Nr. 174.
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Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat Berlia
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt Morigplak, Nr. 1983.
Sonntag, den 28. Juli 1912.
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Vom Brot- und Fleischwucher.et er dann die Löhne und das Einkommen der Berliner folcher Seite so klar und deutlich ausgesprochen wird. Und
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außer Verdacht, ein Umstürzler oder Sozialist zu sein; er ist nur bemüht gewesen, objektiv das Material, das er erreichen
Durchschnitts preise
1890-1899. 1900-1909.
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Schweine fleisch 104 111,4
Nind Stalb. Sammel fleisch fleisch fletsch 107 111 107 121,5 127 127
,, auskömmlich" leben zu können. Mit diesen Summen ver- dienst), so will es immerhin etwas heißen, wenn es von Arbeiterschaft, soweit dafür aus den Jahren 1880-1910 Nach noch ein anderes Wort des Autors darf man sich merken, weise vorhanden waren. ,, daß viel Intelligenz und Charakter erforderlich Ernährung der Berliner Arbeiter. Er gelangt zu folgenden Resultaten: Alle Fleisch ist, um unter solchen Umständen( d. h. bei dem geringen In den Schriften des Vereins für Sozialpolitik" ist vor forten stiegen im Preise; besondere Teuerungsperioden und obendrein schwankenden Einkommen der Arbeiter) die furzem ein dünnes, aber inhaltreiches Bändchen erschienen: waren die Jahre 1889-1891, 1905-1907( sodann wohl Jahre hindurch einen stabilen Haushalt führen zu können". „ Die Verteuerung der Lebensmittel in wieder, was außerhalb der Beobachtungen des Verfassers Am interessantesten ist vielleicht noch, was Bruzer über Berlin im Laufe der legten 90 Jahre und liegt, die Zeit ab Winter 1911/12). Außerdem zeigte sich im die Ursachen der Preissteigerung ausführt- auch ihre Bedeutung für den Berliner Arbeiter ganzen lezten Jahrzehnt eine aufwärts gerichtete Tendenz. wenn das vielfach nur so nebenher geschieht. Selbstverständ haushalt" von Gustav Bruker( Verlag Dunder Segt man die 1880-1889 im Durchschnitt für die vers lich spielen bei manchen Schwankungen die Ernteverhältnisse u. Humblot, München und Leipzig ). Der Verein für Sozial- schiedenen Fleischsorten im Berliner Kleinhandel gezahlten mit, die nicht nur die Korn- und Gemüsepreise beeinflussen, politik", an dessen Spize der Berliner Professor Schmoller Preise 100, so ergibt sich für die Preissteigerung folgen- sondern auch die Fleischpreise, insofern, als bei schlechter steht, ist weit entfernt von allen„ destruttiven" und„ revo- des Bild: Ernte die Bauern ihr Vieh abstoßen und nachher nicht gelutionären" Tendenzen; erst recht der Herausgeber der nügend mehr auf den Markt zu bringen haben. Eben jetzt Schriftenreihe, zu der das Bändchen gehört, Professor Mar spüren wir das ja als Nachwirkung der schlechten FutterAuch der Verfasser des Buches steht Sering in Berlin . ernte bon 1911. Aber das erklärt doch nur einige Abnormitäten. Das anhaltende Steigen der Lebensmittelpreise Dabei machen die Ausgaben für Fleisch ungefähr ein im letzten Jahrzehnt und gelegentlich auch schon früher hat konnte, nachzuprüfen und für seine Arbeit zu verwerten. Drittel aller Ausgaben für Lebensmittel im Arbeiterhaus- seine Ursache vor allem in der 8 ollpolttit des Reiches. Um so bedeutsamer ist es, wenn das kleine, ernste Heft eine halt aus. Bruker gibt das auf Seite 49 und 50 offen zu, obgleich er, schwere, ja, eine bernichtende Anklage gegen Ihnen folgen die für Brot, die etwa 15 Prozent be- wie es scheint, Anhänger der Getreidezölle ist. Die Zollunsere Wirtschaftspolitik und