Nr. 95.
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Cui bono?
Mittwoch, den 24. April 1912.
lich nur in den seltensten Fällen Kleinbauern, sondern meist militaristischen Standpunkt aus ist also die Vermehrung der Großgrundbesizer, Groß- und Mittelbauern, furz agrarische attiven französischen Offizierstellen zu rechtfertigen. Bei uns Schichten, die ohnehin schon die Nuznießer unserer Zoll- und in Deutschland läuft aber die ganze Offiziersvermehrung am Liebesgabenpolitit sind. Die Erhöhung des Pferdebestandes legten Ende auf die Verbesserung der Avancementsverhältnisse Wem nüßt die neue Wehrborlage? Herr v. Beth- der Armee zieht natürlich auch einen erhöhten Bedarf an hinaus. mann Hollweg und seine Trabanten sind mit der Antiport Fourage nach sich. Die Lieferung von Körnerfutter, Heu und Cui bono? Bem kommt die Wehrvorlage zugute? Den auf diese Frage sehr schnell bei der Hand: dem deutschen Stroh muß daher in größerem Umfange erfolgen, wobei ein breiten Volksmassen sicher nicht, am allerwenigsten der ArVolfe, denn seine Sicherheit und damit sein Wohlergehen großer Teil unserer Agrarier nicht zu kurz fommen wird. beiterschaft. Dieser kann es auch gleich sein, ob Herr von werden durch diese Rüstungen gewährleistet. Und der ganze Natürlich wird diesen Streisen durch die Erhöhung des Bethmann Hollweg mit Hilfe der Behrvorlage die durch den Chorus unserer geaichten Patrioten und Militaristen singt die Mannschaftsbestandes auch bei der Truppenverpflegung indirekt 12. Januar ramponierte Gunst seines Herrn und Meisters gleiche Melodie. Bei genauerem Zusehen zeigt sich aber, daß vermehrter Profit zufallen. wieder repariert. Die Sozialdemokratie und die organisierte Der Teil des deutschen Volkes, dem die Wehrvorlage Nugen Es ist daher fein Wunder, daß die agrarische Presse und Arbeiterschaft bleibt bei der Parole: Diesem System keinen bringt, aus zwar sehr einflußreichen, aber der Zahl nach sehr die agrarischen Parlamentarier stets für Rüstungen und Mann und keinen Groschen! fleinen Bevölkerungsschichten besteht. Die große Masse der Rüstungsvermehrung zu haben sind, daß sie sich als die
misera plebs contribuens hat nur die Lasten der Rüftungen zu tragen; sie spürt auch am meisten, daß die angeblich gewährleistete Sicherheit nur eine Phrase ist, daß die Wehr vorlage nur eine Vermehrung der vorhandenen Unsicherheit und Spannung der internationalen Politik zur Folge hat, was nicht ohne Rückschlag auf das Wirtschaftsleben der Nationen bleibt.
In seinem von uns des öfteren erwähnten Buche vom nächsten Striege schreibt General v. Bernhardi:
„ Die Geldsummen, die der Staat für die Wehrbarmachung des Volkes aufwendet, find in allererster Linie eine wahrhaft foziale Ausgabe, die sozialen kulturfördernden Zweden dient und die Nation geistig und fittlich hebt, die letzten und höchsten Kulturgtvede also viel unmittelbarer fördert als Errungenschaften der Technik, der Industrie, des Handels und Verkehrs
eifrigsten Befürworter der neuen Wehrvorlage geberden. Dabei ist zu beachten, daß die Offiziere und Generäle, die ihre Feder für die Heeresvermehrung usw. in Bewegung setzen, meist Fleisch von agrarischem Fleisch, zum Teil sogar selbst Grundbesitzer sind.
Zwcierlei Geraffel.
Der gestrige Tag, an dem die Sozialdemokratie nicht zu Worte Damit kommen wir auf das Offizierkorps im allgemeinen. tam, war von zweierlei Gerassel erfüllt, denn um Gerassel handelt Es muß mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß es sich hüben wie drüben. Die Junker beider Spielarten, heute gerade diese Wehrvorlage eine ganz gewaltige Ber - vertreten durch den Edlen Herrn zu Butlig und den Freiherrn mehrung der Offizierstellen vorsieht, ganz be- v. Gamp, rasselten mit dem großen Sabul des Militarismus fonders in den höheren Chargen. Die neugeforderten und brannten ein patriotisches Phrasenfeuerwerk ab; die Stellen sind allein für 1912 folgende: Liberalen beider Spielarten, durch Herrn Bassermann und Herrn Müller- Meiningen repräsentiert, rafselten mit dem Holzschwert der gesinnungstüchtigen Opposition und blendeten mit dem Scheinwerfer der Kritik. Aber in ihrer grundsätzlichen Stellung zum Militarismus unterscheiden sich die vier bürgerlichen Parteien, die heute sich vernehmen ließen, nur nach Nuancen. Bewilligen wollen die Nationalliberalen, bewilligen auch die Freisinnigen und auf das flare entschiedene Nein, das allein die Losung einer wahrhaft fortschrittlichen Politit sein kann, wartete man
mehrt.
