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Nr. 265.

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10. Jahrg.

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Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Freitag, den 10. November 1893. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

arbeiter seitens der Unternehmer durch jene Verluste wärtigen Aufsicht ist eben eine so allgemeine, daß dieselben Und so steht Verbesserungen ohne jede Verabredung überall vor­

Bergarbeiter- Elend. in der grauſamſten Weise verschärft. man hier vor Bestimmungen, die dazu führen, den Berg- geschlagen werden. Mit welchem Erfolg

das die

Eine niedliche Sammlung von Bergarbeiter- Beschwerden arbeiter an der Wende des 19. Jahrhunderts indirekt in wissen wir freilich im Voraus. Da machen enthält die Petition des Gesammtvorstandes des Verbandes der unwürdigsten Abhängigkeit zu halten und jede selb- Farben der Grenzpfähle nicht den geringsten Unterschied. Sächsischer Berg- und Hüttenarbeiter in Zwickau , die soeben, ständige Regung desselben im Keime zu ersticken. Wie ge- Weiter verlangen die sächsischen Bergarbeiter die gesetzliche Anfang dieses Monats, an die Ständeversammlung des fagt: es lohnte sich wohl einmal, daß unsere Fraktion diese Feststellung der Achistundenschicht, und sie führen zur Be­Königreich Sachsens abgegangen ist und auch dem Reichs- beispiellosen Mißstände im bergmännischen Versicherungs- gründung an, daß die Schächte immer tiefer und heißer tage zugehen soll. Die Beschwerden in ihrer langen Reihe wesen bei einer Versicherungsdebatte im Reichstag aufs werden, sowie daß die jetzt üblichen Sicherheitslampen das sind lauter alte Bekannte; die Bergarbeiter- Bewegung hat Korn nähme und sich mit einer Geißelung derselben den Augenlicht bei langer Arbeitszeit noch mehr schädigen, als fie schon hundert Mal an die Oberflüche geworfen, und die Dank der Berglente verdiente. die frühere Beleuchtung. Die sächsischen Bergarbeiter müssen gegenwärtigen Machthaber sind schon hundert Mal zur Der andere Theil der sächsischen Petition bezieht sich auf weiter um achttägige Lohnzahlung, um die obligatorische Tagesordnung über sie hinweggegangen. Die Vertretung den eigentlichen Bergarbeiterschutz. In erster Linie hat er genau Einführung von Lohnzetteln, um eine Beschränkung der der Bergleute bringt sie aber zum 101. Male doch wieder so über die mangelhafte Bergwerks- Inspektion zu klagen, wie die Strafabzüge auf den Betrag eines einfachen Schichtlohnes, an die sächsische Landes" Bertretung auch so industriellen Proletarier über die ungenügende Fabrikaufsicht. um die Abschaffung von Arbeitsbüchern und Arbeits­ein Beweis für den ungefeßlichen Sinn" dieser Es hätte nichts schaden können, wenn der fächsische Berg- zeugnissen, endlich um eine gerechte Festsetzung der Arbeiterorganisation, die im gelobten Sachsen so oft arbeiter- Verband in diesem Zusammenhang die lakonischen Gründe, aus welchem ein Arbeiter sofort entlassen schon als Ümsturzverein denunzirt worden ist und doch un- Berichte der dortigen Berginspektoren, die als Anhang zum werden kann, erst petitioniren. Wenn man dies ermüdlich thätig ist, den Beschwerden der Arbeiter auf Berichtsband der Gewerbe Inspektoren erscheinen, einmal alles liest, kommt einem die empörende ungerechtigkeit gesetzlichem Wege Abhilfe zu schaffen wenn die Macher genau unter die Lupe genommen und Beile für Beile nach des heutigen Produktionssystems so recht zum Be der Gesetze nur wollten! gewiesen hätte, was diese Berichte alles nicht enthalten. wußtsein: Die ärgste Behandlung müssen fich Aus dem schlichten Wortlaut der Eingabe kann man Das kann aber im sächsischen Landtag mündlich nachgeholt unter demselben gerade diejenigen Proletarier gefallen sich ungefähr ein Bild davon machen, wie der Bergarbeiter werden, und wir möchten dann einmal denjenigen sehen, lassen, die unter den schwierigsten und gefährlichsten Be in Sachsen heute lebt oder vielmehr vegetirt und verder die Forderung der Petition für ungerechtfertigt er dingungen produziren. Die kapitalistische Wirthschafts­gewaltigt wird. Um mit Dingen anzufangen, die sich auf tlären wollte, daß die Bergwerke mindestens vier Mal ordnung hat als Lohn für die aufopferndste Arbeit die sozialreformatorische" Einrichtungen der jetzigen Gesell jährlich einer Revision unterzogen werden müssen, statt größte Knechtung, für den ärgsten Müßiggang den höchsten schaft beziehen und über welche also die Diskussion ein Mal jährlich, wie jezt. Das kann natürlich nur durch Lebensgenuß festgesetzt. gar nicht abgelehnt werden kann: die Versicherungskassen Vermehrung der Beamten erreicht werden, und es iſt Die Sympathien aller Klassenbewußten Arbeiter be­für Bergleute, die bekanntlich für Krankheit, Invalidität bezeichnend für die Stimmung in Arbeiterfreifen überhaupt gleiten deshalb den neuen Verfuch der sächsischen Berg­und Alter gleichzeitig sorgen sollen, die sogenannten Knapp- bezüglich der Gewerbe- Aufsicht, daß auch hier Arbeiterarbeiterführer, der bürgerlichen Gesetzgebung eine Ber schaftstassen, sind in Sachsen wie anderswo mit einer Reihe inspektoren als das einzig wirksame Abhilfsmittel bezeichnet befferung der Lage der Grubenproletarier abzutrozen; daß organisatorischer Mißstände behaftet, die für die Bewegung werden. Die neuen Beamten müßten Leute sein, so sagt sich nur geringe Erfolge erzielen lassen, darüber sind wir unter den Bergleuten von uns weit mehr ausgenutzt werden die sächsische Petition, welche weniger allgemeine theoretische ja alle klar. Aber der Bergarbeiter hat einen besonders müßten, als es bisher geschehen ist. So haben in Sachsen Kenntnisse und Ausbildung, als vielmehr vorwiegend langen Weg durch die Nacht zum Licht zurückzulegen. Er durch eine Reform" vom Jahre 1884 und 1891 mehrere praktische Erfahrung und Ausbildung besitzen. Es dürfte bedarf der Aufrüttelung zum Klassenbewußtsein ganz be­hundert Bergleute etwa vier bis fünftausend Beitragsjahre unseres Erachtens die mehrjährige praktische Thätigkeit eines fonders. Und auch diese Hauptwirkung wird der Petition verloren, die sie aus ihrem sauer verdienten Lohn bis dahin Häuers, die derselbe in verschiedenen Lehr- und Bethätigungs- der sächsischen Bergmanns - Organisation nicht fehlen! gesteuert hatten und für die sie jetzt nicht die geringste phasen ausübte, völlig genügen, um denselben als berg­Gegenleistung erhalten sollen. Ferner ist beim Ausscheiden inspektorlichen Gehilfen geeignet erscheinen zu lassen. Da aus der Kasse bis jetzt eine freiwillige Fortversicherung durch durch würde auch unzweifelhaft ein größeres allgemeines

