Nr. 240.
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29. Jahrg.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt Moritplatz , Nr. 1983.
Gegen die Verbrechen
des Kapitalismus!
Sonntag, den 13. Oftober 1912.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.
120 pte.
Ein türkischer Teilerfolg? amtlich bekannt, daß die türkischen Truppen nach erKonstantinopel, 12. Oktober. Das Kriegsministerium gibt bittertem Kampf den Hügel Zagzale, der von den Montenegrinern besetzt worden war, wieder erobert haben. Bandenkämpfe.
Wieder einmal handelt es sich um die elementarsten Die ernsteste Nachricht, die heute angelangt ist, ist un-| aus einen Gegenangriff versuchten, der aber abgeschlagen Lebensinteressen des Volkes, und wiederum soll das Volk Bei der Erstürmung der Position von Rogame fiel den berhindert werden, selbst über seine Schidsale au entscheiden. streitig die, die das Stocken der Friedensverhand- wurde. Denn dem Gerücht, daß die Einberufung des Reichslungen zwischen der Türkei und Italien meldet. Daß die Montenegrinern ein unbeschädigtes Kruppgeschütz mit Munition in Bei der Erstürmung von Detschitsch am zweiten Tage tags bevorstehe, ist schleunigst ein Dementi gefolgt. Wird Schuld, wie die italienischen Lügner schwindeln, auf der Seite die Hände. man es wirklich wagen, das deutsche Volk noch länger dem der Türkei liegen sollte, ist natürlich ausgeschlossen. Wenn betrieges hatten die Montenegriner rund 400 Verwundete und Absolutismus der Regierungsbureaukratie und dem Terror Schwierigkeiten entstanden sind, so hat sie Italien abdes preußischen Junkertums preiszugeben? sichtlich geschaffen, um entweder größeren Raub in Wirtschaftlicher Druck ohnegleichen und politische Ge- Afrika und im Aegäischen Meer einzuheimsen und namentfahren der schlimmsten Art bedräuen die Nation. Eine unlich an Kriegsentschädigung zu sparen, oder um sich am erträgliche Lebensmittelteuerung lastet auf Kampf um das Erbe der Türkei zu beteiligen. den breitesten Schichten des Volkes. Nicht nur die Arbeiter Erinnert man sich, nicht nur daß der montenegrinische König Elaffe, sondern auch die Beamtenschaft und der Mittelstand wetteifern in empörten Protesten gegen die künstliche Fleisch- der Schwiegervater des italienischen ist, sondern daß Italiens Saloniki, 12. Oktober. Eine starte bulgarische Bande berteuerung. Die Regierung selbst, die solange die Fleisch ganze Politik auf Eroberung der albanischen Höhe der Fleischpreise und die mangelnde Viehzufuhr ein- ausgeschlossen gelten, und Italien würde zu dem Verbrechen Familien haben aus Furcht vor dem Kitege die an der Grenze not zu leugnen wagte, hat nun endlich die unerträgliche Stü ste gerichtet ist, so kann auch diese Annahme nicht als feuerte auf das tür tische Detachement bei Staratepe, ivurde aber über die Grenze zurückgetrieben. Viele bulgarische gestehen müssen. Aber das, was sie an Mitteln zur Linde des Tripolisraubes ein neues größeres hinzufügen. Denn gelegenen Dörfer verlassen und sind nach Bulgarien geflüchtet. rung dieser Not zugestanden hat, ist so fläglich unzulänglich, wenn sich die Drohung, die die italienische Presse mit ver- Der Bandenführer