Nr. 250.
29. Jahrg.
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Freitag, den 25. Oftober 1912.
Die Gegner der Fleischverforgung.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Mr. 1984.
Aus einem
ist es nach einer späteren Meldung zu recht unerquidlichen, bedauernswerten Szenen gekommen. In der Umgebung der MarktHalle waren die Läden der Schlächter, geschlossen worden und die Jalousien herabgelassen. Es hatten sich mit der Zeit auch eine An Die energischen Schritte des Magistrats haben Erfolg noch recht geräuschvoll zu, aber zu größeren Ruheftörungen ist es zahl junger Burschen eingefunden, die allem Anschein nach Gelegenheit zu einem kleinen Standal suchten und die Frauen noch aufgehabt, und der Verkauf von russischem Fleisch konnte, wenn nirgends gekommen. stachelten. auch noch unter Hindernissen, in fast allen Markthallen von Auf einem Spaziergang durch die Markthallen, den wir Donners Plöglich erfcholl wohl aus dem Munde irgend eines statten gehen. Der folossale Andrang zu den Verkaufsstellen tag vormittag in den östlichen und den nördlichen Stadtteilen Burschen der Nuf:" Los zu Morgenstern, dort gibt es beweist, wie arg die Not ist, unter der die arbeitenden Wassen machten, gewannen wir den Eindruck, daß die Erregung vom ersten billiges Fleisch!" Wie im Nu faßte die aufgeregte Menge leiden, und wie unverantwortlich es von der Regierung war, Tage inzwischen fast überall wieder einer ruhigeren Stimmung ge- den Entschluß, nach der Schererstraße zum Morgensternschen Geerst so spät und so unzulänglich eingegriffen zu haben. wichen war. Die Markthalle an der Eisenbahn - und der Bückler schäft zu ziehen. Der Geschäftsführer jener Filiale, Herr der durch sein provozierendes Denn das unterliegt feinem Zweifel: die jetzt dem Markt zu straße bot nach 9 Uhr morgens nichts Ungewöhnliches, abgesehen Stiller, Vorgehen alt= geführten Quantitäten sind noch lange nicht genü- von dem stärkeren Besuch, der durch die Ankündigung des Verkaufes des läßlich Fleischerstreits bor iit zwei Jahren noch gend, um die Nachfrage zu befriedigen. Sie sind auch nicht des billigen russischen Fleisches herbeigelockt worden war. In der unangenehmer Erinnerung ist, soll soll die Menge mit dem der Andreas- und Krautstraße, die wir ausreichend, um eine genügende und dauernde Senkung des Markthalle an Revolver in der Hand zurückgedrängt haben. etwas lebhafter her. Wo inländischen Preisniveaus zu erzeugen. Denn wenn auch kon- um 210 Uhr sahen, ging es dem Geschäft von Morgenstern gegenüberliegenden Laden, staute sich der statiert werden kann, daß die Preise des inländischen Fleisches das russische Fleisch feilgehalten wurde, der ausgebrochen wird, wurden Mauersteine nach dem Fleischerladen fich etwas gesenkt haben, so bleiben sie doch noch recht hoch, Strom der Käuferinnen. Frauen, die mit gekauftem Fleisch und die Wirkung wird nur eine vorübergehende sein. Denn davongingen, zeigten es eine der anderen und äußerten sich sehr be- geschleudert. Die Schaufensterscheiben wurden zum Teil zertrümmert nur eine dauernde Oeffnung der Grenzen und friedigt über den billigen Preis und die gute Qualität der Ware. und auch Herr Stiller soll durch einen Stein verlegt worden sein. Einige Personen waren inzwischen in den Laden eingedrungen und die völlige Beseitigung der Fleischzölle kann auf der Straße wurden an die Besucherinnen der Markthalle Hand- warfen in ihrer Wut Würste und Fleisch auf die Straße. Gleich bleibende Wirkungen ausüben. zettel verteilt, die zu der für den Abend angekündigten Protest- darauf rückte die Polizei in großer Zahl an und zerstreute die Die Schlächtermeister werden nun wohl erkannt versammlung gegen das Verhalten der Schlächtermeister einluden. In Menge. In den Nachmittagsstunden waren mehr Schuyleute als haben, wie falsch ihre frivole Obstruktion