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Nr. 275.

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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin"

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt Moritplah, Nr. 1983.

Sonntag, den 24. November 1912.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.

Dem Internationalen Kongress!

Der Chemnizer Parteitag hatte beschlossen, auf dem nächsten Kongreß der Internationale Und in der Tat, die außerordentliche Situation verlangte das außerordentliche Mittel. als besonderen Punkt der Tagesordnung das Problem des Imperialismus vorzuschlagen. Nur Toren können wähnen, daß der Abschluß eines Waffenstillstandes und des Friedens zwischen So stürmisch geht jetzt die Entwickelung, daß bereits einen Monat später der Beschluß über- den Balkanstaaten und der Türkei die Krise beenden könnte. Wir wissen, gerade jetzt, nach holt war und die Internationale sofort zusammentreten mußte, nicht um theoretisch Stellung Beendigung des südslawischen Nationalfrieges, beginnt erst recht die Gefahr des imperialistischen zu nehmen, sondern um praktisch einzugreifen. Machtkampfes. Die Gier Desterreichs und Italiens nach der albanischen Küste will die end­

Als das Internationale Bureau in Brüssel zusammentrat und in seinem Manifest die[ gültige Erledigung der Balkanfrage verhindern, Serbien den Ausweg an die Adria sperren, Arbeiterarmeen Europas zum Kampfe gegen die Kriegsgefahr aufrief, konnte es zugleich darauf und in einem autonomen Albanien einen neuen Krisenherd schaffen. Wir Sozialdemokraten Hinweisen, daß die Sozialdemokratie aller Länder bereits mobil gemacht hatte, vor allem die haben von Anfang an uns gegen die eigennüßige und gefährliche Einmischung der Großmächte fleine, aber tapfere Schar unserer Genossen auf dem Balkan selbst. Wie einst Bebel und gerichtet und gefordert, den Balkanvölkern ihren Balkan zu lassen. Wir sind Feinde jeder Liebknecht in der vielleicht stolzesten Tat ihres Lebens gegen den Strieg von 1870 protestiert, Unterdrückung und wünschen, daß auch die Albaner in ihrer nationalen Verwaltung Autonomie wie die alte Internationale flammenden Protest erhoben hatte, als der Stampf, der unter der erhalten mögen, wie die anderen Baltannationalitäten auch. Aber für Wahnwitz halten wir Losung der nationalen Einigung unternommen, zu einem Eroberungstriege geworden war, es, daß die Völker Europas in den Krieg geführt werden sollen, nur um Albanien für den fo ließen sich auch unsere Genossen dort unten trotz aller Erregung von der Erfüllung ihrer fünftigen Raub Desterreichs oder Italiens als Beuteſtück zu erhalten. Denn nur deshalb soll Albanien aus dem fünftigen Balkanbund ausgeschieden werden. Deshalb halten wir auch hohen Pflicht nicht abhalten. Sie haben recht daran getan. Nichts törichter, als der Einwand, dieser Balfantrieg für eine törichte Verblendung die deutsche Politit, die dieses Verlangen unterstützt und damit sei notwendig gewesen, also ein Protest, weil der Erfolg vergeblich, deshalb überflüssig. Welch die Gefahr einer triegerischen Auseinandersegung zwischen Italien und Desterreich um den kindliches Verkennen der sozialdemokratischen Aufgaben! Alles, was geschieht, ist natürlich Besitz der von beiden heiß begehrten albanischen Küste näher rüdt. Aber diese Gefahren aus dem europäischen Wetterwinkel werden noch übertroffen durch notwendig. Aber diese Notwendigkeit ist nicht die unsere, sondern die des Kapitalismus . Die

