in Zukunft ausgeschlossen bleiben diejenigen, welche beim Jungczechen und Antisemiten. Militär nicht gedient haben, und diejenigen, welche nicht lesen und schreiben können.

Wie heruntergekommen der Liberalismus allerorts, so auch in Desterreich, ist, beweist der Umstand, daß die Liberalen sich am längsten, zähesten und energischsten gegen die Forderung des allgemeinen Wahlrechts gewehrt haben. Noch vor wenigen Tagen hat einer ihrer ersten Führer, der Professor Sueß, erklärt, daß die liberale Partei das Wahlrecht nicht bewilligen könne, daß sie sich der Wahl­rechtsbewegung entgegensehen müsse, und da wagt es das Berliner Tageblatt", von dem Verlangen der liberalen Parteien nach dem allgemeinen Wahlrecht zu sprechen.

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fahren, wie das folgende Telegramm beweist:

Wien , 9. Oktober. Am heutigen Abend fanden in ver­schiedenen Bezirken der Stadt 15 große Boltsversammlungen statt, welche eine gleichlautende Resolution zu gunsten des all­gemeinen Wahlrechts annahmen und beschlossen, dieselbe morgen schriftlich dem Präsidium des Abgeordnetenhauses zu überreichen. Alle Versammlungen verliefen ruhig.

Die deutsche Sozialdemokratie kann ihre österreichische Bruderpartei zu den Erfolgen ihrer großartigen Wahlrechts­bewegung aufs herzlichste beglückwünschen. Das Prinzip der politischen Gleichberechtigung hat in Jahresfrist in Belgien und Desterreich glänzende Erfolge u verzeichnen. Nur Preußen, der Staat der Intelligenz, hält krampf­haft an dem von seinen eigenen Staatsmännern als das elendefte und widersinnigste charakterisirten Wahlsystem feſt.

Aus England.