Uebernahme aller Beiträge ausgeschlossen, sowie eine Rück­

Bertrauen zu dem Institute der Berginspektoren erzielt, Politische Leberlicht.

Berlin , den 9. November. Der Reichstag soll vom Kaiser mit einer Thronrede eröffnet werden.

zahlung der geleisteteu Beiträge an so erschwerende Bedingungen als gegenwärtig..... Derartige Arbeiterbeamte geknüpft, daß der Bergarbeiter gewissermaßen auf Ewigkeit müßten mittels geheimer Abstimmung von den Berg­dazu verdammt erscheint, unter den elenden Verhältnissen arbeitern selbst gewählt werden, wogegen deren Gehälter und feines Berufs sein Leben fortzufristen; man hat ihm ge- Unterhaltungskosten von der Staatskasse zu tragen wären. radezu die Möglichkeit abgeschnitten, anderswo eine bessere Als ein Mangel in der Instruktion für die Berginspektoren Der Bundesrath trat heute zu einer Plenarsizung und lohnendere Existenz zu suchen, wenn er nicht wohl ist es schon oft empfunden worden, daß diesen nicht gleich zusammen. Vorher waren die vereinigten Ausschüsse für erworbene Rechte auf die schändlichste Weise einbüßen will. zeitig die Befugniß zur Auferlegung von Strafen, wie in Eisenbahnen, Post und Telegraphen und für Rechnungs­So schlau dieses System von den Gesetzgebern auch aus- England eingeräumt wird". So fehren dieselben Forde wesen, sowie die vereinigten Ausschüsse für das Landheer gesonnen ist, es steht in traffem Widerspruch mit der Frei- rungen in der sächsischen Bergarbeiter- Bewegung wieder, und die Festungen und für Handel und Verkehr versammelt. zügigkeit, die doch angeblich jedem deutschen Staatsbürger die unsere Genossen eben in der bayerischen Kammer zur Dem Bundesrath sind, dem Reichs- Anzeiger" zufolge, gewährleistet sein soll. Auf der anderen Seite wird Reform der dortigen Gewerbe- Inspektion aufgestellt haben. in den letzten Tagen folgende Borlagen zugegangen: Der die willkürliche Entlassung und die Aechtung der Berg- Die Ueberzeugung von der Mangelhaftigkeit der gegen- Entwurf eines Gesetzes, betr. die Bekämpfung gemeingefähr

Nachdruck verboten.]

Feuilleton. Skizzen

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gründeten eine Ausstandskasse und entwarfen bindende Regeln für die Mitglieder dieser Verbindung.

