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Nr. 233.

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S

Vorwürts

Berliner Volksblaff.

29. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr Beträgt für bie sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 60 Bfg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zuläfftg 2 fettgedruckte Morte), jedes weitere Wort 10 Bfg. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition m bis 7 Uhr aberd geöffnet.

Telegramm.breffe: Sozialdemokrat Berlin "

s Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983.

Sonnabend, den 5. Oktober 1912.

Zwischen Friedensfchluß und Kriegsbeginn.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1984.

ausgesprochen hatten, begegneten, riefen fie in französischer Sprache: Wir wollen Strieg. Der griechische Dragoman und der montenegrinische Geschäftsträger wurden mit den Rufen: Rieder mit Griechenland ! Nieder mit Monte. negrol empfangen. Am Abend fehrten die Demonstranten in voller Ordnung zurüd, indem fie riefen: Nieder mit den

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Obwohl die Antwort Oesterreich- Ungar ns auf den Vorschlag einer gemeinsamen Aktion bei den Balkan staaten heute vormittag noch nicht bekannt war, scheint doch die Annahme desselben als sicher angefehen zu werden, da die Note, welche am Schlusse des Ministerrats mitgeteilt wurde, die völlige Uebereinstimmung Rußlands , Frankreichs und der übrigen Großmächte in dieser Frage versichert. Desterreichische Versicherungen.

Konstantinopel , 4. Oftober.( Meldung| Türkei aus Europa spricht, will ebenso wie Rußland , des Wiener k. t. Telegr.- Korrespond.- Bureaus.) daß ein Druck auf die Türkei ausgeübt werde, damit diese Ballanstaaten! Eicheren Informationen zufolge hat der gestrige die Autonomie Mazedoniens , also die Haupt­Ministerrat beschlossen, den letzten Vorschlag forderung der Balkanstaaten, zugestehe, während bisher Die diplomatischen Verhandlungen. Italiens anzunehmen. Die Friedens wenigstens der deutsche und österreichische Standpunkt der war, daß der Druck nicht auf die Türkei , sondern auf die Paris , 4. Oktober. In der heutigen Ministerrats. präliminarien werden nach Ankunft des Balkanstaaten ausgeübt werde. Db es den Bemühungen fibung machte Ministerpräsident Poincaré Mitteilung früheren Botschaftsrats bei der türkischen Bot. der französischen Regierung gelingen wird, auch hier eine Ver- von den Unterhaltungen, die er mit Ssaso now über die schaft in Rom Seif Eddin in Duchy uuter mittelung zu finden, steht ganz dahin. Auch heute sieht es Bedingungen gepflogen habe, unter denen Frankreich in voller zeichnet werden können. so aus, als würden trotz aller Beteuerungen die Anstrengungen Uebereinstimmung mit Rußland und den übrigen Groß­So ist denn der italienische Schandkrieg zu der Diplomatie in Wirklichkeit weniger auf die Verhinderung mächten in dem Versuche fortfährt, den Krieg zu ber Ende. Selten noch ist eine Friedensstörung frecher begonnen des Ausbruchs, als auf die Lokalisierung des hindern, den Kampf, falls er doch ausbrechen sollte, auf den Balkan zu beschränken und auf jeden Fall worden, als