Wir brauchen unsere Leser nicht darüber zu belehren, daß diese Ausschließungsgründe durchaus ungerechtfertigte find, weil sie in feiner Weise Schuld der politisch Ent­London, 7. Oftober 1893. rechteten find. Was kann ein Staatsbürger dafür, daß er Vorgestern früh brachten die, Times" die Nachricht, der vom törperlich schwach ist, daß er kurzsichtig, schwerhörig ist oder Dockerstreit her bekannte Sozialist und Arbeiteragitator Tom an Krampfadern leidet. Die größten Genies, hervorragende Mann sei für die Aufnahme in den Geistlichenstand der eng­politische Talente tönnen nach der Weisheit des Grafen Taaffe von Arbeitern bevölferten Pfarrei sei bereits für ihn vorgemerkt, lischen Staatskirche angemeldet, eine Hilfsgeistlichenstelle in einer von der parlamentarischen Thätigkeit und dem Wahlrechte und man nehme an, daß seine Ordination etwa zu Weihnachten ausgeschlossen werden, weil sie nicht die Flinte getragen Graf Taaffe wagte es wohl nicht, im Parlamente erfolgen werde. Von Berichterstattern der Presse ausgefragt, was haben. Oder soll gar der dreijährige Drill beim Militär dieser Forderung schroff entgegenzutreten, er war so flug, an der Meldung Wahres sei, antwortete Mann, sie sei mindestens als Vorbildung für Politiker dienen? Was kann endlich ein lieber scheinbar freiwillig das theilweise zu geben, was ihm verfrüht. Aber er ftelle durchaus nicht in Abrede, daß Staatsbürger dafür, daß das Schulwesen so elend eingerichtet in kürzester Zeit vollkommen abgerungen worden wäre. etwas dergleichen im Werke ſet. Sein Entschluß sei ist, daß er nicht lesen und schreiben lernen konnte. Mit dieser Be- Graf Taaffe konnte sein System nicht mehr aufrecht noch nicht gefaßt; wohl hege ein ihm befreundeter Geist­stimmung schließt Graf Taaffe in Galizien und der Bukowina erhalten, er regirt jezt von Fall zu Fall, er verfügt über licher den dringenden Wunsch, ihn in seiner Pfarrei allein zirka 200 000 Personen vom Wahlrechte aus, in Dal- teine sichere Majorität, nun schafft er neue Grundlagen angestellt zu sehen, aber er selbst, Mann, sei noch nicht mit sich amatien weitere 28400. Unter dem jetzt herrschenden Zensuswahl dem österreichischen Parlamentarismus. Er kann dabei im Reinen, ob er für die Sache der Arbeiter besser auf der rechte hat man es nicht nöthig gefunden, die des Lesens und nichts verlieren, da er mit dem gegenwärtigen Parlamente treis von dortigen sozialistischen Arbeitern als unabhängiger Straße, im Parlament- Mann ist in einem Yorkshire - Wahl­Schreibens Unkundigen vom Wahlrechte auszuschließen. nicht weiter regieren konnte, das ärgfte was das auf Arbeiterfandidat aufgestellt- oder in der Kirche wirken Der volle Geldsack garantirte den politischen Verbreiterer Grundlage erwählte Parlament ihm bieten kann, fönne. stand, jetzt wo das allgemeine Wahlrecht eingeführt ist auch nur eine oppositionelle Majorität. Graf Taaffe kann Natürlich macht die Sache hier ein gewisses Aufsehen. Aber werden soll, soll das Wahlrecht von der Kenntniß des Lesens nichts mehr verlieren, vielleicht aber gewinnen. die Art, wie sie in der bürgerlichen Presse und von Mann's und Schreibens abhängen! Wir glauben freilich nicht, daß ihm dies glücken wird, sozialistischen Freunden und derzeitigen Mitarbeitern aufge­So nothwendig übrigens die Volksschulbildung für das denn seine Hoffnung, daß die Jungczechen, Deutsch- Natio- nommen wird, ist grundverschieden von der, wie ein entsprechen­politische Urtheil ist, unentbehrlich ist sie durchaus nicht und nalen und Antisemiten in ihrem Besitzstande durch das neue land würde Mann von der Bourgeoisiepreffe als reuiges Schaf, der Fall in Deutschland beurtheilt werden würde. In Deutsch­mancher in schwerer Lebenserfahrung geprüfte Bauer, der Wahlsystem Einbußen erleiden werden, ist trügerisch, das von seiner Verirrung zurückgekommen, gepriesen, von der weder schreiben noch lesen kann, wird seine Interessen viel- denn ihre Verluste an die Sozialdemokratie werden sich sozialistischen Arbeiterschaft dagegen als Abtrünniger betrachtet leicht ganz gut verstehen und gewiß vernünftiger wählen ausgleichen durch Erfolge in anderen Wahlkreisen. oder als Heuchler verachtet werden. Hier verhält sich die eigentliche als sein Herr Graf , dem seine Bildung" ausschließlich Die Sozialdemokratie Desterreichs kann mit guten Aus- Bourgeoisiepreffe der Sache gegenüber ziemlich fühl, die radikalen dazu dient, die Liste der startenden Rennpferde und wenn Blätter drücken vielmehr ihr Bedauern aus, daß ein so fähiger es hoch kommt den Kurszettel zu studiren. und ehrlicher Arbeiterführer seinen bisherigen Kampfplay, wo er Das allgemeine gleiche Wahlrecht bleibt, auch wenn der so viel geleistet, verlassen wolle, und in der sozialistischen Ar­Gesezentwurf der Regierung acceptirt wird, eine Forderung aber Verrath und Heuchelet dürfte Mann von feiner Seite vor­beiterschaft wird der Schritt selbst zwar verschieden beurtheilt, des organisirten Proletariats in Desterreich. Denn gleich geworfen werden. ist das Wahlrecht nicht, so lange den Großgrundbesitzern sein wird. Sonderrechte eingeräumt werden, allgemein ist es

Feuilleton.

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sichten den parlamentarischen Kampfplatz betreten, überall hat sie agitirt, die großen Städte gehören ihr, Wien ist wie Berlin eine Hochburg der Sozialdemokratie, allen wird dies aber erst zum Bewußtsein kommen, wenn auf grund des erweiterten Wahlrechtes zum erstenmale gewählt worden Graf Taaffe weiß dies und hat dies am letzten Sonn­

frommen Menschen, dulden, belehren, höchstens bemit Leiden sollten, meinten sie threm Gott der Liebe tein Genüge zu leisten, wenn sie mich nicht verabscheuten." " Entsetzlicher Mensch!" rief Edmund, wie konnten sie anders? Ist die Flamme des Scheiterhaufens wohlthätig, so ist sie es für Euresgleichen."

Der Aufruhr in den Cevennen. Doch die Juden das Gold aus alten Kleidern, so kommt