25 Generäle
11 Regimentskommandeure 262 Stabsoffiziere
422 Hauptleute
552 Leutnants
75 Sanitätsoffiziere
35 Veterinäre
41 Zahlmeister
Offizierstorps erfahren und zwar um Auch die Marine soll eine erhebliche Vermehrung ihres
48 Seeoffiziere( darunter 10 Stabsoffiziere), 13 Marineingenieure,
8 Marinezahlmeister.
unter die bürgerlichen Parteien gerollt.
Daß die Wehrbarmachung des deutschen Volkes verbunden ist mit einer Zoll- und Steuerpolitik, die die Lebenshaltung der breiten Massen niederdrückt und Unterernährung weiter Boltsschichten zur Folge hat, daß daraus Wohnungsnot, Voltsfrankheiten, Säuglingssterblichkeit und wie die sozialen Plagen Dazu kommen ferner an höheren Beamten( ohne gestern vergebens. Daß neue Panzerschiffe gebaut, neue Stanonen alle heißen, folgen, braucht ein ehemaliger Stavalleriegeneral nicht Bayern ): Intendantur: 18, Geistliche: 3, Militärjustiz: 9, gegoffent, neue Bataillone gedrillt werden sollen, darüber zu wissen.( Immerhin tritt Herr v. Bernhardi, was gerechtigkeits- Proviantamt: 1, Garnisonverwaltung: 1, Militärbauwesen: 11. herrscht kein Zwiespalt; nur wer fie bezahlen soll, über dieser halber erwähnt: fei, für eine weitgehende Einführung der In diesen Zweigen der Militärverwaltung wird natürlich die untergeordneten finanztechnischen Seite der Sache ist der Erisapfel Erbschaftssteuer ein.) Aber die Anschauungen, die in den Schar der mittleren und unteren Beamten auch erheblich verobenstehenden Säßen vertreten werden, kehren immer und Der Gans Edle Herr zu Putlig, der als getreuer immer in der bürgerlichen Presse in den verschiedensten Variationen wieder, so daß es notwendig ist, an dem Beispiel Jünger Heydebrands für die Konservativen sprach, hat nichts von der rotbädigen Frische der hinterpommerschen Junker an sich, wie der neuen Wehrvorlage nachzuweisen, in welche Taschen die fie in Sudermannschen Dramen herrenmenschlich aufzutreten pflegen, wahrhaft soziale Ausgabe" des Staates fließt. weder in seinem Wesen noch in seinen Worten. Das aber macht Es leuchtet ohne weiteres ein, daß durch die vermehrte die hinterpommerschen Ansichten über Krieg und Frieden, über Anschaffung von Geschüßen, Maschinengewehren, HandfeuerMilitarismus und Sozialdemokratie nicht genießbarer, die und blanken Waffen, von Artillerie- und Heergerät, von All diese Vermehrung der Offizier- und höheren Beamten- er in ledernstem Tone vortrug, nur dann Lebhafter Uniformen und Ausrüstungsgegenständen ein Teil der deutschen stellen kommen zugute einer kleinen, engbegrenzten und zehn werdend, wenn er gegen die stärkste Partei des Reiches einen Industrie zu erhöhten Lieferungen und zu vermehrten Profiten mal gesiebten Gesellschaftsschicht, aber nicht allen Klassen des schnoddrigen Ausfall machte. Im übrigen war seine Rede ein kommit. Aber die Nutznießer sind doch nur die Unternehmer deutschen Volkes. Die Wehrvorlage baut mehr als jede Sammeljurium von Wiederholungen, ein Echo von Echos: alle Welt und Aktionäre der direkt oder indirekt in Betracht kommenden andere das Heer zu einer großartigen Versorgungsanstalt für ist friedliebend, aber Rüstungen find notwendig, die Grundsäße des Industrien. Aktienkurse, Dividenden und Reingewinne solcher die Söhne des Junkertums und der rassenreinen Bourgeoisie Reichsschazsekretärs sind zu billigen, nur das Branntweinsteuergesetz mit Staatsaufträgen bedachten Betriebe pflegen in der Sonne aus. Selten aber hat eine Wehrvorlage den Avancements- erscheint nicht unbedenklich all das hat man schon gestern gehört fistalischer Gunst sehr üppig zu wachsen. Das Lohnniveau schmerzen des Offizierkorps stärker Rechnung getragen als und vorher schon oft und wird es noch hören. der hier beschäftigten Arbeiter unterscheidet sich aber, von gerade die gegenwärtige. Die Beförderungsmaschine wird Herr Bassermann versäumte es nicht, sich mit patriotischer wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht von dem der gleichen vom 1. Oftober ab mit Volldampf arbeiten. Man sehe sich Geste in die Brust seines nationalliberalen Gehrods zu werfen. SelbstIndustrien, die nicht für die Heeresverwaltung arbeiten. In nur die unverhältnismäßig große Zahl der Stellen vom verständlich bewilligt seine Partei dem Militarismus, was der Militaris. den Staatswerkstätten liegen die Dinge für die Arbeiter vielleicht Hauptmann aufwärts an. Dazu kommen dann im nächsten mus haben will. Aber- und auf der Basis diefes Aber entwickelte nun noch ungünstiger. Nehmen wir an, daß ein Zehntel der deutschen Jahre noch etwa 25 Kavallerieoffiziere und 14 Landwehr- Herr Bassermann seine Anschauungen über die Dedungsfrage Arbeiterschaft für den Heeresbedarf tätig ist, so hat dieses inspekteure( mit Generalsrang) usw. Das alles gibt Luft und ging dabei dem Kanzler mit gutem Geschick zu Leibe. Warum Zehntel doch genau wie die übrigen neun Zehntel die durch in den höheren Offiziersregionen. Ist es da verwunderlich, nicht die Erbanfallsteuer, für die sich Herr Bethmann Hollweg die Rüstungen hervorgerufene Verteuerung der Lebenshaltung wenn die Junker und die Bourgeois, deren Söhne doch seinerzeit als Staatssekretär Bülows selbst eingefegt? Warum auf sich zu nehmen. Irgend welche wirtschaftlichen Vorteile und Verwandte den vornehmsten Rock" tragen dürfen, immer die Ermahnung an die Linke, auf ihren finanzpolitischen springen also für die Arbeiterschaft, abgesehen vielleicht von die Wehrvorlage mit Begeisterung aufnehmen, wenn Grundfäßen nicht zu bestehen? Und Wir behalten uns vor, in der einer fleinen Anzahl besonders qualifizierter Arbeiter, aus den die bürgerlichen Parlamentarier, von denen ja auch sehr viele Deckungsfrage eventuell mit Initiativanträgen vorzugehen“. Nur Rüstungsaufwendungen des Staates nicht heraus. verwandtschaftliche Beziehungen zum Offizierkorps haben, daß ein Eventuell an sich und erst recht ein nationalliberales Eventuell Natürlich sind es die Aktionäre und Besizer der Groß- auch bei der Wehrvorlage in erster Linie die Interessen ihrer dieser Ankündigung für Regierung, Junker und Pfaffen wahrhaftig betriebe, z. B. die Firma Strupp und ähnliche, die von diesen Klasse wahrnehmen. Sie können doch nicht dafür, daß diese alles Tragische nimmt. wahrhaft sozialen Ausgaben" des Staates das Fett ab Interessen sich( nach ihrer Meinung) auch mit der Würde und Herr Müller- Meiningen ging wesentlich schärfer ins fchöpfen. Daher auch die fanatische und verlogene Rüstungs- der Sicherheit des ganzen Vaterlandes" decken. Zeug. Auf der Baute fortschrittlicher Opposition donnerte er herum, hege der Zeitungen, die von diesen Großindustriellen aus- Ein genauerer Blick auf die neugeforderten Offizierstellen daß es nur so eine Art hatte und die Pfeile seiner Wize verfinsterten gehalten werden. Viele Artikel dieser Presse, die von fördert aber noch manche andere Erscheinung zutage. So zu Zeiten die Sonne der Regierungsgunst, die sich Herr Müller patriotischer Besorgnis strogen und von Eifer um das Wohl finden sich unter den Generalsstellen( ohne Bayern ) acht, und die Seinen während des Bülowblocs doch so gern auf den und die Sicherheit des Vaterlandes überfließen, sind nichts bis 1915 werden es 22 sein für Landwehrinspekteure, Budel haben scheinen lassen. Jezt aber ist man nicht Regierungs-, weiter als verkappte Reklameplakate für die Betriebe, die sich das heißt für Herren, für die ea im Frieden blut sondern Volkspartei, und da darf man sich's schon etwas tosten mit Staatsaufträgen mästen. Diese Prozentpatrioten fümmert wenig zu tun gibt. Von den Stabsoffizieren erhalten in laffen. Und wie Herr Müller- Meiningen taktisch operierte, es wenig, daß der Staat die Arbeiter, die staatlichen und Preußen nur 30 ein Truppenfommando, 171 werden den war gar