fozialen Sträfte, die zu dem Striege führten, sind nicht Sträfte des Proletariats, sondern die die, welche den Frieden Westeuropas durch das Problem der asiatischen Türkei bedrohen. feiner Gegner. Gerade in unablässigem Stampfe gegen diese Kräfte wechselt und entwickelt Denn der Zusammenbruch der Türkei in Europa wird auch in Vorderasien nicht ohne Rück­sich die Straft des Proletariats, bis schließlich seine Straft die andere überwiegt und für die wirkung bleiben. Auch dort sind die stärksten nationalen und sozialen Gegensätze vorhanden, Gestaltung des geschichtlichen Geschehens die bestimmende wird. Daß wir ein Ereignis ats bilden die Türken eine Minorität, deren Herrschaft von je schwer ertragen worden ist. Da Notwendigkeit des Kapitalismus erkennen, entbindet uns nicht von dessen Bekämpfung. Denn find die Armenier, deren Stammesgenossen zum Teil bereits unter russischer Herrschaft stehen. wir haben das proletarische Interesse nicht erst für die Zukunft zu vertreten, sondern wir Die armenischen Bauern leiden sehr unter der Bedrückung der türkischen Willkürherrschaft, die erkämpfen diese Zukunft durch unseren Stampf in der Gegenwart und in jedem Einzelfall. fie mit ihren Steuererpreffungen drangfaliert und doch nicht start genug und oft auch nicht Gerade indem wir den kapitalistischen Forderungen und Interessen die proletarischen rüd- willens ist, sie vor den blutigen Ueberfällen der wilden Kurdenstämme zu schützen. Russischer sichtslos gegenüberstellen, unbekümmert um den momentanen Erfolg, lenken wir die Diagonale Einfluß wühlt schon lange unter ihnen und schon während der mazedonischen und albanischen des sozialen Kräfteprogramms, die die Richtung der Geschichte weist, zugunsten proletarischer Stämpfe ftand Armenien vor dem Aufstand. Wird jetzt der Zarismus das türkische Armenien Interessen jeweils so weit ab, als die Stärke des Proletariats es möglich macht, und stärken nicht als reife Frucht ansehen und seine Befreierrolle" an den Armeniern erproben? Und uns für fünftige Stämpfe. Nur in diesen und durch diese Kämpfe können wir das Bewußtsein noch gefährlicher für die türkische Herrschaft sind die Araber, die alten Gegner, deren die des Proletariats für seine geschichtliche Aufgabe erwecken.

Großes steht für die kapitalistischen Mächte auf dem Spiel und mit feindseligem Mig­trauen stehen die Herrschenden einander gegenüber. Der Ring, dessen Anfangsglieder die Annerion Bosniens , die Eroberung von Marokko und Tripolis , der Balkankrieg bilden, ist noch lange nicht geschlossen. Die Kriegsgefahr, die einst im fernsten Osten und Westen begonnen hat, ist immer näher gerückt, seit Jahren erneuert sie sich für uns in stets steigender Schärfe. und nur eine Kraft gibt es, die den Frieden unbedingt will, die Kraft des international geeinten, zu gemeinsamem Stampf zusammengeschlossenen Proletariats.

Türkei nie ganz Herr geworden sind, die das türkische Stalifat stets als freche Usurpation ihres eigenen Rechts betrachtet haben. Ist nicht jetzt ihre Zeit endlich gekommen? Ein Aufstand Nichts leichter gerade für uns Deutsche , denen das unvollständige Stück nationaler Gin- der Araber aber, welche Gelegenheit für den englischen Imperialismus, sein letztes großes heit, das wir besitzen, auch erst in den großen Kriegen gegen Desterreich und Frankreich ge- Biel zu verwirklichen, den Landweg von Aegypten bis Indien englischem Einfluß zu sichern, worden ist, als den nationalen Einigungskampf der Balfanstaaten zu begreifen, den historischen das Kalifat für seinen Vasallen, den ägyptischen Khedive zu erlangen und damit für seine Fortschritt zu erkennen, der sich auf den Schlachtfeldern von Kirkkilisse, Lüle Burgas und Herrschaft über die 100 Millionen britischer mohammedanischer Untertanen die stärkste Rumanowo vollzogen hat. Den historischen Fortschritt, der die Befreiung von der türkischen moralische Stüße zu gewinnen! Frankreich und Deutschland aber haben Hunderte von Feudal- und Militärherrschaft bedeutet, die zugleich den slawischen Nationen als Abwerfung des Millionen im asiatischen Gebiet angelegt. Werden sie ruhig zusehen, wenn innere Stämpfe Joches nationaler Fremdherrschaft erscheinen mußte, den wollten auch und in erster Reihe gerade und äußere Angriffe den Bestand der asiatischen Türkei bedrohen? unsere Genossen. Aber der kapitalistisch- dynastischen Losung des Krieges gegen die Türkei setzten sie die sozialistisch- revolutionäre der vereinigten Balkanrepublik entgegen. Und wie sich das Auftreten Bebels und Liebknechts in der Folge als segensreich erwiesen hat, wie es verhindert hat, daß das chauvinistische Gift die Gehirne der Arbeiter Deutschlands und Frank­ reichs vergiftet, wie es den schweren Kampf unserer Genossen jenseits des Rheins gegen den Nationalismus erleichtert und so in der brüderlichen Solidarität der Arbeiter beider Länder den wichtigsten Friedensfaktor vorbereitet hat, ebenso wird die Haltung der Sozialdemokratie des Baltans in der sich anbahnenden Neugestaltung aller Verhältnisse von größter Bedeutung Diese Kraft zu demonstrieren, das ist die Aufgabe der Tagung von Basel . An sich ein sein. Denn die ungeheueren Schwierigkeiten, die bei der Mischung der Nationalitäten und imponierendes Schauspiel, dieses Weltparlament der Arbeit, das gemeinsam in brüderlicher Ronfessionen, bei der verschiedenen Entwickelungsstufe der sozialen Verhältnisse der Lösung Solidarität berät zu einer Zeit, wo die Herrscher der kapitalistischen Staaten Europa in durch den Balkanbund harren, sie können nur überwunden werden durch eine Demokratie waffenstarrende Heerlager zerteilt haben, wird gerade jetzt die gewaltige Manifestation des und Selbstverwaltung, die den einzelnen Nationalitäten ihr Recht auf Selbstbestimmung gibt Willens zum Frieden aller Völker nicht unbeachtet bleiben können. Denn wenn der Balkan­und den Boden ebnet für die Austragung der sozialen Kämpfe. Und die Losung der freien frieg eines gelehrt hat, so dies: In einem modernen Krieg hängt fast alles von der Be­und geeinten Balkanrepublik, die unsere Genossen vor der Katastrophe aufgestellt, die sie mit solchem Mute, während die Katastrophe hereinbrach, verteidigt haben, sie wird ihre volle Bedeutung erst nach der Katastrophe erlangen, und der Beweis wird erbracht werden, daß durch sie unsere Genoffen zu Trägern des nationalen wie des sozialen Fortschritts auf dem Balkan werden. Deshalb hat auch die Haltung unserer Genossen mit Recht die begeisterte Zustimmung und den Dank der Internationale gefunden.

