Nr. 198.
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29. Jahrg.
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Sonntag, den 25. August 1912.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.
Wider den Fleischwucher der Agrarier und Großichlächter.
Den zahlenmäßigen Beweis der anhaltenden Teuerung zu Jahren gut durchbringen, um dann im nächsten Jahre hohe| miete, Löhne, die mannigfachen Verluste beim Verkauf be. führen, kann man sich füglich sparen, seitdem vor kurzem Preise für sein Vieh zu erhalten. Wir finden hier wohl den stritten; er enthält zugleich die Vergütung für die persönein hiesiges Gericht die Preiserhöhung aller Lebensbedürfnisse größten Gegensaz zwischen Groß- und Klein- liche Arbeitsleistung des Fleischers. ohne Unterschied" für gerichtsbekannt erklärte und weiter be- grundbesit" flagt ein praktischer Landwirt in der bürger- Uebrigens hat v. Tyszka durch Vergleich der Groß- und stätigte, daß ein Rückgang einmal eingetretener und lichen Presse. Kleinhandelspreise nachgewiesen, daß die Viehpreise in München längere Zeit andauernder Preissteigerung der Lebensmittel Für kurze Zeit santen im vergangenen Herbst die Preise und Berlin 1904 bis 1910 prozentual zum Teil erheblicher erfahrungsgemäß nicht zu erwarten sei. besonders für die von kleinen Landwirten gezüchteten Schweine. gestiegen sind als die Detailpreise. Auch er schließt mit Recht Jetzt aber fehlt es an Vieh; die Preise steigen. So hat es daraus, daß die erhebliche Verteuerung ihre Ursache nicht in sich schon mehrfach gezeigt: Mißernten an Heu, Klee und der Preisgestaltung des Kleinhandels haben kann. Das wird Hackfrüchten vermehren den Auftrieb an den Schlachthöfen weiter bestätigt, wenn man die Erhöhung der Schweinepreise und ermäßigen vorübergehend die Fleischpreise. In dem gegen den Juli vergangenen Jahres für den Großhandel und darauf folgenden Winter und Sommer schnellen sie um so Kleinhandel berechnet. Pro Kilo stiegen die Preise mehr in die Höhe. im Großhandel im Kleinhandel 31 Pf. 27
Unter den Lebensmitteln hat das Fleisch aber so ungeheuerliche Preissteigerungen erfahren, daß ein Vergleich der jegigen Verkaufspreise mit denen vor 10 Jahren allein die Notlage der breiten Massen beleuchtet. Man zahlte in Berlin für ein Pfund( in Pfennigen): Spec Schinken Schweine geräuch. geräuch. schmalz 75 108 64 90 160 90 15 26
Rinds Kalb Hammel Schweine Jahr fleisch fleisch fleisch fleisch 1901 64 78 61 Juli 1912 110 110 mehr 46 32
63
105
83
44
20
52
Die Futtermittelzölle allein erklären aber die besonders seit 1902/5 einsehenden Fleischpreissteigerungen nicht. Der Bülowsche Zolltarif jener Jahre erhöhte auch die Einfuhr
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Bei derartig hohen Preisen wird es proletarischen Familien zölle auf Vieh und Fleisch. Ein Doppelzentner Besondere Sympathien hat das Proletariat trotzdem nicht unmöglich gemacht, sich Fleischgerichte bei ihren Mahl- Rindfleisch ist mit 27 M., ein Doppelzentner Schweinefleisch zeiten zu leisten. Allenfalls erhält der Ernährer eine mit 35 m. belastet. Dafür, daß ihn auch wirklich der in- mit den Fleischern. Gehören sie doch zu den wütendsten Fleischspeise; Frau und Kinder gehen leer aus, obgleich ländische Konsum trägt, sorgen die Vieheinfuhr- Gegnern der Tarifverträge und suchen sie doch auf allen Wegen Die Einfuhr die Schlächtergesellen auszubeuten. auch sie regelmäßig zum Unterhalt der Familie durch eigene verbote und Vieheinfuhrerschwerungen. Ganz anders stehen sich die Viehhändler und KommissioArbeit beitragen. Schon in den Jahren 1907 und 1908, von Rindern ist nur aus Desterreich- Ungarn , der Schweiz die sich durch niedrigere Fleischpreise auszeichneten, mußten in und Dänemark gestattet. Schweine dürfen nur aus Ruß- näre, die das Vieh aufkaufen und nach Berlin transportieren, Allen anderen und die Großschlächter, die die Schlachtung auf dem SchlachtFamilien mit einem Gesamteinkommen bis 2000 m. etwa land und Desterreich eingeführt werden. 