dieser Tripolisraub, der vom Banffapital an Strieges gerichtet werden. gezettelt, von den Pfaffen des Vatikans eingefegnet, von Und die letzten einlaufenden Nachrichten verstärken noch den Status quo aufrechtzuerhalten. Banzerplattenfabrikanten, Kriegslieferanten, avancements. die pessimistische Beurteilung der Lage. Schon Lüfternen Dffizieren jubelnd begrüßt, von einer von Staat follen bulgarische Truppen die Grenze über und Kirche in geistigem und materiellem Elend chritten haben und der bulgarische Ministerpräsident er­erhaltenen Bevölkerung mit törichtem, längst verflogenem flärt den Krieg für unvermeidlich. Noch werden die Nach Enthusiasmus aufgenommen, dem italienischen Volte aber richten von der offiziösen bulgarischen Depeschenagentur nichts als schwere Lasten und entsegliche Todesopfer gebracht dementiert. Aber dieses Dementi fann auch bloß zur Ver­hat. Friedenschluß nennen sie es, in Wirklichkeit dauert aber schleierung der Truppenbewegungen dienen. für Italien der grausame Krieg fort. Nur die Küste befindet sich in italienischer Gewalt, im Innern aber werden die Bulgarische Grenzüberschreitungen? tapferen und friegerischen Araberstämme, geschult und aller Wahrscheinlichkeit nach auch ferner geführt von türfischen Frankfurt a. M., 4. Oftober. Der Frankfurter Zeitung " wird Difizieren, den Kampf um ihre Unabhängigkeit weiter führen. aus Konstantinopel gemeldet: Nach einer offiziellen Mitteilung Die Friedensbedingungen find offiziell noch haben bulgarische Soldaten im Norden von Kirk Kiliffe die nicht bekannt. Sie werden sich wahrscheinlich in dem Rahmen türkische Grenze überschritten. Man fragt sich nun, ob bewegen, daß die Türkei zugestehen wird, sie sei infolge der dieser Borfall den Beginn der Feindseligkeiten bedeutet. Balfaulage nicht imstonde, Tripolis länger zu verteidigen. Deshalb gewähre sie dem Lande Autonomie. Italien wird Bewahrheitet sich diese Meldung. fo würde sie den Beginn darauf Tripolis für anneftiert erflären und die Türkei dies stillschweigend dulden. Die Türkei erhält auch eine bedeutende der bulgarischen Offensive gegen Abrianopel bedeuten Ein halbamtliches Telegramm qus Sofia bezeichnet jedoch die finanzielle Entschädigung. Die Türkei ist zu dem Frieden weniger durch die Waffen- Meldungen von Angriffen bulgarischer Truppen auf türkische gewalt der Italiener in Tripolis , als durch die Zwangslage Stellungen in den Distrikten. Nazlit, Dschumbala und Ropojoz als genötigt worden, die die Kriegsdrohungen der Balkanstaaten vollkommen unbegründet. erzeugt hat. Aber auch für Italien ergab sich aus der fritischen Ballausituation die Notwendigkeit, zum Schluß zu kommen. Denn auch Italien ist einer der Anwärter auf Belgrad , 4. Oktober. ( Meldung des Wiener I. 1. Tel.- Corr. das türkische Erbe und nichts törichter als das deutsch - Bureaus.). Die alarmierenden Meldungen über blutige Stämpfe offiziöse Geschwätz, das Italien nunmehr als Freund wischen serbischen und türkischen Truppen an der serbisch - türki­der Türkei begrüßt. Denn weit wichtiger als Tripolis schen Grenze entbehren jeder fachlichen Grundlage. ist dem italienischen Imperialismus die albanische Küste,