Eine Erzählung

Und davon kann auch nicht gut die Rede sein, selbst wenn man dem Schritt Mann's die Wirkung eines Verraths bei­

schon mit mir geschlossen waren, gingen aus demselben Grunde wieder zurück. Auch in den andern Welttheilen ging es mir nicht besser. So bin ich ein Greis, so bin ich ein Bösewicht geworden, und ich kam zurück, an meinen lieben Landsleuten, an meinen Freunden mein Mütchen zu fühlen. Da habt Ihr mir das Ding verdorben: gerade Natürlich!" sagte Lacoste mit lautem Lachen. Brennen Ihr! Wunderlich genug." ,, Warum das?" fragte Edmund gespannt. wohl im Brennen auch aus dem härtesten, trockensten, ab- ,, Rommt, laßt uns wieder gehen," sagte der Fremde, gelebtesten Sünder noch ein Tröpfchen Frömmigkeit heraus. wir müssen doch wohl unsere Kameraden wieder aufsuchen. von Ludwig Tied. Das Beste und Erträglichste ist nur noch, daß sie einander Sie erhoben sich und schritten aufs Gerathewohl durch An den neuen Sinn, von dem ich so viel hören um diesen Liebesglauben todtschlagen und martern und Berg und Wald. Als sie höher gestiegen waren, bemerkten mußte, fonnte ich nicht glauben. Woher ihn auch nehmen? jeder den andern verkeßert, jeder dem andern flucht und ihn sie einen dicken Rauch, der ihnen gegenüber mit schwarzen Ich bin da, ich freue mich, wenn es mir wohlgeht. Der Hölle übergiebt, gegen mich aber alle Parteien, wenn sie Wolken den Himmel verfinsterte. Ein fernes Geschrei lenkte Dafür soll ich danken? Ergeben, demüthig sein? Nun, auch noch so sehr gegeneinander wüthen, in der Verdammniß ihre Schritte, und als sie heran tamen, saben sie auf der wem soll ich denn die unzähligen Schmerzen anrechnen? übereinstimmen." Spitze des Berges eine Anzahl Rebellen, die sich unruhig hin und her bewegten. Als Edmund näher kam, glaubte er Roland zu erkennen. Er war es auch, aber noch ehe er sich dem Führer hatte nähern können, stürzte ihm ein junger Mann mit entsetzlichem Geschrei entgegen. Bruder!" rief er, von Schluchzen und Wuth unterbrochen," Bruder! alles ist dahin! Die Mordbrenner haben Dich auf ewig unglücklich gemacht."

Alle Leiden dieser elenden Sterblichkeit? Den viels Ein Zeichen," sprach der Jüngling, daß alle, mögen fältigen Gram? Keiner ist da, den ich darum verklagen fie auch an sich selbst irren, doch, gegen Euch gehalten, die dürfte. Aber auch dies alles soll ich in Demuth, mit Wahrheit besigen."

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Es ward Edmund schwer, seinen Freund, den jungen Vila, zu erkennen. Was ist Dir? Wo kommst Du her?" fragte er endlich erstaunt.

Freuden empfangen. Geht es mir gut, überschwengliche" Ich beneide sie um ihren Besitz nicht," erwiderte der Wohlthat; schlimm, väterliche Prüfung. Ich fasse es nicht, Greis. Mein Leben, alle meine Leiden, ja, wenn ich boss wie ein anderes Gehirn dergleichen fassen kann. Das un haft ward und mit Recht es wurde, habe ich nur diesem nennbare Wesen, das ich mir gar nicht oder nur mit Egoismus zu danken, der sich Demuth, Begeisterung, Liebe Schwindel und Grauen vorzustellen weiß, trägt alle Welten, oder Religion nennt. Ich ward verworfen, verfolgt, ja, duldet alle Schiffbrüche, Kriege und Erdbeben, nun, so mag um das einfältige Wort zu brauchen, verkannt: denn wer es auch mich und meine Gedanken dulden. Aber er will, kennt doch den andern oder auch sich?" Verarmt und mit er fann mir nur nahekommen, so sagen sie, wenn ich ihm gebrochenem Herzen zo ich fort, und meine Freunde sahen" Ich gehöre jetzt zu Euch!" rief Vila aus; ich habe zerknirscht nahe, wenn ich so oder so von ihm glaube und mich gerne ziehen. In allen Ländern wiederholte ich die mein Herz nicht bezwingen können, feit ich alles hörte, seit spreche; Gebäude, Worte, Verbeugungen gehören dazu, um selbe elende Komödie. Man hätte mir gern geholfen, sich ich den Fammer unseres Volkes fah. Ja, vernichten, ihn wie mit Magie in Fesseln zu legen, daß er sich um mir vertraut, mich auch wohl geliebt, wenn ich nur die morden, zerfleischen will ich Euch helfen jene Mordknechte, mich bekümmere, daß er mich liebe, muß er sogar erst mein sogenannte Religion gehabt hätte. Die dumme Tugend die vom Menschen, zur Schande aller Geschaffenen, nur Mitleid erregen. Ja, meinen Born erweckte freilich meiner Ehrlichkeit, daß ich mir feine anlügen mochte, brachte noch das Antlig tragen."

alles dies, und statt daß mich nun die liebevollen, auch der allerbeste nicht in Anschlag. Einige Ehen, die fast Da Edmund fragen, wissen, sich erkundigen wollte, zog