darüber hinaus tragen. Der Verfasser nimmt an, daß eine vierköpfige steigerung von 1887, trieb die Kurve bis 1891 mächtig an", gegen unser ganzes Wirtschaftssystem ist, Familie zum mindesten im Jahre 500 Kilogramm Roggen- wenn auch anderes mitwirkte. Der Fall der Kurve bis 1896 - für jeden wenigstens, der nicht an der Oberfläche der und 50 Stilogramm Weizenbrot gebraucht. Für dieses ist zum Teil auf die Erneuerung der Handelsverträge 1891 Dinge haften bleibt, sondern ihnen auf den Grund geht. Quantum ergibt sich folgende Preisbewegung, bei der jede bis 1894, die den Abschließenden eine Erniedrigung des GeDie Methode des Verfassers ist diese: An Hand einer Zahl immer die Zu, bezw. Abnahme des Preises gegenüber treidezolles und der Vieh- und Fleischzölle bringt, zurückzugroßen Anzahl Haushaltsrechnungen, besonders Berliner , er- dem Vorjahre bezeichnet.( Die Klammern, die das Bild noch führen", daneben wirken günstige Ernten und das Aufkommen mittelt er, welchen Anteil des Einkommens ungefähr Miete flarer machen, sind von uns dazugefügt): der argentinischen Konkurrenz. Endlich hat der Zolltarif von und Nahrungsmittel im Arbeiterhaushalt ausmachen. Auf 1902 im neuen Jahrhundert seine preistreibende Wirkung ausGrund aller erfaßbaren zuverlässigen Statistiken ermittelt er -10,75 geübt. sodann die Preise der wichtigsten Lebensmittel, die im ArbeiterHaushalt eine Rolle spielen, in Berlin in den Jahren von 1880 bis 1910, und geht auch in knappen, sorgsamen Unter-+5,00+0,75+6,00+17,50+5,65+15,15+20,75+6,00-7,50-12,50 auch zu würdigen weiß und dann doch zu keiner Ver+42,80 -20,00 suchungen der Preis bildung bei Fleisch, Brot und Milch nach, indem er die den Produzenten gezahlten Preise mit den Die nicht aufgeführten Jahre zeigen einen ziemlich ftabilen endgültigen Preifen des Kleinhandels vergleicht, und soweit Preis. Das Ergebnis dieser Zahlenreihe ist, daß auch hier möglich, alle Zwischenstufen im Birkulationsprozeß der Ware ein erhebliches Anziehen der Preise im Verlauf von 30 Jahre tritisch untersucht. Nebenbei wird auch die Mietssteigerung festgestellt werden muß. gestreift. Als Resultat dieses Abschnittes betrachtet der Ver- Das Liter Milch stieg von 16 Bf.( 1882) ,, langsam aber fasser die Preisbewegung der Nahrungsmittel( und der sicher" auf 22 Pf.( 1910). Auch die übrigen Lebensmittel, Miete) im im Ganzen. Die Preisturve gibt ihm fo Kartoffeln, Gemüse, Butter, Eier, Kaffee, gingen in die - unter Berücksichtigung dessen, was vom hygienischen Höhe, oft sehr start. Eine kleine Verbilligung erfuhr nur der Standpunkt für die Ernährung einer Familie zum mindesten Reis, eine größere der Zucker. nötig ist, die Möglichkeit, festzustellen, was ein Arbeiter Eine instruktive 8usammenfassung gewährt die mit drei Angehörigen als Minimum in jedem Zeitabschnitt folgende Tabelle, die wir aus einer umfangreicheren Arbeit verdienen muß, um in größter Bescheidenheit, aber wenigstens| Bruters( S. 44-45) zusammenziehen:
Art des Nahrungsmittels
Fleisch.
Brot
Butter Schmalz
.
-
Durchschnitt Für 4töpfige der Jahre Familie 1881 nötiges 1890 Quantum bis bis
1882 1889 -1,00+17,00
1895
1890 +16,00
1891 +24,50
1892
-
17,15
-
+57,50
1893 - 41,85 69,75
1896 1897 1898 1899 1906 1907 1908
+29,25
-
1894
1909 1910
Es ist schwer zu verstehen, wenn ein Autor das zugibt, das ganze Elend eines Arbeiterdaseins vor Augen sieht und urteilung dieser Brotwucherpolitit des Junkerstaates kommt. Aber der unbefangene Leser des Büchleins wird trotzdem seine Lehre daraus ziehen. Und in dem bald wieder beginnenden Kampfe um die Erneuerung des Zolltarifs können die Fest stellungen Bruters noch eine wertvolle Waffe werden.
