Nr. 258.
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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".
Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands.
Sonntag, den 3. November 1912.
Holt den 1. Berliner Reichstags- ößen entgegenbielt, war es der leste freifinnige Rebner, wartet er die Reform des unfäglich verrotteten preußischen
wahlkreis!
Wählt sozialdemokratisch! Wählt Düwell!
Verwirrung auf dem Kampfplatze
und in den Diplomatenftuben.
agrarische Redner Dr. Diederich Hahn dem Freisinn all die teilzunehmen! Nicht von der Energie und dem Kampfesmut agrarzollfreundlichen Leistungen hervorragender Freisinns- der Entrechteten, der Kämpfer für das gleiche Wahlrecht, erHerr Hoff, der Herrn Hahn durch Zwischenrufe das Kon- Dreitlassenwahlrechts, sondern von der Gutmütigkeit und zept verderben zu können glaubte. Als aber Herr Dr. Hahn der Opferwilligkeit der Junker und Junkergenossen! Feige an Herrn Hoff die schlichte Frage richtete, wie denn er sich und heuchlerisch ist er sogar auf dem legten Parteitag noch Am 5. November wird die Entscheidung darüber fallen, zu der Forderung der Beseitigung der Getreide- der rein programmatischen Stellungnahme zum ob der erste Berliner Reichstagswahlkreis auch künftig durch zölle stelle, da blieb dieser freisinnige Ber- Frauenwahlrecht ausgewichen, um ja nicht dem allzu starken den Herrn a empf im Reichstage bertreten sein soll treter zum stürmischen Gaudium der Rechten reaktionären Selüngel im eigenen Parteilager vor den Kopf oder durch den von der Sozialdemokratie präsentierten die Antwort schuldig! Der Freisinn hat sich eben zu stoßen! Und die gleiche Halbheit und Rückständigkeit, die Reichstagskandidaten Düwe II. Hätten wir eine ber- in schutzöllnerischer Beziehung zum Nationalliberalismus bas politische Programm des Fortschritts kennzeichnet, nünftige Wahlkreisgeometrie, wären die Berliner Wahl- hinübergemausert. charakterisiert erst recht sein sozialpolitisches Verhalten. freise auch itur einigermaßen ihrer Bevölkerungsziffer Und ebenso wie in wirtschaftspolitischer Beziehung Dder wann wäre er jemals rüdhaltlos für die Nechte und entsprechend gleichmäßig eingeteilt, so hätte der Frei keine erkennbare Grundlinie zwischen Frei- materiellen Forderungen der Arbeiter, der Industrieangestellten finn längst auch seinen letzten Berliner Sig ein- finn und Nationalliberalismus vorhanden ist, und der staatlichen Unterbeamten eingetreten! gebüßt und an die Sozialdemokratie abgetreten. Nur der so wenig auch auf dem Gebiete des Rüstungswesens. Den Wählern des ersten Wahlkreises kann deshalb der geradezu lächerlichen und abgeschmackien Wahl- Längst dahin sind die Zeiten, da der Freifinn Heeres-, Flot- Entscheid zwischen Düwell und Kaempf nicht schwer fallen. freiseinteilung ist es zuzuschreiben, daß im ersten ten- oder Kolonialrüstungen abzulehnen wagte. Er bewil- Wer zu den Nutznießern des kapitalistischen Regimes geBerliner Reichstagswahlkreis der Freiſinn mit der Sozial- ligt nicht nur jede imperialistische Forderung, ie de vom hört, wer im Frieden oder Kriege an der Börse oder demokratie noch ernstlich in Konkurrenz treten kann. Im Rüstungswahnsinn diktierte Mehrausgabe, bei sonstigen Unternehmungen Spekulations- und winzigen ersten Wahlkreis, wo das Berlin der Arbeit nur sondern er wagt sogar in seinen Flugblättern angesichts der Ausbeutergewinn erhoffen kann, wer sich auf Kosten in bescheidener Weise vertreten, das Berlin des kapi- Balkantrise der Sozialdemokratie den Vorwurf zu machen, der politisch und sozial entrechteten Schichten emporschwingen talistischen Profits dagegen um so einfluß- daß