nicht ungeschickt. Er wandte sich mit Schärfe gegen die privaten Angestellten, die Handwerker und die Kleinindustrie Stäben zugeteilt; von den Hauptleuten erhalten nur 129 eine Abficht, die Vorlagen schnell durchzupeitschen, wie auch gegen die mit Zöllen und indirekten Steuern belasten muß, um die Kompagnie resp. eine Batterie, 166 kommen zu Stäben und Absicht, die Kritik an der militärtechnischen Seite zu unterbinden, Mittel zur Bezahlung seiner Großlieferanten zu erhalten. dergleichen. Das heißt mit anderen Worten, eine sehr große und namentlich in der Deckungsfrage schoß er manche gutgezielte Aber nicht allein eine kleine Zahl von Großindustriellen Anzahl der Offiziere bekommen im Frieden gutbezahlte Sine- Breitfeite gegen Regierung und Rechte ab. und Aftionären sucht aus der Wehrvorlage erhöhten Vorteil, furen, Stellen, für die es im Frieden eigentlich keine Be- Nach kurzen Ausführungen der Staatssekretäre Kirpik und auch die Agrarier, vor allem die Ostelbier kommen nicht zu schäftigung gibt oder die ihre Inhaber nur zu allerlei militäühn nahm zum Schluß der Freiherr v. Gamp das Wort, um furz. Zunächst schon durch die stattliche Zahl von Dienst- rischem Kleinkram, zur Kontrolle von Kammerbeständen und für die Reichspartei in dieselbe Sterbe zu hauen, wie der Edle Herr pferden, die die Wehrvorlage für den 1. Oktober fordert. dergleichen verpflichten. Die gewaltige Vermehrung der zu Putlig. Dieser Inorrige Ostpreuße ist ohne Zweifel ein 6829 Pferde werden durch die Neuformationen mehr eingestellt, Offiziere ohne Kommando soll angeblich eine Sicherheit für ehrlicher Kerl, wenn er der Sozialdemokratie auch wenig parlaso daß das deutsche Heer vom 1. Oftober 1912 einen Be- den schnellen Uebergang aus der Friedens in die Kriegs- mentarisch die Ehrlichkeit abftritt, aber auch er fand lediglich die ftand von 126 480 Dienstpferden zählen wird. Dabei haben formation geben. Sie bedeutet aber in Wirklichkeit eine un- abgegriffenen Klischees des Hurrapatriotismus- seiner Ansicht nach wir im Vorwärts" schon darauf hingewiesen, daß diese Zahl geheuere Belastung der Steuerzahler. find weitesten Voltsschichten( man höre: weitesten Volksschichten!)
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sich für den Etat 1913/14 noch um 1 bis 2 Tausend erhöhen Militärisch begründet wird die Schaffung dieser milita- fogar die neuen Wehrvorlagen noch viel zu gering. Na, alio! wird, da die sechs neugeforderten Kavallerieschwadronen so- ristischen Pfründnerstellen mit dem Hinweis auf das fran- Dem politischen Laien auf den Tribünen mußte der Tag Heute wie die Bespannungen für die Maschinengewehrkompagnien zösische Stabergesez, das gleichfalls eine starke Vermehrung der wie ein lebhaftes Gefecht zwischen zwei Weltanschauungen vor. im laufenden Etat noch nicht enthalten sind, wie überhaupt Offizierstellen bei den Stäben usw. vorsieht. Wir haben schon tommen, und doch handelte es sich nur um Nuancenunterschiede. an Verschleierung und Vertuschung int der Wehr mehrmals in diesen Artikeln auf die schwachen Stader der Dafür gab es ein Sinnbild: bei den heftigsten Angriffen des Herrn vorlage das Menschenmöglichste geleistet wird. Daß die Erhöhung französischen Armee hingewiesen und haben dargetan, daß Müller- Meiningen lächelte der Stanzler und bei den blutigsten des Pferdebestandes den Remontezüchtern in Ostpreußen , Frankreich bei einer Mobilmachung weit mehr als Deutsch- Wizen lachte er sogar fröhlich mit, und er hat recht: Hier darf er Hannover usw. Aussichten auf vermehrten Absatz und Gewinn land zur Stomplettierung seiner Truppen erster Linie auf lächeln, darf er lachen! Morgen aber, wenn der Sozialdemokrat gewährt, ist selbstverständlich. Die Pferdezüchter sind natür- Reservisten und Reserveformationen angewiesen sei. Vom spricht, wird ihm schon das Lachen bergehen. Und auch mit Recht!