machen würde.

Ein ferbisches Dementi.

Pessimistische Urteile.

Wien , 4, Oktober. An zuständiger Stelle wird auf An­frage bestätigt, daß Oesterreich- Ungarn bereit sei, mit Rußland als der mit ihm am Baltan zunächst interessierten Macht gemeinsam alles aufzubieten, um den Frieden auf dem Balkan zu erhalten.

Keine Aenderung für Kreta .

Konstantinopel . 4. Oktober." Sabah" meldet aus Athen , die Gesandten Englands, Frankreichs und Rußlands hätten dem Minifter: präsidenten Benizelos eröffnet, daß ihre Regierungen dem Verfuch, den Status quo auf Rreta zu stören, energisc entgegentreten würden.

Die Bilanz des Tripoliskrieges. Aus Nom wird uns geschrieben:

Am 29. September war ein Jahr bergangen, seit die italie. nische Regierung den Mächten mitteilte, daß sie sich im Kriegs zustande mit der Türkei befände und gezwungen fähe, die Waffen zu gebrauchen, um den 8wed der Besetzung Tripolitaniens und der Cyrenaita zu erreichen. Zwölf volle Monate sind also berflossen, seit der berühmte Militärspaziergang begann, der in kürzester Frist deren Besitz das Adriatische Meer zu einem italienischen See Bukarest , 4. Oktober. Hier verlautet nach Mitteilungen dahin führen sollte, Italien um zwei Kolonien zu bereichern, die Nicht umsonst hat Italien jahrelang in aus Sofia , daß der französische Gesandte bei der einige auf Kosten des Banco di Roma reisende Journalisten als heftigster Konfurrenz mit Desterreich dort seinen Einfluß zu bulgarischen Regierung interveniert habe, ein irdisches Paradies geschildert hatten. Dieselben Gewähre vergrößern gesucht und auch Montenegro in seine Interessen- um die Demobilierung zu erzielen. Geschow habe geant. männer, die Lybien als das Land geschildert hatten, wo Milch und sphäre einbezogen. Noch länger im Striege mit der Türkei zu wortet, Bulgarien habe nichts unversucht gelassen, um Honig fließt, wußten auch davon, daß die Araber die italienischen verharren, hätte für Italien bedeutet, aus der kommenden einen Krieg zu vermeiden. Jetzt sei es zu spät, die bereits Truppen mit offenen Armen erwarteten, und daß die Türkei bei großen Auseinandersetzung eventuell ausgeschaltet zu werden, gebrachten Opfer seien zu groß, um zurückweichen zu können. dem bloßen Anblick der italienischen Machtentfaltung zusammen­brechen und um Frieden flehen würde. An diese schönen Dinge jedenfalls bei ihr nur mit geringerer Kraft mitwirfen zu fönnen. Geringe Hoffnung. wußte man vor einem Jahre, und erst ganz allmählich sind sie aus Und so bedeutet dieser Friede in Wirklichkeit nur gefährlichere Feindschaft in der 8u Wien , 4. Oftober. Die Neue Freie Presse" meldet aus dem Bewußtsein wieder verschwunden: vom Wüstensand verdeckt, Konstantinopel : Der Minister des Aeußern Nora oder durch Blut und Tränen weggewaschen Auf den Kriegsausbruch selbst dürfte der Friedensschluß dunghian erklärte beim Berlassen des Ministerrats, daß der ohne größeren Einfluß sein. Denn die Baltaustaaten mußten waffen stillstand mit Italien in einigen Tagen zu er­schon bei ihrer Mobilisation mit dessen wahrscheinlichem Ab hoffen fei. Dagegen feien alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung schluß rechnen. Für die Türkei bedeutet er ja freilich eine des Balkantouflifts tros aller Bemühungen der Mächte stark ge­Stärkung ihrer operativen und strategischen Stellung. Er gibt der türkischen Flotte ihre Bewegungsfreiheit zurück und Dasselbe Blatt meldet weiter aus Konstantinopel : Der Minister Samit die Möglichkeit, einmal Griechenland und Bulgarien von der Seeseite her zu bedrohen und sodann die sehr wichtige des Aeußern erhielt die Meldung, daß die Bulgaren in Warna Verbindung zwischen der asiatischen und europäischen Türkei gegen die dortigen Türken Ausschreitungen begeben und sie zu sichern. Er erspart ferner der Türkei die Notwendigkeit, zwingen, statt des Fezes den Hut aufzufezen. Der Mufti wurde ihre Küsten gegen die Angriffe der italienischen Flotte durch geschlagen, ein türkischer Händler schwer verletzt. In Aidos In den wohlfeilen Eiegesjubel tönte die schreckliche Nachricht Truppen zu schüßen, die nunmehr die Armee verstärken fönnen.( Bulgarien ) wurde ein mohammedanisches Dorf geplündert und vier Troz dieser Besserung der türkischen Stellung, die allerdings Zürten ermordet. auch die Angriffslust der Türkei erhöhen kann, bleibt es sehr

tunft.

funten.

fraglich, ob die Balfanstaaten noch zurück können oder wollen, find überlastet. Die militärische Depeschenzenfur ist so scharf, daß Der Postdienst nach Bulgarien ist eingestellt: alle Stabel und der türkische Minister des Aeußeren erflärt auch, daß die öffentliche Meinung der Hauptstadt über die internationalen und alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung start gesunken sind.

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Anfangs ging alles gut, sogar das wahnsinnige Unterfangen, 1200 Matrosen in Tripolis auszuschiffen und mit dieser ganz un­ulänglichen Macht das Nachrüden des eigentlichen Okkupations Beichtsinn glüdte, und als ein Teil des Ottupationsheeres sich am heeres sechs Tage hindurch abzuwarten. Der an Frebel grenzende 11. Oftober in Tripolis ausschiffte, schien den Nationalisten, die von der weltgeschichtlichen Wacht des Redaktionstisches Ausschau hielten, der größte Teil der Arbeit geschehen: Tripolitanien war erobert! Die Informatoren des Banco di Roma hatten recht be. halten.