sie noch im letzten Jahre die Ausgaben für Heer und zu können rühmt, dem wird der Freisinnskandidat Kaempf der reicher ist, kann der Freisinn, der von der Berliner Flotte verweigert habe! Dafür, wie ungeheuer gerade der geeignete Kandidat sein. Wer dagegen sein Wohl verknüpft Gesamtbevölkerung nur cinen verschwindenden Rüstungswahnsinn die Abenteuerlust un- fühlt mit dem Wohl der breiten Volksmassen, wer gegen Prozentsag zu seinen Anhängern zählt, noch ernstlich serer Kriegsfanatiker zu verstärken vermag, agrarische und kapitalistische Volksausbeutung, gegen Voltsmit der Vertreterin der Interessen der arbeitenden Schichten hat der Freifinn trotz der verruchten Kriegstreibereien wäh- fnebelung und Voltsentrechtung protestieren will, wer der in Ronkurrenz zu treten wagen. Trotz der günstigen Chancen, die eine geradezu absurde rend des Marokkokonflikts also keine blaise Ahnung! sozialen Entwickelung im Innern den Vorzug gibt vor einer Wahlkreisgeometrie ihm bietet, und trotz des Vorteils, der Wie der Freisinn sein wirtschaftspolitisches Programm konfliktsschwangeren imperialistischen Abenteurerpolitik nach aus der Wahl nach den alten Wählerlisten für ihn ent- böllig preisgegeben hat, wie er auf dem Gebiete der Rüstungs- außen, der kann nur den Kandidaten der Sozialdemokratie springt, scheint der Freijinn seines Sieges nichts weniger als und Weltpolitik bedingungslos tapituliert hat vor dem bor - Düwell wählen! niertesten und ſtrupellosesten imperialistischen Draufgängertum, Der Freisinn hat durch den pfiffigen Trick der Mandatssicher zu sein. Im Gegenteil! Mehr denn je scheint der so hat er auch auf innerpolitischem Gebiete längst jeden Kampf niederlegung vor dem endgültigen Spruche der MandatsFreifinn im ersten Wahlkreise um sein Los zu bangen. Leistet für den ernstlichen Fortschritt aufgegeben. Sollen wir wirklich prüfungsfommission sein Glück zu korrigieren und möglichst er doch an Versammlungen und Flugblattverbreitungen geradezu noch an die unendlich traurige Figur erinnern, die der Freifinn proletarische Wähler ihres Wahlrechts zu berauben versucht. abnormes. Eine Versammlung, ein Flugblatt jagt das andere. bei den Wahlrechtskämpfen der Vergangenheit sowohl Doppelte Pflicht der Wähler aller ehrlich arbeitenden Schichten Und es sind nicht gewöhnliche Versammlungen mit ein oder wie der jüngsten Gegenwart gemacht hat? Feige und entnervt ist es daher, das freifinnige Manöver zu vereiteln! 31vei Referenten, die der Freisinn veranstaltet, sondern auf das hat er es abgelehnt, auch nur an den Wahlrechtsdemonstrationen Senfationelle zugeschnittene Veranstaltungen mit vier oder gar sechs Rednern! So marschieren für eine einzige Ver sammlung drei Reichs- und Landtagsabgeordnete, ein Landtagsabgeordneter, ein Geheimer Justizrat und Professor und der Reichstagskandidat Herr Dr. Johannes Kaempf auf. Troz dieses Massenaufgebots von freisinnigen Rednern werden nur Anhänger der Kandidatur Saempf eingeladen und zugelassen! Eine offene Aussprache findet also nicht statt! Und ebensoviel Sensation wie durch seine Versammlungen versucht der Freisinn durch seine Flugblätter zu machen. Steine reichsverbändlerische Die Welt wurde am Sonnabend durch türkische Sieges| Berleumdung ist so schäbig, keine Lüge so oft widerlegt, daß meldungen überrascht. Aus diesen klang heraus, daß das sie nicht in den freisinnigen Flugblättern ihre Wiederholung türkische Heer im dreitägigen Ringen am Ergenefluß nicht Die türkischen Siegesmeldungen. fände. Nicht einmal der alte tausendfach widerlegte Schwindel, geschlagen sei, vielmehr jetzt erfolgreich gegen die Bulgaren Konstantinopel , 1. November. Nazim Pascha teledaß der Betrieb des Vorwärts" ein„ Zuchthaus ersten Ranges" sei, ist dem Freisinn zu schlecht, um ihn nicht in seinem die Offensive ergriffen habe. Aber alle Anzeichen sprechen graphierte heute 2 ihr nachmittags: Der rechte Flügel unseres neuesten Flugblatt zu wiederholen. Dabei heulmeiert die dafür, daß diese Siegesnachrichten erlogen sind, oder daß Heeres rückt seit gestern in nordwestlicher Richtung vor. Die Armee Mahmud Mukhtars hat die Bulgaren geschlagen Berliner freisinnige Presse, von der Freifinnigen Zeitung" einige Teilerfolge der auf dem Rückzuge begriffenen türkischen und viele Kanonen und Munition erbeutet. Ich habe allen bis zum„ Berliner Tageblatt", tagtäglich über die Un- Armee gegen die nachdrängenden Bulgaren als große Siege Armeekorps befohlen, die Offensive zu ergreifen und voranständigkeit" der sozialdemokratischen Wahlagitation und der aufgebauscht werden. Solche Täuschungsmanöver find anzugehen. Eine andere Depesche Nazim Paschas von polemischen Auslassungen des„ Vorwärts". gesichts der verzweifelten Lage der türkischen Regierung be- 4 lthr 45 Minuten nachmittags besagt: Wir haben Bunar Wir nehmen dem Freisinn seine verächtlichen Tricks und greiflich. Diese muß dem eigenen, aus so vielen wider Hissar wiedergenommen und bedrängen die bulgarischen unehrlichen Wahlmanöver nicht allzusehr übel. Wir wissen strebenden Elementen zusammengesetzten Volke den Ernst der Truppen in der Gegend von Bunar Hissar von allen Seiten. ja, daß er das Messer am Halfe fühlt, daß Lage zu verschleiern suchen. Die aus dem Innern Asiens Konstantinopel , 1. November. Um Mitternacht teilte er mehr denn je in der Furcht lebt, auch seinen Letzten Berliner Reichstagswahlkreis zu verlieren. Aber noch eintreffenden Redisbataillone sollen nicht entmutigt, die auch deshalb schon registrieren wir mit einer geim Zurückgehen befindlichen Truppenteile müssen zu neuem und nichtswürdigen Widerstande aufgestachelt werden. Außerdem versucht man wissen Genugtuung die schäbigen und Wahlmanöver des Berliner Freisinns, weil dadurch wieder auch das Ausland zu täuschen, um durch das Nänkespiel der einmal auch, den Naivsten die ungeheuere luft internationalen Diplomatie Zeit zu gewinnen, und zu retten, gezeigt wird, die zwischen der Sozialdemokratie und was noch zu retten ist. dem Liberalismus gähnt. Und weil so der Freisinn Es ist sehr wahrscheinlich, daß die türkischen Armeeführer selbst die Aufgabe übernimmt, den breiten Volksmassen dar alle Energie aufwenden, um die nach zweifellos tapferen Konstantinopel , 1. November. Das Ministerium des zutun, daß trotz gelegentlichen Zusammengehens von Sozial- Rämpfen erlittene Niederlage durch offensive Rückzugsgefechte Aeußern hat an die türkischen Vertreter im Auslande ein demokratie und Fortschritt bei Wahlen von einer dauernden Verständigung zwischen Nichtbesitzenden und minder schwer oder gar wieder gut zu machen. Ihnen kommt Telegramm gerichtet, in dem es die Depesche des Generalissitapitalistischen lassen teine Rede sein fann. zu ſtatten, daß die bulgarischen Truppen jedenfalls durch den mus bestätigt. Das Telegramm schließt mit den Worten: Nicht weil das Proletariat einer ehrlichen Waffenbrüder- breitägigen Kampf, durch Gewaltmärsche usw. ebenfalls am Rande Wir haben den Feind in der Gegend von Wisa siegreich zurüidschaft bürgerlicher Schichten argwöhnisch geworfen. widerstrebte, ihrer Kräfte angelangt waren, so daß die Türken mit den sondern weil auch die äußerste Linke der Bourgeoisie in jedem Truppen, die sich hier und da sammieln ließen, den Kampf Der Verlauf der Schlacht bei