gewesen ist. Fast der Markthalle an der Acker- und der Invalidenstraße wurde zeit- Bassanten in der Schererstraße zu sehen. die ganze Berliner Presse gibt ihre Empörung über ihr ab- weise der Andrang von Stauflustigen ganz gewaltig. Als wir nach Eine polizeilich inspirierte Mitteilung stellt den Vorgang wie scheuliches Verhalten Ausdruck. So schreibt das„ Berliner 10 Uhr diese Halle betraten, standen wohl ein halbes Tausend Frauen folgt dar:" In der Markthalle am Wedding , wo heute kein Berkauf Tageblatt": in Reih und Glied und warteten, bis sie an den großen Verkaufs- des eingeführten russischen Fleisches stattfand, sammelten sich im Wenn die Fleischer sagen, daß sie das Fleisch zu teuer stand des städtischen Fleischverlaufes herankommen würden. Hier Laufe des Vormittags zahlreiche Personen, vor allen Dingen hätten einkaufen müssen, so steht dem die Versicherung der Stadt sah man so recht, wie nötig es gewesen war, daß endlich die Frauen, in erheblicher Zahl an. Es ging wohl etwas lärmender gegenüber, sie sei zu weiteren Erleichterungen bereit gewesen. Gemeinde eingriff und an ihrem Teil dazu beitrug, die Fleisch- als sonst au, im großen und ganzen wurden aber Ruhe und Ord und an fer excitoningen, bereit gewees, war in Bemängeln die Fleischer außerdem die Qualität des Fleisches, teuerung zu lindern. In dieser Markthalle war ein beträchtliches mung infolge des zahlreichen Schuhmannsaufgebots nicht gestört. so widerspricht dem das Zeugnis der zur Untersuchung berufenen Schuhmannsaufgebot für nötig gehalten worden, das die Schar Anscheinend aus Verärgerung darüber, daß kein Fleisch zu kaufen Sachverständigen. Barum ließen die Herren Fleischermeister, der Käuferinnen bemachen sollte. Aber es widelte sich, so lange war, aogen dann mehrere Hundert, Berfonen vor allen Dingen auch wenn sie ihrer Sache so sicher waren, es nicht auf das Urteil wir zutaben, alles in Ruhe ab, und die umherstehenden Schuß- wieder Frauen nach der Schererstraße, die unterwegs durch halb. des Publikums ankommen? Wäre das Fleisch wirklich so leute plauderten gemütlich mit den wartenden Frauen. Vor den wüssige Burschen und lichtfcheues Gefindel bald zu schlecht gewesen, so hätten die Fleischer von ihrem Standpunkte privaten Verkaufsständen der Schlächtermeister wurde hier und da einer Menge von etwa tausend Personen anwuchsen. Hier zogen fie aus ja nichts Klügeres tun können, als es zu den festgesetzten, aus der Mitte der Kaufunlustigen ein für die Meister nicht schmeichel- vor die Schlächterei von Ernst Morgenstern, wo sich tie noch ihrer Meinung nach zu hohen Preisen anzubieten! Die Berliner haftes Wort laut. Erst etwa um 12 Uhr fam es, wie uns später erinnerlich sein wird vor zwei Jahren ein großer Aufruhr abHausfrauen sind weder so dum noch so schüchtern, daß sie sich bei einem nochmaligen Besuch diese Halle mitgeteilt wurde, zu spielte, als der Inhaber dieses großen Fleischvertriebs mehrere organiEine Schlächtermeistersfrau, gegen die minderwertiges Fleisch für teures Geld in die Hand drücken einer erregten Szene. fierte Gesellen entlassen hatte. Den im Laden anwesenden Käufern einer uns nicht beließen. Aber die Berliner Fleischer werden es sehr schwer haben, bei den Markthallenbesucherinnen aus brüllte man zu, sofort herauszukommen. Aus Besorgnis um die dem Publikum zu beweisen, daß sie besser seien als die Groß- tannt gewordenen Beranlassung eine starke Mißstimmung fich Sicherheit dieser Personen schloß der Geschäftsführer Mar Stiller agrarier, Spiritusproduzenten und Kalizwischenhändler, deren äußerte, war genötigt, die Markthalle zu verlassen. Bis fie ihren dte Türen und ließ das Publikum durch den Flur auf die Straße ganzes Dichten und Trachten darauf gerichtet ist, die Preise Rückzug bewerkstelligt hatte, wurden auf kurze Zeit die Zugänge ge- gehen.