Tschernopejeff befindet sich in daß es nicht einmal den sprichwörtlichen Tropfen auf den dächtiger Einmütigkeit heute ausstößt, verwirklichen, wenn der Gegend von Melnik und versucht auch dort die Bulgaren heißen Stein bedeutet. Alle Sachverständigen und alle Kom- talien entgegen den Zusicherungen, die es zu Beginn des zur Erhebung aufzureizen. Das Volk verhält sich aber ruhig. munalvertretungen sind darüber nur einer Meinung. Einmütig fordert man die Aufhebung des§ 12 des tripolitanischen Raubzuges geben mußte, den Todesstoß Im Walde bei Krania hat gestern ein Kampf mit einer starten Fleisch beschaugesezes und die Beleiti gegen die Türkei " führen wollte, so wäre das zugleich der griechischen Bande stattgefunden, die unter Zurücklassung gung der Fleischzölle, die allein zu helfen vermag. Todesstoß für die ohnehin kaum vorhandenen Aussichten, den von drei Toten flüchtete. Aber Herr von Bethmann Hollweg scheint alle Strieg zu lokalisieren. Denn Italiens Festsetzung an der Bulgarische Brückensprengungen. Proteste der Volksmassen, alle Beschlüsse der Städtevertre- albanischen Küste würde dem österreichischen Imperialismus Konstantinopel , 12. Oktober. Nach einer Meldung aus Ues. tungen, alle Resolutionen der Beamtenorganisationen igno- noch weit unerträglicher erscheinen als der Serben und Mon- tüb haben die Bulgaren zwei Brüden zwischen stip und rieren zu wollen, nur ängstlich darauf bedacht, es ja nicht tenegriner Einfall in den Sandschak. Kotschana durch Bomben in die Luft gesprengt. mit den zornig aufbegehrenden Agrariern zu verderben. Früher als man bis jetzt annehmen konnte, könnten dann Demgegenüber ist die sofortige Einberufung die folgenschwersten Ereignisse eintreten. Und bei alledem ist Für und gegen den Krieg. des Reichstages völlig unabweisbar. Das dieser italienische Raubstaat der Verbündete Deutschlands und Ronftantinopel, 12. Dttober.( Privattelegramm ausgewucherte Bolf fann auf dies Recht um so weniger verzichten, als die großagrarischen Interessenten des Fleisch Desterreichs, und da sage man noch, daß die Diplomatie und des Vorwärts".) Die türkischen Sozialdemo traten von Saloniki, die armenischen sozialistisch- revolutionären und Bollwuchers in der preußischen Duma jeder Linde- insbesondere die deutsche nicht Wunder zu wirken versteht! rung der Fleischnot den rücksichtslosesten Widerstand entgegen- Wie ernst die Auffassung in Desterreich geworden, wie Parteien Hintschat und Daschnakzutiun und die rumänische Sozialfetzen werden. Und der preußische Landwirtschaftsminister scharf der Gegensatz zwischen der Donaumonarchie und Ruß- demokratie veröffentlichen einen Aufruf an die Arvon Schorlemer, der ja erklärt haben soll, daß er mit dem land ist, darüber sprechen wir an anderer Stelle. Der so lang Weise gegen den Krieg protestiert wird. beiter des Balkans und Kleinasiens , in dem in scharfer § 12 des Fleischbeschaugesetzes stehe und falle, wird ihnen verhehlte Ernst der Situation, dem wir von Anfang an Aus- Weise gegen den Krieg protestiert wird. dabei die kräftigste Unterstüßung leihen! Die Mobilisierung wird in der Türkei mit der druck gegeben haben, ist jetzt auch der Allgemeinheit zum