Nicht weniger bedeutsam sind die wenigen Stizzen, die fein Buch über die Verteuerung der wichtigsten Nahrungsmittel auf dem Wege vom Produzenten zum Konsumenten durch den 8wischenhandel bietet. Was das Fleisch betrifft, so lassen sich die eigentlichen, an den Landwirt gezahlten Viehpreise gar nicht erfassen. Aber nimmt man auch nur die bereits mit einem Händleraufschlag bersehenen Preise für Lebendgewicht, die am Berliner Schlachthof gezahlt werden, so ergibt sich, daß einem Preise von 44,71 M. für das Pfund Lebendgewicht eines vollfleischigen Dchsen höchsten Schlachtwertes im Großhandel ein Kleinhandelspreis von
1900 1901 1902 1908 1904 1905 1906 1907 1908 1909 1910 82,5 M. gegenübersteht( 1910, Berliner Jahresdurchschnitt).
1889 1899
110 kg*)
137
550 kg**)
136
147 147 153 162 159 152 134 141 142 142 140
169 185
174 171 176
139
143
158
179 186
178
182 165
30 kg
69
70
70
70
69
69
70
74
75
74
79
78
80
30 kg
47
38
35
38
43
43
41
42
46
45
46
47
53
Kartoffeln
500 kg
26
29
25
26
23
24
32
30
22
29
31
28
24
Milch
400 Lt.
75
76
72
72
72
72
72
72
76
88
88
88
Eier.
400 Std.
28
26
28
28
24
28
28
28
28
28
28
32
Staffee
10 kg
22
32
27
27
27
24
24
24
24
24
24
26
Zucker
50 kg
42
33
31
33
34
32
25
24
24
24
24
25
25
Mehl und Reis.
20 kg
10
10
10
10
10
10
10
10
10
10
10
10
10
Zusammen
587 595
586
599
606 601 593 616
648
675
687
688
685
Relativ( 1881-1889
=
100)
-
Alle sachlichen Unkosten Fracht, Stallung, Schlacht- und Fleischbeschaugebühr, Marktstandgeld, Geschäftsuntosten, Gewichtsverluft beim Verkäufer und Sonstiges- ergeben für das Pfund 9 Pf. Diese in Rücksicht gezogen, bleibt immer noch der enorme 8wischenhandelsgewinn von 28,5 Pf. pro Pfund!
Und beim Schweinefleisch ist es nicht viel anders: 88 Lebendgewicht- Pfund 53 Pf., Unkosten 7,3 Pf., Verkaufspreis 32 79 f., 8wischenhandelsprofit 18,7 Pf. pro Pfund! Diese 26 Aufschläge werden verständlich, wenn man bedenkt, wer alles an dem Handel beteiligt ist: Der Auffäufer des Viehes; der Kommissionär", der diesem sehr oft das Geld gibt und feinem Abnehmer auch( natürlich nicht umsonst); der Großschlächter", der die Schlachtung besorgt und die geschlachteten Stücke in der Zentralmarkthalle zum Verkauf bringt; der Fleischer, der Ladeninhaber ist und es von ihm auftauft. Nur selten ist der Weg fürzer. Die Kommissionäre, die Geldleute am Viehmarkt", insbesondere sind eine Gefahr für
100| 101,4| 99,8| 102,0| 103,3| 102,4 101,0| 105,0| 110,4| 115,0| 117,1| 117,2| 116,7
*) 110 kg, babon 50 kg Schweinefleisch, 30 kg Rindfleisch, 10 kg Hammelfleisch, 20 kg Spec. **) 550 kg, davon 500 kg Roggenbrot, 50 kg Weizenbrot.
"
"
Wie dürftig die Lebenshaltung bei dieser Berechnung ist,| Darstellung Bruters führt zwar zu dem Ergebnis, daß sich ergibt sich wohl am besten daraus, daß die vierköpfige das Verhältnis gegenüber den früheren Jahrzehnten ver- die Preisgestaltung, da sich von ihnen ausgehend„ ein Familie mit 10 Kilogramm Kaffee im ganzen Jahre aus- bessert hat, aber der Verfasser gesteht selber zu, daß auch System von Wacht- und Abhängigkeitsverheute, das für ein mäßiges Auskommen einer hältnissen bildet", das den Handelsweg ,, undurch
tommen muß.