Deshalb strahlte das Gesicht Stepan's vor Freude, als wir ihn als Arbeiter an dem Schriftenkasten wiedersahen. Neben ihm arbeitete der bucklige Seßer Jegar, der immer nach Schnaps roch. Als die Arbeiter sich anschickten zu Als die Arbeiter sich anschickten zu ihrem Mittagsbrod zu gehen, näherte sich dieser Stepan

aus der sozialistischen Bewegung und sagte ihm: in Rußland .

A

Aus dem Russischen überseht.)

Der Enthusiasmus und die Liebe, die aus Stepan's Woiten heraustlangen, begeisterten die beiden Arbeiter; Tmitri umarmite Stepan und sagte aus voller Seele:

Ich danke Dir Du bist ein ganzer Mann!" Nach ihm füßte Pawel, nachdem er in den Haaren ge­rüttelt hatte, Stepan.

Das war eine rührende Verbrüderung der Arbeiter mit dem ehemaligen Edelmann, welche es empfanden, daß es zwischen ihnen keine Verschiedenheit giebt, daß sie Brüder mit einander sind.

Diese seine erste sozialistische Rede auf der kleinen Waldwiese unter dem blauen Himmel grub sich tief in das Gedächtniß Stepan's ein. Dann erinnerte er sich, mit welcher Aufregung er den folgenden Tag erwartet hatte. Er bemerkte es, daß der Eindruck ein tiefer war, aber war er tief genug?

Hatte er das Nachdenken erweckt?

Um so größer war seine Freude, als Dmitri am folgenden Tage nach Schluß der Arbeit zu ihm tam und ihm fagte: Komm mit uns Thee trinken."

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Gieb mir zwanzig Kopeken."

" Für einen Schnaps? Nicht eine Ropete. " Du giebst nicht?"

Die Frage enthielt eine Drohung. Nein," antwortete Stepan.

"

Es ist gut... aber ich werde erzählen, mit welchen Dingen Du Dich abgiebst... werde das Büchelchen übergeben."

"

Ein kräftiger Schlag schloß Jegar den Mund, und als dieser sich umdrehte, erblickte er Dmitri, der dieser Unterredung zugehört hatte.

" Versuche es nur, Du Schuft!... ich schlage Dich todt wie einen tollen Hund," sagte Dmitri mit drohender Stimme.

Ich dachte, Du wärft blos ein Trunkenbold und nicht ein Verräther," sagte Stephan. Jegar fürchtete sich und verließ brummend die Druckerei.

Abends, als sich die Anhänger Stephans in dessen Wohnung versammelten, erzählte Dmitri schon von den Drohungen Jegar's und fügte hinzu:

" Dieser Säufer ist für Geld zu allem fähig... für einen Schnaps würde er seinen leiblichen Bater ver Von dem Tage an kam die Sache in Fluß... Nicht kaufen... Man muß ein Ende mit ihm machen." allein die Arbeiter in der Druckerei fennen jetzt das Ge-" Dem Hund gebührt der Tod eines Hundes..." heimniß ihrer Etlaverei... es bilden nicht mehr deren sagte Pawel.

gedroht, indem er hoffte, daß ich ihm vielleicht doch zwanzig Ropeken geben würde."

Nein, er droht nicht umsonst... Die Unseren kennen ihn schon lange."

"

Er wird Dich und uns Alle verderben... wird die ganze Sache verderben... es lohnt sich nicht, mit solchen Viehstücken Mitleid zu haben."

Nicht eine einzige Stimme unter den Arbeitern wurde zur Vertheidigung Jegurs laut. Aber Stepan sprach ener gisch gegen dieses strenge Urtheil, sein gutes Herz protestirte eifrig gegen die Stimme der Vernunft, und er verlangte, daß Dmitri von seinem Vorhaben ablaffen sollte, indem er versicherte, daß Jegur sie nicht denunziren wird. Ungern gab Dmitri nach, und an diesem Abend gingen die Arbeiter mit baugen Vorahnungen auseinander, unzufrieden mit Stepan und seiner Gutmüthigkeit.

Einige Tage vergingen in vollkommener Ruhe; die bösen Vorahnungen, hervorgerufen durch die Drohungen Jegur's, wurden schwächer und waren bald vergessen, bis plöglich eines Tages, als die Arbeit in der Druckerei im besten Zuge war, auf der Treppe die Schritte der Gendarmen und Polizeisoldaten, gleich dem Stampfen der Pferdehufe, ertönten.

Die ganze Druckerei wurde durchsucht, die Dielbretter wurden aufgerissen, der Ofen wurde zertrümmert, das Brenn­holz im Schuppen wurde auseinander geworfen, aber nichts Verdächtiges gefunden"; trotzdem aber wurden Stepan, Dmitri und noch zwei Arbeiter in das Gefängniß abs geführt.

Stepan befindet sich in Einzelhaft, die Tage werden durch das Müßigsein ewig lang, und in den Nächten kann er nicht schlafen. Das fortwährende Nachdenken zermartert sein Gehirn, und immer schwächer wird die Hoffnung auf

Zwei sein Auditorium, sondern mehrere Duzende; fiel Red," entgegnete Stepan, ich denke, er hat blos die Befreiung. In der kleinen Deffnung der Thür seiner