Lüle- Burgas. Ernstfalle wieder in ihre arbeiterfeindlichen Nücken und Zücken aufnahmen und an einzelnen Punkten Terrain gewinnen London , 2. November. ( Privattelegramm des zurückfällt. fonnten. Die Auffassung, daß sich zwanzig und mehr Divisionen or wärts".) Den schönfärberischen Berichten Nasim Im Grunde kennzeichnen ja alle freisinnigen Reben und geschlossen in panifartigem Sturmlauf nach rückwärts fon- Baschas aus Konstantinopel wird hier wenig Glauben ge Flugblätter selbst besten den Unterschied, Solche Rückzugsgefechte schenkt. Im allgemeinen hält man das Schicksal der Türkei Solche Rückzugsgefechte für besiegelt. Die Times" veröffentlicht heute einen Bezwischen der Vertreterin der aufwärtsstrebenden ausgebeuteten zentrieren, wäre auch gar zu naiv. Boltsschichten, der Sozialdemokratie, und den politischen Ge- werden aber in Konstantinopel als großer Sieg verkündet. richt ihres Korrespondenten aus Lüle- Burgas . Der schäftsträgern der liberal gerichteten kapitalistischen Schichten In den Kabinetten der Großmächte glaubt man auch gar Bericht dieses Augenzeugen der Schlacht ist aber offenbar vom besteht. Denn während die Arbeiterklasse aus der politischen nicht an die türkischen Siege. Die Diplomatie ist vielmehr türkischen Bensor stark verstümmelt worden. Er telegraphiert Rechtlosigkeit und der sozialen Gebundenheit zu Freiheit und drauf und dran, am Sterbelager der europäischen Türkei unter dem 30. Oktober, daß der Kampf des linken türkischen Gleichheit emporstrebt, ist es der Freifinn, der im großen und Erbschleicherkünfte zu praktizieren. In den offiziösen und Flügels furchtbar bitter gewesen sei. Montag abend sei es ganzen sich allen bestehenden Verhältnissen mehr halboffiziösen Organen der einzelnen Regierungen wird je flar geworden, daß die auf drei Divisionen geschätzten Bulund mehr anpaßt. Welche Anpassungsfähigkeit unser Fort- nach den eigenen Wünschen oder nach dem Standpunkt im garen die Eisenbahn zwischen Baba Eskri und Rüle- Burgas schritt bewiesen hat, zeigt am besten ein Vergleich mit den National Dreibund oder der Tripelentente über die Intervention" anzugreifen beabsichtigten. Der türkische Generalstab hatte liberalen. Ehedem war der Freisinn im Gegensatz zum Nationalliberalismus ein Vertreter des Freihandels und ein orakelt. Aber kein Mensch kann aus dem Wirrwarr der Gegner der Schutzzölle, insbesondere der agrarischen Schutz- Meinungen voraussetzen, was der nächste Tag bringen wird. zolipolitif. Diese Unterscheidungsmerkmale sind heute so gut Ein Lichtblick in dieser verwirrten und düsteren Situation ist wie völlig geschwunden! Als bei der lekten nur die Stellungnahme des österreichischen Partei Fleischnotdebatte im preußischen Abgeordnetenhause der tages zu Balkankrieg und Kriegsgefahr
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Oeftlicher Kriegsfchauplatz.
die Pforte den türkischen Blättern folgende auf einem Telegramm des Generalissimus beruhende Informationen mit: Die Kämpfe, die vor vier Tagen begonnen haben, dauern fort. Die im Norden von Lüle- Burgas Konzentrierten ottomanischen Armeekorps halten dem von dieser Seite her vorrückenden Feind kräftig Stand. Die Fortifikationen von Adria nopel verteidigen sich andauernd mit Entschiedenheit. Die bei Wisa vereinigten Korps rücken vor.
mit großer Eile Verstärkungen von Zichoriu vorgeschoben. Der Widerstand der Streifräfte unter Zorgut Schewfet Pascha zivang die bulgarischen Divisionen zur Entfaltung aller ihrer Kräfte und Montag rüdten sie zum Angriff gegen die Stadt Lüle- Burgas vor. Lorgut Schewfet Baschas wirkliche Stellung sei hinter der Stadt auf Abhängen belegen