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Das alles hatte
hübsch hoch zu halten. Kein Mensch in Berlin wird ihnen sperrt, um den Zustrom größerer Menschenmengen zu verhüten. Unterdessen lärmte und tobte die Menge draußen weiter. Eine glauben, daß sie aus irgendeinem anderen Grunde Obstruktion Gegen 3411 Uhr langten toir vor der Markthalle an der Reinicken- der Frauen, die noch nicht ermittelt werden konnte, trat mit dem getrieben hätten, als weil sie fürchteten, die Fleischpreise dorfer und der Schönwalder Straße an. Wie am vorhergehenden Fuß eine der schmalen Seitenscheiben ein, und das war das Signal tönnten heruntergehen." Tage war hier der Zutritt nur von der Schönwalder Straße zu einem allgemeinen Angriff auf den Morgensternschen Laden. Mit Von dieser allgemeinen Verurteilung schließt sich nur aus gestattet, während das Tor an der Reinickendorfer Straße großen Steinen wurden die vier großen Schaufensterscheiben zerSchutzleute hielten das Tor an trümmert. Verkäuferinnen und Gesellen flüchteten aus dem Laden ein Blatt aus. Es ist die, Deutsche Tageszeitung". nur als Ausgang diente. Während sie früher nicht genug auf den bösen Zwischenhandel der Schönwalder Straße besetzt, weil immer nur von Zeit zu Zeit nach den dahintergelegenen Räumen und nur der Geschäftsführer schimpfen konnte, nimmt sie jetzt die Schlächter in Schutz. wieder ein Schub der auf der Straße wartenden Frauen hinein- blieb in dem Laden zurück und zog zu seiner Sicherheit seinen Die Behauptung der Fleischer, das russische Fleisch sei min- gelaffen werden sollte, nachdem zuvor die Halle nach der Reiniden- geladenen Revolver, mit dem er die Anstürmenden wenigstens derer Qualität, paßt ja natürlich auch den agrarischen Fleisch- dorfer Straße hin sich einigermaßen geleert hatte. Gekauft soweit in Schach zu halten vermochte, daß sie nicht in den Laden wucherern gar zu gut in den Kram. Und so will denn das wurde, soweit wir das beobachten konnten, sehr wenig. Die Be- eindrangen. Sie raubten aber die vier Schaufenster vollkommen aus Agrarierorgan selbst das russische Fleisch untersuchen und sucherinnen der Halle standen umher oder wandelten auf und ab, in und stahlen von einem vor dem Hause stehenden Schlächterwagen fast darüber Gutachten produzieren. Wie die ausfallen werden, lebhafter Unterhaltung die Ereignisse des vorigen Tages erörternd die Hälfte des geladenen Fleisches, so daß der Firma allein durch Gelegentlich kam Bewegung in die Massen, wenn irgendwo ein den Verlust der Fleischwaren ein Schaden von mehreren tausend weiß natürlich jedermann im voraus. Unterdessen aber verkehrt die Deutsche Tageszeitung" die allzu kräftiges Wort, das den Schlächtermeistern galt, die Auf- Mark erwachsen ist. Inzwischen war der Geschäftsführer Stiller wirklichen Vorgänge in ihr Gegenteil und stellt frech und frei merksamkeit auf sich lenkte. Verdruß und Mißstimmung erregte es, von einem großen Ziegelstein an der linken Gesichtshälfte gedie Behauptung auf, die großstädtische Bevölkerung habe jetzt daß in diefer Halle in dem von der Stadt eingerichteten Fleisch- troffen worden, wodurch eine erhebliche Verlegung des erkannt, daß die Versorgung mit ausländischem Fleisch verkaufsstand fein Fleisch zu haben war. Die Schlächtermeister Nasenbeins und des linken Auges davontrug. sehr bedenklich sei! Wir meinen aber, daß die Bevölkerung waren hier nicht zu bewegen gewesen, ihre feindselige Haltung sich so blizschnell abgespielt, daß jetzt erst die Polizei zur Stelle fein vielmehr erkennen wird, wie unbedenklich die Agrarier ihre aufzugeben. viele private Fleisch- und die rasende Menge zurücktreiben konnte. Während man Stiller Bewucherungspolitik verteidigen. Was fümmert die Herren berkaufsstände, auch der des Schlächtermeisters Metzner, bei dem nach seiner Wohnung führte, wo sofort für ärztliche Hilfe Sorge geauch die Not, was schert es sie, wenn sie Hungerfrawalle es am Tage vorher besonders stürmisch zugegangen war. Vor den tragen wurde, sicherte man den Laden, indem man die eisernen herbeiführen! Wenn nur ihre Profite und Renten steigen! offen gehaltenen Ständen der Schlächter blieb selten eine Käuferin Gitter vor die Türen und Schaufenster zog. Eine Frau, die mit Auch gestern ist es vereinzelt, namentlich am Wedding , stehen, aber auch die anderen Händler der Halle klagten bitter. bem geraubten Fleische zu entkommen versuchte, konnte ergriffen zu erregten Szenen gekommen. Doch sind die Vor- daß sie kein Geschäft machten. Die Polizei bemühte sich, jeden werden und wurde zur Wache des 91. Polizeireviers geführt. Man kommnisse zum Teil stark übertrieben worden und die Er- hineingelassenen Schub nach einiger Zeit in die Nähe des Ausgangs hofft, durch sofort angestellten Recherchen auch noch die anderen Täter ermitteln." zu regung beginnt nachzulassen. Wir brauchen wohl nicht erst zu dirigieren, so daß wieder Platz für den nächsten Schub wurde. zu sagen, daß diejenigen, die sich von ihrer Leidenschaft hin- Wir hatten den Eindrud, daß bei diesem Verfahren vor die Zeit und reißen ließen, mit der politisch aufgeklärten Arbeiterschaft wiegend Neugierige hineingelangten, draußen lange genug zit warten. Viele der nichts zu tun haben. Unsere Parteigenossen insbesondere hatten, draußen Frauen, die für das Mittagsmahl einholen fennen viel zu gut die wahren Schuldigen, um ein- wartenden bor, weiterzugehen und anderswo zelne übelberatene oder provozierende Schlächtermeister ent- wollten, zogen es bald gelten zu lassen, was die Träger der heutigen Wirt- au laufen. fchaftspolitik zu verantworten haben. Wir sind überzeugt, daß von nun an der Verkauf des russischen Fleisches fich in aller Ruhe vollziehen wird.
