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Nr. 251.

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Berliner Volksblaff.

29. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin "

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1983.

Sand in die Augen!

Sonnabend, den 26. Oftober 1912.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1984.

ihm die Notwendigkeit der Aufhebung der Regierungsmaß-| punktes aufspielte, so hat er dazu nicht das mindeste Recht, und nahmen beigebracht haben dürften. ebensowenig steht es ihm zu, den Kommunen irgendwelche Schwerer als vor den Agrariern wird Herr v. Bethmann Vorschriften zu machen. Die Zensuren, die er in dem Gefühl Hollweg sich vor dem Volke rechtfertigen können. A seine feiner Bedeutung der Regierung und der bürgerlichen Zinken philosophischen Betrachtungen, mit denen seine Rede mehr als erteilte, zeigen, so komisch sie auch nach außen hin wirken, Wer etwa noch geglaubt hat, daß der preußischen Staats- nötig gespickt war, all seine theoretischen Erwägungen und wie überhebend sich die Konservativen dort gebärden, wo sie regierung bei ihren bekannten Maßnahmen gegen die Teue- Erörterungen werden darüber nicht hinwegtäuschen, daß er über eine, wenn auch künstlich geschaffene Mehrheit verfügen. rung ernstlich die Absicht vor Augen geschwebt hat, dauernd Durchgreifendes zur Linderung der Not zu tun nicht bereit ist. Zwar hörte das Haus die Ausführungen Heydebrands mit die Ernährung der Bevölkerung sicher zu stellen, der wird Gewiß hat er nicht unrecht, wenn er auf die Notwendigkeit Intereffe an, aber das Interesse bezog sich nicht so wohl auf durch die Freitagjitzung des Abgeordnetenhauses eines anderen einer kommunalen Fleischversorgung hinweist, aber er bergißt, das, was er fagte, als vielmehr auf das, was man zu hören belehrt sein. Dem Volke Sand in die Augen zu streuen, den daß die Gemeinden ohnmächtig sind, solange die Regierung erwartete, aber nicht zu hören bekam. Die erwarteten An­Anschein zu erwecken, als ob etwas geschieht, während doch die Grenzen gegen das Ausland sperrt und die veterinär- griffe auf die Regierung blieben aus. im Grunde genommen alles beim alten bleibt, das polizeilichen Vorschriften schikanös handhabt. Wie sollen die war der Gedanke, von dem Bethmann Hollweg sich leiten ließ. Gemeinden durch den Verkauf von Nahrungsmitteln preis­Der Reichskanzler weiß sehr wohl, warum er den Reichstag regulierend wirken, wenn der Markt von Nahrungsmitteln nicht einberuft. Weit leichter als in diesem aus allgemeinen, entblößt ist? gleichen, direkten und geheimen Wahlen hervorgegangenen Wenn auch die prinzipiellen Bedenken des leitenden Parlament sich zu verantworten, ist es natürlich, Rede zu Staatsmannes gegen jede Aenderung der Zölle heute noch viel stehen dem preußischen Dreiklassenparlament, dem eigentlichen stärker sind als im vorigen Jahre, so ist Herr v. Bethmann Träger unserer heutigen einseitig auf die Bedürfnisse der doch kein Unmensch; die Landesgesetze zu ändern, ist er bereit, Agrarier zugeschnittenen Wirtschaftspolitik. Ganz besonders natürlich so, daß es den Agrariern nicht wehe tut. Die Fonds hat man dann von vornherein gewonnenes Spiel, wenn man zur direkten Unterstützung der Viehzucht sollen nicht unwesent­den agrarischen Führern das Konzept seiner Rede unter- lich erhöht, die innere Kolonisation soll durch allerhand Mittel breitet und mit ihnen vereinbart, bis zu welcher Grenze der gefördert, die Kolonisationsgesellschaften sollen vermehrt, es Bugeständnisse man gehen darf. Wie die Masse der Kon- soll dafür gesorgt werden, daß immer zahlreichere Eristenzen sumenten bei diesem abgekarteten Spiel zwischen König Heyde mit dem heimischen Boden fest verankert werden. Wenn ihm brand und seinem Minister Bethmann fährt, das freilich steht nur die Großgrundbesitzer bei der Ausführung dieser Pläne, auf einem anderen Blatte. die die Fortschrittler freudig begrüßten, die aber an der heutigen Teuerung nicht das geringste ändern, keinen Strich durch die Rechnung machen Täuschen wir uns doch darüber nicht, daß die Bethmannsche Rede trog oder vielleicht gerade wegen des Beifalles, den sie bei allen bürgerlichen Parteien fand, rein akademischer Natur war und daß, wenn man sie der oratorischen Flosfeln entkleidet, Positives so gut wie nichts übrig bleibt!