BeReichstag gegen Landtag, Volksbertre: wußtsein gekommen, und als erste Folge der Entfesselung größten Energie betrieben. Die Massen sind von Vertung gegen Junker- und Geldsadparlament muß die Parole sein! Aber das Volk kann sich nicht damit der Kriegsfurie, die die vereinigte europäische Diplomatie weiflung, Striegs- und Mordswut ergriffen. Die Stimmung begnügen, durch das Parlament des gleichen Wahlrechts die nicht verhüten konnte, weil sie es in Wirklichkeit gar nicht unter den Offizieren ist durchweg kriegerisch. Attion des Dreiklassenhauses zu durchkreuzen. Es gilt viel wollte, ist der völlige Zusammenbruch der komitee" benützt dies zu einer schrankenlosen und mehr, der Gewalt- und Schreckensherrschaft des Junkertums Börsen. Sie alle erleben jetzt einen schwarzen Tag nach strupellosen Agitation gegen die Regierung. Von in Preußen selbst ein Ende zu machen! Nicht nur den so- dem andern. An der Berliner Börse herrschte gestern wieder diesem Gesichtspunkte betrachtet, war die patriotische Defortigen Zusammentritt des Reichstags fordert das Volf, völlige Deroute, die Kurse sanken und sanken und die Groß- monstration gegen die Regierung die erste Probe zu einem fondern auch die endliche gründliche Reform des preußischen banken vermochten sie nicht zu stüken. Und sie wagten es auch Aufstand. Wahlrechts, die endliche Einlösung des feierlichen nicht, denn auch sie sind nicht mehr sicher, ob der Krieg noch Trog Belagerungszustand kommt es jeden Augenblick zu Königswortes"! Am 20. Oktober sind es vier Jahre, lokalisiert werden kann. Und wie in Berlin , so in Paris und Straßenkundgebungen, wobei die ankommenden feitdem die Thronrede die Umgestaltung des preußischen London . Was sich da in den letzten Tagen an den Börsen Reservisten eine große Rolle spielen. Wahlrechts für eine der wichtigsten Aufgaben der GegenDie Stimmung der türkischen Massen wird wart" erklärt hat! Die preußische Wahlreform hat it bollzogen hat, das ist eine ganz anständige Erpropriation gehelm II. als seinen Willen" bezeichnet. Die herrschenden wesen und vielen eine wohlverdiente Züchtigung für die von Tag zu Tag bedrohender für die NichtKlassen Preußens haben diesem Willen des Königs höhnisch Unterstützung, die sie und ihre Klassengenossen einer Politik muselmanen. ihren Willen entgegengesezt und die Wahlreform vereitelt. angedeihen ließen, die jetzt zu dem ersten Zusammenbruch Die Minister aber haben sich dem Willen der herrschsüchtigen Privilegiertenfaste gebeugt und die Reform auf die Zeit ver- Unterdessen geht unten im Balkan das blutige Spiel tagen zu wollen erklärt, wo die Machthaber von Geldsacks weiter. In harten und opfervollen Kämpfen dringen die gnaden geruhen werden, sich dem Willen des Königs und dem Montenegriner bis jetzt erfolgreich vor. Und in der kommenDrängen des Volkes zu fügen. Will sich die Krone der den Woche beginnt dann der eigentliche Kampf. Diktatur des Junkertums unterwerfen das BoIt besteht auf seinem Recht! Denn ein Ende der Volksausplünderung und Volksverhöhnung ist erst dann zu erwarten, wenn die
brochen ist!
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geführt hat.
Der Kampf bei Podgoriza.