Um billiges fleisch.
Geschlossen waren auch
Nach einer anderen Meldung, die aber mit Vorsicht aufgenommen Luft werden muß, foll es auch vor der Fleischzentrale in der Reinidens dorfer Straße nahe der Fennstraße und vor einem Schlächterladen in der Kösliner Straße zu erregten Auftritten gekommen sein.
Vor der Markthalle in der Andreasstraße kam es um 1 Uhr In den Abendstunden kam es auf dem Wedding zu Anmittags, als die Halle geschlossen wurde, zu einem Konflikt. Eine fammlungen in der Schererstraße vor dem Morgensternschen GeFischhändlersfrau hatte gerufen: Freßt Fischköpfe und Fisch- schäft und in der Schönwalder und Reinickendorfer Straße in der taldaunen, wenn ihr Hunger habt!" Die anwesenden Hausfrauen Umgebung der Markthalle. Die Polizei war zahlreich zur Stelle gerieten darüber so in Erregung, daß sie der Fischhändlersfrau vor und bemühte sich, die Straßen frei zu halten. Unter der Menge der Halle auflauerten, um sie durchzuprügeln. Sie mußte schließ- sah man viele halbwüchsige Personen und schul. Ueber die Vorgänge am Mittwoch in den städtischen Markthallen lich unter polizeilicher Bedeckung in Sicherheit gebracht werden. pflichtige Kinder, die sehr überflüssigerweise umherstanden bringt fast die gesamte bürgerliche Bresse aufgebauschte Berichte, die nicht den Tatsachen entsprechen. Die Berichte kommen zumeist aus und auch der in der Markthalle stehenden Händler ist zu Gelegenheit hatten, dieses Treiben durchaus mißbilligt. Auch die Im Interesse der in der Markthalle faufenden Bevölkerung und von Zeit zu Zeit ihrem Uebermut in Schreien und Pfeifen Luft machten. Von Erwachsenen wurde, wie wir mehrfach zu hören ein und derfelben Korrespondenz, die den Stoff ſenſationell aus- wünschen, daß baldigst völlige Ruhe zurückkehrt. Wenn die Stadt Gelegenheit hatten, dieses Treiben durchaus mißbilligt. Auch die geschlachtet hat. Gewiß sind Störungen vorgekommen, aber so wüst, Einrichtungen getroffen haben wird, die den Verkauf des von ihr Vorgänge, die sich am Vormittag vor dem Morgensternschen Geschäft wie es hier geschildert wird, war die Sache keineswegs. Sonst hätte eingeführten Fleisches eventuell auch ohne Mitwirkung der Schlächter- ereignet hatten, wurden vielfach besprochen. Sie wurden von beja die Polizei, wie wir fie fennen, wohl kaum ihre besonnene Haltung meister ermöglichen, wird niemand mehr sich über die Schlächter- Ernste Ruhestörungen find uns aus den Abendstunden nicht bekannt bewahrt. Aus diesem Verhalten der Polizei geht schon flar hervor, meister aufzuregen brauchen. Die Bevölkerung wird die Schlächterdaß übertrieben worden ist. Hiermit stimmen auch unsere eigenen meister, deren Ware ihr zu teuer ist, mit ihrer Ware allein lassen, geworden. Nach 8 Uhr lichen in der Schönwalder und Reinickendorfer Straße und auch in der Schererstraße die Ansammlungen stundenlangen Beobachtungen an Ort und Stelle in den ver- wie es ihr gutes Recht ist. nach, und bald nach 9 Uhr zeigten die Straßen fast wieder ihr geschiedensten Markthallen und auf der Straße überein. Am Mittwochwöhnliches Aussehen
sonnenen Arbeitern und Arbeiterfrauen bedauert und verurteilt.