50 bis 60 Prozent aller Einnahmen für die Nahrungs-| Ländern gegenüber sind unsere Grenzen für Vieh gesperrt. Für hof vornehmen lassen. Die Differenz zwischen ihrem Einkaufsbeschaffung ausgegeben werden. Wenn Proletarier heute die Schweine ist außerdem eine Höchstzahl der eingeführten Tiere fest- und Verkaufspreis ist wesentlich höher. Ihnen fallen die ebenfalls im Preise gestiegenen allernotwendigsten Ausgaben gesetzt. Rindvich darf nur auf dem Seewege, über bestimmte großen Zwischengewinne zu. Insbesondere die Kommissionäre, für Wohnung und Kleidung bestreiten wollen, bleibt ihnen Häfen eingeführt werden; auch wird es einer zehntägigen die Geldleute am Viehmarkt, stecken die Profite ein. Sie üben für Lebensmittel faum eine größere Summe. Am Fleisch Quarantäne unterworfen und muß in bestimmten Schlacht einen Druck nach beiden Seiten aus. Die agrarischen Zölle wird am ehesten gespart werden. Eine Ernährung, ungenügend häusern innerhalb weniger Tage geschlachtet sein. Aehnlich sichern dem Kapital, das in das Viehgeschäft gesteckt wird, nach Menge und Zusammensetzung, muß in breiten unterliegt die Fleischeinfuhr schikanösen Vorschriften, die an- durch Ausschaltung der ausländischen Konkurrenz die Das Geschrei gegen sie und die SchlachtSchichten die Folge sein. Klagt doch selbst die Beamten- geblich vor Verschleppung von Seuchen in das Zollgebiet hohe Rente. fchaft und der gewerbliche Mittelstand mit Recht über die schüßen sollen. Aber die jetzigen Maßnahmen dienen in erster unternehmer hilft daher nicht viel, solange nicht die Grenzteuere Lebenshaltung, obgleich dort die Gehaltserhöhungen Linie der Erschwerung der Einfuhr, der Verteuerung des sperre aufgehoben wird. Diese Sachlage darf nicht verschleiert erheblicher ausfielen als die Lohnsteigerungen der Arbeiter, Fleisches und damit dem Profit der Agrarier. Die Herren, werden. Ein gewisser Druck auf die Schlächter und Fleischer läßt die ja zum Teil noch nicht einmal die Löhne der letzten Ston- die ihre Gutsarbeiter knechten, in deren Bezirken die Säuglings sich allerdings durch tommunale Maßnahmen ausüben. junkturperiode 1907 erreicht haben. In der bürgerlichen sterblichkeit zu- statt abnimmt, fümmern sich auch den Teufel In den Gemeinden, wo man städtische Fleischverkäufe einPresse tann man allerdings häufiger sentimentale Klagen von um die Gesundheit des Proletariats. Wo sind sie je für das richtete oder auch nur ihre Errichtung ernsthaft androhte, santen sofort die Fleischpreise. Die Großschlächter müssen Hausfrauen lesen, daß Proletarierinnen auf den Märkten Interesse der breiten Massen eingetreten! große Einkäufe machten, die jene„ entbehrenden" Damen sich Die Preise, die den Landwirten gezahlt werden, sind dann billiger an die abhängigen Fleischer liefern; ihr nicht leisten könnten. So weit derartige Mitteilungen nicht selbstverständlich infolge dieser Absperrung der Einfuhr Profit blieb dennoch hoch genug, wie sie selbst eingestanden ganz aus den Fingern gesogen sind, beruhen sie meist darauf, gestiegen. Es ist Heuchelei, wenn die agrarische. Presse haben. In fleineren Orten bilden Schlächter und Fleischer nur die Viehkäufer und Schlächter daß die Proletarierin einmal in der Woche und zugleich erklärt, hätten( Ladeninhaber) noch die gleiche Person. Hier ist der Protest für ihre Aftermieter und Schlafgänger die Vorräte einkauft. die Fleischteuerung verursacht. Nein, erst die mannig gegen den Wucher der Fleischer voll berechtigt. Hier wird ihr Unparteiische Beobachter( so im vergangenen Jahr noch eine fachen Grenzsperren machen es den Viehhändlern und Groß- Boykott durch die Arbeiter auch sofort wirksam. Leider ist der Konsum der Arbeiterschaft an Fleisch so Arbeit des Statistischen Amts der Stadt Halle) haben es längst schlächtern möglich, die Konsumenten auszubeuten. Sobald ausgesprochen, daß große Teile unseres Volfes die Zölle und Einfuhrverbote fallen, würden auch die Zwischen- gering, daß sich die