Aber der Balkankrieg ist nicht nur eine Frage der Balkanvölker, leider nicht. Er be­deutet die Niederwerfung der Türkei , er ist zugleich wie jeder Krieg auch für den Sieger eine Schwächung. Und im Zeitalter der imperialistischen Gegensäge ist jeder Punkt einer ver­minderten Widerstandskraft zugleich ein möglicher Angriffspunkt für die großen kapitalistischen Staaten.

geisterung, von dem Kampfeswillen des einfachen Soldaten ab. Dhne die innerliche Zu­stimmung der Massen, ohne ihre Aufopferungsfreudigkeit ist die moderne Schlacht verloren. Deshalb haben die Balkanvölker gesicgt, weil sie glaubten, für die Freiheit zu kämpfen. Deshalb wurde die Türkei geschlagen, weil der arme, ausgebeutete anatolische Bauer nicht wußte, wofür er kämpfte, weil er für die Erhaltung türkischer Zustände nicht das Leben ein­setzen konnte. Wir Proletarier aller Länder aber wollen keinen Krieg um kapitalistischer Zwecke willen, keinen Krieg, der uns nicht die Freiheit brächte, sondern nur ungeheure Opfer und ungeheure Lasten, der ein fürchterliches Verhängnis wäre, eine gräßliche Unterbrechung unserer Kulturarbeit und unseres Befreiungskampfes.

Diese Ueberzeugung der Arbeiterklasse aller Länder wird die Tagung in Basel klar zum Ausdruck bringen. Eine Mahnung für die Herrschenden, die von den Trägern der Bajonette Der europäische Kapitalismus hat nicht nur die Revolution in der Türkei , in Persien fommt, von denen, die in den Schlachten sterben sollen. Aber nicht zum Sterben Bereite und China erzeugt, er ist auch die Ursache, daß diese Revolutionen ihr Werk der Neuordnung grüßen Herrscher, die sie in den Tod schicken; sondern Lebensfreudige, die leben wollen für und Neugestaltung nicht vollenden können, daß die revolutionären Staaten zu Krisenherden ihren Kampf, für ihre Ziele, erheben Einspruch, daß über dieses Leben verfügen sollen werden, die revolutionären Wirren zu Gelegenheiten für Angriffstriege und Eroberungszüge. die, denen es nicht gehört. Wir wollen leben und wollen kämpfen! Aber leben und kämpfen Deshalb hat das Internationale Bureau die internationale Aftion gegen den Strieg eingeleitet. unser eigenes Leben, unseren eigenen Stampf! Der Internationale Kongreß wird warnen und wir hoffen, daß diese Warnung nicht Und was die bedeutungsvollen internationalen Massenversammlungen begonnen, foll als die stärkste und wirkungsvollste Manifestation des Friedenswillens der Welt der Zusammentritt überhört werden, daß diese Friedensarbeit vom Erfolg gekrönt sein wird. In diesem Sinne grüßen wir im Namen des Proletariats Deutschlands das Weltparlament der Arbeit! eines außerordentlichen Kongresses der sozialistischen Parteien vollenden.