Etwas weniger zahm als die nationalliberale Inter­pellation, die sich auf die Frage nach dem Erfolg der bis­herigen Regierungsmaßnahmen und nach den Mitteln be­schränkt, die die Regierung zur Steigerung der inländischen Fleischproduktion zu treffen gedenkt, war die der Fortschrittler gehalten, die, ausgehend von der Erklärung, daß die bisher getroffenen vorübergehenden Maßnahmen unzulänglich sind, die Negierung fragt, ob sie bereit ist, im Bundesrat auf weitere Maßnahmen gegen die Teuerung hinzuwirken. Als folche Maßnahmen werden bezeichnet die Abänderung des Fleischbeschaugesezes, die Aufhebung der Futtermittelzölle und die Förderung der inneren Kolonisation.

Unter großer Unaufmerksamkeit sagte sodann der Sentrumsagrarier Herold sein Sprüchlein her. Was Herr Herold sagen wird, weiß man gewöhnlich im voraus, und ſo waren es auch diesmal nur seine Allergetreusten, die es fertig­bekamen, seinen Worten, die auf eine Mahnung an die Städte hinausliefen, bis zu Ende zu lauschen. Nachdem hierauf der Abg. Engelbrecht von den Freikonservativen vor einer Aufhebung des§ 12 des Fleisch­beschaugefeßes gewarnt und Abg. Korfanty( Pole) unter überaus scharfer Kritik der Polenpolitik die von dem Minister­präsidenten angekündigten Maßnahmen zur Förderung der inneren Kolonisation besprochen hatte, ergriff in vorgerückter Stunde der Landwirtschaftsminister v. Schorlemer das Wort, um seinem bedrängten Herzen Luft zu machen. Der Hinweis darauf, daß er den Arbeitern empfahl, nicht mehr wie bisher täglich Fleisch zu eisen, genügt zur Charakterisierung des Gedankenganges dieses Herrn, der es nach diesen herausfordernden Worten noch wagte, sich seiner Fürsorge für das Wohl der arbeitenden lassen zu rühmen.

Am Sonnabend soll die Debatte beendet werden. Erster Redner in der bereits um 10 Uhr beginnenden Sitzung ist Genosse Ströbel.

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Wichtig ist das Bugeständnis des ersten Redners in der Debatte, des Abg. Dr. von Heydebrand, daß die gegen- Zu Beginn der Situng wählte das Haus durch Zuruf wärtige Fleischteuerung über das Maß deffen nicht unerheb- den Grafen Schwerin- Löwiß zum Präsidenten. Die Rede, lich hinausgeht, was die Steigerung der Preise auch bei mit der er sein Amt antrat, wirkte sympathisch. Hoffen wir, anderen Produkten rechtfertigen fann. Wenn aber der kon- daß er seinen Worten die Tat folgen läßt und wirklich die fervative Führer fich als Vertreter des Konsumentenstand- Minderheit schütt. mind thei

Der verdunkelte Halbmond.

Der Fall von Kirkkiliffe. Adrianopel gefährdet. Die Bulgaren auf dem Vormarsch.

War schon die Interpellation der Nationallibe­ralen nichtssagend, so gilt das in noch viel höherem Maße von der Begründung durch den Abg. Schiffer. Daß die Nationalliberalen ausgerechnet diesen auf dem äußersten rechten Flügel stehenden Herrn vorschickten, ist bezeichnend. Zwar las er im Eingang seiner Rede der Regierung den Tert, daß sie sich erst so spät zum Eingreifen entschlossen habe, zwar betonte er, daß die Fleischnot keine vorübergehende Erscheinung ist, aber andererseits muste er nicht genug die Politik des Schutzes der nationafelt reell a preifen und das Die Verworrenheit und Unzuverlässigkeit des Nachrichten­Festhalten seiner Freunde am Schutze der Landwirtschaft in dienstes zwang dazu, hinter die gestrige Meldung von der den Vordergrund seiner Betrachtungen zu rücken. Warum interpellieren die Nationalliberalen eigentlich die Regierung? Einnahme Kirkkilisses durch die Bulgaren ein Fragezeichen zu Diese Frage mußte man sich unwillkürlich vorlegen, wenn man ſetzen. Heute muß die türkische Regierung den Verlust dieses Herrn Schiffer fogar gegen die bescheidenen Maßnahmen wichtigen strategischen Punktes selbst zugeben. Sie macht zwar Bethmanns Bedenten äußern hörte, namentlich wenn man den Versuch, den Rückzug ihrer Ostarmee durch allerlei stra­hörte, wie er fich für das Fortbestehen des Fleischbeschau- tegische Erwägungen zu begründen, das kann aber nichts an gesetzes ins Beng degte, dessen Aenderung bekanntlich die erste der Tatsache ändern, daß die Sache der Türkei einen schweren Boraussezungu Berbilligung der Fleischpreise bedeutet? militärischen, noch mehr aber einen verhängnisvollen mo­ralischen Stoß erlitten hat.