nur
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Für die Aufstellung der Gesamtausgaben zerlegt bierköpfigen Familie erforderliche Ein- fichtig" macht und von allen Seiten Tribut fordert. Also Bruker den Zeitraum in drei Perioden, 1881-1889, tommen von 1500 Mart von dem größten Teil auch hier wieder: das Kapital und sein Profit fressen die 1890-1908 und 1904-1910. Für die erste dieser Perioden der ungelernten Arbeiter durch den Lohn Unsummen. Nicht, daß etwa eine Arbeit auf diesem fetzt er als Minimum für Lebensmittel( vergleiche obige allein noch nicht gedeckt wird, daß auch der Handelswege zu teuer bezahlt würde; im Gegenteil: die Tabelle) 600 m., für Miete 216 M., für Kleidung, Wäsche, gelernte Arbeiter durchschnittlich bei Arbeit wird auch hier gering genug gelohnt. Aber der UnterReinigung 100 m., für Heizung, Beleuchtung 40 M., für günstigen Arbeitsverhältnissen einen solchen nehmergewinn schraubt die Preise hinauf und läßt Tausende Und mit Recht bemerkt an leeren Tischen Plaz nehmen. alles übrige, einschließlich einer fleinen Spareinlage 264 M. ahresverdienst hat." an, so daß er als geringstes Einkommen für eine„ tnappe, Bruger weiter: Bei der Gestaltung der Brotpreise ist das Bild nicht aber auskömmliche Lebensführung 1200 M. fordert. In der „ Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, daß die Zahlen anders. Klar springt auch hier die ungeheuerliche Differenz zweiten Periode steigen die Lebensmittelpreise wenig, dafür 1500, 1300 und 1200 zu ihrer Zeit immer nur ein mäßiges zwischen Produktionspreis und Verkaufspreis in die Augen. aber Mieten und öffentlich- rechtliche Abgaben( Steuern) start, Auskommen für eine vierköpfige Familie bedeuten. Jedes weitere Die Spannung zwischen Korn preisen und Mehl preisen so daß er für sie 1300 m. als Mindestmaß des Einkommens Familienmitglied erhöht die Summen beträchtlich. Aus den bei- beträgt pro Kilogramm bereits etwa 5-8 Pf. und ist in den verlangt. Für die dritte Periode fetzt er an: gegebenen Tabellen läßt sich ableiten, daß auf etwa gleicher Höhe letzten Jahren eher größer als geringer geworden. Geradezu für Nahrungs- und Genußmittel. der Lebenshaltung stehen: unerhört groß ist sie aber zwischen Mehl- und Brot preisen; und, was besonders charakteristisch ist, hier ist das Wachstum in den letzten Jahren in die Augen springend. So war die Differenz des Preises zwischen je einem Kilogramm Mehl und Das sind die Ergebnisse, die dem zu weit gehenden Opti- Brot bei mismus, mit der die Lage der Arbeiterschaft so häufig betrachtet 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 1909 wird, zu erschüttern geeignet sind. Man kann behaupten, Roggen.. 4,7 5,3 4,6 5,8 5,9 5,2 6,1 5,4 8,0 7,9 daß der tüchtige, verheiratete Arbeiter, der heute unter 1500 M. Weizen. 20,2 18,4 18,6 19,9 18,4 19,8 20,8 21,7 25,2 23,0 jährlich verdient, mit vollem Rechte die Forderung der Lohn- Natürlich sind diese Summen noch nicht absoluter Profit. erhöhung stellt."( S. 84.) In ihnen steckt auch Entgelt für geleistete Arbeit in der Müllerei und in der Backstube. Der Anteil wird sich schwer präzisteren lassen. Einen Anhalt aber gibt folgendes: Ein
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Wohnung
"
Bekleidung.
"
Heizung und Beleuchtung
"
die Familien mit 4-6(?) Mitgliedern u. 1200-1300 M. Einkommen
750 M.
9
800
"
100
6
"
"
" P
"
50
8
"
"
"
300 Steuern, Versicherung, Sonstiges. Zusammen 1500 m.
-
"
1900-2000 2300-2400
"
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Seine Untersuchung der Löhne oder richtiger des Einkommens der Arbeiter unter Berücksichtigung der Tatsache, daß der Arbeiter gewöhnlich einige Wochen arbeitsLos zu fein pflegt- ergibt, daß die Mehrzahl der Berliner Arbeiter eigentlich nie dies So selbstverständlich das ist( und es gilt wahrlich nicht Minimum von Eintommen erreicht hat. Die bloß für die Familienbäter mit weniger als 1500 M. Ver