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Das
Rom , 11. Oktober. Die„ Tribuna" schreibt, Italien habe sich den Friedensverhandlungen mit gerechtem Geist und weitherziger, edelmütiger Auffassung zugewandt, nur an das Ziel denkend, das es sich vorgenommen habe, und an die Wahrung seiner obersten Interessen, ohne jeden Wunsch, die günstige Lage auszunuzen, ohne jeden Haß gegen seinen Gegner, dessen schwierige Lage es nicht verfehlte, in Rechnung zu ziehen. Dafür sei der beste London , 12. Oktober. Der Spezialkorrespondent des Beweis die Tatsache, daß Italien seine Bedingungen auch an Feſte der Reaktion, das preußische Dreiklassenwahlrecht, ge-„ Reuterschen Bureaus" meldet unter dem 10. Oktober, 4 Uhr sefichts der schrecklichen Balkangefahr für die Türkei aufrechtDie Selbſterhaltung des Volkes, die nationale Ehre ge- 40 Minuten nachmittags aus Podgoriza: Am Mittag haben erhalten habe. Das Blatt maßt sich nicht an, das Geheimnis in der Haltung der Türkei zu durchdringen; diese Haltung bietet, daß die Massen sich endlich ihre Rechte erkämpfen. Die Montenegriner die türkische Befestigung Rogame der Türkei habe die Drohungen vermehrt, die von allen Bedroht doch zu allem anderen auch die erneute Kriegsgefahr in der Nähe der Stadt Zuzi genommen. Vom Schlacht- Seiten auf die Türkei einstürmten, weil nach dem Abbruch der die nackte Lebenshaltung der breitesten Volksschichten. Die felde wurden viele Verwundete hierher gebracht; die Spitäler Berhandlungen die militärische Aktion Italiens eine neue Richtung Balkanwirren bringen nicht nur die Lebensmittelzufuhr ins find überfüllt. einschlagen und versuchen müßte, den Gegner tödlich zu treffen. Stoden, sie schnüren auch das Absatzgebiet der Industrie ein, London , 12. Oktober. Der Spezialforrespondent des Die" Tribuna" fragt, ob hinter dem Wahnsinn dieses Schauspiels fie beschwören die Gefahr einer schweren Wirtschaftskrise„ Reuterschen Bureaus" meldet ferner aus Podgorita unter sich ein komplizierter Plan verberge und die Türkei vorziehe und herauf, deren Folge das unabsehbarste Maſſenelend ſein bem 11. Oktober 9 Uhr 20 Minuten abends: Heber 6000 hoffe, eine Lage hervorzurufen, welche die Interventionen unwürde. Und mehr noch: die Unfähigkeit der europäischen Diplomatie, die die Balkanwirren kurzsichtig und frivol ent- Malissoren haben sich erhoben und kämpfen hinter vermeidlich mache, die immer in der dunkelsten Stunde des Zusammenbruchs die Rettung der Türkei bildeten. In jedem Falle feffelt, kann auch die großen Weſtſtaaten, kann auch Deutsch - dem Rücken der türkischen Armee. Einige hundert habe Italien vor Europa einen solchen Beweis seiner Langmütigland über Nacht in die kriegerischen Verwickelungen hinein- von ihnen find in Podgorita eingezogen, um Waffen zu ver- feit, feines billigen Dentens, feines guten Willens zum Frieden stürzen, wenn das Volk nicht auf dem Plan ist! langen. gegeben, daß der Abbruch der Verhandlungen ihm die Am Sonntag, den 20. Oftober, veranstaltet das deutsche vollständigste Aktionsfreiheit lassen müßte. Die internationale Proletariat große Protestkundgebungen. Die Podgorika, 12. Oktober. Die Stadt Tuz ist von den Empörung über diesen Abbruch der Friedensverhandlungen könne Sozialdemokratie Groß- Berlins sammelt sich wieder in Montenegrinern heute nachmittag vollständig zerniert sich nur gegen die Türkei richten.( Es braucht wohl nicht Treptower Park, um ihren Willen eindrücklichst zu bekunden. worden. Jede Verbindung der Stadt mit Skutari ist unterbrochen. erst betont zu werden, daß diese„ Erwartung" schon den Gipfel Drei Forderungen sind es, die am 20. Oktober das Pro- Bisher haben die Montenegriner über 300 iegsgefangene der unverschämtheit bildet.) letariat erhebt:
Sofortige Einberufung des Reichstags zur wirksamen Bekämpfung der Fleischnot! Sofortige Einführung des gleichen Wahlrechts für den preußischen Landtag!
Strifteste Neutralität Deutschlands gegenüber allen kriegerischen Verwickelungen auf dem Balkan !
Umzingelung Tuzis.
gemacht, se nach Kiksic geschafft wurden. Unter den Berlekten befinden sich viele Malisforen und türkische Soldaten.
Vom füdlichen Kriegsschauplatz. Podgoriza, 12. Oftober. Der Spezialforrespondent des Reuterschen Bureaus meldet: Von der füblichen Armee wird gemeldet, daß die Zürten gestern abend von ihren Befestigungen
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