Errichtung eines Fleischverkaufs durch Bei an Unterernährung leiden und daß nur durch gewinne jener Vermittler zwischen Produzenten und Kon- Konsumanstalten vielfach nicht durchführen läßt. große Anstrengungen von seiten der stets wachsenden organi- sumenten sinken. Dann würde das ausländische Vieh und geringem Absatz lohnt sich die Errichtung der Fleischabteilungen fierten Arbeiterschaft geringe Besserungen erzielt worden sind. Fleisch mit dem inländischen konkurrieren, und die Händler kaum. Die Arbeiter haben es daher nicht überall in der Hand, Soweit man die Tatsache der Fleischteuerung nicht leugnen und Schlächter müßten ihre Preise ermäßigen. Gerade das die Zwischengewinne durch organisierten Absatz auszuschalten. tann, suchen ihre Urheber sie auf Dritte abzuwälzen. Und aus Amerita bezogene getühlte Fleisch ist geeignet, Um so mehr ist es Pflicht der Agrarier, die über jene so erleben wir denn seit langem eine sich immer mehr ver- dem Arbeiterkonsum zu dienen, denn es stellt sich mindestens Gewinne klagen, die Ursachen der Verteuerung zu beseitigen. schärfende niedliche Katzbalgerei zwischen Agrariern und um die Hälfte billiger als das jetzige inländische. Aber sie wollen ja nur jenen den Profit entziehen, um ihn selbst Schlächtern. Die Agrarier behaupten, an der Fleischteuerung Von einem völligen Untergang der deutschen Viehzucht, wie einzustecken! Nicht die ernsthafte Sorge um das Wohl und seien nur die Schlächter schuld; sie selbst erhielten nicht mehr ihn die Agrarier schwarz an die Wand malen, würde trotzdem die Gesundheit des deutschen Volkes steht hinter ihren Vorwie früher für ihre Tiere. Sie berufen sich darauf, keine Rede sein. Auch England treibt trok der großen Ein- würfen, sondern das bloße Interesse für den eigenen Gelddaß die Preise pro lebendes Pfund für Hammel und Rindfleisch eigene Viehzucht. beutel und vor allem der Wunsch, die Prügel von sich abVieh fuhr viel geringer sind als die Verkaufspreise im Klein- Nur steht englisches Fleisch im Preise höher als eingeführtes zulenten. Beim Spiritus haben ja die Agrarier Produktion handel. Die Schlächter hingegen schieben der deutschen australisches und amerikanisches. Vielleicht eignet sich ge- und Absah ohne Zwischenglieder in ihren Händen vereinigt. Landwirtschaft die Schuld in die Schuhe; diese liefere zu fühltes Fleisch nicht für alle Speisen- obgleich die Gewohn. Und die Folge? Die Preise sind höher als je in den Zeiten wenig Schlachtvieh und daher müßten sie so hohe Preise selbst heit beim Geschmack eine große Rolle spielt gesundheits- wildester Börsenspekulation. zahlen und anrechnen. Tatsache ist, daß sich die deutsche Be- schädlich ist es jedenfalls nicht. Die deutschen Proletarier Der Schwindel, daß die Fleischer allein die Schuld an der bölferung viel schneller vermehrt hat, als der Viehbestand ge- wären froh, wenn sie sich das billigere, gekühlte Rind- und Teuerung trügen, ist zu durchsichtig, als daß Arbeiter sich wachsen ist. Das Angebot von Schlachttieren kann die Nach Hammelfleisch kaufen könnten; Junker, Pfaffen und Bourgeois durch ihn blenden ließen. Der Wucher der Agrarier frage nicht mehr befriedigen und so sind die Vieh- und Fleisch- mögen sich weiterhin das teurere inländische Fleisch leisten. schafft erst die Möglichkeit für den der Viehpreise gestiegen. Insofern haben die Schlächter mit ihren Die Möglichkeit der Einfuhr von Vieh und Fleisch würde auch tapitalisten. Gegen ihn ruft die Arbeiterschaft in erster Vorwürfen recht. Die einzige Konsequenz dieser Erkenntnis der Milchproduktion Deutschlands zugute kommen. Linie zum Kampfe auf: alle, die selbst bitter darunter leiden, fann aber nur lauten: die Grenzen auf für Vieh Heute leiden wir an einer Milchnot, die auf dem platten Lande und alle, die das Wort von ihrer Sorge um die Volkswohl und in den Städten für die Arbeiterschaft eine gleich schwere fahrt im Munde führen. Die Arbeiter fordern Abhilfe von und Fleisch, Beseitigung der Einfuhrzölle!