des Ueberfalls von Scharaschatt. Die Araber, die die italienischen Truppen mit offenen Armen hätten aufnehmen sollen, überfielen folgte Blutvergießen, der Gewalt und Roheit folgten Gewalt und fie aus dem Hinterhalt und töteten Hunderte von ihnen. Der Krieg hatte die Bestie im Menschen entfesselt: dem Blutvergießen Roheit. Grauenhaft wie der Ueberfall. in dem 600 italienische

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provinziellen Vorgänge nur mangelhaft unterrichtet ist. Soldaten den Tod fanden, war die sogenannte Säuberung der Die Diplomatie macht allerdings jetzt starte Anstrengungen. Der türkische Oberbefehlshaber. Dafe". Was vor den Flintenlauf lain, wurde niedergeschossen, Diese gehen, wie wir schon gestern betont haben, vor allem London , 4. Oktober. Das Reuteriche Bureau meldet aus Kon- gleichgültig, ob Weib, Kind oder Greis. Was Eisen und Feuer von Frankreich aus, dessen Milliarden Investitionen auf ftantinopel: Striegsminister Nasim Bafcha ist zum Ober- bernichten fonnten, wurde vernichtet: Palmen und Delbäume wur. dem Balkan die Erhaltung des Friedens verlangen. Die befehlshaber der türkischen Streitkräfte ernannt worden. 3000 menschliche Leichen hielt die europäische Kultur ihren Einzug. den zerstört, der Garten von Tripolis zur Wüste gemacht. Ueber Schwierigkeit besteht in dem offenfundigen Gegensag zwischen Desterreich und Rußland , dessen Probe­Kriegsbegeisterung in der Türkei . Solange man das Unternehmen im Lichte der vom Banco di mobilisierung" nach einer Meldung der Boff. 3tg." sich auf Konstantinopel , 4. Oftober. Gestern veranstalteten die Schiller Roma gelieferten Informationen ansah, hatte man geglaubt, mit die Einberufung von 250 000 Mann erstreckt. Es handelt sich der Universität und der hohen Schulen in der Aula der einem Expeditionstorps von 20 000 Mann auskommen zu können. darum, zwischen diesen beiden Staaten ein Einverständnis zu Universität eine Rundgebung für den Krieg. Sie be- Nach Scharaschatt wurde ein neuer Jahrgang unter die Waffer erzielen, in dem Desterreich sich verpflichtet, nichts gegen den gaben sich sodann mit Fahnen, von einer zahlreichen Menge gerufen, weil man einfah, daß das Expeditionstorps auf mindestens Sandschat Novibazar zu unternehmen, während Ruß- begleitet, nach dem Striegsministerium, fangen patriotische 100 000 Man erhöht werden mußte. Am 3. November wurde der land seine Forderung auf Deffnung der Dardanellen Lieder und riefen: Auf zum Kriege! Der Unterstaats- neue Jahrgang aufgeboten, und am 5. fanden die Herren vom aufgibt. Während Frankreich hauptsächlich auf Rußland , foll iekretär des Krieges sprach ihnen seinen Dank aus und er grünen Tisch, daß Tripolitanien erobert war und ließen das Annet­die deutsche Regierung auf Desterreich in diesem flärte, die Regierung werde ihre Pflicht tun. Die Demonstranten tionsdefret von Stapel. Damals hielten sich die Truppen Italiens Sinne einwirken. Pariser offiziöse Blätter behaupten, daß die durchzogen iodann die Straßen unter Hochrufen auf den Krieg. an der Küste nur, weil sie die Kanonen der italienischen Flotte vom Aussichten für das Zustandekommen günstig seien. Bor den Zeitungsredaktionen machten sie Halt und famen schließlich Meere aus deckten. Allein selbst damit scheint uns ein Einvernehmen zwischen zum Balajt. Der Sultan erschien am Fenster und dankte ihnen. Als sie allen Wächten noch nicht sicher. England, dessen Presse den Dragomans der Botschaften und Gefandschaften, die soeben im bereits von der Möglichkeit der Verdrängung der Palast aus Anlaß des Geburtstages des Sultans ihre Glückwünsche

Der Dezember brachte die Ausübung der Justiz nach dem Landesbrauche": das kulturbringende Italien errichtete die bes rühmten 14 Galgen auf dem Brotplate. Nach der Gürgerlichen