Einige Tausend Mann werden Adrianopel zu halten suchen, solange es eben geht. Die Hauptmacht der türkischen Ost­armee wird aber versuchen, in kompakter Staffelung auf der Linie Marizatal, Baba- Eski, Lule- Burgas den bulgarischen Vormarsch zum Stehen zu bringen. Voraussetzung hier­für ist, daß es dem türkischen Oberbefehlshaber gelingt, seine 7 oder 8 Armeekorps rechtzeitig zu einer einheitlichen und groß angelegten Defensivaktion aufmarschieren zu lassen. Der Fall von Kirkkilisse zeigt aber, daß es mit der Bewegungsfähigkeit der türkischen Armeeteile nicht sonderlich gut bestellt sein muß, sonst hätte man zur Behauptung dieses Punktes sicherlich starte Reserven heranrücken lassen. An die angeblich frei­Schärfer die Kritik, die der Fortschrittler Dr. willige Aufgabe Kirkfillsses glaubt doch kein Mensch, es ist Wiemer an der Haltung der Regierung übte, obwohl auch Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, welche herbor- das nur die Beschönigung einer schweren Niederlage. Die er in Ueberemtimmung mit den Beschlüssen des Mannheimer Parteitags der Fortschrittlichen Volkspartei auf halbem Wege ragende strategische Bedeutung Kirkkilisse hatte. Der Fall Bulgaren sind offenbar weit beweglicher als die türkischen stehen bleibt, teine Aufhebung, sondern nur eine schrittweise dieses befestigten Kriegslagers bringt die schwache Ostfront Truppen, denn ihre Aufklärungsabteilungen dringen immer Serabiebung der Bölle fordert und sich gegen die Auffassung Adrianopels in Gefahr und ermöglicht den Bulgaren einmal weiter nach Süden vor, sowohl im Marizatal an der Bahn wendet, aladobes grundsäßlich die Aufgabe der Kommunen die Umklammerung dieser Festung dann aber auch einen entlang wie auch ganz östlich in der Nähe der Meeresküste. sei, dauernd in die Gestaltung der Lebensmittelpreise einzu- weiteren Vorstoß nach Süden auf die Bahn nach Konstanti- Auf jeden Fall ist das blutige Ringen um Kirkfilisse nur der greifen.ofas Herr Wiemer fagte, war in keinem Punkte nopel. Trotz des zweifellos glänzenden Erfolges der bul- erste Aft des Völkerdramas auf dem östlichen Kriegsschauplak, neu, es toren die altbekannten Forderungen des Freisinns, garischen Armee muß der Zugang zur türkischen Hauptstadt dem aber noch andere weit blutigere folgen werden. die innere stolonisation zu fördern und die Domänen auf- noch mit sehr großen Opfern erkauft werden. Es klingt sehr Ist also die militärische Lage der Türkei nach dem Fall zuteilen. Und nun kam der große Moment". Herr v. Beth wahrscheinlich, daß die türkische Heeresleitung, nachdem Adria- von Kirkkilisse alles andere als günstig( selbst wenn die Bul­mann, der an der Spike fast des gesamten Staatsministeri- nopel seine östliche Flankendeckung verloren hat, auf die Be- garen die Folgen ihres Sieges, die Zahl der Gefangenen, der ums erschienen war, erhob sich in seiner ganzen Länge, um hauptung der Festung, deren Verteidigung eine starke Kriegsbeute usw. übertreiben), so ist die moralische Einbuße vor dem Lande die Politik der Regierung zu rechtfertigen, fie Truppenmacht absorbieren würde, keinen Wert mehr legt. der Türkei doch größer. Die nationalen Volksheere der zu rechtfertigen einmal gegenüber dem hungernden Bolke, das mit Recht darüber erbittert ist, daß man es mit Steinen abspeist, und zweitens gegenüber den agrarischen Heißspornen, die schon in den dürftigen Maßnahmen eine Rückkehr in die ihrer Meinung nach so unheilvolle Aera Caprivi erblicken. Die Agrarier hatten ihrem Handlanger die Arbeit wesentlich er­leichtert. Mehr noch als die Rede Bethmanns ließ die spätere Erwiderung Heydebrands darauf schließen, daß sie ihm gegen das Zugeständnis, daß er an eine Abkehr von der agrarischen Boll- und Wirtschaftspolitik nicht denke, Pardon geben werden. Und in der Tat wurde seine Erklärung, daß von einem Bruch mit unserer Zollpolitik und unserem Veterinärschutz nicht die Nede fein fann, mit verständnisvollem Beifall begrüßt, einem Beifall, der sich noch steigerte, als er nachdrücklichst seine Be­reitwilligkeit in Aussicht stellte, wenn der Seuchen­stand im Auslande es erfordere, die bisher getroffenen Maßnahmen wieder rückgängig zumachen. Nicht die Wahrnehmung der Bedürfnisse der Konsumenten, sondern einzig der Interessen der agrarischen Broduzenten liegt dem Ministerpräsidenten am Herzen, und man fann, ohne sich in Prophezeiungen zu verlieren, schon heute voraussagen, daß die Zeit nicht allzu fern ist, wo diese

Jenidshekäi Kaipa

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Akbunar Kemal

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Die militärische Lage bei Kirk- Kilisse.

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