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Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Agrarier ist Salamität bildet. Die Ausdehnung des genossenschaftlichen der Regierung, die sich mit dem Glorienschein der die deutsche Landwirtschaft nicht in der Lage, den wachsenden Molkereiwesens hat die Milch- und Butterteuerung gerade Interessenvertretung aller Berufsstände umgibt. Noch im Fleischbedarf zu befriedigen. Sie hat sich selbst die Ent- verschärft. Hier haben die agrarischen Produzenten die Ver- Frühjahr haben die Minister Delbrück und v. Schorlemerwickelung der Viehzucht versverrt durch die Getreide- und arbeitung und den Absatz ihrer Produkte selbst in der Hand Lieser sich dahinter zu verstecken gesucht, daß die FleischFuttermittelzölle. Die fleinen Landwirte müssen Futter für behalten, aber der Konsum hat dadurch nichts gewonnen. teuerung vorübergehend und ungerechtfertigt" sei. Welchen ihr Vieh hinzukaufen. Im vergangenen Jahr zwang fie der Daß auch die Schlächter es mit ihrem Geschrei wider die Grad der Unterernährung muß das Volk erreicht haben, Mangel an Futtermitteln zur Schlachtung oder zum Verkauf Agrarier nicht ernst meinen, geht daraus hervor, daß sie selbst damit unsere Minister diesen Zustand als dauernd anerkennen? ihrer Tiere. Am Bezug ausländischer Futtermittel hinderte fie ständig Lügennachrichten über die Schädlichkeit des Diese Frage wird mit allem Nachdruck außerhalb des der famose Zoll. Die Großgrundbefizer besaßen natürlich genug amerikanischen Fleisches verbreiten und in ihrer Mehrzahl sich Parlaments gestellt werden. Für den 3. September eigenes Futter oder konnten es aus dem Ausland beziehen, da gegen die Einfuhrerlaubnis von Fleisch wenden. Sie ruft die Sozialdemokratie das Volk von sie aus dem vermehrten Export von Getreide reichen Profit zogen. steckten zu gern weiter den Profit ein, den ihnen die Agrarier Berlin zum Protest gegen den Lebens. „ Der viehhaltende kleine Landwirt muß direkt den verschaffen. An diesem Profit haben geringen Anteil die fleinen mittelwucher. Aber auch innerhalb des Parlaments ganzen Zoll tragen. Er muß in den Jahren, wo infolge Fleischer, die in den Proletariervierteln wenig Fleisch und muß die Stimme des Volkes gehört werden und wir Mangels an Futtermitteln die Viehpreise niedrig sind, sein nur in minderen Qualitäten viertelpfundweise vertreiben. Sie können nicht bis zum November warten. Die Not des Vieh verschleudern und hat dann noch vom Groß selbst schlachten kein Fleisch, sondern kaufen es von den Groß- Volkes verlangt gebieterisch, daß der Reichstag einberufen grundbesizer Stroh, Streu, Kartoffeln, Rüben usw. zu schlächtern in der Zentralmarkthalle. Die Spannung zwischen wird, um Abhilfe zu schaffen. Seine Aufgabe ist bekannt, faum zu erschwingenden Preisen zu kaufen! Sein Vieh ist dem Einkaufspreis, den sie selbst zahlen müssen, und dem die übergroße Mehrzahl des deutschen Voltes fordert die angst veräußert, ehe die hohen Preise für Verkaufspreis, den sie im Kleinhandel erhalten, ist auf 13 Pf. Deffnung der Grenze. Die Regierung hat die Pflicht, dem Vieh kommen. Der Großgrundbesitzer hat im Verhältnis pro Pfund berechnet worden. Dieser Gewinn kann nicht als Reichstag ungesäumt Gelegenheit zu geben, sehr wenig Vieh und kann seinen Viehstand auch in schlimmen besonders hoch bezeichnet werden. Aus ihm werden Laden- dieser Aufgabe nachzukommen.